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Devotionalie

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Andachts- oder Votivbild mit den heiligsten Herzen Jesu und Mariens, um 1900
Devotionalienverkauf in Lourdes
Kerzen mit religiösen Motiven

Devotionalien sind GegenstĂ€nde wie Kreuze, Kruzifixe, RosenkrĂ€nze, Heiligenfiguren und -bildnisse, Ikonen und Andachtsbilder,[1] die der Andacht (lateinisch devotio ‚Hingabe‘, ‚Ehrfurcht‘) und der Förderung der Frömmigkeit dienen.[2] Dazu gehören auch Medaillen, wie etwa die WundertĂ€tige Medaille. Umgangssprachlich wird der Begriff Devotionalien verallgemeinert und im ĂŒbertragenen Sinn verwendet – unter anderem auch fĂŒr weltlich verehrte GegenstĂ€nde wie Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus („Nazi-Devotionalien“) und bestimmte GegenstĂ€nde des Merchandising der Popkultur[3] und des Sports, speziell des Fußballs.[4]

Allgemein-christliche Definition

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Devotionalien sind GegenstĂ€nde, die der aktiven Glaubensvermehrung oder -bestĂ€rkung dienen. Dabei wird zwischen der objektiven und der subjektiven Devotionalisierung eines Objekts unterschieden. Objektiv zĂ€hlen religiöse BĂŒcher, Kreuze, RosenkrĂ€nze, AltĂ€re und andere kirchliche GegenstĂ€nde zu den Devotionalien. Damit ein Gegenstand objektiv als Devotionalie gilt, muss eine klare Verbindung zur jeweiligen Religion bestehen und von der offiziellen Institution anerkannt werden.[5][6]

Subjektive Devotionalien mĂŒssen nicht zwingend autonom-devotionalisierte GegenstĂ€nde wie objektive Devotionalien sein, da sie erst durch das mit ihnen verbundene spirituelle Erlebnis und nicht allein durch eine theologisch-spirituelle Intention bei ihrer Genese oder Fertigung zu subjektiven Devotionalien werden. So können auch ursprĂŒnglich sekulĂ€re GegenstĂ€nde durch persönliche religiöse Erlebnisse zu subjektiven Devotionalien werden. Sobald eine objektive Devotionalie mit Teilhabern der jeweiligen Religion oder Konfession in BerĂŒhrung kommt, wird sie automatisch zur subjektiven Devotionalie, da sie dann auch persönlich mit einem religiösen Wert in Verbindung gebracht wird. Faktisch ĂŒbertrifft die Anzahl der subjektiven Devotionalien die der objektiven, da viele GlĂ€ubige ihre eigenen Devotionalien besitzen.[5]

Devotionalien unterscheiden sich von Sakramentalien, da sie nicht in jedem Fall von der Kirche gesegnet sein mĂŒssen und auch nicht primĂ€r als Vorbereitung auf ein Sakrament dienen.[7]

Auch Reliquien gehören trotz ihrer potenziell glaubensfördernden Wirkung auf GlÀubige nicht zwingend zu den objektiven Devotionalien, da sie eine eigene Kategorie neben den Devotionalien und Sakramentalien bilden.

Eine Devotionalie kann entweder subjektiv oder sowohl subjektiv als auch objektiv sein, aber niemals ausschließlich objektiv.[8]

Im Katholizismus

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Im Katholizismus sind Devotionalien eine Art FortfĂŒhrung des Sakramentalienwesens, ohne jedoch zur Liturgie der Kirche zu gehören.[8] Oft erbitten die GlĂ€ubigen fĂŒr Devotionalien den kirchlichen Segen.

