Driftströmung
Als Driftströmung (auch âDriftstromâ und âTriftstromâ) wird eine oberflĂ€chennahe Meeresströmung bezeichnet, die hauptsĂ€chlich durch den Einfluss lĂ€nger anhaltender Winde bei gleicher Windrichtung hervorgerufen wird. Sie ist direkt an der MeeresoberflĂ€che am gröĂten, nimmt aber nach unten rasch ab. Im offenen Ozean bewirkt der Driftstrom nur eine geringe Ănderung des Wasserspiegels, wĂ€hrend in Binnen- und Randmeeren durch Staueffekte an den KĂŒsten ein Anstieg von einigen Zentimetern bis Dezimetern erfolgen kann.
Andere Ursachen von Meeresströmungen sind die Gezeiten (Gezeitenstrom) sowie Dichteunterschiede als Folge von Unterschieden der Wassertemperatur und des Salzgehaltes (siehe auch thermohaline Effekte).
Nur bei global anhaltender Windstille und damit den Wegfall der windgetriebenen Zirkulation sowie ohne alle Temperatur- und Dichteunterschiede wĂŒrde der Meeresspiegel genau mit der theoretischen NiveauflĂ€che des Geoids zusammenfallen.
Erforschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem Forschungsprojekt von 1961 setzte das damalige Deutsche Hydrographische Institut rund 4000 wasserdicht transparent verpackte, schwimmende Driftkarten in der Nordsee aus. Diese bestanden aus einer einmal gefalteten RĂŒcksendekarte im Format DIN A6, einer gefalteten Anleitung (?) und 2 BlĂ€ttern Kork als Auftriebskörper. 2025 erlĂ€uterte das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg dazu, dass damit Driftbewegungen in der Nordsee insbesondere im Zusammenhang mit Ălverschmutzungen untersucht wurden. 30 % der Karten wurden per Post von Findern aus âEngland, Norwegen, Schweden, DĂ€nemark und Deutschlandâ zurĂŒckgeschickt. Eine Karte wurde 2025 â also nach mehr als 40 Jahren â angeschwemmt an einem Strand der Nordseeinsel Juist gefunden. Heute setzt das BSH Argo-Treibbojen ein, die laufend ihre Position melden.[1]
Zur Mechanik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]OberflĂ€chenströmungen entstehen vor allem durch die Schubkraft des Windes. Im gröĂeren AusmaĂ werden Wassermassen aber nur von solchen Winden in Bewegung gesetzt, die ĂŒber lĂ€ngere Zeit aus derselben Richtung wehen. Die wichtigsten Urheber im globalen MaĂstab sind daher die Passat- und die Westwinde.[2]
Vereinfacht lassen sich dabei sechs Effekte unterscheiden:
- Die oberste Wasserschicht erhĂ€lt durch den Wind den direkten Bewegungsimpuls und strömt mit etwa einem FĂŒnftel der bodennahen Windgeschwindigkeit. Diese Wasserströmung wird je nach geographischer Breite durch die Corioliskraft abgelenkt. Diese bewirkt bei einer Wasserströmung von den Polen zum Ăquator eine Ablenkung nach Westen, bei einer Strömung in entgegengesetzter Richtung eine Ablenkung nach Osten.
- Auch die nÀchsttiefere Wasserschicht wird durch turbulente Reibung in Bewegung gesetzt, jedoch mit viel kleinerer Geschwindigkeit als das OberflÀchenwasser.
- Wenn schlieĂlich die seitliche Ablenkung 90° ĂŒbersteigt, betrĂ€gt die Strömungsgeschwindigkeit nur noch etwa 5â6 % des OberflĂ€chenwertes, und bei 180° etwa 4 %. Die Wassertiefe, bei der dieser quasi-stabile Zustand eintritt, wird als Reibungstiefe bezeichnet. FĂŒr eine geografische Breite von 50° und einer Windgeschwindigkeit von 7 m/s (25 km/h) betrĂ€gt die Reibungstiefe etwa 60 m.
- Die rasche Geschwindigkeitsabnahme der windgetriebenen Strömung macht deutlich, dass diese nicht sehr tief reichen kann â maximal etwa 200 m.
- Die coriolis-bedingte seitliche Wasserversetzung bewirkt, dass bei einem reinen Driftstrom ein mittlerer Wassertransport senkrecht zur Windrichtung erfolgt, was auch die hÀufigen Querzirkulationen erklÀrt.
- Nahe den KontinentalrĂ€ndern stauen sich die Wassermassen, sodass die MeeresoberflĂ€che geneigt ist. Dies hat Druckgradienten der gesamten Wassermasse bis zum Meeresboden zur Folge, die ihrerseits Strömungen und Corioliseffekte bewirken. In Binnenmeeren vermischen sie sich mit den oberen Wasserbewegungen und können (z. B. in der Ostsee) nach einigen Tagen die Umkehr der oberflĂ€chennahen Meeresströmung einleiten â siehe Kompensationsstrom.
