Arianrhod
Arianrhod [], Ă€ltere Namensversion Aranrod, ist eine Figur in der keltischen Mythologie von Wales. Sie ist eine Tochter der Don und Mutter des Llew Llaw Gyffes sowie des Dylan Eil Ton. Ihre BrĂŒder oder Vettern sind Gilfaethwy und Gwydyon. Es wird vermutet, dass sie auf eine alte keltische Gottheit zurĂŒckzufĂŒhren ist. Ihr Spinnrad (oder auch ihr Schloss) soll Caer Arianrhod, die Nördliche Krone sein. Caer Arianrhod wird aber auch in Arfon lokalisiert, und zwar als der Felsen Trega'r Anthrag gegenĂŒber Dinas Dinlleu, einer eisenzeitlichen HĂŒgelburg einige Kilometer sĂŒdlich von Caernarfon.[1]
Mythologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem vierten Zweig des Mabinogi, Math fab Mathonwy (âMath, der Sohn Mathonwysâ)[2], lebt Arianrhod am Hofe ihres Onkels Math, des Königs von Gwynedd. Dessen FĂŒĂe mussten stets im SchoĂ einer Jungfrau ruhen, auĂer er zog in den Krieg. Als nun Goewin, die Jungfrau, die ihm gewöhnlich diesen Dienst erwies, durch einen Trick von Maths Neffen Gwydion durch Gilfaethwy vergewaltigt wird, soll Arianrhod deren Platz einnehmen.
- Das MĂ€dchen kam herein. âMĂ€dchenâ, sprach er [Math], âbist du eine Jungfrau?â âIch wĂŒĂte nicht, dass ich keine wĂ€re.â Da nahm er die Zauberrute und bog sie. âTu einen Schritt darĂŒberâ, sprach er, âund wenn du eine Jungfrau bist, werde ich es erkennen.â[3]
Arianrhod befolgt den Befehl, aber im selben Moment gebiert sie Dylan und Llew und flĂŒchtet augenblicklich, ihre Kinder zurĂŒcklassend.
Dylan verschwindet im Meer, wĂ€hrend Llew von Gwydion erzogen und ausgebildet wird. Aus Rache ĂŒber ihre Blamage gibt Arianrhod Llew drei gessi (Tabus, Verbote), nĂ€mlich dass nur sie ihm einen Namen und Waffen geben und dass er niemals eine irdische Frau haben dĂŒrfe. Durch List gelingt es Gwydion, ihr einen Namen fĂŒr ihren Sohn herauszulocken und ihm aus ihrer Hand Waffen zu verschaffen. Doch von der dritten geis will sie nicht ablassen.
- âNunâ, sprach der [Gwydion], âdu warst schon immer eine böse Frau, und niemand sollte dich unterstĂŒtzen. Doch soll er gleichwohl eine Frau bekommen.â[4]
Gemeinsam mit Math zaubert er aus BlĂŒtenblĂ€ttern eine Frau fĂŒr Llew, nĂ€mlich Blodeuwedd, so dass Arianrhod auch hier das Nachsehen hat.
Bei einigen mittelalterlichen Dichtern sind Hinweise auf Arianrhod zu finden, die vermuten lassen, sie sei auch in anderen Sagen prÀsent gewesen.[5]
In den Trioedd Ynys Prydein (âTriaden der Insel Britannienâ) wird sie als Tochter von König Beli Mawr genannt.[6]
Etymologische Herkunft und Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Arianrhod wird manchmal als âSilbernes Radâ (Arganto Rota, zu kymrisch arian, âSilberâ und rhod, irisch roth, beides âRadâ) ĂŒbersetzt, obwohl der erste Namensteil von einigen Ăbersetzern als nicht gesichert gesehen wird. Manche Keltologen sehen in ihr eine Mondgottheit, der Mond ist bei den Kelten aber ĂŒblicherweise mĂ€nnlichen Geschlechts, so dass dies eher unwahrscheinlich ist. Auch stellt das Rad stets ein Sonnensymbol dar.[7] Eine sprachliche Verwandtschaft mit inschriftlich bezeugten, spĂ€tantiken keltischen Gottheiten wie Argenta und Rotona ist jedoch nicht völlig von der Hand zu weisen. In der irischen Sage entspricht ihr in der Funktion als Mutter des "Sonnengottes" ungefĂ€hr die Gestalt der Ethniu.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Verlag der Ăsterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
- Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. Die vier Zweige des Mabinogi. dtv, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-423-12628-0.
- Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur (= Kröners Taschenausgabe. Band 466). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5.
- Barbara Donley: Arianrhod: A Welsh Myth Retold. Stone Circle Pr, 1987, ISBN 0-9618699-1-7.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. S. 144, Anm. 83,15, S. 146, Anm. 85,28.
- â Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. S. 72 ff.
- â Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. S. 82.
- â Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. S. 87.
- â Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. S. 24.
- â Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. S. 143, Anm. 82,1.
- â Der Mond ist auf Grund des keltischen Geschlechtsdimorphismus bei Gottheiten mĂ€nnlich im Gegensatz zur Sonne gedacht, siehe irisch lĂșan, Ă©isce (masc.), aber kymrisch lleuad, lloer (fem.); Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 577, 581.