Georg Christian Kessler

Georg Christian von Kessler (* 30. MĂ€rz 1787 in Heilbronn; â 16. Dezember 1842 in Stuttgart) grĂŒndete am 1. Juli 1826 in Esslingen am Neckar gemeinsam mit Heinrich August Georgii die Firma âG. C. Kessler & Co.â, heute die Ă€lteste Sektkellerei Deutschlands.[1] Zugleich gilt der Fabrikant als ein âWegbereiter der wĂŒrttembergischen Industrieâ.[2]
Karriere bei Veuve Clicquot
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Georg Christian wurde als viertes Kind des Stadtgerichtsassessors und Organisten Johann Wilhelm Kessler (* 5. April 1756 in Walldorf, Sachsen-Meiningen; â 10. September 1825 auf Gut Neuhof, Oberamt Neckarsulm) und der Schneidermeistertochter Johanna Christine Gesswein (* 18. Januar 1753 in Heilbronn; â 9. November 1798 in Heilbronn) in Heilbronn geboren. Bis zu seinem 14. Lebensjahr besuchte Georg Christian das Gymnasium in Heilbronn. Dann verlieĂ er das Gymnasium, um eine Ausbildung zu beginnen. Eine akademische Laufbahn, wie sie Kesslers Ă€lterer Bruder Heinrich (* 30. MĂ€rz 1783 in Heilbronn; â 10. MĂ€rz 1842 in Oppenweiler) einschlug, blieb ihm kĂŒnftig verwehrt. Den Wunsch seines Vaters, eine Ausbildung zum Silberarbeiter zu absolvieren, lehnte er ab. Stattdessen begann er in Neuwied eine Kaufmannslehre in einem EinzelhandelsgeschĂ€ft fĂŒr Farben, GewĂŒrze und Lederwaren.[3] FĂŒr die Stelle musste ein Lehrgeld von 300 Gulden bezahlt werden. Vermittelt wurde ihm die Lehrstelle von Freunden seines Vaters, der inzwischen den PlĂ€nen seines Sohnes zugestimmt hatte. WĂ€hrend seiner Lehrzeit nahm Kessler Sprachunterricht bei einem Priester, der wĂ€hrend der Französischen Revolution emigriert war. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse wechselte er 1804 nach drei Lehrjahren â das vereinbarte vierte Lehrjahr hatte ihm sein âPrincipalâ erlassen â als Comptorist in eine Lederwarenhandlung nach Mainz, das damals zu Frankreich gehörte[4] und fĂŒr seine feinen Lederwaren bekannt war.
Wie Kessler zu Veuve Clicquot-Fourneaux et Cie. nach Reims gekommen ist, darĂŒber gibt es zwei Lesarten. Die Quellen des Hauses Clicquot berichten, dass Kessler am 1. Juli 1807 auf Empfehlung von Ludwig (Louis) Bohne als Commis (Buchhalter) eingestellt wurde. Bohne stamme aus einer Mannheimer Familie und sei 1801 in Basel mit François Clicquot zusammengetroffen, der nach einem Vertreter fĂŒr seine Firma gesucht habe. Kessler selbst hat spĂ€ter gesagt, einer seiner Schulkameraden sei in dem Champagner-WeinhandlungsgeschĂ€ft Veuve Clicquot Fourneaux & Cie. in Reims als Buchhalter angestellt gewesen und fĂŒr diese Firma gereist. âEs war ihm ĂŒberlassen, seinen Stellvertreter vorzuschlagen, und seine Wahl fiel auf mich.â Kessler berichtet weiter, er sei mit gemischten GefĂŒhlen nach Reims gefahren, weil er sich der Aufgabe nicht ganz gewachsen fĂŒhle. Aber dann habe es sich doch alles wesentlich besser angelassen und er sei sehr schnell und fest im Sattel gesessen.[5]
Um 1807 befand sich das Unternehmen wegen der durch Napoleon verhĂ€ngten Kontinentalsperre in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weil GroĂbritannien als wichtiges Absatzgebiet fĂŒr Champagner weggebrochen war. Zudem war im Oktober 1805 François Clicquot verstorben, der Inhaber der 1772 von seinem Vater Philippe Clicquot-Muiron gegrĂŒndeten Weinhandlung. Seine Witwe Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin (1777â1866)[6] entschied sich, das Unternehmen weiterzufĂŒhren, seit 1806 mit dem Wein- und TextilhĂ€ndler Alexandre JĂ©rĂŽme Fourneaux als zweitem Teilhaber, wobei jede Partei die fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse hohe Summe von 80.000 Francs investierte.[7] Nach Ablauf des Gesellschaftervertrages mit Fourneaux im Sommer 1810[8] fĂŒhrte sie das Unternehmen als Einzelgesellschafterin weiter.
Der katastrophale Ausgang des Russlandfeldzuges im Jahr 1812 und die sich abzeichnende Niederlage Napoleons nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 spiegelten sich auch am schlechten GeschĂ€ftsverlauf des Hauses Clicquot wider. Seit 1806, als Barbe-Nicole das Unternehmen fĂŒhrte, war der Umsatz um 80 Prozent zurĂŒckgegangen. Die Verkaufsagenten hatten immer weniger Erfolg, weil die Kunden durch Kontributionen und hohe Steuern zur Finanzierung des Krieges belastet wurden; zudem wurden die Reisen immer gefĂ€hrlicher und das Verkaufsgebiet aufgrund des RĂŒckzugs der französischen Heere immer kleiner. In diesen schwierigen Jahren, als Barbe-Nicole viele Mitarbeiter entlassen musste, erwies sich Kessler als tĂŒchtiger Mitarbeiter. Er lernte schnell die Besonderheiten des Champagnergewerbes und erhielt bereits am 20. Juli 1810 Prokura, nachdem sich Barbe-Nicole von Alexandre JĂ©rĂŽme Fourneaux getrennt hatte.[4] Jetzt bezieht Kessler ein festes Gehalt von 1200 Livres, auĂerdem erhĂ€lt er fĂŒr jede Weinbestellung, die ĂŒber 100 Livres hinausgeht, 2 Livres und 2œ Centimes fĂŒr jede Flasche.
