All Blues
| All Blues | |
|---|---|
| Miles Davis Sextet | |
| Veröffentlichung | 17. August 1959 |
| LĂ€nge | 11:33 |
| Genre(s) | Modaler Jazz |
| Musik | Miles Davis |
| Produktion | Teo Macero |
| Label | Columbia |
| Album | Kind of Blue |
All Blues ist eine Jazzkomposition von Miles Davis aus dem Jahr 1959, die sich zum Jazzstandard entwickelt hat. Die erste Fassung wurde auf dem Album Kind of Blue veröffentlicht.[1]
Die Komposition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]All Blues basiert auf einem 12-taktigen Bluesschema. Dennoch ist die Komposition kein klassischer Blues, da die Melodie, der 6/8-Takt sowie die RĂŒckung im zehnten Takt völlig untypisch fĂŒr den Blues sind. Die Melodie besteht weitgehend aus zwei einprĂ€gsamen Motiven: einerseits einer aufsteigenden Sexte d-h, andererseits einer Bogenfigur in den Takten 5 und 6 (a-b-c-d-c-b-a).[2] Als sogenannter Jazzblues spiegelt das Lied die Beeinflussung des Jazz durch den Blues wider. Es handelt sich um ein Beispiel fĂŒr modalen Jazz. Seine Form und Harmonien sind an den Blues und die spezielle Chorus-Struktur von 12 Takten angelehnt, die wiederholt wird. Davis experimentierte etwa ein halbes Jahr mit der Komposition, indem er sie alleine immer wieder auf dem Klavier interpretierte, und fragte auch Gil Evans um Rat. âAuf dem Weg zum Studio erst beschloss er plötzlich, das StĂŒck nicht im geraden Takt, sondern als Walzer zu spielen. Die Parts der Instrumente legte er schichtartig ĂŒbereinander: den 3/4- oder 6/8-Takt im Schlagzeug, die Pulsfigur im Bass, das Piano-Tremolo und das hypnotisch wiegende 3-Ton-Riff der beiden Saxofone, eine Variation seines ersten modalen Themas âșMilestonesâč.â[2]
Die Komposition war eigentlich rein instrumental, spĂ€ter schrieb Oscar Brown Jr. einen Text fĂŒr das StĂŒck,[3] der von Kevin Mahogany, Dee Dee Bridgewater (auf ihrem Album Live In Paris, 1987)[4] und Ernestine Anderson gesungen wurde.[5]
Weitere Aufnahmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Davis nahm die Komposition noch weitere Male auf, 1964 mit dem Saxophonisten George Coleman, dem Pianisten Herbie Hancock, dem Bassisten Ron Carter und dem Schlagzeuger Tony Williams auf dem Album Four and More. In den Konzerten der 1960er Jahre spielte Davis das StĂŒck immer freier und entfernte sich von der ursprĂŒnglichen Bluesstiftung. In seiner Aufnahme aus dem Plugged Nickel (1965) wird der Song wesentlich schneller als in der Ursprungsversion gespielt; auch springt das Metrum stĂ€ndig zwischen 6/8 und 4/4, was fĂŒr eine âhitzige Steigerungâ sorgt.[2]
Zahlreiche Trompeter folgten Davis und nahmen das StĂŒck auf. Freddie Hubbard und Oscar Peterson veröffentlichten eine Fassung auf ihrem Album von 1982 Face To Face. Chet Baker interpretierte den Song mit Rachel Gould 1979 in London. Im Jahr 1992 nahm Kenny Drew das Lied fĂŒr das Album At the Brewhouse auf.[6] Ungewöhnliche Bearbeitungen legten das World Saxophone Quartet und das Ethnic Heritage Ensemble vor.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thomas Ward schrieb bei allmusic: ââAll Bluesâ war wie eine Heftklammer um einen GroĂteil von Davisâ Karriere, und es ist leicht einzusehen, warum â die Melodie baut auf der melodischen Brillanz von Davisâ Trompete, der auch Coltranes Solo nicht die Schau stehlen konnte. âAll Bluesâ ist auch ein Beweis fĂŒr Jimmy Cobbs leichtes, flĂŒssiges Schlagzeugspiel, ein eher heimlicher Held der Kind of Blue Sessions, aber ein höchst wichtiges Mitglied der Gruppe.â[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans-JĂŒrgen Schaal (Hrsg.): Jazz-Standards. Das Lexikon. 3., revidierte Auflage. BĂ€renreiter, Kassel u. a. 2004, ISBN 3-7618-1414-3.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Review von All Blues bei allmusic
- Miles Davis Sextet: All Blues auf YouTube
- Miles Davis Quintet: All Blues (Live at Philharmonic Hall, New York, Februar 1964) auf YouTube
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Die Erstaufnahme erfolgte im Columbia Records 30th Street Studio in New York City am 22. April 1959 mit Cannonball Adderley, John Coltrane, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb.
- 1 2 3 H.-J. Schaal, Jazz-Standards, S. 26f.
- â Oscar Brown Jr. Biografie bei All About Jazz ( vom 16. Oktober 2011 im Internet Archive)
- â Review des Albums Live in Paris bei allmusic
- â Schaal zufolge existieren noch zwei weitere Texte zum StĂŒck.
- â Review des Albums At the Brewhouse bei allmusic
- â Review des Lieds von Thomas Ward