Elf 99
Elf 99 war eine Jugendsendung des Deutschen Fernsehfunks (DFF), benannt nach der damaligen Postleitzahl 1199, dem Sitz des DFF im Berliner Ortsteil Adlershof. Elf 99 wurde im September 1989 erstmals ausgestrahlt, unter anderem als Reaktion auf Nutzungs- und Wahrnehmungsmuster durch das Westfernsehen.[1] Die Programmstrecke verfolgte erstmals in der Geschichte des DDR-Fernsehens eine âalternative Programmpolitikâ, mit der die DDR-Regierung Jugendliche, die sich von der DDR und deren Fernsehen abgewandt hatten, zurĂŒckzugewinnen hoffte. Elf 99 wurde nach dem Ende der DDR auf verschiedenen deutschen Sendern bis zur Einstellung am 26. MĂ€rz 1994 ausgestrahlt.[2]

Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Sendung wurde erstmals am 1. September 1989 um 15:45 Uhr im 2. Programm des Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Die jeweils zweistĂŒndigen Sendungen mit dem Untertitel Der Jugendnachmittag beinhalteten einen Mix aus Nachrichten, Sportberichten und Musikvideos sowie eine Folge einer Fernsehserie. Den Anfang machte die Fernsehfassung von Dirty Dancing, welche dort in deutscher Erstausstrahlung gesendet wurde. SpĂ€ter folgten neben der Erweiterung der freitĂ€glichen Sendung mit einer zusĂ€tzlichen Ausgabe am Dienstagnachmittag (seit 31. Oktober 1989) noch weitere Serien, wie Der Schatz im All, Ferdy, Fame â Der Weg zum Ruhm, SĂŒĂ und sauer und TV 101. Da die Technik des DDR-Fernsehens veraltet war, wurde speziell fĂŒr Elf 99 neue Technik bereitgestellt, die sonst nur zu Staatsbesuchen oder Ă€hnlichen Ereignissen aus dem Ausland importiert wurde. Ein Novum war auch, dass Elf 99 eigene aktuelle FernsehnachrichtenbeitrĂ€ge verfassen durfte; dies war bis dahin nur der Redaktion der Aktuellen Kamera gestattet.
Wegen der hohen PopularitĂ€t der Stammsendung folgten noch weitere Sendungen, wie Elf 99 â Der Sonntags-Film am Sonntagnachmittag. ZusĂ€tzlich wurde donnerstags die Musiksendung Countdown des niederlĂ€ndischen Senders Veronica, moderiert von Wessel van Diepen, ausgestrahlt â die Sendung wurde simultan ins Deutsche ĂŒbersetzt.

GroĂe Resonanz erzielte das Magazin in den Wendemonaten mit kritischen BeitrĂ€gen und ihren Sondersendungen, dem Elf 99-Spezial, mit vorher undenkbaren BeitrĂ€gen ĂŒber die DDR-FĂŒhrung. So war es dem Elf-99-Team mit dem Moderator Jan Carpentier gestattet, die Waldsiedlung Wandlitz, die als Ferienobjekt des Ministerrats der DDR genutzte Ostseeinsel Vilm und das Stasi-Wachregiment Feliks Dzierzynski (Neues von Felix â Nachrichten aus der Grauzone, 6. Dezember 1989) zu besuchen.
In einer Elf-99-Sendung war das PolitbĂŒromitglied Harry Tisch zu Gast und man forderte ihn offen auf zurĂŒckzutreten. Tisch trat tatsĂ€chlich kurz darauf von seinen Ămtern zurĂŒck.[2]
Mit der Verleihung des Medienpreises Bambi im Dezember 1989 wurde Elf 99 besonders geehrt.[3] Nach der Zusammenlegung der beiden DDR-Fernsehsender zu einem Programm im Dezember 1990 blieben Elf 99 zunÀchst seine angestammten SendeplÀtze erhalten.
Wechsel zu RTL nach der deutschen Wiedervereinigung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dem Publikum in den alten BundeslĂ€ndern wurde Elf 99 am 8. Februar 1991 mit einer Sonderausgabe mit dem Titel Die Störung hat System im Nachmittagsprogramm der ARD vorgestellt. Moderatoren dieser Sendung, die den Auftakt einer nicht verwirklichten FortfĂŒhrung des Magazins in der ARD darstellten sollte, waren Thomas Riedel, Ines KrĂŒger und Ingo Dubinski. Die Sendung begann um 15:20 Uhr und endete um 16:30 Uhr â zu diesem Zeitpunkt begann im DFF das regulĂ€re Elf-99-Programm.[4]
Mit der Auflösung des DFF schien am 31. Dezember 1991 das Ende der Sendung gekommen zu sein. Weder der MDR noch der ORB â beide Nachfolgesender des DFF â zeigten Interesse, die Sendung fortzufĂŒhren. So ergriff der Privatsender RTL plus, der im Sendegebiet der ehemaligen DDR hohe PopularitĂ€t genoss und diese festigen wollte, die Chance und ĂŒbernahm die Sendung. Bereits am 6. Januar 1992 konnte Elf 99 auf einem neuen Sendeplatz, werktĂ€glich um 18 Uhr, als 45-minĂŒtige Sendung weitersenden. Der Sendeplatz war jedoch sehr ungĂŒnstig gewĂ€hlt, die Sendung konnte lediglich von Zuschauern empfangen werden, die den Sender RTL per Satellit empfingen. Ein GroĂteil der Kabelnetzzuschauer, aber insbesondere jene, die RTL per Hausantenne empfangen konnten, sahen stattdessen die Regionalprogramme von RTL. Die Sendedauer von nunmehr 45 Minuten statt vormals rund zwei Stunden blieb auch nicht ohne Auswirkungen auf den Charakter der Sendung. Zwei Werbeunterbrechungen reduzierten die Sendezeit noch weiter.
