EC Comics
EC Comics (kurz fĂŒr âEducational Comicsâ bzw. âEntertaining Comicsâ) war ein New Yorker Comicverlag, der sich in den 1940er und 1950er Jahren auf das Horror- und Crime-Genre spezialisierte und unter anderem die Serie Tales from the Crypt (Geschichten aus der Gruft) herausbrachte, die in Film- und Fernsehserien umgesetzt wurde. Etliche dieser Werke wurden nach MaĂgaben des Comics Code zensiert, so dass sich der Verlag ab 1956 auf die Herausgabe des Comic-Magazins MAD konzentrierte.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Maxwell Charles Gaines, grĂŒndete 1945 den Verlag âEducational Comicsâ, um illustrierte Bibelgeschichten zu veröffentlichen. Die Picture Stories from the Bible wurden zum Grundstein fĂŒr EC Comics, die in ihren AnfĂ€ngen erbaulich-gute Jugendliteratur reprĂ€sentierten.[1] In den Jahren 1946â1947 folgten einige Funnies, lustige Kindercomics mit sprechenden Tieren wie Dunny The Flying Donkey, Smoky The Snake, Korky Kangaroo oder Freddy Firefly. Die Serien hatten die Titel Tiny Tot Comics, Land of the Lost, Animal Fables, Dandy und Fat and Slat. Diese Ausrichtung erhielt das Label âEntertainment Comicsâ, das fortan beibehalten wurde. Die "Entertainment Comics" standen fĂŒr Erwachsenen-Unterhaltung der robusten und morbiden Art.
Nach Maxwell Gaines' Tod 1947 ĂŒbernahm sein Sohn William Maxwell Gaines den Verlag. Er begann im FrĂŒhjahr 1948 das Programm dem Zeitgeist anzupassen und setzte auf Western, Krimis und Liebesromanzen. Er gewann mit Johnny Craig, Graham Ingels und Wallace Wood neue Zeichner und Al Feldstein als neuen Redakteur.
Der groĂe Erfolg gelang mit der erneuten Programmumstellung auf den sogenannten âNew Trendâ ab FrĂŒhjahr 1950. Das Ziel von EC Comics war fortan intelligente Unterhaltung, professionell geschrieben und kĂŒnstlerisch umgesetzt von den ideenreichsten Zeichnern ihrer Generation. Kennzeichen des âNew Trendâ waren ironischer Humor sowie unerwartete Wendungen am Ende einer Handlung (sog. âtwistâ). Dabei bediente man sich filmischer und literarischer Vorlagen, unter anderem kam es auch zu einer Reihe von Adaptionen von Kurzgeschichten Ray Bradburys.
Die EC-Hefte enthielten vier Kurzgeschichten, darunter die Titelgeschichte mit acht Seiten, zwei Geschichten mit jeweils sieben Seiten und eine mit sechs Seiten. Jede Geschichte wurde von einem anderen Zeichner illustriert. Die Leser konnten ĂŒber die Geschichten abstimmen und ihre Meinung in Form von Leserbriefen einbringen.
Als einer der ersten Verlage veröffentlichte EC Horror- und Crime-Fantasy sowie Science-Fiction und stieĂ damit in eine Marktnische; gesellschaftliche Tabu-Themen wie Rassismus, Selbstjustiz, Drogensucht, Polizeikorruption und Antisemitismus wurden aufgegriffen. Zeitgleich gerieten Comics in den USA allgemein in eine öffentliche Diskussion. Der populĂ€re Psychiater und Buchautor Fredric Wertham behauptete einen Zusammenhang von Comic-Konsum und Verbrechen. Zum Beleg nutzte Wertham auch Bilder aus den EC Comics. 1954 eskalierte die Debatte und nach Senatsanhörungen und staatlichen UntersuchungsausschĂŒssen zum Thema âComics und Gewaltâ wurde von Verlegerseite die Comics Code Authority gegrĂŒndet, die ĂŒber eine Selbstzensur der Comicbranche wachte. Drastische Gewaltdarstellungen und Reizbegriffe wie âTerrorâ oder âHorrorâ galten als tabu. Danach konnten keine weiteren Grusel-Comics mehr verkauft werden.
