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Feldgeschworene

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Feldgeschworenenwesen in Bayern
Immaterielles Kulturerbe Immaterielles-Kulturerbe-Emblem
Staat(en): Deutschland Deutschland
Liste: Nationale Liste
Weblink: unesco.de
Aufnahme: 2016

Feldgeschworene wirken in Bayern, Rheinland-Pfalz und bis Ende 2014 auch in ThĂŒringen bei der Kennzeichnung von GrundstĂŒcksgrenzen und FlurstĂŒcken mit. Sie setzen Grenzsteine höher oder tiefer, entfernen Vermessungspunkte oder ersetzen beschĂ€digte Vermessungspunkte. Als HĂŒter der Grenzen, Mittler bei Grenzstreitigkeiten und Abmarkungen in Gemeindegebieten arbeiten sie eng mit Vermessungsbeamten zusammen.[1]

Es gibt eine Vielzahl von alternativen Bezeichnungen mit teilweise nur regionaler Verwendung. Die bekanntesten sind Siebener oder Siebner (deren TÀtigkeit, die Siebnerei, durch Steinsetzerordnungen[2] bzw. Siebnereiordnungen geregelt war[3]), Landscheider[4] UntergÀnger und Steinsetzer.

Seit dem 12. oder 13. Jahrhundert gibt es Feldgeschworene. Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der Ă€ltesten noch erhaltenen Ämter der kommunalen Selbstverwaltung.

In Bayern gibt es etwa 25.000 Feldgeschworene, davon 15.000 in Franken (Stand 2016).[5] Die TĂ€tigkeit gilt als Ehrenamt. In Rheinland-Pfalz ist das TĂ€tigwerden von Feldgeschworenen hingegen in der heutigen Zeit selten.[6]

Gesetzliche Regelungen

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Details zum Ehrenamt des Feldgeschworenen in Bayern sind geregelt im bayerischen Abmarkungsgesetz (AbmG) vom 6. August 1981, der bayerischen Feldgeschworenenverordnung (FO) vom 16. Oktober 1981, der bayerischen Feldgeschworenenbekanntmachung (FBek) zum Vollzug vom 12. Oktober 1981.

Entsprechende Regelungen fĂŒr Rheinland-Pfalz finden sich in der dortigen LGVermDVO (§§ 21 und 22) vom 30. April 2001 nebst ausfĂŒhrlicher ErlĂ€uterungen in der BegrĂŒndung zur LGVermDVO[7].

Sieben Landscheider mit ihrem Werkzeug bei der Grenzbereinigung – Illustration aus dem Naumburger Salbuch (um 1514)

Das Ehrenamt ist im 13. Jahrhundert in Franken entstanden, wo durch die klein-strukturierten GrundstĂŒcksparzellen besonders viele GrenzverlĂ€ufe zu dokumentieren waren.[8] Die Territorialherren erkannten, dass Ansprechpartner vor Ort nötig waren, die sich mit den lokalen gemeindlichen Gegebenheiten auskannten und die die Grenzbeaufsichtigung gewĂ€hrleisteten. Weil ursprĂŒnglich eine Gruppe von meist sieben Personen zur Regelung und Bestimmung von GrundstĂŒcksgrenzen eingerichtet wurde, bĂŒrgerte sich der Begriff Siebener ein. Heute wird eine Mindestzahl von vier Personen gefordert.

Das Feldgeschworenenwesen entstand aus den damaligen Feld- und Untergangsgerichten, die wiederum aus den Dorfgerichten hervorgegangen waren.[9]

Zur Sicherung der Grenzsteine existierte das Siebenergeheimnis, ĂŒber die die Siebener Stillschweigen zu halten hatten, und die nur mĂŒndlich weitergegeben wurden. Dieses bestand aus individuell platzierten besonders geformten, manchmal beschrifteten Zeichen aus gebranntem Ton, Glas, Porzellan oder Metall.[10] Ihr Wissen um die GrundstĂŒcksverhĂ€ltnisse und die Richterfunktion bei Bodenstreitigkeiten machten die Siebener zu „Leute[n], die im Dorf am meisten angesehen, aber auch gefĂŒrchtet waren“.[11]

