Basishygiene

Mit den MaĂnahmen der Basishygiene (auch Standardhygiene) wird bei der allgemeinen Patientenversorgung einer Ăbertragung von Krankheitserregern und damit nosokomialen Infektionen vorgebeugt. Sie gelten fĂŒr das medizinische und betreuende Personal in KrankenhĂ€usern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo Menschen untersucht, behandelt und gepflegt werden.
Indikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da auch Personen ohne erkennbare Krankheitssymptome mit von Mensch zu Mensch ĂŒbertragbaren Infektionserregern besiedelt oder infiziert sein können, werden bestimmte infektionsprĂ€ventive StandardmaĂnahmen grundsĂ€tzlich bei jedem Patienten angewandt.[1] Die immer einzuhaltenden MaĂnahmen der Basishygiene dienen sowohl dem Schutz anderer Patienten als auch dem Schutz des Personals. Die DurchfĂŒhrung wird im jeweils einrichtungsinternen Hygieneplan festgelegt, der sich in Deutschland in der Regel nach den Empfehlungen der Kommission fĂŒr Krankenhaushygiene und InfektionsprĂ€vention (KRINKO) richtet.
Bestandteile der Basishygiene laut KRINKO
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den Empfehlungen der KRINKO zufolge gehören zur Basishygiene die HĂ€ndehygiene, die Reinigung und Desinfektion von FlĂ€chen, erweiterte SchutzmaĂnahmen (BarrieremaĂnahmen) zur InfektionsprĂ€vention bei ĂŒbertragbaren Krankheiten, die Medizinprodukte- und WĂ€scheaufbereitung, Umgang mit Geschirr, Hygiene bei einzelnen medizinischen MaĂnahmen, AufklĂ€rung und Schulung von Patienten und deren Besuchern, die Art der Unterbringung, Abfallentsorgung, die baulich-funktionelle Gestaltung und apparative Ausstattung von Funktionseinheiten (z. B. Endoskopie) und die Anforderungen an dezentrale Desinfektionsmittel-DosiergerĂ€te.[2]
HĂ€ndehygiene
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die HĂ€ndehygiene gilt als wichtigste MaĂnahme der Basishygiene.[3] Zur HĂ€ndehygiene gehören das Waschen und Desinfizieren der HĂ€nde. Die FingernĂ€gel mĂŒssen kurz und unlackiert sein; es dĂŒrfen keine SchmuckstĂŒcke oder Armbanduhren an den HĂ€nden bzw. Unterarmen getragen werden.[4]
HandwaschplĂ€tze mĂŒssen den baulichen Anforderungen der Technischen Regeln fĂŒr Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) entsprechen:[5] leicht erreichbar, mit flieĂend warmem und kaltem Wasser, sowie Armaturen, welche ohne HandberĂŒhrungen bedienbar sind (z. B. Einhebelmischbatterien mit verlĂ€ngertem Hebel, die mit dem Ellbogen bedienbar sind). ZusĂ€tzlich mĂŒssen handbedienungsfreie Spender angebracht sein, je einer fĂŒr Hautreinigungs- und fĂŒr HĂ€ndedesinfektionsmittel. StĂŒckseifen werden wegen möglicher Kontamination nicht empfohlen.[6] AuĂerdem mĂŒssen ein Einmalhandtuchspender sowie ein Hautschutz- und ein Hautpflegemittel vorhanden sein.