Allerdings lieĂ ihn seine wĂŒrttembergische Heimat nie ganz los. Im Dezember 1811 musste er nach Heilbronn reisen, weil man ihn âmit Gewaltâ fĂŒr die Armee des Königs von WĂŒrttemberg anwerben wollte. Kessler wird jedoch Anfang 1812 von der Musterungskommission in Stuttgart fĂŒr wehruntauglich erklĂ€rt und endgĂŒltig aus den Listen gestrichen.
Schaumwein um 1800
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kessler kam nach Reims, als sich das ChampagnergeschĂ€ft im Umbruch befand. Im Jahr 1801 veröffentlichte Jean-Antoine Chaptal ein richtungweisendes Buch ĂŒber Verbesserung des Weins, in dem erstmals der chemische Zusammenhang zwischen Hefe und Zucker sowie zwischen GĂ€rung und Alkoholentstehung beschrieben wird.[9] Obwohl die Kunst der Schaumweinerzeugung seit dem 17. Jahrhundert bekannt war, beschrieb Chaptal zum ersten Mal mit wissenschaftlichem Blick den gesamten Prozess vom SpĂŒlen der Flaschen bis zum Verkorken des Champagners. Sein Buch diente vielen WeinhĂ€ndlern der Champagne als Leitfaden zum Aufbau des lukrativen SchaumweingeschĂ€fts, mit dem ein bis zu viermal höherer Preis gegenĂŒber stillem Fasswein erzielt werden konnte. Heute noch wird der Zusatz von Zucker zur Erhöhung des Alkoholgehalts wĂ€hrend der GĂ€rung als chaptalisieren bezeichnet.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der vin mousseux trĂŒb getrunken, weil die fĂŒr die GĂ€rung zugesetzte Hefe nur teilweise vom schĂ€umenden Wein getrennt werden konnte. Beim UmfĂŒllen des Schaumweins von der GĂ€rflasche mit dem abgesetzten Trub in die Verkaufsflasche â das so genannte Transvasieren â ging ein groĂer Teil der bei der GĂ€rung entstandenen KohlensĂ€ure verloren. Bei Veuve Clicquot lernte Kessler das neue, von Anton (Antoine) MĂŒller entwickelte RĂŒttelverfahren kennen. Dabei werden die Schaumweinflaschen nach der GĂ€rung und Lagerung so lange vorsichtig gerĂŒttelt, bis sich die Hefe und der Trub im Flaschenhals auf dem Korken abgesetzt haben. Nach etwa sechs Wochen hat sich die gesamte Hefe am Ende des Flaschenhalses gesammelt, dann wird der Korken geöffnet und die Hefe schieĂt, getrieben vom Innendruck der Flasche, heraus. Vor dem Verschluss der Flaschen mit dem Versandkorken wird ein klein wenig gesĂŒĂter Wein â der liqueur dâexpĂ©dition â zugesetzt.
Schaumwein wurde damals etwa ein bis eineinhalb Jahre in kĂŒhlen Kellern in Flaschen auf der eigenen Hefe gelagert. Dies bedeutet, dass der moussierende Wein etwa zwei Jahre nach der Ernte auf den Markt kam. Damit war fĂŒr die Erzeuger ein hohes finanzielles Risiko verbunden. Neben den technischen Schwierigkeiten, einen klaren, perlenden Schaumwein zu produzieren, bestand immer die Gefahr hoher Verluste durch Glasbruch. Ein Vorteil gegenĂŒber der Fassweinerzeugung war jedoch, dass sich der einmal vergorene, aber noch nicht von der Hefe getrennte Schaumwein ĂŒber viele Jahre in Flaschen stabil lagern lieĂ, wĂ€hrend Wein in HolzfĂ€ssern bereits nach wenigen Monaten an QualitĂ€t verlor.
Mit dem heutigen Geschmacksbild eines frischen, spritzigen und tendenziell trockenen Schaumweins hatte der moussierende Wein â die Bezeichnung âChampagnerâ setzte sich erst um 1860 allmĂ€hlich durch â wenig zu tun. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert wurde Schaumwein nicht als Aperitif vor dem Essen gereicht. Damals war er vielmehr ein schĂ€umender, fĂŒr den heutigen Geschmack extrem sĂŒĂer Dessertwein, der sehr kĂŒhl serviert wurde. Schaumweine hatten damals hĂ€ufig 200 Gramm Restzucker je Liter. Um den Wunsch der Kunden nach sĂŒĂen Schaumweinen zu befriedigen, fĂŒllten die Produzenten groĂzĂŒgige Dosen an in Wein gelöstem Zucker oder Weinbrand in die entheften Flaschen, bevor sie mit dem Versandkorken verschlossen wurden.[10] Russische Kunden verlangten noch sĂŒĂere QualitĂ€ten. Weine mit 300 Gramm Zucker galten als angenehm[11] â selbst Eiswein hat heute kaum mehr als 200 Gramm Zucker. Ein Champagner der Kessler-Zeit entsprach somit einem extrem sĂŒĂen Dessertwein mit KohlensĂ€ure, der sehr kalt getrunken wurde.