Entwicklung des Verlags
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pre-Trend (FrĂŒhjahr 1948 â Sommer 1950)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bezeichnung âPre-Trendâ ist sperrig und meint einfach alles, was vor dem âNew Trendâ erschienen ist. Also eine Begriffsfindung im Nachhinein. Darunter fallen folgende Comicserien:
- Gunfighter (10 Ausgaben)
- Saddle Justice (6 Ausgaben), dann umbenannt in Saddle Romances (3 Ausgaben)
- Crime Patrol (10 Ausgaben)
- War Against Crime (11 Ausgaben)
- Moon Girl (6 Ausgaben), dann umbenannt in Moon Girl Fights Crime (2 Ausgaben)
- A Moon, A Girl, Romance ⊠(4 Ausgaben)
- Modern Love (8 Ausgaben)
Die HeftzĂ€hlung der nachfolgenden New-Trend-Comics folgte in manchen FĂ€llen der Schlussnummer eines bisher existierenden Pre-Trend-Heftes. Beispiel: War Against Crime wurde mit Nummer 12 zu Vault Of Horror. Weird Science bekam die Nummerierung von Saddle Romances etc. Das hatte finanzielle GrĂŒnde. Die Verleger sparten an allen Ecken und Enden. Da die Neuanmeldung eines Titels Geld kostete (das hatte mit dem Postvertriebssystem der Vereinigten Staaten zu tun), versuchte man, Titel unter anderen Titeln fortzufĂŒhren. Dies trieb oft so kuriose BlĂŒten (aus einer Romanze wurde ein Horrorheft), dass die Post manchmal kassieren kam, einen âNeustartâ verfĂŒgte und sich die Heftnummerierung deshalb abermals Ă€nderte. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel die bloĂe Zahl der erschienenen Ausgaben erwĂ€hnt.
New Trend (April 1950 â Februar 1955)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die goldene Zeit der EC Comics. 1950 wurde noch mit ErzÀhlformen und Zeichenstilen experimentiert, dann standen Mannschaft und Konzept. In den Jahren 1951, 1952 und 1953 lief der Verlag von Bill Gaines zu Hochform auf. Folgende Titel wurden aufgelegt.
- The Vault Of Horror (29 Ausgaben)
- Tales From The Crypt (30 Ausgaben, die ersten drei hieĂen noch The Crypt Of Terror)
- The Haunt Of Fear (28 Ausgaben)
- Weird Science (22 Ausgaben)
- Weird Fantasy (22 Ausgaben)
- Two-Fisted Tales (24 Ausgaben)
- Frontline Combat (15 Ausgaben)
- Crime SuspenStories (27 Ausgaben)
- Shock SuspenStories (18 Ausgaben)
- MAD (23 Ausgaben) â mit der #24 konvertierte MAD zu MAD Magazine
- Panic (12 Ausgaben)
In Crime, Fantasy, Science, Haunt und Crypt erschien in den Schlussausgaben eine EC-âTodesanzeigeâ â âIn Memoriamâ. Herausgeber Gaines und sein Chefredakteur Feldstein schmissen sichtlich genervt, aber immer noch sarkastisch, die Brocken hin. âĂkonomisch taumeln wir am Abgrund. Die unbegrĂŒndeten, ungerechtfertigten und hysterischen VorwĂŒrfe ⊠die wir fĂŒr totalen Unfug halten ⊠zwingen uns zur Kapitulation. Wir geben auf, wir habenâs satt! Wir vertrauen allerdings darauf, dass von nun an weniger Verbrechen geschehen werden.â Alle New Trend-Serien wurden eingestellt.
Ausnahme: Weird Fantasy und Weird Science fusionierten zu Weird Science-Fantasy. Nach 7 Ausgaben erfolgte die Umbenennung in Incredible Science-Fiction (weitere 4 Ausgaben). Faktisch ĂŒberlebte somit die EC Science Fiction den New Trend und wurde parallel zur New Direction fortgefĂŒhrt.
New Direction (MĂ€rz 1955 â Dezember 1955)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]EC versuchte einen Relaunch. Dieses neu konzipierte Sortiment von Abenteuer- und Thrillergeschichten ging durch die verlegereigene Comicheftzensurbehörde CCA, um am Kiosk ĂŒberhaupt noch ausgelegt zu werden. Der Haken daran: Das EC-Flair ging verloren, die Fans wendeten sich ab.
