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Edition Nautilus

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Die Edition Nautilus ist ein unabhĂ€ngiger deutscher Verlag fĂŒr Biografien, Belletristik und politische SachbĂŒcher mit Sitz in Hamburg.

Die Edition Nautilus wurde 1973 von Pierre Gallissaires (1932–2020), Hanna MittelstĂ€dt und Lutz Schulenburg (1953–2013)[1][2][3] gegrĂŒndet, zunĂ€chst als MaD-Verlag. Alle drei wurden von der 68er-Bewegung geprĂ€gt. Vor dem Hintergrund der linkspolitischen Richtungen versuchten sie, den undogmatischen Geist jener Zeit am Leben zu erhalten, indem sie sich darum bemĂŒhten, die undogmatische Avantgarde der 1920er Jahre wiederzuentdecken.[4] Sie begannen mit der Herausgabe der Zeitschrift MaD im MaD-Verlag. Nach einer Klage des gleichnamigen MAD-Magazins benannte sich der Verlag 1977 in Edition Nautilus um und die Zeitschrift MaD in „Revolte!“.[5]

2013 starb Schulenburg, MittelstĂ€dt fĂŒhrte den Verlag ĂŒbergangsmĂ€ĂŸig weiter und ĂŒbergab ihn 2016 an fĂŒnf Mitarbeiter, die ihn seither im Kollektiv in Form einer GmbH weiterfĂŒhren.[6] Seit 2022 existiert die gemeinnĂŒtzige Hanna MittelstĂ€dt und Lutz Schulenburg-Stiftung (Nautilus-Stiftung) zum Erhalt und der Erforschung des Verlagsarchivs sowie der Werke Franz Jungs.[7]

Von Beginn an fanden sich im Verlagsprogramm politische, anarchistische, dadaistische und situationistische Schriften – wozu literarische Texte neuerer Autoren wie Ingvar AmbjĂžrnsen, Franz Dobler und Johannes Muggenthaler traten. Die erste verlegerische „Großtat“ war die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung der kompletten Zeitschriften der „Situationistischen Internationale“ (1958 bis 1969), die in zwei BĂ€nden 1976 und 1977 erschien. Das grĂ¶ĂŸte Projekt des Verlages war die zwischen 1981 und 1997 in zwölf BĂ€nden erschienene Werkeausgabe von Franz Jung. Von 1981 bis 2013 erschien die Zeitschrift Die Aktion. Eine weitere Programmschiene des Verlags waren Autobiographien gegen die Zeit, die 1977 mit Die Feuer der Freiheit von James Carr begannen und spĂ€ter mit Autobiographien von Billie Holiday, Franz und ClĂ€re Jung, Emma Goldman u. v. a. fortgesetzt wurden. In neuerer Zeit veröffentlichte die Edition Nautilus unter anderem BĂŒcher von und ĂŒber Buenaventura Durruti, Wiglaf Droste, Peter Hacks, Abbas Khider, Subcomandante Marcos, Errico Malatesta, Laurie Penny, Horst Stowasser, Jochen Schimmang, Deniz YĂŒcel.

Ein Markenzeichen des Verlags ist die „Kleine BĂŒcherei fĂŒr Hand und Kopf“, in der vergessene Texte der klassischen Moderne, u. a. von Enrico Baj, Max Ernst, Francis Picabia, Kurt Schwitters und Tristan Tzara wieder aufgelegt wurden.

Mit der Krimi-Reihe und dem Erstlingswerk Tannöd der Autorin Andrea Maria Schenkel, die fĂŒr ihren Roman den Deutschen Krimi-Preis 2007 erhielt, schaffte es der Verlag erstmals auf „Platz 1“ der Sparte Belletristik in der vom Fachmagazin buchreport ermittelten Bestsellerliste. 2008 erhielt Schenkel zum zweiten Mal den Deutschen Krimi-Preis fĂŒr ihren Roman Kalteis. Die Krimireihe startete 1988 mit der deutschen Erstausgabe von LĂ©o Malets Schwarzer Trilogie (Das Leben ist zum Kotzen, Die Sonne scheint nicht fĂŒr uns, Angst im Bauch) und wird bis heute fortgesetzt.

  • Jan-Frederik Bandel: „Laumeierei gibt’s hier nicht!“ GesprĂ€ch mit Hanna MittelstĂ€dt und Lutz Schulenburg, den Verlegern der Edition Nautilus. Über Minderheitenpositionen, die siebziger Jahre und BĂŒcher, auf die man stolz sein darf. In: Junge Welt vom 30. Dezember 2006
  • Hanna MittelstĂ€dt, Anna Rheinsberg: Liebe Hanna, Deine Anna. Briefe ĂŒber Liebe und Literatur. Hamburg, 1999. ISBN 3-89401-299-4 (U. a. kommt der Verlagsalltag zur Sprache).
  • Zwanzigtausend Meilen fĂŒr die Anarchie. Nina Nadig und Bernd DrĂŒcke im GesprĂ€ch mit den Edition Nautilus-Verlegerinnen Hanna MittelstĂ€dt und Katharina Picandet. In: Bernd DrĂŒcke (Hrsg.): Anarchismus Hoch 3. Utopie, Theorie, Praxis. Interviews und GesprĂ€che. Unrast Verlag, MĂŒnster 2016, ISBN 978-3-89771-219-5, S. 65–75 (online in der Graswurzelrevolution Nr. 390, Sommer 2014 [abgerufen am 25. November 2018]).
  • Hanna MittelstĂ€dt: Arbeitet nie! Die Erfindung eines anderen Lebens. Chronik eines Verlags, Edition Nautilus, Hamburg 2023. ISBN 978-3-96054-317-6
Commons: Edition Nautilus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Sebastian Hammelehle: Politischer Verleger: Lutz Schulenburg gestorben. In: Spiegel Online. 2. Mai 2013, abgerufen am 2. Mai 2013.
  2. ↑ Hajo Steinert: Der progressive Unbeugsame. Zum Tod des Verlegers Lutz Schulenburg. In: dradio.de
  3. ↑ Christoph Twickel: Zum Tode Lutz Schulenburgs – Ein radikaler Optimist. In: Spiegel Online, 3. Mai 2013.
  4. ↑ Stefan Kleie: Vom SpĂŒrsinn der KopffĂŒĂŸer. Linkes KunststĂŒck: Die Hamburger Edition Nautilus ist seit mehr als vierzig Jahren als Kleinverlag im GeschĂ€ft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. September 2016, S. 13.
  5. ↑ MAD - Revolte. In: nautilus-stiftung.org. Abgerufen am 27. April 2026.
  6. ↑ Die Crew tritt an. In: boersenblatt.net, 26. April 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  7. ↑ Nautilus-Stiftung. Abgerufen am 28. September 2025.
  8. ↑ Zillmer-Verlegerpreis geht an die Edition Nautilus. In: Badische Zeitung online, 7. Juli 2018, abgerufen am 6. Januar 2024.
  9. ↑ Deutscher Verlagspreis 2023: Das sind die PreistrĂ€ger. In: buchmarkt.de. 18. Juli 2023, abgerufen am 13. September 2026.