Der Schaumwein des frĂŒhen 19. Jahrhunderts zeigte bereits das charakteristische Moussieren, das durch die im Wein unter Druck gebundene KohlensĂ€ure entsteht und sich nach dem Ăffnen der Flasche in Form vom tausenden kleiner CO2-BlĂ€schen aus der FlĂŒssigkeit löst. Allerdings dĂŒrfte der Druck nur etwa der HĂ€lfte des heutigen Innendrucks von etwa 6 bar entsprochen haben. Selbst Schaumweinflaschen mit dicken WĂ€nden und nach innen gewölbtem Boden hielten höchstens einem Druck von etwa 3 bar Stand, weshalb wĂ€hrend der GĂ€rung ein groĂer Teil der Flaschen platzte.[12]
Im frĂŒhen 19. Jahrhundert hatte der Schaumweinverkauf den Charakter einer Blindverkostung. Etiketten zur Kennzeichnung der Flaschen waren die Ausnahme, allenfalls befand sich auf dem Korken ein Symbol des Champagnerhauses, bei Clicquot-Ponsardin war es ein Anker. Die ersten Flaschen mit Etiketten aus dem Haus Clicquot stammen aus dem Jahr 1814, weil auslĂ€ndische Kunden sichergehen wollten, dass sie fĂŒr die hohen Preise, die sie fĂŒr den roten Jahrhundert-Champagner von 1811 aus Bouzy zahlten, auch den richtigen Inhalt erhielten. Diese frĂŒhen Etiketten waren in schlichtem WeiĂ gehalten und trugen den Jahrgang und die Lage des Weines sowie einige florale Girlanden zur Dekoration. Erst im Lauf der folgenden Jahre entwickelten sich Etiketten zum festen Bestandteil der Ausstattung und zum TrĂ€ger der Marke des Erzeugers.[13]
Auf dem Gipfel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ăber die Rolle Kesslers in der kritischen Ăbergangsphase zwischen der Niederlage Napoleons und der Restauration der Bourbonenherrschaft im FrĂŒhjahr 1814 ist wenig bekannt. Damals wurden Reims und andere StĂ€dte der Champagne von den alliierten Truppen der Russen und PreuĂen besetzt, die Kontributionen erhoben. Obwohl der russische Stadtkommandant, Prinz Sergej Alexandrowitch Wolkonski, die schlimmsten Ausschreitungen verhindern konnte, kam es wiederholt zu PlĂŒnderungen, auch bei Veuve Clicquot. Ein Indiz, dass Kessler in dieser Zeit tatsĂ€chlich ânicht unwesentliche Diensteâ fĂŒr das Haus Clicquot geleistet hat, ist sein Aufstieg zum Teilhaber, zum AssociĂ©, der am 1. Januar 1815 wirksam werden sollte.[14]
In den Jahren nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft beauftragte Madame Clicquot Kessler und den weit gereisten Verkaufsagenten Louis Bohne, den Export auszubauen. Veuve Clicquot gelang es als erstem Champagnerhaus, unter Umgehung des Importverbotes fĂŒr französische Waren, im Juni 1815 2.190[15] Flaschen âChampagner Weinâ und ein Fass mit dem Volumen von 200 Flaschen auf dem niederlĂ€ndischen 70-Tonner Les Gebroders via Königsberg nach Russland zu transportieren. Als Louis Bohne mit der ersten Lieferung in St. Petersburg eintraf, belagerten ihn die Kunden, um einige Flaschen zu ergattern. Bohne schrieb an Madame Clicquot, dass er 5,50 Francs je Flasche erhalten habe, nach heutigen MaĂstĂ€ben sind das etwa 50 Euro. In diesen Jahren des Erfolgs scheint die Beziehung Georg Christians zu Madame Clicquot ungetrĂŒbt gewesen zu sein. Kessler fĂŒhlte sich wohl in Frankreich und schlug auch privat Wurzeln in der neuen Heimat: im Mai 1819 heiratete Kessler Marguerite ClĂ©mence Jobert (1799â1825) aus einer angesehenen Fabrikanten- und TuchhĂ€ndlerdynastie aus Sedan.[16]
Den Gipfelpunkt seiner Karriere erreichte Kessler im Jahr 1821 â zugleich war dies der Wendepunkt. In diesem Jahr verkaufte Clicquot 280.000 Flaschen Schaumwein â zehn Jahre spĂ€ter, nach Kesslers Fortgang, waren es nur noch 145.000 Flaschen.[17] In einem Rundbrief vom 1. Dezember 1821 teilte Barbe-Nicole ihren GeschĂ€ftspartnern mit, dass Kessler âals Zeichen der Dankbarkeit fĂŒr die groĂen geleisteten Diensteâ das gesamte Vermögen der Firma zum 20. Juli 1824 erhalten werde. Dazu kam es jedoch nicht, aus unbekannten GrĂŒnden wurde diese Entscheidung bereits am 1. Juli 1822 zurĂŒckgenommen. Kessler ĂŒbernahm das Unternehmen nicht, behielt aber Prokura.
Was zwischen 1821 und 1823 geschah, ist bisher nicht geklĂ€rt. Ein geschĂ€ftlicher Misserfolg Kesslers ist in diesen Jahren nicht belegt. Möglicherweise geriet Kesslers Position bei Veuve Clicquot ins Wanken, nachdem sein GeschĂ€ftspartner Louis Bohne â er war ĂŒbrigens seit 1810 mit der Tochter des wĂŒrttembergischen Beamten und spĂ€teren Legationsrates Karl-Heinrich Rheinwald aus Stuttgart verheiratet â im Jahr 1821 auf einer vereisten BrĂŒcke ausgerutscht und an den Folgen des Sturzes gestorben war.[18] Sicher ist, dass Kessler nach 1821 mit dem jungen, ehrgeizigen Eduard Mathias Werle (1801â1886) einen Konkurrenten bekommen hatte. Er trat die Nachfolge des legendĂ€ren Kellermeisters Anton (âAntoineâ) von MĂŒller (1788â1859) an, der zwölf Jahre lang fĂŒr die Keller im Hause Veuve Clicquot verantwortlich war.[19] Die Zeitgenossen fanden lobende Worte fĂŒr Werle, der sich spĂ€ter Ădouard Mathieu WerlĂ© nannte, charakterisierten ihn aber auch als âautoritaire, impĂ©rieux et dominateurâ. Werler drĂ€ngte wie Kessler nach oben â das Champagnerhaus wird ihm spĂ€ter als Sprungbrett in die Politik dienen: von 1852 bis 1868 war Werle, der Sohn eines kleinen Postmeisters aus der ehemaligen Reichsstadt Wetzlar, durch die Protektion Barbe Nicoles BĂŒrgermeister von Reims, 1862 wurde er zum Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung Frankreichs gewĂ€hlt.[20]
Eingeleitet wurde der RĂŒckzug Kesslers aus dem Reimser Betrieb durch die Ernennung Eduard Werles zum Kellermeister am 16. Mai 1822, nur ein Jahr nach seinem Eintritt. Gleichzeitig erlaubte ihm Madame Clicquot, wĂ€hrend ihrer Abwesenheit in geschĂ€ftlichen Angelegenheiten per procura zu zeichnen. Das war ein Affront gegen Kessler, der nun erkannte, dass aus dem Versprechen vom August 1821 nichts mehr werden wĂŒrde. Seit dieser Zeit hatte er den Gedanken endgĂŒltig aufgegeben, Clicquot-Ponsardin zu ĂŒbernehmen, wie es Eduard Werle mit seinem Eintritt als Teilhaber im Sommer 1831 gegen Einlage von 100.000 Francs (umgerechnet rund Millionen Euro) gelang.