- Impact (5 Ausgaben)
- Valor (5 Ausgaben)
- M.D. (5 Ausgaben)
- Aces High (5 Ausgaben)
- Extra! (5 Ausgaben)
- Psychoanalysis (4 Ausgaben)
- Piracy (7 Ausgaben)
Picto Fiction (September 1955 â Mai 1956)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herausgeber Gaines startete ein Magazinformat zum Preis von 25 Cent. Somit lieĂ sich nĂ€mlich die Comiczensur, die nicht fĂŒr Magazine galt, umgehen. Die Idee dieses Manövers sowie der Begriff âPicto Fictionâ soll von Zeichner Jack Kamen stammen.
- Shock Illustrated (2 Ausgaben)
- Crime Illustrated (2 Ausgaben)
- Terror Illustrated (2 Ausgaben)
- Confessions Illustrated (2 Ausgaben)
âPicto Fictionâ sind Textgeschichten mit Einzelbildern ohne Sprechblasen. Eine Art âGraphic Novelââ, oder in diesem speziellen Fall, âGraphic short storyâ. Auch dieser letzte Versuch scheiterte. Die letzte Ausgabe (Shock Illustrated #3) wurde noch in der Druckerei vernichtet.
Genres von EC
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Science Fiction
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Science Fiction war das heimliche Faible von den Machern Gaines und Feldstein. Obwohl die beiden Hefte Weird Science und Weird Fantasy kein groĂer Erfolg wurden, gab der Verlag seine Lieblingskinder nie auf. Die anderen Titel zogen diese Projekte mit durch. FĂŒr die Science Fiction wurden die Zeichner Orlando und Williamson rekrutiert. ECs Science Fiction bestach durch amĂŒsante Spekulationen zur conditio humana â stets gespickt mit einer ironischen, teils gar sozialkritischen Pointe.
In âJudgement Dayâ (Weird Fantasy #18) begutachtet ein irdischer Botschafter, unkenntlich in seinem Raumanzug, die Fortschritte auf dem Roboterplaneten Cybrinia, um ĂŒber dessen Aufnahme in die galaktische Republik zu entscheiden. Er entdeckt jedoch, dass zwischen blauen und roten Robotern Apartheid herrscht, muss Cybrinias Anliegen verweigern und reist ab. Im Schlussbild nimmt der Mensch seinen Helm ab, und wir erkennen, es ist ein Schwarzer. Die Geschichte erschien im MĂ€rz 1953. Dutzende Leser gratulierten, darunter auch Ray Bradbury. Herausgeber Gaines legte sich knapp drei Jahre spĂ€ter zum letzten Mal mit der Comiczensur an â wegen des Nachdrucks von âJudgement Dayâ in Incredible Science-Fiction #33. Der schwarze Raumfahrer hatte SchweiĂ im Gesicht und dieser sollte entfernt werden, so verlangte es die Behörde (die Story selbst hatten sie offensichtlich gar nicht gelesen). Gaines warf ihm das âF-Wortâ vor die FĂŒĂe, druckte es und stellte alle Titel bis auf MAD ein, da seine Horror-Titel und alle Comics, auf dem das EC-Logo stand, nicht mehr an die Kioske ausgeliefert wurden. Dank MAD, welches kurz davor zum Magazin umgeĂ€ndert wurde und ein groĂer Erfolg war, ĂŒberlebte der Verlag.
Die Zukunftssatire âA Manâs Jobâ in Weird Fantasy #12 erzĂ€hlt davon, dass die Vereinigten Staaten handstreichartig zur Frauengesellschaft werden. Ein Rollentausch der Geschlechter, geschildert in allen Einzelheiten. MĂ€nner sind den Frauen hörig, mĂŒssen Haushalte fĂŒhren und können nicht Auto fahren. Am Schluss verabschiedet sich der mĂ€nnliche ErzĂ€hler, weil er in den KreiĂsaal geschoben wird, denn seine Wehen haben eingesetzt.
