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Chance

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Als Chance ([ˈʃɑ̃ːs(ə)], auch [ˈʃaƋsə]; altfranzösisch cheance, „möglicher Fall, Wahrscheinlichkeit, GlĂŒcksfall“[1]) wird in der Umgangssprache eine gĂŒnstige Gelegenheit fĂŒr oder Aussicht auf einen Erfolg oder GlĂŒck bezeichnet.

Im Wörterbuch wird die Chance als „dargebotene, gĂŒnstige Möglichkeit oder Gelegenheit“ definiert.[2] Chancen sind also stets mit einer positiven Aussicht verbunden, negative Aussichten heißen Gefahr. Ist ungewiss, ob positive oder negative Aussichten bestehen, wird neutral von Risiko gesprochen. Ob sich eine Chance verwirklicht, wird sich erst in der Zukunft zeigen, so dass Chancen stets einer Unsicherheit unterliegen. Das ist der Grund, warum sich Wirtschaftswissenschaften, Entscheidungstheorie, Informationstheorie, Spieltheorie und Stochastik mit Chancen, Gefahren und Risiken befassen.

Wirtschaftswissenschaften

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Waldemar Wittmann definierte 1959 die Chance als Möglichkeit, „in Wirklichkeit gĂŒnstiger abzuschneiden, als es aufgrund der PlanĂŒberlegungen zu erwarten ist“.[3] Auch Peter Kupsch versteht die Chance als Gewinnmöglichkeit.[4] Risiko wird in diesem Zusammenhang als Unsicherheit ĂŒber den Eintritt möglicher Ereignisse verstanden, wobei die Unsicherheit auf ein Informationsdefizit zurĂŒckzufĂŒhren ist.[5] WĂ€hrend die subjektive Unsicherheit beim EntscheidungstrĂ€ger vorhanden ist und durch subjektive und objektive Wahrscheinlichkeitsverteilungen gemessen werden kann, kann fĂŒr die objektive Ungewissheit keine Wahrscheinlichkeit ermittelt werden. Chance ist damit eine positive Ungewissheit, Gefahr eine negative. Chancen und Gefahren werden an Zielen gemessen.

In der Betriebswirtschaftslehre werden Gewinnchancen und Verlustgefahren thematisiert. Damit befassen sich vor allem die Marktteilnehmer auf FinanzmÀrkten (Devisen-, Geld-, Kapital- und Kreditmarkt). Die an den Wertpapierbörsen gehandelten Finanzinstrumente wie Aktien und Anleihen sind typische, mit Gewinnchancen oder Verlustgefahren verbundene Finanzierungstitel. Die Risikoeinstellung des RisikotrÀgers nimmt dabei folgende PrioritÀten ein:[6]

Risikoeinstellung Priorisierung
RisikoscheuVerlustgefahren > Gewinnchancen
RisikoneutralitÀtVerlustgefahren = Gewinnchancen
RisikofreudeVerlustgefahren < Gewinnchancen

Der Risikoscheue schÀtzt die Verlustgefahren höher ein als die Gewinnchancen (100 Geldeinheiten Verlust wiegen schwerer als 100 Geldeinheiten Gewinn), wÀhrend der Risikoneutrale eine indifferente Risikoneigung besitzt.

Entscheidungstheorie

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Hier kann Risiko als beiderseitige Abweichung vom Erwartungswert abgebildet werden und beinhaltet dann gleichzeitig Gefahr und Chance.[7] Dieses „Risiko als Gefahr und Chance“ wird in den meisten Fachgebieten vertreten, so etwa im Supply-Chain-Risikomanagement.[8] Das in der Entscheidungstheorie bedeutende Bernoulli-Prinzip als Entscheidungsregel fĂŒr Entscheidungen unter Risiko kennt unter anderem das Dominanzprinzip, wonach bei zwei Wahrscheinlichkeitsverteilungen mit jeweils zwei Ergebnissen (einfache Chance) diejenige vorzuziehen ist, die den höheren Wert mit der grĂ¶ĂŸeren Wahrscheinlichkeit verspricht.[9]

Chance als mathematische (Gleich-)Verteilung

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Aus mathematischer Sicht bezeichnet Chance die Möglichkeit des Eintreffens eines gĂŒnstigen Ereignisses mit einer mathematischen Wahrscheinlichkeit, die grĂ¶ĂŸer als Null, aber kleiner als Eins ist. Man bezeichnet dann auch oft die Wahrscheinlichkeit selbst als Chance. Gelegentlich wird Risiko als Wahrscheinlichkeit des Eintreffens eines Ereignisses verwendet; in diesem Fall können Chance und Risiko die gleiche Bedeutung haben.

