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Cassandra Wilson

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Cassandra Wilson beim Bluesfest in Ottawa (2008)

Cassandra Marie Fowlkes Wilson (* 4. Dezember 1955 in Jackson, Mississippi; † 2. September 2026 ebenda) war eine US-amerikanische Jazzsängerin und Songwriterin.[1] Sie wurde bekannt, weil sie Jazz-, Blues-, Gospel-, Folk-, Pop- und Rocksongs auf eigenständige Weise neu interpretierte.[2] Kennzeichnend waren ihre tiefe, rauchige Altstimme und ein Repertoire, das vom Great American Songbook über afroamerikanische Musiktraditionen bis zu zeitgenössischen Pop- und Folksongs reichte.[1] Sie war zweifache Grammy-Preisträgerin.[3]

Leben und Wirken

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Wilson war das jüngste von drei Kindern der Lehrer Mary (geb. McDaniel) Fowlkes und Herman Fowlkes Jr.[4] Mit sechs Jahren begann sie Klavier und mit zwölf Jahren Gitarre zu spielen.[2] In der Highschool spielte sie außerdem Klarinette und begann, eigene Lieder zu schreiben.[4] Prägend waren die Delta-Blues- und Gospelklänge ihrer Kindheit, die Gitarrenharmonien ihres Vaters sowie die Begeisterung beider Eltern für Miles Davis und Motown.[4] Nach der verspäteten Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen Mississippis kam sie in der elften Klasse erstmals in engeren Kontakt mit weißen Mitschülern; mit zwei von ihnen gründete sie ein Folk-Trio, das die gemeinsame Begeisterung für Bob Dylan und Joni Mitchell prägte.[1]

Wilson besuchte zunächst das Millsaps College und schloss 1980 an der Jackson State University ein Studium der Massenkommunikation ab.[1] 1981 zog sie mit ihrem ersten Ehemann Anthony Wilson, einem Radiomoderator, nach New Orleans, wo sie als Assistentin in der Öffentlichkeitsarbeit eines Fernsehsenders tätig war.[1] Dort sang sie bei der lokalen Gruppe Jasmine die Hauptstimme auf dem von Allen Toussaint produzierten Latin-Jazz-Album Tropical Breeze und trat auch mit Ellis Marsalis auf.[4]

1982 zog Wilson nach New York, beteiligte sich an Jam-Sessions, nahm Gehörbildungsunterricht bei dem Posaunisten Grachan Moncur III und schloss sich dem Musikerkollektiv M-Base um Steve Coleman an.[4] Ihre Beiträge zu Colemans Alben Motherland Pulse (1985) und On the Edge of Tomorrow (1986) erweiterten ihre Möglichkeiten der wortlosen Improvisation und der flexiblen Phrasierung.[4]

1986 veröffentlichte Wilson mit Point of View ihr erstes Album unter eigenem Namen auf dem neu gegründeten Label JMT des Produzenten Stefan Winter.[2] Im selben Jahr nahm sie mit AACM-Mitbegründer Henry Threadgill und seinem Trio Air New Air No. 1 auf.[5] In der Folge entwickelte sich ihre Musik von der strukturellen Radikalität des M-Base-Umfelds zunehmend zu liedorientierten Eigenkompositionen und Coverversionen, die stärker auf ihre musikalischen Wurzeln in Mississippi zurückgriffen.[4] Das ausschließlich aus Standards bestehende Album Blue Skies (1988), anders als frühere Werke eingespielt mit einem konventionellen, intimer wirkenden Trio (Mulgrew Miller, Lonnie Plaxico und Terri Lyne Carrington)[6] erschloss ihr ein breiteres Publikum; 1989 eröffnete sie beim Chicago JVC Jazz Festival für Miles Davis.[1]

Cassandra Wilson (2007)

1993 nahm der Produzent Bruce Lundvall Wilson für Blue Note Records unter Vertrag.[1] Lonnie Plaxico trug zu ihrer ebenso überraschenden wie zielgerichteten Wandlung bei den Aufnahmen der folgenden Alben bei:[6] Blue Light ’Til Dawn (1993) und der Nachfolger New Moon Daughter enthielten eigene Songs und Jazzstandards, Delta Blues sowie Lieder von Joni Mitchell, Van Morrison, Neil Young, U2 und den Monkees, meist in sparsamen und überwiegend spröden, folkigen, aus Saiteninstrumenten und Perkussion choreographierten Arrangements von Brandon Ross.[2][7] Ihre verlangsamte Interpretation von Last Train to Clarksville hob die Antikriegsdimension des Liedtextes hervor.[1] New Moon Daughter verkaufte sich mehr als 400.000-mal[1] und brachte ihr 1997 den Grammy für die beste Jazz-Gesangsdarbietung ein.[3]

In Wynton Marsalis’ Jazzoratorium Blood on the Fields sang Wilson die Rolle der Leona und ging 1997 mit dem Werk, der ersten mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Jazzkomposition, auf internationale Tournee.[2] Das von Wilson produzierte Album Traveling Miles (1999) ging aus einem von Jazz at Lincoln Center beauftragten Miles-Davis-Programm hervor; sie versah dabei Stücke von Miles Davis, unter anderem Miles Runs the Voodoo Down, Seven Steps to Heaven und Blue in Green, mit eigenen Texten.[1] Belly of the Sun (2002), eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen des Blues, nahm sie in einem stillgelegten Bahnhof in Clarksdale auf.[1] Loverly (2008) war nach längerer Pause eine Rückkehr zu Jazzstandards und entstand unter anderem mit dem Pianisten Jason Moran;[4][8] 2009 erhielt Wilson dafür ihren zweiten Grammy.[3]

