Fachverlag
Ein Fachverlag oder auch Fachbuchverlag ist ein Verlag, der vorwiegend oder ausschlieĂlich FachbĂŒcher bzw. Fachliteratur verlegt,[1][2] die sich an âein FachÂpublikum meist mit Blick auf die professionelle Anwendung oder (wenn ein wissenschaftliches Buch) die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisseâ richtet.[3]
Arten von Fachverlagen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]EinschlĂ€gige Fachverlage (der âFachmarktâ) werden in geisteswissenschaftliche, âSTMâ- (scientific, technical and medical publishers. deutsch: Naturwissenschaften, Technik, Medizin) und âRWSâ-Verlage (Recht, Wirtschaft, Steuern) eingeteilt. Diese sind nach Caroline Tovornik (2006) jeweils mehreren Klassen der allgemeinen Dezimalklassifikation der Deutschen Nationalbibliothek zuordenbar: Geisteswissenschaftliche Verlage entsprechen demnach in etwa DK 1 (Philosophie, Psychologie), DK 2 (Religion, Theologie â heute nur noch Religion benannt), DK 8 (Sprach- und Literaturwissenschaft, Belletristik â heute nur Sprache) und DK 9 (Geografie, Geschichte). STM-Verlage publizieren in DK 5 (Mathematik, Naturwissenschaften â heute nur Naturwissenschaften) und DK 6 (Angewandte Wissenschaften, Medizin, Technik â heute nur Technik). Die RWS-Verlage sind in DK 3 (Sozialwissenschaften) einzuordnen.[4][5] Spezialisierte Unternehmensformen eines Fachverlags sind im engeren oder weiteren Sinn z. B. UniversitĂ€tsverlage, Wissenschaftsverlage oder auch Unternehmensverlage.
Im Jahr 2018 haben die deutschen FachmedienhĂ€user einen Umsatz von 7,73 Milliarden Euro erzielt und diesen gegenĂŒber 2017 um 1,1 % gesteigert. RĂŒcklĂ€ufige Printerlöse konnten durch digitale GeschĂ€fte kompensiert werden.[6]
Auch im Fachbuchmarkt findet wie bei allen Verlagen die Konzentration auf wenige groĂe Verlagsgruppen statt. Zahlreiche bekannte Fachverlage die unter ihrem Namen weitergefĂŒhrt werden, gehören heute zu gröĂeren Verlagsgruppen.[7][8]
Siehe Wissenschaftsverlag, Abschnitt: Kritik und Predatory Publishing gibt es aber auch Fachverlage mit kritik- und sogar betrĂŒgerischen GeschĂ€ftsmodellen.
Verlagsprogramme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Verlagsprogramm eines Fach- oder Fachbuchverlags kann neben FachbĂŒchern auch Fachinformationen in weiteren Fachmedien, wie Zeitschriften, Loseblattwerke, Formulare, Newsletter, Software, CD-ROMs, DVDs, E-Books, Online-Angebote und Seminare umfassen.
WĂ€hrend einige Fachbuchverlage auch Bestseller im Verlagsprogramm haben,[9] mĂŒssen andere Fach- oder Fachbuchverlage im Gegensatz zu einem Publikumsverlag per se einkalkulieren, dass die von ihnen verlegten Werke meist nur in einer geringen Auflagenhöhe produziert werden können.[10] Ein Gewinn kann somit nicht allein durch einen den Produktionskosten entsprechend hohen Verkauf von Exemplaren eines Fachbuchs erzielt werden, sondern bedarf einer Absatzgarantie durch Abonnenten[11] oder â vor allem in Deutschland â in Form von DruckkostenzuschĂŒssen, d. h. durch eine Beteiligung der Autoren an den Kosten.
Organisationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Verein Deutsche Fachpresse vertritt die Interessen der Fachmedien-Anbieter in Deutschland und reprÀsentiert rund 350 Mitgliedsverlage.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ranking â Die 25 grössten Fachverlage in Deutschland Ranking auf Kress pro vom 23. Juli 2019 fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2018/2019, online unter kress.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Duden: Fachverlag, online unter duden.de
- â Duden: Fachbuchverlag, online unter duden.de
- â Sigrid Pohl, Konrad Umlauf: Warenkunde Buch. Strukturen, Inhalte und Tendenzen des deutschsprachigen Buchmarkts der Gegenwart. 2., erneuerte Auflage. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05622-9, S. 117 ff. (345 S., eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. April 2013] broschiert).
- â Carolin Tovornik: Fachbuchverlage in Berlin 1989â2004. s. S. 10. In der Reihe: Alles Buch â Studien der Erlanger Buchwissenschaft XVII, herausgegeben von Ursula Rautenberg u. Volker Titel. Buchwissenschaft, UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg 2006. ISBN 3-9809664-7-X.
- â Zehn Hauptklassen der Dewey-Dezimalklassifikation laut aktueller Homepage der DNB. Die heutigen Benennungen beziehen sich darauf.
- â David Hein: Fachverlage wachsen dank digitaler Medien, Meldung vom 8. Mai 2019, online unter horizont.net
- â Buchmarktexperte: âWird fĂŒr kleinere Verlage nicht einfacherâ Holger Heimann im GesprĂ€ch mit Antje Allroggen Deutschlandfunk vom 18. Dezember 2019
- â Zuordnung einzelner Fachverlage zu Firmengruppen in der Firmendatenbank "wer-zu-wem.de"
- â Ranking 2019 der Top 10 Fachverlage mit den höchsten BruttowerbeumsĂ€tzen der 150 gröĂten Titel auf statista.com.
- â Gemma Pörzgen: Doktor Digital â Die eigene Dissertation in einem Verlag unterzubringen, verschafft ihr Prestige. Doch das Internet ist preiswerter und schneller. Digitales Publizieren hĂ€ngt auch vom Fach ab. online in Der Tagesspiegel vom 18. Februar 2014.
- â Bettina Wonschik: Kundenorientierung: Bedeutung und Realisation in Fachverlagen. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1994. Siehe S. 34. (Volltext in der Google-Buchsuche) ISBN 978-3-447-03517-0.