Horror
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Grusel-Comics waren die erfolgreichsten Titel von EC. Obwohl direkt mit drei Titeln aufgelegt, liefen die Horrorgeschichten von Anfang an. The Vault Of Horror, The Haunt Of Fear und Tales From The Crypt waren die langlebigsten Hefte des Verlags. Die EC-Gruselcomics nutzten Cross-Marketing: Jedes Heft hatte seinen eigenen âhostâ, seinen Gastgeber und PrĂ€sentator, der die Titel- und Schlussgeschichte ankĂŒndigte. Die zweite und dritte Geschichte gehörte dann jeweils einem Kollegen der beiden Schwestermagazine. Der âVault Keeperâ stand der Vault Of Horror vor, der âCrypt Keeperâ wachte ĂŒber seine Crypt (Of Terror), und die âOld Witchâ prĂ€sentierte ihre Haunt Of Fear.
Die Geschichten drehten sich um Geköpfte, die Rache suchten, um normale Menschen, die zu Monstern wurden, um Erbschleicher, die ĂŒber Leichen gingen, um Zombies, die die Lebenden heimsuchten, um Metzger, die Menschenfleisch anboten und sogar um teuflische Geschwister, die als verkrĂŒppeltes (quasi siamesisches) Körperteil ein Eigenleben fĂŒhrten â zum Beispiel in der von Ingels illustrierten Story âThe Ventriloquistâs Dummyâ. Der Schrecken geschah jedoch nie um des puren Grauens willen, sondern war meist Resultat eines perfiden Verbrechens, das auf ĂŒbernatĂŒrliche Weise gerĂ€cht und mit gleichen Mitteln bestraft wurde. Dieses Prinzip der âPoetic Justiceâ darf als Philosophie des EC-Universums gelten.
Die Horrorhefte verkauften sich so gut, dass 1954 eine vierte Reihe geplant und angekĂŒndigt wurde: The Crypt Of Terror. Sie erschien nicht mehr, da sĂ€mtliche Horrorcomics vom Markt genommen wurden. Erst Mitte der 60er Jahre nahm der Warren-Verlag mit den Comicserien Eerie und Creepy die EC-Tradition wieder auf.
Krieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verantwortlich fĂŒr die Herausgabe der beiden Kriegsserien war Harvey Kurtzman. EC erkannte das Talent seines Zeichners, und schon im Herbst 1950 beauftragte ihn Gaines mit der Konzeption eines weiteren Heftes, dem Abenteuercomic Two-Fisted Tales. Die Geschichten um Konquistadoren, Piraten und Feldherren wurden im folgenden Jahr zu Gunsten reiner Kriegscomics aufgegeben.
Die Handlung der Comics spielte im Koreakrieg (1950â1953), der entlang derselben politischen Fronten wie der spĂ€tere Vietnam-Krieg verlief. Kurtzman, der auch alle diese Geschichten schrieb, beschĂ€ftigte sich mit dieser Auseinandersetzung und schuf mit Two-Fisted Tales ab seiner vierten Ausgabe einen Anti-Kriegs-Comic. Das im Sommer 1951 anlaufende Schwestermagazin Frontline Combat war ebenso ausgerichtet.
Der Krieg bei EC war schmutzig, willkĂŒrlich, ungerecht. Soldaten beider Seiten starben sinn- und wĂŒrdelos. Andere Kriegscomics am Kiosk glorifizierten die amerikanische Sache und erfreuten sich an sadistischen und rassistischen Phantasien. Nicht so Kurtzman und seine Mitstreiter. Die GIs waren oft nur RĂ€dchen in der monströsen Maschinerie des Krieges. Die KollateralschĂ€den wurden sichtbar, viele Soldaten starben im sogenannten âFriendly Fireâ.
Eine der prominenten Geschichten ist die von Kurtzman selbst gezeichnete 6-Seiten-Story Corpse on the Imjin (Two-Fisted Tales #25). Am Ufer des Imjin sitzt ein einsamer GI und isst seine Mittagsration. Er beobachtet einen vorĂŒbertreibenden Leichnam und gerĂ€t ins GrĂŒbeln, wie der arme Kerl wohl gestorben sein mag. Da springt ihn ein feindlicher Soldat an, beide liefern sich einen Nahkampf auf Leben und Tod. Am Ende treibt ein neuer Leichnam den Imjin hinunter. Die Geschichte schlieĂt mit einem humanistischen Appell und einer lyrischen Klammer zum Anfang: âHave pity⊠for this man has lost that most precious possession that we all treasure above everything. He has lost his life! - Lightning flashes in the korean hills, and on the rain swollen Imjin, a corpse floats out to seaâ. (Habt Mitleid, denn dieser Mensch hat das Wertvollste verloren, was uns ĂŒber alles geht. Er hat sein Leben verloren. â Blitze lichtern ĂŒber die koreanischen HĂŒgel, und im regengeschwellten Imjin treibt ein Leichnam Richtung Meer.)