Zentren des Devotionalienhandels sind vor allem Wallfahrtsorte. Devotionalien vergangener Zeiten sind ein bedeutender Bestandteil vieler Sammlungen und Museen und es gibt auch private Sammler von Devotionalien. Devotionalien kommen auch dem BedĂŒrfnis entgegen, von einer Pilgerfahrt ein ErinnerungsstĂŒck mit nach Hause zu nehmen; insofern sind sie mitunter das religiöse GegenstĂŒck zum Souvenir.[6]

Wo AndachtsgegenstĂ€nde eigens zum gottesdienstlichen oder privaten Gebrauch von der Kirche geweiht oder gesegnet werden, zĂ€hlt man sie zu den Sakramentalien, den heilswirksamen Zeichen. Der Protestantismus steht Devotionalien ablehnend gegenĂŒber, jedoch lassen sich in Bezug auf Martin Luther ZĂŒge des Devotionalienwesens beobachten.[9]

Schon in der Antike gab es AndachtsgegenstĂ€nde. So wurden bereits damals den Besuchern griechischer oder römischer KultstĂ€tten kleine Götterfiguren oder Abbildungen von Tempeln aus Silber, Keramik oder Blei zum Kauf angeboten. Das Alte Testament erwĂ€hnt in Gen 31,34 EU 1 Sam 19,13–16 EU und 2 Kön 23–24 EU kleine Bilder von Hausgöttern (Teraphim), teils zum Gebrauch auf Reisen. Die Apostelgeschichte des Neuen Testaments erwĂ€hnt in 19,23–27 EU einen Schmied, der silberne Artemistempel herstellte und so „den KĂŒnstlern viel zu verdienen gab“.

Giovanni Battista de Rossi beschreibt im Bullettino di Archeologia Cristiana von 1861 frĂŒhchristliche, aus Afrika stammende Metallformen zur Herstellung kleiner Kreuze mit einer AufhĂ€ngevorrichtung wie auch Objekte aus den Katakomben in Rom, die in der Art einer Medaille getragen wurden und sieht zumindest letztere als Nachweis fĂŒr eine Praxis des Gebrauchs von Devotionalien durch die frĂŒhen Christen an. In der Lebensbeschreibung der hl. Genoveva von Paris (um 422–502) ist zu lesen, dass der hl. Germanus von Auxerre ihr nach der Jungfrauenweihe eine durchbohrte BronzemĂŒnze mit dem Kreuzzeichen umlegte.[10]

devot, in: Deutsches Fremdwörterbuch Bd. 4., Da capo – Dynastie. 2., völlig neubearb. Aufl. Institut fĂŒr Deutsche Sprache. Bearb. von Gerhard Strauß (Leitung/Red.), De Gruyter, Berlin / New York 1999, ISBN 978-3-11-016235-6, S. 453–455; eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Wiktionary: Devotionalie – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Devotionalien, in: Ulrike Peters: Großes Wörterbuch Religion: Grundwissen von A – Z. Compact-Verlag, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-8174-7751-7, S. 56; eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. ↑ Duden – die deutsche Rechtschreibung. 26. Auflage, Dudenredaktion (Hrsg.), Dudenverlag, Berlin / Mannheim / ZĂŒrich 2013.
  3. ↑ Deutsches Fremdwörterbuch Bd. 4, 1999, S. 454.
  4. ↑ arbeiterfussball.de - Devotionalien. Abgerufen am 14. Februar 2025.
  5. 1 2 Papst Johannes Paul II.: Katechismus der Katholischen Kirche. Hrsg.: Der Heilige Stuhl. Vatikanstadt 1992, ISBN 978-3-11-068156-7.
  6. 1 2 Martin Scharfe: Über die Religion – Glaube und Zweifel in der Volkskultur. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Berlin 2004, S. 150.
  7. ↑ Pfarrei St. Sebastian: Sakramente und Sakramentalien. In: www.erzbistum-muenchen.de/. Erzbistum MĂŒnchen und Freising, Juli 2024, abgerufen am 19. Februar 2025.
  8. 1 2 Michael P. Caroll: Catholic cults and devotions, A psychological inquiry, McGill-Queen’s University Press, Kingston / Montreal / London 1989, ISBN 0-7735-0693-4, S. 7.
  9. ↑ Jobst Schöne: Was bringt uns die Reformation? Katalog zur Ausstellung im Jahr des Reformationsgedenkens 2017. S. 2.
  10. ↑ Herbert Thurston: Devotional Medals. In: Catholic Encyclopedia, abgerufen am 26. Juni 2017.