Derny

Ein Derny ist ein leichtes Motorrad fĂŒr Schrittmacherdienste im Radsport.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste Derny wurde 1938 vom ehemaligen Radrennfahrer Roger Derny konstruiert, um auf Teilstrecken des klassischen StraĂenradrennens BordeauxâParis fĂŒr Schrittmacherdienste eingesetzt zu werden. Das Herstellerunternehmen Roger Derny & Fils mit Sitz in Paris wurde 1958 geschlossen, die Bezeichnung fĂŒr diese leichten MotorrĂ€der aber ĂŒbernommen.
âBurdin Dernyâ war die Bezeichnung fĂŒr das Nachfolgemodell, das Alain Burdin in der Peripherie von Paris produzierte und in ganz Europa verkaufte. Mitte der 1980er-Jahre stellte er seine Produktion aus AltersgrĂŒnden ein. Das meistverbreitete aktuelle Dernymodell wird seit Mitte der 1990er-Jahre von Arie Simon in Belgien produziert und ist auf Radrennbahnen in mehr als 20 Nationen verbreitet.
Konstruktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dernys haben sich seit ihrer Erfindung bis heute kaum verĂ€ndert und sind so konstruiert, dass sich mit ihnen eine Geschwindigkeit von etwa 70 Kilometer pro Stunde erzielen lĂ€sst. Die Motorleistung des ca. 75-cmÂł-Zweitaktmotors betrĂ€gt ca. 5 PS. Um den nötigen Gleichlauf zu erzielen, muss der Schrittmacher (Fahrer) körperlich mitarbeiten, indem er zusĂ€tzlich Kraft auf die Tretkurbel ausĂŒbt, die durch einen starren Gang mit der Hinterradnabe verbunden ist. Der Radrennfahrer hat im Windschatten eines Dernys eine Kraftersparnis von 30 bis 40 Prozent. GroĂe Ăbersetzungen lassen sich bei hohem Tempo âleichterâ treten, haben aber den Nachteil, das Anfahren zu erschweren. Daher wird das Derny von vielen professionellen Radsportlern auch gern im Training zum âEinrollenâ eingesetzt.
In jĂŒngerer Zeit, zum Beispiel bei den Olympischen Sommerspielen 2012 und bei den Olympischen Sommerspielen 2016, wurden in der Disziplin Keirin auch ElektromotorrĂ€der als Derny eingesetzt.
Einsatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dernys werden vor allem im Bahnradsport als Schrittmacher in Dernyrennen vergleichbar mit den Steherrennen verwendet.
In einigen europĂ€ischen LĂ€ndern (u. a. Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Italien) werden jĂ€hrlich Wettbewerbe zur Ermittlung der nationalen Dernymeister in unterschiedlichen Kategorien (z. B. MĂ€nner Elite, Frauen Elite, MĂ€nner U23) durchgefĂŒhrt. In Deutschland wurde von 1978 bis 2000 und wieder ab 2014 im jĂ€hrlichen Rhythmus eine Deutsche Derny-Meisterschaft in der Kategorie Amateure und ab 1990 in der Kategorie MĂ€nner Elite (open) ausgetragen. UnregelmĂ€Ăig fand vor 1990 auch eine Deutsche Derny-Meisterschaft der Berufsradrennfahrer statt, die u. a. 1980 von Dietrich Thurau gewonnen wurde.
Alle Derny-Europameisterschaften, die vor dem Jahr 2000 stattfanden, wurden von der Union Internationale des VĂ©lodromes (UIV) durchgefĂŒhrt, waren nicht ausschlieĂlich auf Starter aus europĂ€ischen LĂ€ndern beschrĂ€nkt und die Sportler wurden eingeladen. Deshalb gelten sie als inoffiziell. Die erste offizielle Derny-Europameisterschaft wurde von der Union EuropĂ©enne de Cyclisme (UEC) im Jahr 2000 in Amsterdam ausgetragen. Seitdem finden diese kontinentalen WettkĂ€mpfe jĂ€hrlich statt.
1954 wurden Dernys erstmals beim Sechstagerennen in BrĂŒssel eingesetzt. Heute werden Rennen hinter Derny hauptsĂ€chlich bei Sechstagerennen und Kriteriumsveranstaltungen sowie im Keirin ausgetragen.
- Drei Dernys mit Fahrern
- Derny-Rennen
- Derny-Rennen
- Ein âTaon 125â, von der Firma Derny 1955/56 gebautes Motorrad
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Mann mit dem goldenen Derny. in: procycling Februar 2006, bede-Verlag, Ruhmannsfelden, S. 88â93
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bob Cordon Champ: The Derny âBordeaux-Parisâ 1938â56. In: users.globalnet.co.uk. August 2000 (englisch).
- UCI Cycling Regulations: Part 3 Track Races. (pdf, 1,4 MB) Union Cycliste Internationale (UCI), 1. Februar 2015 (englisch, insbesondere 3.2.189ff âMotor-Pacingâ und 3.6.029ff âMopedsâ).