Auch erschienen in beiden Reihen einige Einzelgeschichten und insgesamt 3 komplette Sonderausgaben zum Thema âCivil Warâ. Hier wurden detailverliebt, ungeschönt und historisch akkurat Anekdoten und Eckdaten aus dem amerikanischen BĂŒrgerkrieg (Sezessionskrieg 1861â1865) nacherzĂ€hlt. Kurtzman wurde seit 1953 von seiner Arbeit fĂŒr das sehr erfolgreiche MAD aufgefressen und gab StĂŒck fĂŒr StĂŒck seine Kriegstitel auf. Vorgeschoben wurde jedoch das Ende des Koreakriegs. Frontline Combat wurde zum Jahresende eingestellt und die Two-Fisted Tales wechselten die Richtung. FĂŒr die 6 letzten Ausgaben (The New Two-Fisted Tales) ĂŒbernahm Kollege John Severin das Ruder und konzentrierte sich auf Western, Krimi und Abenteuer.
Spannung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit âSpannungâ sei die deutsche Ăbersetzung des Begriffs âSuspenseâ gemeint, fĂŒr die âThrillerâ zu kurz griffe. Denn jede Art von âThrillâ wird behandelt. Die beiden EC-Serien heiĂen Crime SuspenStories sowie Shock SuspenStories (spĂ€ter gestartet, im FrĂŒhling 1952) â âSuspenStoryâ ist hierbei ein Neologismus aus âSuspense-Storyâ.
In Crime beschĂ€ftigte sich EC mit dem Sektor des Verbrechens. GroĂen Ărger handelte sich der Verlag mit Johnny Craigs drastischen Titelbildern ein: Ein Mann jagt sich eine Kugel durch die SchlĂ€fe, ein Irrer schwingt ein Messer, eine Frau wird lebendig begraben, unter Wasser erwĂŒrgt, ĂŒber Wasser erdrosselt, ein ErhĂ€ngter schwingt an gebrochenem Nacken â und das berĂŒchtigte Cover von Crime #22 zeigt den mit der Axt abgeschlagenen Kopf einer blonden Frau. Die dargestellten Verbrechen wurden fast immer aufgedeckt, die perfiden PlĂ€ne zerplatzten.
Die Shock SuspenStories prĂ€sentierten neben einer Grusel-, einer Horror- und einer Krimigeschichte auch eine âSchockgeschichteâ â dies waren moralhafte Parabeln mitten aus der US-amerikanischen Gesellschaft. Machenschaften des Ku-Klux-Klan, Polizeigewalt, Korruption, Rassenhass, Intoleranz, Sexualverbrechen und Drogensucht landeten in drastischen Bildern am EC-Pranger.
Humor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die generell bei EC waltende Ironie Ă€uĂerte sich auch in Insider-Jokes: EC machte sich selber zum Thema. Redaktionsmitglieder standen Modell fĂŒr Figuren, und in 8 Geschichten tauchten âAl und Billâ als Protagonisten auf. Auch schrieb man rĂŒhrend-spaĂige âOrigin Storiesâ, also Herkunftsgeschichten, fĂŒr zwei Zugpferde des Verlags: den Crypt Keeper und die Old Witch.
Im Herbst 1952 war die Zeit gekommen fĂŒr ein wirklich komisches âComicâ-Heft. MAD erschien und wurde im zweiten Jahr seines Erscheinens nicht nur ein durchschlagender Erfolg, der Gaines zum MillionĂ€r machte und den EC-Verlag vor dem Untergang rettete, sondern auch ein Heft, das die amerikanische Gesellschaft prĂ€gte und zu dem wurde, das man gemeinhin als âInstitutionâ bezeichnet.