Verhalten beim Husten, Niesen und SchnÀuzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die sogenannte Husten-Etiquette â die auch beim Niesen gilt â ist aufgrund der Erfahrungen mit dem SARS-Erreger fester Bestandteil der Standardhygiene.[1] Beim Husten oder Niesen sollte vermieden werden, dass Speichel oder Nasensekret in die Umgebung versprĂŒht werden. Wird beim Husten oder Niesen die Hand vor den Mund gehalten, gelangen Krankheitserreger an die HĂ€nde und können anschlieĂend ĂŒber gemeinsam benutzte GegenstĂ€nde oder beim HĂ€ndeschĂŒtteln weitergereicht werden. Daher sollten bestimmte Regeln beachtet werden: beim Husten oder Niesen sich möglichst wegdrehen und Abstand von anderen Personen halten, PapiertaschentĂŒcher nur einmal verwenden und direkt in einen Abfalleimer mit Deckel entsorgen. Falls kein Taschentuch vorhanden ist, sollte die Armbeuge vor Mund und Nase gehalten werden. AnschlieĂend sind die HĂ€nde grĂŒndlich zu waschen bzw. zu desinfizieren.[7]
Arbeitskleidung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Arbeits-, Berufs- bzw. Bereichskleidung wird anstelle oder in ErgĂ€nzung der Privatkleidung bei der Arbeit getragen. Noch ist die Studienlage nicht ausreichend, um die Rolle der Kleidung bei der Ăbertragung von Infektionserregern eindeutig zu bestimmen. Da manche Mikroorganismen in der unbelebten Umgebung ĂŒberleben können â so auch auf Textilien â stellten sich bei Untersuchungen vor allem Handkontaktstellen der Kleidung (z. B. Kitteltaschen) als kontaminiert heraus. Der Nachweis einer Kontamination der Arbeitskleidung von Mitarbeitern in der Patientenversorgung mit Krankheitserregern beweist laut KRINKO nicht die Ăbertragung pathogener Keime auf weitere Patienten. Daher gibt sie hierfĂŒr keine Empfehlung. Es bestehen aber insbesondere fĂŒr Pflegeberufe unter anderem arbeitsrechtliche Vorgaben seitens der TRBA 250 (Technische Regeln fĂŒr Biologische Arbeitsstoffe), der Biostoffverordnung (BioStoffV) § 8 und 9, dem Tarifrecht und der KRINKO-Empfehlung von 1985 laut Bundesgesundheitsblatt 28.[8]
Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) in GroĂbritannien befĂŒrwortet dagegen seit 2012 das âbare below elbowsâ-Prinzip, nach dem unter anderem kurzĂ€rmelige Arbeitskleidung empfohlen wird.[9]
Persönliche SchutzausrĂŒstung
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Das Tragen einer Persönlichen SchutzausrĂŒstung (PSA) ist eine BarrieremaĂnahme. Je nach Einsatzbereich und TĂ€tigkeit sind bestimmte Schutzkleidungsteile allein oder in Kombination erforderlich. Dazu gehören Einmalhandschuhe, SchĂŒrze oder Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz oder ein höherer Atemschutz, eine Schutzbrille bzw. ein Gesichtsschutzschild sowie Haarschutz und Ăberschuhe.
Nicht-sterile Einmalhandschuhe werden zusĂ€tzlich zur HĂ€ndedesinfektion eingesetzt, wenn es möglicherweise zu Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten oder wahrscheinlich kontaminierten FlĂ€chen kommen könnte. Da es beim Ausziehen von Einmalhandschuhen oder durch Leckagen zur Kontamination der HĂ€nde kommen kann, ist anschlieĂend stets eine HĂ€ndedesinfektion erforderlich. Eine SchĂŒrze oder ein Schutzkittel schĂŒtzt die Arbeitskleidung bei Untersuchungen, Eingriffen oder PflegemaĂnahmen vor direktem Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten oder anderen potentiell kontaminierten Materialien. FlĂŒssigkeitsdichte SchĂŒrzen können bei Feuchtarbeiten allein oder zusĂ€tzlich ĂŒber einem Schutzkittel getragen werden. Ein Mund-Nasen-Schutz ist vor allem bei bestimmten aseptischen TĂ€tigkeiten am Patienten nötig, um ihn vor Mikroorganismen zu schĂŒtzen, die z. B. beim Sprechen abgegeben werden. Eine Schutzbrille bzw. ein Gesichtsschutzschild wird empfohlen, wenn es zu Verspritzen von Blut oder Sekreten kommen könnte.[10] Im Bereich der Umkehrisolierung sind zusĂ€tzlich Haarschutz und Ăberschuhe nötig.
Alle Schutzmaterialien sind in der Regel nur zur einmaligen Verwendung vorgesehen, mit Ausnahme von Stoffkitteln: Diese werden nach Benutzung wie InfektionswÀsche wiederaufbereitet.
- Gebotszeichen M009: Handschutz benutzen
- Gebotszeichen M016: Maske benutzen
- Gebotszeichen M026: SchutzschĂŒrze benutzen
FlÀchenreinigung und -desinfektion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]RisikoflÀchen mit hÀufigem Hand- und Hautkontakt werden mindestens tÀglich gereinigt und desinfiziert, bei Kontamination muss die Aufbereitung sofort erfolgen.
Hygiene bei aseptischen TĂ€tigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Vorbereitung und DurchfĂŒhrung bestimmter, zum Teil invasiver MaĂnahmen sind die Grundlagen aseptischen Arbeitens einzuhalten.[10] Dazu gehören unter anderem Injektionen und Punktionen, das Mischen von Infusionslösungen, das Legen eines transurethralen Blasenkatheters und die Wundversorgung.
