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Alexander Kissler

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Alexander Kissler (2012)

Alexander Kissler (* 3. Dezember 1969 in Speyer) ist ein deutscher Journalist, Autor und ehemaliger Theaterregisseur. Seit Oktober 2024 ist er fĂŒr das Onlinemedium Nius tĂ€tig.

Alexander Kissler studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Medienwissenschaft in Gießen und Marburg. Dort wurde er 2002 mit einer Arbeit ĂŒber den Schriftsteller und Lyriker Rudolf Borchardt promoviert. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zwischen 1986 und 2000 war er auch als Schauspielregisseur tĂ€tig, inszenierte u. a. mit einer eigenen Theatergruppe Don Karlos, Leonce und Lena, Torquato Tasso und Amphitryon. Am Deutschen Theater Göttingen inszenierte er im Jahr 2000 das StĂŒck Auf dem Weg zur Hochzeit von Armin Petras und John Berger.

Von 1999 bis 2001 war Kissler Mitarbeiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er vor allem auf der Medienseite publizierte. 2001 wurde er Redakteur im Feuilleton der SĂŒddeutschen Zeitung, 2010 dann beim Magazin Focus. Dort war er bis April 2012 im Debattenressort tĂ€tig. Er schrieb u. a. fĂŒr die politischen Magazine Cicero und eigentĂŒmlich frei sowie fĂŒr die Beilage Christ und Welt der Zeit. RegelmĂ€ĂŸige Kolumnen hat oder hatte er im Vatican Magazin (Dr. Schlauberger antwortet), im Debattenmagazin The European (Kisslers Kontrastmittel)[1] und bei Focus Online (Kisslers Konter).[2] Ab Januar 2013 leitete Kissler den Salon, das Kulturressort des Cicero.[3] Von 2020 bis 2024 gehörte er der Berliner Redaktion der Neuen ZĂŒrcher Zeitung (NZZ) an.[4][5] Im Oktober 2024 wechselte er zum Portal Nius.[6][7]

Kissler hĂ€lt VortrĂ€ge ĂŒber Medienrezeption und Medienethik, etwa bei den Augsburger MediengesprĂ€chen 2010[8] und dem Medienforum NRW 2011.[9] Das vom Deutschlandfunk ausgestrahlte Neuhardenberger GesprĂ€ch zur Lage des deutschen Fernsehens erschien im Juli 2010 als BroschĂŒre unter dem Titel Nebel in den Niederungen.

Alexander Kissler ist Stellvertretender Vorsitzender der gemeinnĂŒtzigen Rudolf-Borchardt-Gesellschaft,[10] die sich zum Ziel gesetzt hat, das Interesse am Werk dieses Dichters und Schriftstellers lebendig zu halten.

Im MĂ€rz 2014 befĂŒrwortete Kissler die Dresdner Rede von Sibylle Lewitscharoff; sie habe sich berechtigt gegen das Moralregiment der Fruchtbarkeitsindustrie gewandt.[11]

Das Buch Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer von Akif Pirinçci bezeichnete Kissler zwar auch als „obszön, vulgĂ€r“, sah darin aber ein „Sprachrohr der Frust- und Normaldeutschen, die sich marginalisiert, dĂŒpiert, ausgeplĂŒndert sehen“. „Debattentauglich ist ‚Deutschland von Sinnen’ [
] nicht immer. [
] WĂ€re nicht etwas faul im Staate Deutschland, fĂ€nde Pirinçci keinen derart großen Widerhall.“[12]

BezĂŒglich der Berichterstattung ĂŒber den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schrieb Kissler 2013 von einer „Hatz auf Tebartz“ und sah darin eine „konzertierte Aktion der innerkirchlichen und der antikirchlichen Kritiker, dies- und jenseits der Medien“.[13] Kissler zufolge taugen die aus dem Ruder gelaufenen Baukosten eines diözesanen Zentrums lediglich als „Provinzposse“.[14]

Als der damalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch anlĂ€sslich der Bundestagswahl 2013 die AfD kritisiert hatte, sah Kissler das Bischofsmandat in dieser Äußerung ĂŒberschritten. Kissler kritisierte, das Bistum Freiburg gefalle sich als „Klimaschutz- und Kita-Kirche“ und habe eine „BlutgrĂ€tsche gegen die bĂŒrgerliche Konkurrenz“ ausgefĂŒhrt.[15] Kissler plĂ€dierte dafĂŒr, der AfD mit Gelassenheit zu begegnen und ihr eine Chance zu geben. In der Vergangenheit habe man „zu schnell einen zu breiten Keil herausgeholt und damit alles vom Diskursacker geprĂŒgelt, was nicht bei fĂŒnf auf dem Baum der rechten Gesinnung war“.[16]

In seinem im MĂ€rz 2013 veröffentlichten Buch Papst im Widerspruch. Benedikt XVI. und seine Kirche 2005–2013 kennzeichnet Kissler den zurĂŒckgetretenen Papst als einen introvertierten „Mystiker aus Einsicht“ und radikalen Nonkonformisten.[17] Er bezeichnete Papst Franziskus als „korpulenten Charmeur“, der zunehmend als „machtbewusster, geschwĂ€tziger und am Katholischen relativ desinteressierter Relativierer“ erscheine und „sich schwertut mit einem Bekenntnis zur Heilsnotwendigkeit Christi“, weshalb er nach Kisslers Erwartung „eine spirituell ausgezehrte und verunsicherte Kirche“ hinterlassen werde.[18]