Der talentierte Harvey Kurtzman wurde mit der Herausgabe von MAD beauftragt. Schon in Ausgabe #4 wurde Superman durch den Kakao gezogen, es folgten Parodien auf Tarzan, King Kong, Sherlock Holmes, Western und Science Fiction. Zeitgenössische Radio- und Fernsehshows wurden satirisch ĂŒberhöht und als schamlose Kommerzveranstaltungen bloĂgestellt. MAD eröffnete seinen Lesern einen anderen Blickwinkel auf die Wirklichkeit, streute die Saat der Subversion unters Volk und erwies sich als Schule des Humors, ohne die spĂ€tere Comedy-Formate wie die âSaturday Night Liveâ-Show vielleicht undenkbar gewesen wĂ€ren.
MAD fand ĂŒber ein Dutzend Nachahmer, und zum Jahresanfang 1954 brachte EC die âonly authorized imitation of MADâ heraus. Panic erlebte 12 Ausgaben und wurde dann eingestellt, weil Folgendes geschah: Kurtzman hatte im FrĂŒhjahr 1955 die Nase von Gainesâ VerlagsfĂŒhrung voll, fĂŒhlte sich unterbezahlt und zu wenig respektiert. Er flĂŒchtete vor EC â und nahm ausgerechnet die Stammzeichner Davis und Elder mit. MAD stand auf der Kippe. Als Retter in der Not agierte der bewĂ€hrte Al Feldstein. Der war ein paar Wochen zuvor (aufgrund der finanziellen Misere und des Scheiterns der New Direction) entlassen worden â nun holte ihn Gaines rasch wieder an Bord. Und Feldstein steuerte MAD von Erfolg zu Erfolg. Wood und Orlando waren noch da, bis 1960 folgten neue Talente wie Don Martin, Bob Clarke, Al Jaffee, George Woodbridge und Mort Drucker. Auch Davis kehrte zu MAD zurĂŒck, allerdings erst 1965. Feldstein ĂŒbrigens blieb volle 30 Jahre Chefredakteur bei MAD.
Nachdrucke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den frĂŒhen 70er Jahren gab es mehrere AnlĂ€ufe zu einer Neuedition der EC Comics.
Die The Complete EC Library (1979â1988) enthĂ€lt in 14 Schubern alle Titel des New Trend und der New Direction als groĂformatige Schwarz-WeiĂ-Reproduktionen der Original-Zeichnungen. Fast sĂ€mtliche dieser BlĂ€tter stammen aus dem Archiv des EC-Herausgeber Gaines. Die Ausgabe wurde spĂ€ter durch BĂ€nde der Picto Fiction-Reihe und einige Hefte der Pre Trend-Ăra ergĂ€nzt.
In der Reihe The EC Annuals wurden alle New Trend / New Direction-Hefte in Jahresausgaben zusammengefasst. Jedes Annual enthĂ€lt fĂŒnf Hefte. Diese in den 1990er Jahren erschienenen Ausgaben sind farbig und entsprechen in etwa der OriginalgröĂe und -aufmachung.
SchlieĂlich folgten The EC Archives als Hochglanzausgabe. Die Neukolorierung in etwas kleinerem Format als die Library-BĂ€nde erscheint seit 2006 und wird weiterhin fortgefĂŒhrt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Grant Geissmann (Hrsg.): The History of EC Comics. Taschen Verlag, Köln 2020, ISBN 978-3-8365-4976-9.
- Grant Geissman: Foul Play â The Art And Artists Of The Notorious 1950s E.C. Comics. Harper Design, New York 2005, ISBN 0-06-074698-X
- Nicky Wright: The Classic Era of American Comics. Prion Books, London 2000, ISBN 1-85375-336-X
- Fred von Bernewitz und Grant Geissman (Hrsg.): Tales of Terror. The EC Companion. Gemstone Publishing & Fantagraphics Books, Timonium & Seattle 2000, ISBN 1-56097-403-6
- Maurice Horn: The World Encyclopedia of Comics. Chelsea House Publishers, New York 1976, ISBN 0-87754-030-6
- Don Thompson und Dick Lupoff (Hrsg.): The Comic-Book Book. Rainbow Books, Carlstadt 1977, ISBN 0-89508-001-X
- Russ Cochran: The Complete EC Library [diverse BĂ€nde, mit Anmerkungen und Kommentaren ergĂ€nzt]. Selbstverlag, West Plains, Missouri, 1979â1988. Keine ISBN.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Bernd Graff: Giftige Wucherungen. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 28. August 2020, abgerufen am 1. September 2020.