Adolf Wolfert

Adolf Wolfert (* 12. Juni 1901 in Dirmstein; â 11. Oktober 1946 in Hameln) war im Deutschen Reich wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus ein FunktionĂ€r der NSDAP. Er wurde dadurch bekannt, dass er im Februar 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gemeinsam mit einem zweiten TĂ€ter Cyril William Sibley ermordete,[1] einen ĂŒber Dirmstein (heute Rheinland-Pfalz) abgeschossenen Angehörigen der Royal Air Force. 1946 wurden Wolfert und sein MittĂ€ter wegen Mordes verurteilt und durch den Strang hingerichtet.[2]
WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs gab es â teilweise gefördert durch entsprechende Befehle â hunderte solcher Fliegermorde; ĂŒber 150 Deutsche wurden dafĂŒr nach dem Krieg verurteilt und hingerichtet.
Seit dem 27. MĂ€rz 2009 liegt in der Ortsmitte von Dirmstein neben dem Alten Rathaus fĂŒr das Mordopfer ein Stolperstein (â). Die gleichzeitig veröffentlichte Dokumentation nennt die Namen der Dirmsteiner Opfer des Nationalsozialismus und â soweit bekannt â die Namen der TĂ€ter.[3]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wolfert war in seiner pfĂ€lzischen Heimatgemeinde Dirmstein ursprĂŒnglich als FeldschĂŒtz beschĂ€ftigt und hatte vor allem die Weinberge zu ĂŒberwachen. ZunĂ€chst versah er die Stelle als Aushilfe, im August 1934 wurde er ins BeamtenverhĂ€ltnis ĂŒbernommen, ab 1938 war er Beamter auf Lebenszeit.
In die NSDAP trat er am 1. September 1930 ein und machte dort Karriere. Im Mai 1932 wurde er SA-SturmfĂŒhrer, 1943 Ortsgruppenleiter der NSDAP. 1934/35 gehörte er vorĂŒbergehend dem Dirmsteiner Gemeinderat an.
Mord an Cyril William Sibley
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Bei Sibleys ErschieĂung â wenige Stunden nach seiner Gefangennahme â am 21. Februar 1945 hinter dem Bahnhof Dirmstein waren Wolfert und zwei weitere MĂ€nner zugegen.
Prozess
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 1946 wurden Wolfert und die beiden anderen MĂ€nner in Bad Lippspringe (Britische Besatzungszone) vor ein britisches MilitĂ€rgericht gestellt und des Mordes angeklagt. Wolfert berief sich auf Befehlsnotstand; sein Vorgesetzter, der Frankenthaler NSDAP-Kreisleiter Hieronymus Merkle (1887â1970), habe schon frĂŒher die Anweisung erlassen, in seinem ZustĂ€ndigkeitsbereich abgeschossene feindliche Flugzeugbesatzungen nicht zu Kriegsgefangenen zu machen. MittĂ€ter Georg Hartleb (1893â1946) bestritt die Existenz einer derartigen Anweisung; auĂerdem gab er an, Wolfert habe einen Tötungsplan gehabt, in den er, Hartleb, eingeweiht gewesen sei. Der dritte Angeklagte, Heinrich KreĂ, machte geltend, wegen seiner Schwerhörigkeit sei er völlig ahnungslos gewesen.[2]
Die auf Englisch protokollierte[4] Aussage Wolferts vor Gericht lautet in deutscher RĂŒckĂŒbersetzung:
âWir fĂŒhrten den Flieger hinter das BahnhofsgebĂ€ude (â). Er sagte nichts, und auch wir redeten nicht mit ihm. Hartleb packte ihn mit der linken Hand, drehte ihn um und hielt ihm den Revolver dicht vors Gesicht. Da nahm ich meinen Revolver und schoss aus etwa zwei Metern auf den Flieger, einmal in den Kopf und einmal in die Brust. Der Flieger fiel zu Boden, und Hartleb feuerte noch einen Schuss ab, als er schon umgefallen war.â
Urteil und Hinrichtung
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Wolfert und Hartleb wurden, weil sie beide auf Sibley geschossen hatten, als Mörder eingestuft und am 17. Mai 1946 zum Tod verurteilt. Nach BestĂ€tigung des Urteils durch das Oberste Armeegericht in London wurden sie fĂŒnf Monate spĂ€ter, am 11. Oktober 1946, im GefĂ€ngnis von Hameln hingerichtet und anschlieĂend anonym bestattet.[5]
KreĂ war, obwohl er keinen Schuss abgegeben hatte, in erster Instanz zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Im Berufungsverfahren wurde er jedoch freigesprochen und im September 1946 aus der Haft entlassen.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Walter Göbel: Der britische MilitĂ€rgerichtsprozeĂ in Bad Lippspringe. In: SchlĂ€nger Bote. Schlangen (Nr. 211, S. 18 f.; Nr. 212, S. 17 f., beide 1998; Nr. 213, S. 3â5, 1999).
- Marie-Christine Werner, Johannes Weià (Red.): Stolpersteine: Cyril William Sibley, Dirmstein (= SWR2-Manuskriptdienst). Mainz 24. MÀrz 2014 (swr.de [PDF; 142 kB]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lynchmorde an alliierten Fliegern ( vom 28. Mai 2007 im Internet Archive) (Fall Sibley ĂŒber Stichwort Dirmstein suchen)
- SWR2 Mediathek: SWR2 Stolpersteine â Cyril William Sibley, Dirmstein, Sendung vom 26. MĂ€rz 2014, 12:18 Uhr
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Marie-Christine Werner: Der englische Flieger. Der Mord an Cyril William Sibley. Mainz 2001 (Typoskript der Sendung des SĂŒdwestrundfunks vom 10. Februar 2001, 21 bis 22 Uhr).
- 1 2 3 Hannes Ziegler: Dirmstein im Nationalsozialismus. In: Michael Martin (Hrsg.): Dirmstein â Adel, Bauern und BĂŒrger. Chronik der Gemeinde Dirmstein. Kapitel Dirmstein im Zweiten Weltkrieg. Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfĂ€lzischen Geschichtsforschung, Neustadt an der WeinstraĂe 2005, ISBN 3-9808304-6-2, S. 197 ff., 206 f.
- â Gemeinde Dirmstein (Hrsg.), Albert H. Keil (Red.): âDirmstein erinnert sichâ. 2009, S. 3 f., 13 f., abgerufen am 8. Oktober 2013.
- â Archive Report: Allied Forces. aircrewremembered.com, abgerufen am 28. November 2018 (englisch).
- â Peter Krone: Historische Dokumentation âHingerichtetengrĂ€berâ auf dem Friedhof Wehl in Hameln. Hameln 1987, S. 69.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolfert, Adolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher FunktionÀr der NSDAP, wegen NS-Kriegsverbrechen hingerichtet |
| GEBURTSDATUM | 12. Juni 1901 |
| GEBURTSORT | Dirmstein, Deutschland |
| STERBEDATUM | 11. Oktober 1946 |
| STERBEORT | Hameln, Deutschland |