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Freisinn

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Freisinn ist eine politische Richtung innerhalb des Liberalismus, die sich im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Sie steht fĂŒr Freidenkertum, aber ohne explizit antireligiös zu sein, und wird teilweise mit einem Liberalismus als mentaler Einstellung gleichgesetzt.[1]

Im deutschen Kaiserreich entstand 1884 die Deutsche Freisinnige Partei, die sich 1893 in die rechtsliberale Freisinnige Vereinigung und die linksliberale Freisinnige Volkspartei aufspaltete. 1910 gingen beide FlĂŒgel in der Fortschrittlichen Volkspartei auf.

In den Niederlanden sammelten sich die Linksliberalen, die sich auch Radikale nannten, im Vrijzinnig Democratische Bond. Diese Partei gab es von 1901 bis 1946. Im Jahre 1966 wurde die Partei Democraten 66 gegrĂŒndet, die sich 2006 den Zusatz „Sozialliberale“ gegeben hat. Sie verwendet den Begriff vrijzinnig gelegentlich.

Der Begriff wird außerdem in kirchlichem Zusammenhang fĂŒr die liberaleren protestantischen Gemeinschaften verwendet. So gibt es die Vrijzinnige Geloofsgemeenschap (deutsch: Freisinnige Glaubensgemeinschaft).[2] Auch einer der öffentlichen Rundfunkvereine hieß Vrijzinnig Protestantse Radio Omroep, bis er sich nur noch unter seiner AbkĂŒrzung VPRO prĂ€sentierte. Er gilt heutzutage als eher alternativ-anarchistisch.

Der Freisinn in der Schweiz ist aus der liberalen Bewegung gewachsen und gilt als GrĂŒnderbewegung des Bundesstaates von 1848.

Im Jahr 1830 wurde der Solothurner Freisinn unter der FĂŒhrung des spĂ€teren Bundesrates Josef Munzinger gegrĂŒndet. Die im Jahr darauf gegrĂŒndete „Patriotische Assoziation“ bezeichnete sich als „Schutzverein fĂŒr die Freiheit“. Gegen den konservativen Kanton Luzern fĂŒhrten die Radikalen 1844/45 sogenannte FreischarenzĂŒge. Der Sonderbundskrieg 1847 brachte den Sieg der Liberalen auch auf nationaler Ebene. Die Schweizer Bundesverfassung von 1848 ist liberal geprĂ€gt. Der neu entstandene schweizerische Bundesstaat war in seinen AnfĂ€ngen politisch von der freisinnigen Bewegung dominiert. Sie stellte die Mehrheit in der Bundesversammlung und den gesamten Bundesrat.[3]

1894 wurde die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) gegrĂŒndet. 2009 fusionierte diese mit der bislang hauptsĂ€chlich in der Westschweiz verankerten Liberalen Partei der Schweiz (LPS) zur Partei „FDP.Die Liberalen“.

  1. ↑ JĂŒrgen Frölich: Freisinn. In: Politik fĂŒr die Freiheit, Projekt der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Liberalismus. Archivlink (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive).
  2. ↑ Internetseite der Vrijzinnige Geloofsgemeenschap (niederlĂ€ndisch).
  3. ↑ Daniel V. Moser-LĂ©chot: Freisinnig-Demokratische Partei (FDP). In: Historisches Lexikon der Schweiz.