Informationstheorie

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Die Probleme der unvollkommenen Information wurden in der ökonomischen Fachliteratur bisher vorwiegend unter den Begriffen „Risiko und Chance“ behandelt.[10] Eine Entscheidung ist stets mit Ungewissheiten behaftet durch die ihr zugrunde liegenden Informationsdefizite.

FĂŒr Carl Friedrich Gethmann ist „der Grad eines Risikos (einer Chance) gleich dem Produkt aus (numerisch ausgedrĂŒcktem) Schaden und (numerisch ausgedrĂŒckter) Wahrscheinlichkeit fĂŒr den Eintritt des Ereignisses“.[11] Hierin wird Risiko mit Chance gleichgesetzt und die Gefahr nicht berĂŒcksichtigt.

Im Spiel ist die Chance bedingt durch Einsatzart und Einsatzhöhe. Eine Chance ist bei einem Nullsummenspiel fair, wenn die Möglichkeit zu gewinnen wenigstens so groß ist wie zu verlieren. In absoluter HĂ€ufigkeit ausgedrĂŒckt (siehe Odds) bedeutet dies eine Chance von 1:1 (oder 50:50; „fifty-fifty“), also den Gleichstand beider Möglichkeiten. Als relative HĂ€ufigkeit ausgedrĂŒckt entspricht dies einem VerhĂ€ltnis von 1:2 (50 Prozent) – die Gewinnmöglichkeit ist eine von zwei Möglichkeiten.

Die Erkenntnisse der hÀufig angewandten SWOT-Analyse können als Entscheidungsgrundlage in der Spieltheorie genutzt werden.[12]

Eine Chance (englisch Odds) ist in der Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik eine Möglichkeit, Wahrscheinlichkeiten anzugeben.[13] Mathematisch berechnen sich Chancen wie folgt:

R(A)=ℙ(A)1−ℙ(A).

Dabei ist R(A) der Wert der Chance und ℙ(A) die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis A eintritt.

Chancengleichheit

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In den Gesellschaftswissenschaften wird der Begriff der Chance meist mit der Gleichverteilung des Zugangs zu gesellschaftlichen Ressourcen unter den Angehörigen aller Bevölkerungsgruppen verbunden, so dass alle dieselbe Ausgangsposition haben. Siehe dazu Chancengleichheit und Bildungsparadox.

Chancengerechtigkeit

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Chancengerechtigkeit ist die Forderung nach gerechter Verteilung sozialer GĂŒter wie Bildung und Erziehung. Bei Bildungschancen zeigt sich, dass manche Chancen auch durch AktivitĂ€ten wahrgenommen werden mĂŒssen, um sie nutzen zu können.

Aktion/Handlung

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In anderer (nicht-mathematischer) Auffassung bezeichnet Chance die als solche erkannte Möglichkeit, durch gezieltes Handeln einen im eigenen Interesse liegenden Zustand zu erreichen. Chance bezieht sich hier auf ein Subjekt (Person oder Organisation). Die Nutzung der Chance setzt folglich eine zielgerichtete Aktion des die Chance erkennenden Subjekts voraus. Im Kern liegt die Chance in der zielgerichteten Aktion. FĂŒr diese Aktion gibt es auf das Individuum bezogen keine Wahrscheinlichkeit, da das Individuum selber entscheidet, ob es die Aktion ausfĂŒhrt.

Der Unterschied zur mathematischen Sichtweise zeigt sich beispielsweise beim Roulette. Hier ist die Chance fĂŒr Rot oder Schwarz im nĂ€chsten Spiel jeweils gleich und annĂ€hernd 50 Prozent. Ein Spieler, der noch einen Jeton besitzt, hat die Chance, durch Einsatz des Jetons sein Vermögen zu vermehren. Ein Spieler, der keinen Jeton (mehr) besitzt, hat keine Chance, seinen Besitz zu vermehren.