Jahre spĂ€ter, als Kessler lĂ€ngst das Unternehmen verlassen hatte, geriet die Bank in den Sog der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 1827/30, deren Niedergang Eduard Werle spĂ€ter Kessler anlastete und das gesamte Unternehmen aufgrund hoher Verschuldung an den Rand des Ruins brachte (siehe unten). Der Misserfolg der BankgeschĂ€fte, fĂŒr die Kessler zwar nicht verantwortlich war, wurden ihm dennoch zugeschrieben. Die Rettung des Unternehmens aus dieser Krise â Werle soll 1827 bei dem befreundeten Pariser Bankier Rougemont de Lowenberg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zwei Millionen Francs in bar besorgt haben â schrieb sich hingegen Barbe-Nicoles neuer Favorit auf die Fahnen.
Wie bei in anderen Ereignissen schrieb auch hier der Sieger â Eduard Werle â die Geschichte und Kessler wandelte sich im offiziellen Geschichtsbild des Hauses Clicquot zum ehrgeizigen, aber unbesonnenen TrĂ€umer, der das Unternehmen in groĂe Gefahr gebracht hat â und seinen Retter umso mehr glĂ€nzen lieĂ. Die tatsĂ€chliche zeitliche Abfolge der Ereignisse und das ĂŒberlegte und kluge Vorgehen bei der GrĂŒndung seines eigenen Unternehmens in Esslingen nĂ€hrt jedoch Zweifel an dieser einseitigen Deutung der Ereignisse zu Lasten Kesslers.
Industriepionier
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 26. Februar 1825 starb Kesslers junge Frau zehn Tage nach der Geburt der gemeinsamen Tochter.[21] Der Tod Marguerites markiert den Anfang vom Ende von Kesslers Karriere in Reims. Dieser Schicksalsschlag verstĂ€rkte seinen Wunsch, nach WĂŒrttemberg zurĂŒckzukehren. TatsĂ€chlich begann Kessler seit dieser Zeit, seine FĂŒhler nach Esslingen am Neckar auszustrecken. In seinem Lebensbericht lesen wir, dass er ânach WĂŒrttemberg, wohin seit 1803 sein Geburtsort gehörte, einzelne, noch wenig daselbst einheimische Industriezweige zu verpflanzen, in der rĂŒhmlichen Absicht, seine FĂŒrsorge fĂŒr Geschwister, die eine UnterstĂŒtzung von ihm erwarteten, dadurch zu betĂ€tigen.â Auf Betreiben Kesslers wurde in Esslingen eine moderne Spinnerei aufgebaut, wo qualifizierte ArbeitskrĂ€fte zu niedrigen Lohnkosten in groĂer Zahl zur VerfĂŒgung standen. Kurz danach folgte eine weitere Spinnerei in Pontfaverger in der Champagne.
Am 10. April im Jahr 1825 beteiligte sich Veuve Clicquot in der Person Kesslers an der Tuchfabrik fĂŒr maschinengesponnene Kamm- und Streichgarne, die Kesslers Schwager Christian Ludwig HĂŒbler 1823 in Esslingen gegrĂŒndet hatte. HĂŒbler stammte aus einer angesehenen Ludwigsburger Kaufmanns- und Unternehmerfamilie. Sein Bruder war der âMaterialistâ August Gottlieb HĂŒbler (1788â1833), dessen Tochter den Stuttgarter Fabrikanten Wilhelm Heinrich Siegle (1815â1863) geheiratet hatte, den Vater Gustav Siegles, der bis heute als Paradebeispiel schwĂ€bischen Unternehmertums gilt.
Christian Ludwig HĂŒbler, der am 4. Mai 1819 Kesslers Schwester Johanne Friederike geheiratet hatte, bewegte sich in einem Milieu von Unternehmern und nutzte die neuen technischen Möglichkeiten, die ihm die beginnende Industrialisierung bot. Offenbar florierte das 1824 von den Esslinger Behörden genehmigte Unternehmen von Beginn an. Kesslers und HĂŒblers Werkmeister Conrad Wolf, der spĂ€tere Teilhaber der Firma Merkel & Wolf, beherrschte sein Handwerk und trug wesentlich zur Expansion in den ersten Jahren bei. Kessler forcierte von Reims aus den weiteren Ausbau der Textilfirma in Esslingen. SĂ€mtliche Maschinen sollen aus Sedan â woher Kesslers erste Ehefrau stammte â nach Esslingen geliefert worden sein. Die hoch entwickelten Zylindermaschinen fĂŒr die Tuchproduktion sowie ein mechanischer Webstuhl, der von Guillaume Louis Ternaux aus Saint-Ouen-sur-Seine geliefert wurde, waren fĂŒr ihre Zeit hochmodern. Kessler konnte mit seinem Maschinenpark Produkte von solcher QualitĂ€t herstellen, dass sie es mit französischer und britischer Ware aufnehmen konnten.
Kesslers Fabrik auf dem GelĂ€nde der 1811 gegrĂŒndeten Tuchfabrik Steudel ist damit ein frĂŒhes Beispiel fĂŒr eine auslĂ€ndische Kapitalinvestition in der wĂŒrttembergischen Privatwirtschaft. So begann ein Technologietransfer zwischen dem industriell eher rĂŒckstĂ€ndigen WĂŒrttemberg und den fortschrittlichen französischen Maschinenherstellern. Zugleich fĂŒhrte Kessler moderne, in GroĂbritannien und Frankreich entwickelte Produktionsmethoden der Garn- und Tuchproduktion ein. Kesslers ModernitĂ€t zeigte sich auch darin, dass er als Erster Lehrlinge im Unternehmen ausbildete. Die Lehrzeit dauerte, wie heute, drei Jahre. Danach musste der Absolvent noch ein weiteres Jahr als Geselle in der Firma arbeiten.