2012 verließ sie Blue Note und veröffentlichte Another Country bei der unabhängigen Ojah Media Group mit Sitz in ihrer Heimatstadt Jackson, deren Veranstaltungsort Yellow Scarf sie auch konzipierte.[9] Ihr letztes Soloalbum Coming Forth by Day erschien 2015 als Hommage an Billie Holiday anlässlich deren 100. Geburtstags.[2] Im selben Jahr kehrte sie dauerhaft nach Jackson zurück und gründete gemeinsam mit der Sängerin Rhonda Richmond einen Jazzclub und ein Plattenlabel zur Förderung der Künste in Mississippi.[4] Ihren letzten Liveauftritt hatte sie im Juni 2026 beim Toronto Jazz Festival.[4]

Wilsons Ehen mit Anthony Wilson, Bruce Lincoln und dem Schauspieler Isaac de Bankolé wurden geschieden; seit Ende der 1980er Jahre hatte sie einen Sohn.[1] Sie starb am 2. September 2026 im Alter von 70 Jahren in ihrem Haus in Jackson, umgeben von ihrer Familie, engen Freunden und ihrem Manager; eine Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.[2]

Preise und Auszeichnungen

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Wilson wurde viermal für einen Grammy nominiert und gewann zweimal;[3] außerdem erhielt sie den französischen Django d’Or und einen Edison und wurde mit einer Gedenktafel des Mississippi Blues Trail geehrt.[2] 2001 bezeichnete sie das Magazin Time als „Amerikas beste Sängerin“.[4] 2020 verlieh ihr das Berklee College of Music die Ehrendoktorwürde; 2022 wurde sie vom National Endowment for the Arts als NEA Jazz Master ausgezeichnet.[4]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[10]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH  US
1993 Blue Light ’til Dawn DE95
(3 Wo.)DE
— — —
Erstveröffentlichung: November 1993
1996 New Moon Daughter DE55
Gold
Gold

(9 Wo.)DE
AT47
(2 Wo.)AT
— US141
(5 Wo.)US
Erstveröffentlichung: März 1996
German Jazz Award
1999 Traveling Miles DE38
Gold
Gold

(12 Wo.)DE
AT38
(4 Wo.)AT
— US158
(5 Wo.)US
Erstveröffentlichung: März 1999
German Jazz Award
2002 Belly of the Sun DE36
(6 Wo.)DE
AT21
(7 Wo.)AT
CH93
(1 Wo.)CH
US155
(3 Wo.)US
Erstveröffentlichung: März 2002
2003 Glamoured DE74
(2 Wo.)DE
— — —
Erstveröffentlichung: Oktober 2003
2006 Thunderbird — — — US184
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: April 2006
2008 Loverly DE82
(2 Wo.)DE
— — —
Erstveröffentlichung: Juni 2008
2012 Another Country DE64
(1 Wo.)DE
— — —
Erstveröffentlichung: Juni 2012
2015 Coming Forth by Day DE56
(2 Wo.)DE
— CH96
(1 Wo.)CH
US179
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: April 2015

Weitere Alben

  • 1986: Point of View
  • 1987: Days Aweigh
  • 1988: Blue Skies
  • 1990: Jumpworld
  • 1991: She Who Weeps
  • 1991: Live
  • 1992: After the Beginning Again
  • 1992: Dance to the Drums Again
  • 1996: Songbook
  • 1997: Rendezvous
  • 2002: Sings Standards
  • 2004: Love Phases Dimensions
  • 2009: Closer to You: The Pop Side
  • 2010: Silver Pony
  • 2014: Moonglow

Singles (Auswahl)

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Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[10]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 UK
1994 I Can’t Stand the Rain
Blue Light ’til Dawn
UK91
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: April 1994

Auszeichnungen für Musikverkäufe

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Goldene Schallplatte

  •  Polen
    • 2001: für das Album Traveling Miles

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/RegionAus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nungen, Ver­käu­fe, Quel­len)
Gold Platin Ver­käu­fe Quel­len
 Deutschland (BVMI) 2× Gold20! P—20.000musikindustrie.de
 Polen (ZPAV) Gold10! P—25.000olis.pl
Insgesamt  3× Gold3 —
Commons: Cassandra Wilson – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Will Friedwald, Adam Bernstein: Cassandra Wilson, Star Jazz Singer, Dies at 70. In: The New York Times. 2. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Kory Grow: Cassandra Wilson, Grammy-Winning Jazz Singer, Dead at 70. In: Rolling Stone. 2. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Cassandra Wilson. In: grammy.com. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 John Fordham: Cassandra Wilson obituary. In: The Guardian. 16. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  5. ↑ All About Jazz: Musician Henry Threadgill (Memento vom 20. Juni 2012 im Internet Archive) (englisch)
  6. 1 2 Cassandra Wilson: Blue Skies Tracks & Reviews. In: AllMusic. Abgerufen am 3. September 2026 (englisch).
  7. ↑ Andreas Felber: Cassandra Wilson - Im Bauch Amerikas. In: concerto.at. 3. April 2002, archiviert vom Original am 22. Dezember 2015; abgerufen am 1. August 2023.
  8. ↑ Cassandra Wilson: Loverly Tracks & Reviews | AllMusic. Abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  9. ↑ Cassandra Wilson. Ojah Media Group, archiviert vom Original am 23. März 2013; abgerufen am 3. September 2026 (englisch).
  10. 1 2 Chartquellen: DE AT CH UK US