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Adolf Wolfert

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Stolperstein von 2009 fĂŒr das Mordopfer

Adolf Wolfert (* 12. Juni 1901 in Dirmstein; † 11. Oktober 1946 in Hameln) war im Deutschen Reich wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus ein FunktionĂ€r der NSDAP. Er wurde dadurch bekannt, dass er im Februar 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gemeinsam mit einem zweiten TĂ€ter Cyril William Sibley ermordete,[1] einen ĂŒber Dirmstein (heute Rheinland-Pfalz) abgeschossenen Angehörigen der Royal Air Force. 1946 wurden Wolfert und sein MittĂ€ter wegen Mordes verurteilt und durch den Strang hingerichtet.[2]

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs gab es – teilweise gefördert durch entsprechende Befehle – hunderte solcher Fliegermorde; ĂŒber 150 Deutsche wurden dafĂŒr nach dem Krieg verurteilt und hingerichtet.

Seit dem 27. MĂ€rz 2009 liegt in der Ortsmitte von Dirmstein neben dem Alten Rathaus fĂŒr das Mordopfer ein Stolperstein (⊙). Die gleichzeitig veröffentlichte Dokumentation nennt die Namen der Dirmsteiner Opfer des Nationalsozialismus und – soweit bekannt – die Namen der TĂ€ter.[3]

Wolfert war in seiner pfĂ€lzischen Heimatgemeinde Dirmstein ursprĂŒnglich als FeldschĂŒtz beschĂ€ftigt und hatte vor allem die Weinberge zu ĂŒberwachen. ZunĂ€chst versah er die Stelle als Aushilfe, im August 1934 wurde er ins BeamtenverhĂ€ltnis ĂŒbernommen, ab 1938 war er Beamter auf Lebenszeit.

In die NSDAP trat er am 1. September 1930 ein und machte dort Karriere. Im Mai 1932 wurde er SA-SturmfĂŒhrer, 1943 Ortsgruppenleiter der NSDAP. 1934/35 gehörte er vorĂŒbergehend dem Dirmsteiner Gemeinderat an.

Mord an Cyril William Sibley

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Bahnhof Dirmstein

Bei Sibleys Erschießung – wenige Stunden nach seiner Gefangennahme – am 21. Februar 1945 hinter dem Bahnhof Dirmstein waren Wolfert und zwei weitere MĂ€nner zugegen.

Im Mai 1946 wurden Wolfert und die beiden anderen MĂ€nner in Bad Lippspringe (Britische Besatzungszone) vor ein britisches MilitĂ€rgericht gestellt und des Mordes angeklagt. Wolfert berief sich auf Befehlsnotstand; sein Vorgesetzter, der Frankenthaler NSDAP-Kreisleiter Hieronymus Merkle (1887–1970), habe schon frĂŒher die Anweisung erlassen, in seinem ZustĂ€ndigkeitsbereich abgeschossene feindliche Flugzeugbesatzungen nicht zu Kriegsgefangenen zu machen. MittĂ€ter Georg Hartleb (1893–1946) bestritt die Existenz einer derartigen Anweisung; außerdem gab er an, Wolfert habe einen Tötungsplan gehabt, in den er, Hartleb, eingeweiht gewesen sei. Der dritte Angeklagte, Heinrich Kreß, machte geltend, wegen seiner Schwerhörigkeit sei er völlig ahnungslos gewesen.[2]

Die auf Englisch protokollierte[4] Aussage Wolferts vor Gericht lautet in deutscher RĂŒckĂŒbersetzung:

„Wir fĂŒhrten den Flieger hinter das BahnhofsgebĂ€ude (⊙). Er sagte nichts, und auch wir redeten nicht mit ihm. Hartleb packte ihn mit der linken Hand, drehte ihn um und hielt ihm den Revolver dicht vors Gesicht. Da nahm ich meinen Revolver und schoss aus etwa zwei Metern auf den Flieger, einmal in den Kopf und einmal in die Brust. Der Flieger fiel zu Boden, und Hartleb feuerte noch einen Schuss ab, als er schon umgefallen war.“

Urteil und Hinrichtung

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GefÀngnis Hameln

Wolfert und Hartleb wurden, weil sie beide auf Sibley geschossen hatten, als Mörder eingestuft und am 17. Mai 1946 zum Tod verurteilt. Nach BestĂ€tigung des Urteils durch das Oberste Armeegericht in London wurden sie fĂŒnf Monate spĂ€ter, am 11. Oktober 1946, im GefĂ€ngnis von Hameln hingerichtet und anschließend anonym bestattet.[5]

Kreß war, obwohl er keinen Schuss abgegeben hatte, in erster Instanz zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Im Berufungsverfahren wurde er jedoch freigesprochen und im September 1946 aus der Haft entlassen.[2]

  • Walter Göbel: Der britische MilitĂ€rgerichtsprozeß in Bad Lippspringe. In: SchlĂ€nger Bote. Schlangen (Nr. 211, S. 18 f.; Nr. 212, S. 17 f., beide 1998; Nr. 213, S. 3–5, 1999).
  • Marie-Christine Werner, Johannes Weiß (Red.): Stolpersteine: Cyril William Sibley, Dirmstein (= SWR2-Manuskriptdienst). Mainz 24. MĂ€rz 2014 (swr.de [PDF; 142 kB]).

Einzelnachweise

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  1. ↑ Marie-Christine Werner: Der englische Flieger. Der Mord an Cyril William Sibley. Mainz 2001 (Typoskript der Sendung des SĂŒdwestrundfunks vom 10. Februar 2001, 21 bis 22 Uhr).
  2. 1 2 3 Hannes Ziegler: Dirmstein im Nationalsozialismus. In: Michael Martin (Hrsg.): Dirmstein – Adel, Bauern und BĂŒrger. Chronik der Gemeinde Dirmstein. Kapitel Dirmstein im Zweiten Weltkrieg. Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfĂ€lzischen Geschichtsforschung, Neustadt an der Weinstraße 2005, ISBN 3-9808304-6-2, S. 197 ff., 206 f.
  3. ↑ Gemeinde Dirmstein (Hrsg.), Albert H. Keil (Red.): „Dirmstein erinnert sich“. 2009, S. 3 f., 13 f., abgerufen am 8. Oktober 2013.
  4. ↑ Archive Report: Allied Forces. aircrewremembered.com, abgerufen am 28. November 2018 (englisch).
  5. ↑ Peter Krone: Historische Dokumentation „HingerichtetengrĂ€ber“ auf dem Friedhof Wehl in Hameln. Hameln 1987, S. 69.