Neben dem Wind fĂŒhren auch Dichteunterschiede im Meerwasser zu Strömungen. Im Sinne der Potentialtheorie kann der Meeresspiegel nur dann eine Gleichgewichtsfigur bilden, wenn alle NiveauflĂ€chen bis zum Meeresgrund mit den FlĂ€chen gleicher Dichte zusammenfallen. Jede Störung dieses Gleichgewichts â vor allem durch Temperatur und Salzgehalt â hat seitliche oder vertikale Wasserbewegungen zur Folge, weil Wasserteilchen verschiedener Dichte nicht nebeneinander bleiben können. In ein Berechnungsmodell mĂŒssen daher auch GröĂen wie Sonneneinstrahlung, nĂ€chtliche AbkĂŒhlung, Bewölkung, Verdunstung, NiederschlĂ€ge usw. eingehen.
Weitere merkliche Bewegungen werden durch die ZuflĂŒsse der groĂen Ströme verursacht. Sie reichen oft weit ĂŒber das MĂŒndungsgebiet hinaus. Analog wirken ausbleibende ZuflĂŒsse oder NiederschlĂ€ge.
GroĂ- und kleinrĂ€umige Driftströme
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Die meisten groĂrĂ€umigen Meeresströmungen werden von den globalen Windsystemen wie den Passaten, den Monsunen und der zonalen Westdrift angetrieben, aber auch vom regionalen Wettergeschehen beeinflusst. LĂ€nger anhaltende Winddrift fĂŒhrt schlieĂlich zu einem Gleichgewicht zwischen der Drift, den KrĂ€ften, die durch Gradienten von Temperatur oder SalinitĂ€t hervorgerufen werden, der Topografie von KĂŒste und Meeresboden und der Corioliskraft.
Driftströme betreffen vornehmlich die obersten Wasserschichten (etwa 200â300 m) und werden daher als OberflĂ€chenströmungen bezeichnet. In der NĂ€he groĂer Landmassen verlaufen die meisten dieser Ströme annĂ€hernd parallel zu den KĂŒsten der Kontinente.
Generell steht den OberflĂ€chenströmen die Tiefenzirkulation ausgleichend gegenĂŒber, welche die Wassermassen der KaltwassersphĂ€re bis zum Ozeanboden erfasst. Sie ist aber viel langsamer als der oberflĂ€chennahe Driftstrom, da sie ein wesentlich gröĂeres Volumen erfasst. Im offenen Meer verlĂ€uft die Tiefenzirkulation im Wesentlichen meridional, wird aber zwischen den Ozeanen durch verschiedene Schwellen (u. a. mittelozeanische Schwellen) behindert bzw. abgelenkt. Schon Alexander von Humboldt erkannte bei seinen Forschungen in SĂŒdamerika, dass das kalte Tiefenwasser in den niedrigen Breiten beidseits des Ăquators einen stĂ€ndigen Nachschub aus polaren Breiten erhalten muss.
GroĂe Meeresströmungen können ĂŒber Hunderte und Tausende von Kilometern verfolgt werden; zu den bekanntesten zĂ€hlen der Golfstrom und der Benguelastrom, der Nordpazifikwirbel gehört zu den fĂŒnf gröĂten kreisförmigen Meeresdriften.
KleinrĂ€umige Driftströme dominieren vor allem die Binnenmeere und sind wesentlich variabler, weil sie unmittelbarer mit der Windrichtung zusammenhĂ€ngen. Je kleiner ein Binnenmeer oder ein Meerbusen, desto eher tritt auf der Leeseite ein Wasserstau auf und umso rascher geht daher der Driftstrom in den entgegengesetzten Kompensationsstrom ĂŒber.
Die VerhĂ€ltnisse in groĂen Meeresbuchten können ebenfalls von lokalen Driftströmungen dominiert werden, doch treten auch Verwirbelungen mit groĂrĂ€umigeren Driften auf. Komplizierter sind die VerhĂ€ltnisse etwa im Golf von Guinea und insbesondere im Golf von Mexiko, wo die Strahlungsbilanz eine groĂe Rolle spielt.
Kompensationsströmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben Driftströmen gibt es das umgekehrte PhĂ€nomen, Kompensationsströmungen: Sie treten auf, wenn z. B. das in einem Binnenmeer durch den Winddruck auf Lee âgestauteâ Wasser zurĂŒckzuflieĂen beginnt.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Driftstrom. In: Spektrum Lexikon der Geowissenschaften.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â https://www.gmx.at/magazine/wissen/geschichte/spaziergaenger-ueberraschenden-fund-40727260 2025-03-03
- â Robert Marsh, Erik van Sebille: Ocean Currents â Physical Drivers in a Changing World. Elsevier, 2021, Chapter 3 â Surface drift, gyres, and the fate of plastic, doi:10.1016/B978-0-12-816059-6.00012-7.