Am 12. April 1825 trat Georg Christians um vier Jahre Ă€lterer Bruder Heinrich Kessler in die Firma ein. Er hatte als Offizier in den napoleonischen Kriegen gedient und in TĂŒbingen Kameralwissenschaften studiert. Heinrich Kessler wirkte im Umkreis von Friedrich List (1787â1846), der als BegrĂŒnder der modernen Volkswirtschaftslehre gilt, und zog 1820 in die Zweite Kammer des Stuttgarter Landtages als Abgeordneter des Oberamts Ăhringen ein.[22] Damit war das Unternehmen fest in HĂ€nden der Familie Kessler. Solange Georg Christian hauptsĂ€chlich in Reims war, ĂŒbte sein Bruder Heinrich die Funktion eines Stellvertreters aus.
Kesslers Absicht, eine deutsche Dependance des Hauses Veuve Clicquot zu eröffnen, gab den Ausschlag fĂŒr die Trennung im Jahr 1826. Eduard Werle wollte Kesslers ExpansionsplĂ€ne verhindern, weil ihm das unternehmerische Risiko zu hoch erschien und er befĂŒrchtete, mit dem Geld des Reimser Unternehmens wĂŒrde ein Betrieb gegrĂŒndet, der spĂ€ter ein gefĂ€hrlicher Konkurrent werden könnte.
Dass es bei diesem Konkurrenzkampf wenig zimperlich zuging, zeigt der Blick in eine Publikation, die viele Jahrzehnte nach den Ereignissen ĂŒber Eduard Werle verfasst wurde:
- Als Werle 1822 Kellerchef geworden war âhatte Madame Clicquot als Partner und Kodirektor einen gewissen Kessler, der intelligent, aber ehrgeizig und gerissen war. Als 1822 wegen einer Wirtschaftskrise das ChampagnergeschĂ€ft stagnierte, entschloss sich Madame Clicquot auf das Betreiben von Herrn Kessler, die BankgeschĂ€fte und den Textilhandel wieder aufzunehmen, die zuvor der geschĂ€ftliche Schwerpunkt ihres Schwiegervaters, Herrn Clicquot-Muiron, gewesen waren, die aber ihr verstorbener Ehemann aufgegeben hatte, um sich ganz dem WeingeschĂ€ft zu widmen.â
- âDie BankgeschĂ€fte dehnten sich rasch und krĂ€ftig aus. Herr Kessler, der groĂe Rosinen im Kopf hatte und das blinde Vertrauen krĂ€ftig ausnutzte, das Madame Clicquot ihm entgegen brachte, verwickelte sie in den Aufbau einer Spinnerei in Esslingen. Diese Unternehmung war umso gefĂ€hrlicher, als die Spinnerei von Mitgliedern der Familie Kessler geleitet, aber durch Madame Clicquots Bank finanziert wurde. Diese sah rasch ein, in welche Sackgasse sie sich begeben hatte, und trennte sich von Herrn Kessler, der auf seine Rechnung die Spinnerei in Esslingen und allen Besitz behielt, der in Deutschland lag.â
Der Aufhebungsvertrag datiert vom 24. Mai 1826: âDer gesamte Besitz in Deutschland gehört Georges Kessler, er ist aber auch fĂŒr alle dortigen Schulden und Verpflichtungen verantwortlich; fĂŒr Madame Clicquot gilt das gleiche hinsichtlich der GĂŒte, VorrĂ€te und GebĂ€ude, die die Bank Clicquot in Reims erworben hat. Die französische Spinnerei in Pontfaverger geht ebenfalls in ihren Besitz ĂŒber.â
Nach dem Bruch mit Veuve Clicquot konzentrierte sich Kessler vollstĂ€ndig auf sein Esslinger Unternehmen. Bereits am 11. Juli 1826 wurde mitgeteilt, dass âKaufmann Heinrich Kessler und C. L. HĂŒblerâ am 30. Juni 1826 aus der Firma âdurch Ăbereinkunft ausgetreten seien und nunmehr G.C. Kessler als ausschlieĂlicher Besitzer fĂŒr alleinige Rechnung das GeschĂ€ft fortsetze.â Der 1. Juli 1826 ist das offizielle GrĂŒndungsdatum der Kesslerschen Unternehmen.