Da eine Chance unterstellt, dass sie von nicht weiter zu hinterfragenden Rahmenbedingungen abhĂ€ngt, denen der Inhaber der Chance sich unterwirft, ergibt sich die Möglichkeit ideologischer Nutzung. Chance erscheint als positiv besetzter Begriff. Wer eine Chance hat, soll sie nutzen, weil sie ihm geboten wird. Die Bedingungen fĂŒr den Erfolg gelten so als nicht zu hinterfragende. Der vermeintliche (subjektive) Vorteil, eine Chance gehabt zu haben, legitimiert insofern die zugrunde liegende Konkurrenz und die Ausgestaltung der konkreten Bedingungen fĂŒr Erfolg. Die naive Zustimmung zu einer Veranstaltung, in der Chancen gegeben werden, befördert daher vornehmlich den objektiven Nutzen solcher Interessengruppen/Personen, welche die Bedingungen der Chancen hergestellt haben und kontrollieren (Spielbank, Politik, Wirtschaft, Bildung). Diejenigen, die die Bedingungen fĂŒr Chancen festlegen, sind daher auch daran interessiert, dass die grundsĂ€tzliche Unwiderrufbarkeit der Bedingungen fĂŒr die Chancen – es werden ja wirkliche Chancen gegeben – nicht mehr in Frage gestellt wird. So können Interessen der Teilnehmer ideologisch ausgehebelt und die sich statistisch notwendigerweise ergebende Versagerquote als BĂŒndel persönlicher Schuldfragen/Schicksalsfragen diskutiert und problematisiert werden.[14]

Wiktionary: Chance – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Chance – Zitate
  • Helmut Heid: Chancen – im Bildungs- und BeschĂ€ftigungssystem. In: Zeitschr. f. Berufs- und WirtschaftspĂ€dagogik, 87, 1991, 8, S. 667–675
  • Hermann Scherer: GlĂŒckskinder – Warum manche lebenslang Chancen suchen – und andere sie tĂ€glich nutzen, Campus, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-593-39349-0
  • Treibmann, Felix: Betriebsunterbrechung als Chance, St. Gallen: UniversitĂ€t St. Gallen (HSG) 2005 = Dissertation, und DĂŒsseldorf: Setzkasten 2005 = Buchhandelsausgabe (das erste Hauptkapitel befasst sich mit Existenz, Erkennung und Nutzung von Chancen)

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 89; ISBN 3-426260743
  2. ↑ PONS GmbH (Hrsg.), Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache, 2011, S. 314
  3. ↑ Waldemar Wittmann, Unternehmung und unvollkommene Information, 1959, S. 37
  4. ↑ Peter Kupsch, Risiko und Entscheidung, 1971, S. 15
  5. ↑ Anke MĂŒĂŸig, Bilanzielle Risikovorsorge und außerbilanzielle Risikoberichterstattung, 2006, S. 22
  6. ↑ Gerhard Mensch, Investition, 2002, S. 196 f.
  7. ↑ Markus Amann (Hrsg.), Risikomanagement in Supply Chains, 2007, S. 62
  8. ↑ Uta JĂŒttner/Helen Peck/Martin Christopher, Supply Chain Risk Management, 2003, S. 200
  9. ↑ Thorsten Hagenloch, GrundzĂŒge der Entscheidungslehre, 2009, S. 86
  10. ↑ Wilhelm H. Wacker, Betriebswirtschaftliche Informationstheorie, 1971, S. 56 f.
  11. ↑ Carl Friedrich Gethmann, Ethische Probleme der Verteilungsgerechtigkeit beim Handeln unter Risiko, in: Annemarie Gethmann-Siefert (Hrsg.), Wissenschaft und Technik als Gegenstand philosophischer Reflexion, 1996, S. 42; ISBN 978-3770534869
  12. ↑ Mark Jenkins/VĂ©ronique Amborsini, Advanced Strategic Management: A Multi-Perspective Approach, 2007, S. 46 ff.; ISBN 978-1403985927
  13. ↑ Ludwig Fahrmeir/Rita KĂŒnstler/Iris Pigeot/Gerhard Tutz, Statistik. Der Weg zur Datenanalyse, 8. Auflage, Springer Spektrum, 2016, S. 114; ISBN 978-3662503713
  14. ↑ Helmut Heid, Chancen - im Bildungs- und BeschĂ€ftigungssystem, in: Zeitschrift fĂŒr Berufs- und WirtschaftspĂ€dagogik 87 (8), 1991, S. 667 ff.