Umbenennung und Einstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]AusfĂŒhrliche Reportagen und ausgelassene GesprĂ€che, wie sie noch zu DFF-Zeiten das Bild der Sendung prĂ€gten, waren in der gekĂŒrzten Sendezeit kaum mehr möglich. Vielmehr erweckte die Sendung den Eindruck, sie bestehe neben dem Abspielen von vier Musikvideos pro Ausgabe, den Kurznachrichten im Elf-99-Stil und den zwei Werbepausen nur noch aus FĂŒllwerk mit eher belanglosen Themen. Daher schwand die PopularitĂ€t der Sendung relativ schnell, weshalb RTL die Sendung am 10. September 1993 aus dem Programm nahm und an VOX weitergab, wo man mit der Ausstrahlung am 15. November 1993 begann. Der schlechte Sendeplatz am frĂŒhen Nachmittag und die geringe Empfangsmöglichkeit des zum damaligen Zeitpunkt erst sechs Monate tĂ€tigen Senders lieĂen das Zuschauerinteresse an Elf 99 noch weiter schrumpfen. SchlieĂlich wurde der Sendeplatz auf den Samstagnachmittag gelegt und im MĂ€rz 1994 eine Umbenennung in Saturday beschlossen. TatsĂ€chlich lief nur eine Ausgabe unter dem neuen Namen am 26. MĂ€rz 1994. Denn im MĂ€rz 1994 hatten sĂ€mtliche Anteilseigner des Senders VOX ihre Beteiligungen gekĂŒndigt und eine Finanzierung des Programmbetriebs ĂŒber den 31. MĂ€rz hinaus in Frage gestellt. Somit fiel neben mehreren Sendungen auch Elf 99/
Moderatoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moderatoren der ersten Stunde waren Jan Carpentier, Ingo Dubinski, Victoria Herrmann und Angela Fritzsch. SpĂ€ter folgten Ines KrĂŒger, Steffen Twardowski, Marcel Obua und Thomas Riedel. Anja Kling moderierte innerhalb der Jugendsendung das MĂ€dchenmagazin Paula. Beim Wechsel zu RTL verblieben nur Victoria Herrmann, Ines KrĂŒger, Steffen Twardowski und Thomas Riedel.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thomas Schuhbauer: Umbruch im Fernsehen, Fernsehen im Umbruch. Die Rolle des DDR-Fernsehens in der Revolution und im Prozess der deutschen Vereinigung 1989â1990 am Beispiel des Jugendmagazins Elf99. Logos Berlin 2001. ISBN 978-3-89722-658-6
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Medienstudie Elf â99 â Resonanz der Jugendsendung in der Wende 1989 ( vom 17. August 2003 im Internet Archive), Codebuch einer Erhebung des Leipziger Zentralinstituts fĂŒr Jugendforschung von Oktober 1989 bis November 1989 mit 1268 Befragten (PDF-Datei, 98 Seiten, 112 kB)
- âEinzug ins Paradiesâ, 24. November 1989 (âWandlitz-Reportageâ) ( vom 21. Dezember 2021 im Internet Archive)
- Die Kinder vom Busbahnhof auf YouTube (Sendung vom Oktober 1990; Laufzeit: 23:41Â min).
- Bunter Feldzug gegen das Westfernsehen. n-tv.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Hans-Jörg Stiehler: Leben ohne Westfernsehen: Studien zur Medienwirkung und Mediennutzung in der Region Dresden in den 80er Jahren: Leipziger UniversitĂ€tsverlag 2001. S. 15.
- 1 2 âElf99â Das Wende-Magazin (PDF, 41Â KB), Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (bpb).
- â Bambi-Geschichte ( vom 21. September 2011 im Internet Archive): âDoch BAMBI 1989 stand auch im Zeichen des Mauerfalls: Ausgezeichnet wurde das Team der mutigen, kritischen DDR-Jugendsendung âelf 99â.â
- â FF dabei, Nr. 5/1991, Programmteil fĂŒr Fr., den 8. Februar 1991, S. 56