Zweite Karriere in Esslingen am Neckar
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 23. Januar 1826 heiratete Kessler die zwanzigjĂ€hrige Auguste von Vellnagel (1. Juni 1806â14. August 1890). Sie war die Tochter des wĂŒrttembergischen Politikers Christian Ludwig August Freiherr von Vellnagel (1764â1853). Vellnagel war PrĂ€sident des Oberhofrats, PrĂ€sident der HofdomĂ€nenkammer, StaatssekretĂ€r und Chef des königlichen Kabinetts.[25] Aufgrund der herausragenden Position seines Schwiegervaters gewann der gerade aus Frankreich heimgekehrte Kessler Zugang zum wĂŒrttembergischen Königshof und zu den Ministerien. Bereits im Mai 1826 nahm König Wilhelm I. von WĂŒrttemberg die Firma âin Augenscheinâ und stellte dabei âdas krĂ€ftige Bestreben zur Vervollkommnung und zur Belebung dieses Zweiges des vaterlĂ€ndischen GewerbefleiĂesâ fest. Vermutlich wurde er auf Kesslers Unternehmen durch einen umfangreichen Zeitungsbericht in der âSchwĂ€bischen Chronikâ vom 12. Februar 1826 aufmerksam, der âHandel und Gewerbe in WĂŒrttembergâ vorstellt und mit einer Vorstellung der Textilfirma Kessler, HĂŒbler & Cie beginnt. Die Firma verfolge das Ziel, âwollene und von Wolle und anderen Spinnstoffen, gemischte Gewebe (besonders nach MaĂgabe der Französischen Industrie) zu fabriziren, die bisher in WĂŒrttemberg gar nicht oder doch nur unvollkommen und ungenĂŒgens verfertigt werdenâ.[26] Bereits zehn Monate nach der GrĂŒndung arbeiteten bereits 400 Menschen fĂŒr die Manufaktur, davon 300 am Standort Esslingen.[26] Die Firma, so der Redakteur der âSchwĂ€bischen Chronikâ, liefere einen Beweis, âdass da, wo die MaschinenArbeit hĂ€ufiger wird, sich auch die Anzahl derjenigen HandArbeiter vermehrt, die ausschlieĂend mit ihrem Gewerbsfach und nicht nebenher mit dem Feldbau sich abgeben, als worauf es, wie wir gesehen haben, hauptsĂ€chlich ankommtâ.[26] Die Verfasser finden im Esslinger Unternehmen âim Ausland gebildete Techniker und Maschinen, die beinahe durchgĂ€ngig nicht in SĂŒd-Deutschland verfertigt wordenâ sind. Bemerkenswert ist, dass Kessler Maschinen aus der Firma von Guillaume Louis Ternaux (1763â1833) aus Saint-Ouen-sur-Seine bei Paris bezogen hat:
âEin in Paris zum Versuche bestellter mechanischer Webstuhl von neuer Erfindung wird, sobald er angekommen, hier ebenfalls Platz finden. Dieser, ohne die Kraft von MenschenHĂ€nden webende, Stuhl ist einer von denen, die bei Herrn T e r n a u x in St. Ouen, von diesen und anderen bewĂ€hrten Sachkennern weit vorzĂŒglicher als die Englischen befunden worden.â[26]
Nach der Trennung von Veuve Clicquot musste Kessler fĂŒr sein Esslinger Unternehmen schnell frisches Kapital besorgen. Nur wenn er den Betrieb rasch ausbaute, konnte er mit britischen und französischen Produkten konkurrieren. Deshalb versuchte er mit groĂem Elan, die Firma in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und Teilhaber zu finden. Dieser Plan ist der erste greifbare Vorgang in WĂŒrttemberg, bei dem ein privatwirtschaftlicher Unternehmer ein GroĂunternehmen in der Textilbranche aufbauen wollte.
Die Rechtsform Personengesellschaft war fĂŒr Kessler also nur eine Zwischenstation. Seine PlĂ€ne gingen weiter. Zwei Wochen nach Ăbernahme des GeschĂ€fts versuchte er, Teilhaber fĂŒr die von ihm von Anfang an beabsichtigte Umwandlung der Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft zu finden. In einer Beilage des SchwĂ€bischen Merkur vom 13. Juli machte er sein Vorhaben öffentlich bekannt:

âEine gereifte Einsicht hat bei Vielen den patriotischen Wunsch erzeugt, dass auch in diesem Zweige der Industrie (Textil) durch Fabrikanlagen etwas Bedeutendes in WĂŒrttemberg geschehen möchte. Die ZeitumstĂ€nde machen es aber nicht wenigen zu einem gewissen BedĂŒrfnis, eine gröĂere oder kleinere Summe auf höhere Interessen im Lande anzulegen, ohne jedoch viel zu wagen, und sich selbst mit Handels- und FabrikgeschĂ€ften zu befassen.
Gewöhnen sich bei solchen Bedingungen die einheimischen Kapitalisten immer mehr daran, durch AnkĂ€ufe von Aktien, indem sie ihren Vortheil wahrnehmen, zugleich den Kunst- und GewerbefleiĂ zu unterstĂŒtzen: so kann fĂŒr das gemeine Beste nur ZutrĂ€gliches und Erfreuliches daraus hervorgehen.â
Kesslers Fabrik auf der Maille war fĂŒr die damalige Zeit Ă€uĂerst fortschrittlich. Durch die GrĂŒndung der Aktiengesellschaft wollte er zusĂ€tzliches Kapital ins Unternehmen holen und rasch expandieren. Denn die 1920 Spindeln, ĂŒber die sein Betrieb bis dahin verfĂŒgte, konnten nicht die Mengen erzeugen, die erforderlich waren, um im Preis mit der britischen und französischen Konkurrenz mitzuhalten. Kessler sah vor, das Grundkapital in Höhe von 150.000 Gulden um 300.000 Gulden in Aktien zu je 500 Gulden aufzustocken. Der Gesamtfonds von 450.000 Gulden sollte jedes Jahr am 30. Juni mit fĂŒnf Prozent verzinst werden, die ĂberschĂŒsse teilweise einem Reservefonds zugefĂŒhrt werden und die verbleibende Restsumme als auĂerordentliche Dividende an die AktionĂ€re ausbezahlt werden.
Selbstbewusst gab Kessler bekannt, dass er selbst die Leitung der Firma ĂŒbernehmen werde. Kesslers Plan, sein Textilunternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, ist der erste nachweisbare Vorgang in WĂŒrttemberg, bei dem ein privater Unternehmer versuchte, eine Textilaktiengesellschaft zu grĂŒnden, die mit britischen und französischen Firmen in ernsthaften Wettbewerb treten konnte.
Bereits bei der âKunst- und Industrie-Ausstellung zu Stuttgartâ im FrĂŒhjahr 1827 fiel die neu gegrĂŒndete Kesslerâsche Textilfabrik durch ihre ModernitĂ€t und QualitĂ€t auf. Im Bericht ĂŒber die Ausstellung heiĂt es:
âDie KeĂlerâsche Fabrik ist ein, seit der letzten Kunst-Ausstellung erst entstandenes, ganz neues Etablissement, das sich durch Umfang, Maschinerie, Anlagen, Manichfaltigkeit, Schönheit und Preis-Billichkeit seiner Artikel, vorzĂŒglich dadurch auszeichnet, daĂ es mehrere, der französischen Industrie eigenthĂŒmliche Artikel auf vaterlĂ€ndischen Boden verpflanzt und hier zuerst producirt hat.