Bis zum Erlass des Abmarkungsgesetzes im Jahr 1900 hatten sie das Recht, selbstĂ€ndig Grenzermittlungen, GrundstĂŒcksteilungen und -abmarkungen durchzufĂŒhren. Im derzeit gĂŒltigen Bayerischen Abmarkungsgesetz ist der Amt der Feldgeschworenen als kommunales Ehrenamt ausgestaltet. In jeder bayerischen Gemeinde sind vier bis sieben Feldgeschworene zu bestellen. Ihre Aufgabe besteht darin, bei der Abmarkung von GrundstĂŒcken (die grundsĂ€tzlich durch die VermessungsĂ€mter erfolgt) mitzuwirken. Weiterhin fĂŒhren sie Grenzbegehungen durch, um MĂ€ngel an den Grenzzeichen festzustellen. Im Auftrag der EigentĂŒmer stellen sie Grenzzeichen wieder her und sichern beschĂ€digte Grenzzeichen.

Eine wichtige historische Quelle zur Arbeit der Feldgeschworenen ist das in Frammersbach im Spessart von 1572 bis 1764 gefĂŒhrte „Sechserbuch“.[12] Es wurde im Winter 2002/03 von Rainer Leng redigiert.

Im Jahre 2016 erfolgte die Anerkennung als deutsches UNESCO-Kulturerbe.[13][14]

Andere deutsche BundeslÀnder

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Außerhalb von Bayern und Rheinland-Pfalz existiert diese eigenstĂ€ndige Aufgabe nicht (mehr).

Nach dem Ende der DDR fĂŒhrte ThĂŒringen 1991 die Möglichkeit wieder ein, Feldgeschworene zu bestellen. Nur die Stadt Hildburghausen machte davon Gebrauch. 2008 wurden Neubestellungen ausgesetzt, bereits bestellte Feldgeschworere durften ihr Amt aber noch bis Ende 2014 ausĂŒben[15]. Seit 1. Januar 2015 gibt es in ThĂŒringen keine Feldgeschworenen mehr[16].

Die Vermessung wird alleine von Beamten der VermessungsĂ€mter oder von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren wahrgenommen. Gegen das VerrĂŒcken von Grenzsteinen vertraut man dort dem Vermessungszahlenwerk und den daraus bestimmten Koordinaten. ZusĂ€tzlich werden auch dort die Grenzzeichen durch unterirdische Marksteinzeugen (Tonkegel, Flaschen usw.) gesichert, die in der Grenzverhandlung bekannt gegeben werden.

Aus der TĂ€tigkeit des aktiven Kontrollierens und Abgehens der Gemeindegrenze durch die BĂŒrger, der sogenannten Grenzbegehung, d. h. eine TĂ€tigkeit, um eine (Gemeinde-)Grenze zu kontrollieren, freizuhalten oder die Kenntnis ĂŒber den Verlauf von Grenzen zu vermitteln, entwickelten sich vielerorts Volksfeste mit regional wechselnder Benennungen wie Schnadegang, Banntag oder Grenzgang.

Im Rahmen der Brauchtumspflege und FremdverkehrsunterstĂŒtzung entstanden 2007 im frĂ€nkischen Langenzenn mehrere Siebenerwege, auf denen die lokalen Siebenersteine sinnlich erwanderbar sind.[17]