  • „Wo bin ich denn behaust?“ Rudolf Borchardt und die Erfindung des Ichs. Wallstein-Verlag, Göttingen 2003, ISBN 3-89244-631-8 (Zugleich: Marburg, UniversitĂ€t, Dissertation, 2002).
  • Der deutsche Papst. Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2005, ISBN 3-451-28867-2.
  • Der geklonte Mensch. Das Spiel mit Technik, TrĂ€umen und Geld. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2006, ISBN 3-451-29261-0.
  • Schimpansenzeit. Kommt die Zukunft ohne Menschen aus? (= Herrenalber Forum. Bd. 48 = BeitrĂ€ge zur Verleihung des Bad Herrenalber Akademiepreises. 2005). Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe 2006, ISBN 3-89674-549-2.
  • mit Carsten S. Leimbach: Alles ĂŒber Patrick SĂŒskinds Das Parfum. Der Film. Das Buch. Der Autor. Heyne, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-453-81089-9.
  • Der aufgeklĂ€rte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam. Pattloch Verlag, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-629-02188-5.
  • Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2009, ISBN 978-3-579-06886-2.
  • als Herausgeber: Der Jahrhundertpapst. Seliger Johannes Paul II. Pattloch, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-629-02304-9.
  • Papst im Widerspruch. Benedikt XVI. und seine Kirche 2005–2013. Pattloch, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-629-02215-8.
  • Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2015, ISBN 978-3-579-07098-8.
  • Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2019, ISBN 978-3-579-01474-6.
  • Die infantile Gesellschaft. Wege aus der selbstverschuldeten Unreife. HarperCollins, Hamburg 2020, ISBN 978-3-7499-0014-5.

Redaktion und Vorwort:

Einzelnachweise

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  1. ↑ Kisslers Kontrastmittel (Memento vom 5. Mai 2012 im Internet Archive), Kolumne The European
  2. ↑ Kisslers Konter
  3. ↑ Neuer Ressortleiter „Salon“ Cicero
  4. ↑ Alexander Kissler geht zur Berliner Redaktion der NZZ. In: MEEDIA. 28. Mai 2020, abgerufen am 30. Mai 2020 (deutsch).
  5. ↑ Alexander Kissler verstĂ€rkt das Redaktionsteam der «Neuen ZĂŒrcher Zeitung» in Berlin, unternehmen.nzz.ch, 28. Mai 2020
  6. ↑ Hans Bartl: Reichelt holt zwei Journalisten von Bild und NZZ zu Nius – einer wird Mitglied der Chefredaktion. Nius-Chefredakteur Julian Reichelt meldet auf X die NeuzugĂ€nge Tim Thorer und Alexander Kissler. Was sie bei dem News-Portal machen sollen. In: kress.de. 4. Oktober 2024, abgerufen am 10. Oktober 2024.
  7. ↑ Nius: Ex-Bild-Mann Tim Thorer wird Mitglied der Chefredaktion, Alexander Kissler kommt von der NZZ. In: medieninsider.de. 2. Oktober 2024, abgerufen am 10. Oktober 2024: „Der Journalist Alexander Kissler hat das Berliner BĂŒro der Neuen ZĂŒrcher Zeitung verlassen. Ab sofort ist er fĂŒr Julian Reichelts Nius tĂ€tig, wie das Portal auf seinen Social-Media-KanĂ€len mitteilte.“
  8. ↑ Augsburger MediengesprĂ€chen 2010. (Memento vom 20. September 2011 im Internet Archive)
  9. ↑ Medienforum NRW 2011. (Memento vom 6. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
  10. ↑ Rudolf-Borchardt-Gesellschaft
  11. ↑ Dresdner Rede zur Biopolitik Lewitscharoff trifft den wunden Punkt Von Alexander Kissler 7. MĂ€rz 2014
  12. ↑ Alexander Kissler, Mit der Axt in Muttis Schrebergarten, Cicero, 25. MĂ€rz 2014. Abgerufen am 26. September 2023.
  13. ↑ Liane Bednarz, Christoph Giesa: GefĂ€hrliche BĂŒrger. Die Neue Rechte greift nach der Mitte. MĂŒnchen, Hanser 2015, S. 129 f.
  14. ↑ Alexander Kissler: Wem nutzt die Hatz auf Tebartz?. Cicero vom 14. Oktober 2013. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  15. ↑ Alexander Kissler: Robert Zollitsch warnt vor der AfD. Cicero vom 13. August 2013. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  16. ↑ Alexander Kissler im GesprĂ€ch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow: Jeder soll eine Chance bekommen. Deutschlandfunk Kultur vom 25. September 2017. Abgerufen am 20. Juli 2018.
  17. ↑ Spiegel.de
  18. ↑ Ein relativ katholischer Papst, Cicero vom 19. Mai 2016 (am gleichen Tage abgerufen).
Commons: Alexander Kissler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien