Ted Deerhurst
Ted Deerhurst, genannt âLord Tedâ (* 24. September 1957 als Edward George William Oscar (Omar?) Coventry, Viscount Deerhurst; â 4. Oktober 1997 an der North Shore (OÊ»ahu)[1][2][3]), war der erste Profi-Surfer aus GroĂbritannien.
Biographie
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Familie, Jugend und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ted Deerhurst war der Sohn des britischen Peers George Coventry, 11. Earl of Coventry (1934â2002). Seine Mutter war die US-Amerikanerin Marie âMimiâ Farquhar Medart (1934â1998), die vor der Ehe von dem Ă€gyptischen König Faruq umworben worden war.[4] Sie war die Tochter des frĂŒheren Stummfilm-Stars Rose Blossom und des Hamburger-MillionĂ€rs und Amateurgolfers William Sherman Medart aus St. Louis, der 1951 unter mysteriösen UmstĂ€nden in Paris nach dem Sturz aus einem Hotelfenster starb.[5][6] Die englische Familie Coventry, die bis 1948 auf Croome Court lebte, fĂŒhrt ihre Vorfahren auf einen KreuzzĂŒgler zurĂŒck. Deerhursts GroĂvater fiel im Rang eines Lieutenants 1940 in der Schlacht von DĂŒnkirchen. Die Eltern hatten 1955 geheiratet und wurden 1963 geschieden; der Vater ging anschlieĂend drei weitere Ehen ein, die Mutter eine weitere.
Nach der Scheidung zog Mimi Coventry entgegen der Scheidungsvereinbarung mit ihrem Sohn von England nach Kalifornien, wo er die Santa Monica High School besuchte.[1][7] Dort begeisterte er sich fĂŒr das Surfen. Es kam zu einem Sorgerechtsstreit zwischen den Eltern, da sein Vater befĂŒrchtete, der Sohn wĂŒrde ein âfootloose beachbumâ (âverantwortungsloser Strandgammlerâ) werden. Ted Deerhursts Mutter wurde sogar inhaftiert, damit sie seinen Aufenthaltsort preisgab.[4] Der Earl konnte den Rechtsstreit fĂŒr sich entscheiden, und Ted Deerhurst musste mit 15 Jahren nach England zurĂŒckkehren.[8] Aus Protest gegen diese MaĂnahme fĂ€rbte er sich die Haare orange: âI wanna stay in America and surf with my friendsâ (âIch möchte in Amerika bleiben und mit meinen Freunden surfenâ). In England besuchte er die reformpĂ€dagogische Schule Dartington Hall School, wo er ein auffĂ€lliges Verhalten an den Tag legte. So streute er Rattengift in den Kaffee eines Nebenbuhlers, der jedoch ĂŒberlebte. Im Alter von 18 Jahren zog er nach Hawaii. Er war mittellos, schlug sich mit verschiedenen Hilfsarbeiten durch und schlief zeitweilig in seinem Auto.[7]
Leben als Surfer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den 1990er Jahren lebte Deerhurst, inzwischen einmal geschieden, auf Hawaii, nachdem er einige Zeit in Australien verbracht hatte. Neben dem Surfen baute er sich seine eigene Welt. WĂ€hrend er auf die passenden Wellen wartete, spielte er am Strand Schlachtszenen mit Spielzeugfiguren nach; seine Boards nannte er Excalibur und sie waren mit einem Schwertlogo verziert. Sein Idol war Winston Churchill, dessen BĂŒcher er las.[7] Nachdem er als Amateur fĂŒr die Weltmeisterschaften fĂŒr sein Land nominiert worden war, versöhnte sich sein Vater mit ihm. 1978 wurde er als erster Brite Profi in diesem Sport.[9] Trotz seiner Leidenschaft fĂŒr das Surfen wurde ihm in Fachkreisen nur âbescheidenes Talentâ bescheinigt.[10] Sein gröĂter Erfolg als Profi war das Erreichen des Halbfinales der Smirnoff Pro-Am in Sunset Beach im Jahr 1978; er erreichte nie die Top 100 der Profi-Rangliste. The Sportsman schrieb: âTed tried to construct a life of his own, independent from his history, taking him away from the pomp and circumstance of the British aristocracy to the freedom-loving community in the islands in the middle of the Pacific, where he fought to make a name for himself in a society that embraces the bohĂšme.â (âTed versuchte, sich ein eigenes, von seiner Geschichte unabhĂ€ngiges Leben aufzubauen, das ihn weg vom Prunk der britischen Aristokratie hin zu einer freiheitsliebenden Gemeinschaft auf den Inseln mitten im Pazifik fĂŒhrte, wo er darum kĂ€mpfte, sich in einer Gesellschaft, die der BohĂšme nahestand, einen Namen zu machen.â) Zwischendurch versuchte er sich im Snowboarden mit den Worten: âWenigstens kann man in den Bergen nicht ertrinkenâ, verletzte sich dabei aber so schwer, dass er sechs Monate im Krankenhaus verbringen musste.[2]
1982 war Ted Deerhurst auf dem Cover des Magazins Surfer abgebildet, und er trat in zwei Filmen auf.[10] Er grĂŒndete die Excalibur Foundation, um behinderten und unterprivilegierten Kindern das Surfen zu ermöglichen. Gegen Ende seines Lebens war er stolz darauf, ein integriertes Mitglied der hawaiianischen Gemeinschaft geworden zu sein, und er kĂ€mpfte gegen die Ăberbebauung der North Shore.[2]
Ende der 1990er Jahre verliebte sich Ted Deerhurst in eine NachtclubtĂ€nzerin; wegen dieser LiebesaffĂ€re soll er von einem Rivalen, einem bekannten Kriminellen, bedroht worden sein. Am 4. Oktober 1997 wurde âLord Tedâ tot in der Badewanne seiner Wohnung auf Hawaii gefunden. Offiziell gab der Gerichtsmediziner als Todesursache Herzversagen an, ausgelöst durch einen epileptischen Anfall.[11] Seine Asche wurde von anderen Surfern im Meer verstreut.[2] Sein Biograph Andy Martin vertritt die Ansicht, Ted Deerhurst könnte von seinem Rivalen ermordet worden sein.
2012 wurde das Museum of British Surfing in Braunton, North Devon, mit der UnterstĂŒtzung von Deerhursts Familie eröffnet.[12] Von Mai 2020 bis Juni 2021 wurde in Croome Court Ted Deerhursts mit der Ausstellung Surf, Sweat and Tears gedacht.[13]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Andy Martin: Surf, Sweat and Tears: The Epic Life and Mysterious Death of Edward George William Omar Deerhurst. OR Books, 2020, ISBN 978-1-68219-231-3.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ted Deerhurst bei IMDb
- Matt Warshaw: (VIDEO) Ted Deerhurst in "Storm Riders". In: eos.surf. 23. Dezember 1994, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Edward George William Oscar Coventry, Viscount Deerhurst. In: thepeerage.com. Abgerufen am 15. Oktober 2021.
- 1 2 3 4 Andy Martein: Obituaries: Viscount Deerhurst. In: independent.co.uk. 23. Oktober 2011, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- â In manchen Quellen ist sein vierter Vorname als âOmarâ angegeben, so auch im Untertitel des Buches ĂŒber sein Leben.
- 1 2 It was jolly hard to be candid and constant. In: smh.com.au. 20. Juli 2002, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- â Medart's. In: losttables.com. Abgerufen am 16. Oktober 2021 (englisch).
- â Tragic Climax To The Success Story of A Startlet and A Amateur Golfer. In: newspapers.com. 23. Februar 1952, abgerufen am 16. Oktober 2021 (englisch).
- 1 2 3 Andy Martin, in: Sunday Express v. 10. Mai 2020
- â Roger Cox: In Cold Blood meets Hawaii Five-0 in the mysterious case of UK surfer Lord Ted. In: scotsman.com. 23. Januar 2021, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- â Object of the month. In: northdevongazette.co.uk. 7. November 2020, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- 1 2 Matt Warshaw: The Encyclopedia of Surfing. Houghton Mifflin Harcourt, 2005, ISBN 0156032511, S. 170 (eingeschrÀnkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- â Jack Porter: Big Waves, Exotic Dancers, The Life Of UKâs First Pro Surfer, Viscount Deerhurst. In: thesportsman.com. 29. November 2020, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- â The Museum of British Surfing. In: sportingheritage.org.uk. 15. September 2014, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
- â Croome Court: Surf, Sweat and Tears: The Life of Ted Deerhurst. In: valeandspa.co.uk. 5. MĂ€rz 2020, abgerufen am 15. Oktober 2021 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Deerhurst, Ted |
| ALTERNATIVNAMEN | Coventry, Edward George William Oscar Coventry, Viscount Deerhurst |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Surfer |
| GEBURTSDATUM | 24. September 1957 |
| STERBEDATUM | 4. Oktober 1997 |
| STERBEORT | North Shore (Oʻahu) |