  • Richard Henninger: Sichere Grenzen schaffen Frieden – ĂŒber die Entwicklung und das Wesen der Siebenerei. In: zfv Zeitschrift fĂŒr GeodĂ€sie, Geoinformation und Landmanagement, Heft 4/2011, S. 233–238, Wißner-Verlag, Augsburg 2011, ISSN 1618-8950
  • Rainer Leng: Grenzen, Steine, SechsersprĂŒche. Die dörfliche Rechtspraxis im Spiegel des Frammersbacher Sechserbuches. Königshausen und Neumann, WĂŒrzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6160-8.
  • Rainer Bauer: Der Feldgeschworene, 30. Aufl., Jehle Verlag MĂŒnchen 2021, ISBN 978-3-7825-0632-8.
  • Franz Simmering, Rudolf PĂŒschel: Bayerisches Abmarkungsrecht, 4. Aufl., Boorberg-Verlag Stuttgart 2022, ISBN 978-3-415-07265-7.
  • Feldgeschworene; Beauftragung. In: bayernportal.de. 29. Mai 2026;.
  • Bayerisches Staatsministerium der Finanzen: Feldgeschworene (Landkreis). In: Bayerischer Behördenwegweiser. 24. Januar 2008, archiviert vom Original am 2. Juni 2008;.
  • Feldgeschworene. In: ldbv.bayern.de. 2024, archiviert vom Original am 4. MĂ€rz 2025;.
  • Feldgeschworene. In: ThĂŒringer Vermessungs- und Geoinformationsgesetz. 16. Februar 2008;.
  • Direktion fĂŒr LĂ€ndliche Entwicklung Ansbach (Hrsg.), Fritz GĂŒllich: Feldgeschworene in Mittelfranken: Begleitheft zur Ausstellung. (pdf; 785 kB) In: bayern.de. 26. Juli 2002, archiviert vom Original am 12. Dezember 2015;.
  • Heiner Kiesel: Feldgeschworene - HĂŒter der Grenzsteine. (mp3-Audio; 6 MB; 6:47 Minuten) In: Deutschlandfunk-Kultur-Sendung „Zeitfragen“. 9. Juni 2026;.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ralph Wege: Feldgeschworene: Traditionelles Ehrenamt - auf Lebenszeit? In: Bayerischer Rundfunk - Online. Bayerischer Rundfunk AdöR, 1. November 2026, abgerufen am 2. November 2026.
  2. ↑ Christine Demel: Steinsetzer-Ordnung. Festschrift. KĂŒrnach 1990.
  3. ↑ Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 144, 312 und 342 f.
  4. ↑ Hembach: Die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner (PDF) S. 8. (Memento vom 18. September 2018 im Internet Archive)
  5. ↑ Feldgeschworene: Siebener werden Kulturerbe. infranken.de, 4. August 2016; abgerufen am 18. September 2018.
  6. ↑ HĂŒter des „Siebenergeheimnisses“. In: Die Rheinpfalz. 2. Dezember 2016, archiviert vom Original am 28. Dezember 2024; abgerufen am 28. Dezember 2024.
  7. ↑ BegrĂŒndung zur LGVermDVO. Archiviert vom Original am 28. Dezember 2024; abgerufen am 28. Dezember 2024.
  8. ↑ Immaterielles Kulturerbe: Feldgeschworenenwesen in Bayern. Deutsche UNESCO-Kommission; abgerufen am 18. September 2018
  9. ↑ Bayerische Vermessungsverwaltung - Vermessung - Feldgeschworene. Abgerufen am 27. Dezember 2019.
  10. ↑ Keine Spur mehr vom Siebenergeheimnis. Nordbayerischer Kurier, 15. Juni 2016; abgerufen am 18. September 2018
  11. ↑ Entzauberte GeheimnistrĂ€ger. SĂŒddeutsche Zeitung, 12. Januar 2016; abgerufen am 18. September 2018.
  12. ↑ Das Sechserbuch (Memento vom 25. November 2014 im Internet Archive) auf der Seite des ArchĂ€ologischen Spessartprojekts
  13. ↑ Feldgeschworene gehören zum Weltkulturerbe. Landratsamt WĂŒrzburg, 27. MĂ€rz 2018; abgerufen am 18. September 2018
  14. ↑ Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe. Abgerufen am 27. Dezember 2019.
  15. ↑ Übergangsbestimmungen ThĂŒrVermGeoG. 16. Dezember 2008, abgerufen am 23. Juli 2021.
  16. ↑ Feldgeschworene werfen das Handtuch. In: inSuedthueringen.de. 20. November 2014, abgerufen am 23. Juli 2021.
  17. ↑ Wandern zu steinernen Zeugen. In: NĂŒrnberger Zeitung, 13. September 2010; abgerufen am 18. September 2018.