Dazu gehören: die Merinos in diesen Graden der Feinheit, die superfeienen Flanell-Shawls, die Decken (von Maschinen gesponnener Zugwolle, auf dem Rahmen geflochten und vollkommen geeignet, die Plumeaux zu ersetzen), die superfeinen gewebten Wolldecken und die superfeinen Hemden-Flanelle.â[27]
So wundert es nicht, dass Kessler zu den PreistrĂ€gern zĂ€hlte und als einer von 32 Unternehmern von König Wilhelm per Dekret vom 25. August 1827 die Berechtigung erhielt, neben sein Markenzeichen die Preismedaille zu setzen.[28] Die ModernitĂ€t von Kesslers Firma zeigt sich darin, dass sie bereits 1826 eine Umluftheizung und eine Gasbeleuchtung mit 200 Flammen erhielt, die vom Waiblinger Zieglermeister Ernst Bihl in das FabrikgebĂ€ude eingebaut wurde. Der wirtschaftliche Nutzen der kĂŒnstlichen Beleuchtung wird von der âSchwĂ€bischen Chronikâ klar herausgestellt: âWie nĂŒtzlich die Beleuchtung mit Gas wegen ihres gleich verbreiteten starken und doch milden Lichtes oft noch im Besonderen ist, zeigt sich bei der vorerwĂ€hnten Maschinerie fĂŒr Zuggarn-Spinnerei, deren durch Wasserkraft bewegter Theil ohne Gaslicht nicht, wie es jetzt geschieht, Tag und Nacht im Gang erhalten werden könnte.â ([29])
Mit seinem Vorhaben, eine groĂe Textilaktiengesellschaft aufzubauen, war Kessler seiner Zeit weit voraus, vielleicht zu weit: In WĂŒrttemberg gab es durchaus eine gröĂere Schicht potenzieller Investoren. Doch die legte ihr Geld lieber in Immobilien und Staatspapieren an, statt sie in riskantere Industrieprojekte zu stecken. Es dauerte noch zwanzig Jahre, bis in den 1850er Jahren mit Schweizer Kapital baumwollverarbeitende GroĂbetriebe als Aktiengesellschaften gegrĂŒndet wurden.
Als Kesslers Projekt, das Textilunternehmen zu einer Aktiengesellschaft aufzubauen, nicht vorankam verlegte er seine AktivitĂ€ten auf die Erzeugung von moussierendem Wein. Bereits 1828 verpachtete er einen Teil seiner Tuchfabrik â und zwar die Spinnerei und die Tuchfabrikation auf der Maille â an seinen WerkfĂŒhrer Conrad Wolf aus Weil der Stadt. 1830 wurden Johannes Merkel (1798â1879) und Ludwig Kienlin, beide aus bedeutenden Ravensburger Kaufmannsfamilien stammend, Teilhaber bei Wolf. Von da an nannte sich die Firma âMerkel & Wolfâ, da Kienlin bis 1843 stiller Teilhaber blieb. 1831 wird âMerkel & Wolfâ als eines der gröĂten Gewerbeunternehmen genannt, mit 40 WebstĂŒhlen und einer Spinnerei fĂŒr wollenes Zeug und Kammgarn. Nachdem Wolf aus gesundheitlichen GrĂŒnden ausscheiden musste, erhielt das Unternehmen den Namen Merkel & Kienlin, das bis zu seiner Liquidation in den 1970er Jahren die bekannte âEsslinger Wolleâ produzierte.
GrĂŒndung der Ă€ltesten Sektkellerei Deutschlands
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Juli 1826 grĂŒndete Kessler mit dem Oberjustizprokurator Heinrich August Georgii die Schaumweinfabrik G. C. Kessler & Co. Bereits 1820 hatte Kessler von seinem Bruder Heinrich das Gut Neuhof (heute: Falkensteiner Hof) bei Oedheim fĂŒr das Champagnerhaus Veuve-Clicquot gekauft.[30] Zu dem Gut gehörten mehrere Weinberge, eine Bierbrauerei, eine Essigsiederei und eine Branntweinbrennerei. Heinrich war bereits seit 1812 EigentĂŒmer des Gutes, nachdem er es aus dem Nachlass seines GroĂvaters Johann Georg Balthasar GeĂwein (* in StrĂŒmpfelbach; â 9. November 1807 in Heilbronn) erworben hatte. Auch der PĂ€chter des Guts, der Chirurg Johann Christoph Strölin (* 8. Dezember 1783 in Altbach), gehörte zum engeren Familienkreis. Kesslers Ă€lteste Schwester Christiane Louise (* 19. Mai 1781 in Heilbronn) hatte Strölin in zweiter Ehe am 13. August 1811 in Heilbronn geheiratet.
Im Korrespondenzblatt des WĂŒrttembergischen Landwirtschaftlichen Vereins berichtete Kessler 1823 ĂŒber Versuche mit dem Anbau von Buchweizen, dessen Stroh mit âBranntweinspĂŒlich vermischtâ nahrhaftes Viehfutter ergebe. In Oedheim versuchte Kessler â vor dem sich abzeichnenden Bruch und sicher mit der Zustimmung von Barbe Nicole â in mehreren Versuchsreihen moussierende Weine mit hochwertigen einheimischen Rebsorten wie Clevner als Hauptrebe, aber auch Riesling,[31] Traminer, Elbling und Gutedel herzustellen.[32] Aus der mehrjĂ€hrigen Vorbereitung heraus wird verstĂ€ndlich, wie Kessler im Jahr 1826 mit einem Mal in der Lage war, die Herstellung, den Handel und den Verkauf der âmoussierenden Weine nach Champagnerartâ aufzunehmen.