Aufbereitung von Medizinprodukten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Medizinprodukte werden entsprechend den Empfehlungen der KRINKO und des Bundesinstituts fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufbereitet.[11]
WĂ€scheentsorgung, -aufbereitung und -Versorgung, Bettenhygiene
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gebrauchte bzw. kontaminierte WĂ€sche wird in entsprechend sicheren BehĂ€ltnissen gesammelt und transportiert, dass von ihr keine Infektions- oder Kontaminationsgefahr ausgeht. WĂ€sche aus medizinischen Einrichtungen wird mit desinfizierenden, regelmĂ€Ăig zu ĂŒberprĂŒfenden Verfahren mit nachgewiesener Wirksamkeit aufbereitet. AnschlieĂend ist die WĂ€sche so zu lagern, dass sie bis zur Verwendung sauber, keimarm und frei von RĂŒckstĂ€nden bleibt.
Betten mĂŒssen vor erneuter Belegung desinfizierend aufbereitet und mit desinfizierten Inletts und sauberer WĂ€sche bezogen sein. Ausnahmsweise kann nach entsprechender Risikobewertung auf eine desinfizierende Aufbereitung der Inletts zwischen zwei Patienten verzichtet werden.
Umgang mit Geschirr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geschirr soll bevorzugt maschinell aufbereitet werden. Dabei gelten die entsprechenden lebensmittelhygienischen Vorgaben, so dass der Patient immer sauberes und desinfiziertes Geschirr erhÀlt. Beim Transport zum Patienten bzw. des benutzten Geschirrs muss eine Kontaminationsgefahr ausgeschlossen werden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- InfektionsprĂ€vention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit ĂŒbertragbaren Krankheiten. Empfehlung der Kommission fĂŒr Krankenhaushygiene und InfektionsprĂ€vention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt 2015, 58:1151â1170 Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 2015, doi:10.1007/s00103-015-2234-2
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- W. Popp, K.-D. Zastrow: Hygiene-Tipp, Februar 2016. Deutsche Gesellschaft fĂŒr Krankenhaushygiene
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 M. Mielke; A. Nassauer (Robert Koch-Institut): Herleitung von risikominimierenden, hier infektionsprĂ€ventiven MaĂnahmen in der Praxis. Bedeutung der Standardhygiene und ggf. ergĂ€nzender MaĂnahmen zum Schutz von Patienten und Personal vor nosokomialen Infektionen. November 2009, S. 2; abgerufen am 12. MĂ€rz 2019.
- â Basishygiene, KRINKO-Empfehlungen; Stand: 28. Januar 2019; abgerufen am 12. MĂ€rz 2019.
- â HĂ€ndehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. ( des vom 11. Mai 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Bundesgesundheitsblatt 2016, 59:1189â1220 doi:10.1007/s00103-016-2416-6, S. 1190.
- â Empfehlungen der Kommission fĂŒr Krankenhaushygiene und InfektionsprĂ€vention (KRINKO) am Robert Koch-Institut; abgerufen am 12. MĂ€rz 2019.
- â TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Stand 2018, S. 13â14; abgerufen am 26. September 2019
- â HĂ€ndehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. ( des vom 11. Mai 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Bundesgesundheitsblatt 2016, 59:1189â1220 doi:10.1007/s00103-016-2416-6, S. 1211. Abgerufen am 26. September 2019.
- â Hygiene beim Husten & Niesen. Richtig husten und niesen. In: infektionsschutz.de. Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung, abgerufen am 9. MĂ€rz 2020.
- â Kleidung und SchutzausrĂŒstung fĂŒr Pflegeberufe aus hygienischer Sicht. Aktualisierte Fassung Juli 2016. DGKH-Sektion âHygiene in der ambulanten und stationĂ€ren Kranken- und Altenpflege/Rehabilitationâ im Konsens mit dem DGKH-Vorstand; abgerufen am 14. MĂ€rz 2019.
- â National Institute for Health and Care Excellence (2012): Infection: Prevention and control of healthcareassociated infections in primary and community care. NICE clinical guideline 139
- 1 2 W. Popp, K.-D. Zastrow: Hygiene-Tipp, Februar 2016. Deutsche Gesellschaft fĂŒr Krankenhaushygiene; abgerufen am 17. MĂ€rz 2019
- â Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. BundesgesundheitsblattâŻ2012; 55:1244â1310 doi:10.1007/s00103-012-1548-6.