Obwohl fĂŒr die Herstellung âmoussirender Weineâ weniger Personal benötigt wurde als fĂŒr die Textilproduktion, waren hohe Betriebsmittel erforderlich. ZunĂ€chst mussten erhebliche Summen fĂŒr die Etablierung des Unternehmens und die MarkteinfĂŒhrung eines völlig neuen Produktes â Schaumwein aus deutscher Produktion â aufgebracht werden. Da fĂŒr die Sekterzeugung groĂe Lager- und KellerflĂ€chen benötigt werden, fielen hohe Immobilieninvestitionen sowie Miet- und Pachtzinsen an. Hinzu kam ein hoher Mittelaufwand fĂŒr den Kauf der Grundweine. Kessler kaufte nur hohe QualitĂ€ten aus besten Lagen, um mit französischen Erzeugnissen konkurrieren zu können. Er vermied es jedoch, französische Produkte nachzuahmen oder zu imitieren:
âObgleich Herr KeĂler, es verschmĂ€hend, seinem inlĂ€ndischen Erzeugnisse einen fremden Namen zu geben, den Wein nur als âschĂ€umenden WĂŒrttemberger Weinâ in den Handel bringt, und dadurch die SoliditĂ€t seines Unternehmens verbĂŒrgt, so hat diese Vorsicht dennoch den dem so ausgezeichneten Produkte mit vollem Rechte gebĂŒhrenden Namen Champagner im Publikum nicht verdrĂ€ngt.â[33]
In den ersten Jahren kĂŒmmerte sich Kesslers Partner Heinrich August Georgii persönlich um den Einkauf. âKurz vor dem Herbste reist gewöhnlich ein Teilhaber der Compagnie in verschiedene Orte, wo schwarze Clevner und Rieslinge gepflanzt werden, die durch vorzĂŒgliche Lagen bekannt sind. Ist der Vertrag abgeschlossen und die Lesezeit tritt ein, so kommt ein Abgeordneter von der Compagnie, lĂ€sst die Trauben abschneiden, wobei jedoch keine faulen Beeren seyn dĂŒrfen, weil diese den Wein leicht gelblich machen, und sogleich ungequetscht auf die Kelter bringen, wo der Saft durch einen leichten Druck ausgepreĂt und sogleich in FĂ€sser gefĂŒllt nach Esslingen transportiert wird. Dieses Beharren auf QualitĂ€t war ausschlaggebend fĂŒr den Erfolg des Unternehmens und schuf Vertrauen bei den Kunden, die fĂŒr das neue Produkt erst gewonnen werden mussten. Viele Nachahmer hatten hingegen keinen langen Bestand.â ([34])
Der Weinbau in WĂŒrttemberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den ersten Jahren war es fĂŒr Kessler nicht immer einfach, hochwertige Grundweine fĂŒr die Schaumweinerzeugung zu beschaffen. Dies lag an der Entwicklung des Weinanbaus in WĂŒrttemberg seit dem DreiĂigjĂ€hrigen Krieg und den Belastungen, die mit der Serie von Kriegen, PlĂŒnderungen und VerwĂŒstungen verbunden waren,[35] die das Land erfassten. Zu den Folgen des PfĂ€lzischen Erbfolgekrieges (1688â1697), des Spanischen Erbfolgekrieges (1701â1714/15) und der Napoleonischen Kriege kam eine spĂŒrbare AbkĂŒhlung des Klimas zu Beginn des 18. Jahrhunderts hinzu, die Missernten begĂŒnstigte und den Anbau hochwertiger Rebsorten beeintrĂ€chtigte. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts spielte der QualitĂ€tsweinbau in WĂŒrttemberg eine bedeutende Rolle. Weit verbreitet waren seit dem 15. Jahrhundert Traminersorten, die aus heimischen Sorten gekreuzt wurden und hochwertige, mittelschwere bis schwere WeiĂweine hervorbringen.[36] Im 18. Jahrhundert waren MassentrĂ€ger wie die Putzscheere[37] und Rebsorten wie Silvaner, Elbling und Trollinger weit verbreitet. Auf höchstens einem FĂŒnftel der RebflĂ€che wuchsen damals höhere QualitĂ€ten wie Muskateller, Traminer und die Burgundersorten.[38] FĂŒr hochwertige und teure Weine gab es bis zum 19. Jahrhundert in WĂŒrttemberg zudem nur eine begrenzte Nachfrage, weshalb die Weinproduzenten dem BedĂŒrfnis einer breiten KĂ€uferschicht nach billigen und einfachen Weinen nachkamen.
In der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wurden die Grundlagen fĂŒr den QualitĂ€tsweinanbau in WĂŒrttemberg gelegt. Die Sektkellerei Kessler hatte einen wichtigen Anteil daran. Denn Kessler benötigte fĂŒr die Schaumweinerzeugung hochwertige Grundweine. Schnell zeigte sich, dass die WeingĂ€rtner zum Anbau hochwertiger VarietĂ€ten wie dem Clevner bereit waren, wenn die Abnahme garantiert war.[39] Die hĂ€ufigsten Rebsorten im oberen Neckartal waren Silvaner, weiĂer und roter Elbling, Trollinger und etwas weniger Gutedel und Clevner, in Esslingen zudem kleiner roter Veltliner, Hansen genannt. Die Winzer profitierten unmittelbar von der gestiegenen Nachfrage nach QualitĂ€tswein. In der Beschreibung des Oberamts EĂlingen aus dem Jahr 1845 heiĂt es:
âZugleich wirkt sie (gemeint ist die Sektkellerei Kessler) durch die hohen Preise, welche sie fĂŒr die edlen Traubensorten bezahlt und welche die gewöhnlichen Herbstpreise um das Drei- und Vierfache ĂŒbersteigen, sehr aufmunternd fĂŒr die Verbesserung des wĂŒrttembergischen Weinbaus. FĂŒr die Stadt selbst ist das GeschĂ€ft durch den vermehrten Verkehr wichtig, welcher durch die Beifuhr des Weinmostes und der verschiedenen BetriebsbedĂŒrfnisse und durch die Versendung der Weine herbeigefĂŒhrt wird.â[40]
Kessler kaufte seine Grundweine jedoch nicht nur regional ein, was sich daran zeigt, dass in Esslingen trotz der NĂ€he zu seiner Firma nicht mehr Clevner angebaut wurde als zuvor. Vielmehr erwarb die Kellerei die Trauben gezielt aus guten Clevner- und Rieslinglagen â beispielsweise im Jahr 1857 aus Heilbronn, Flein, Ortenberg, Weinsberg, Kleinbottwar, Hoheneck, Stetten, Lehrensteinsfeld, Hanweiler und Hecklingen.[41] Auf der verbesserten QualitĂ€t der Grundweine gepaart mit sorgfĂ€ltiger Verarbeitung und gekonnter Vermarktung beruhte der anhaltende Erfolg des Kesslerâschen Produkts.[42] Der Theologe und Schriftsteller Carl Theodor Griesinger misst Kessler eine wichtige Rolle bei der Verbesserung des Weinbaus in WĂŒrttemberg in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zu:
âWĂŒrttemberger Wein ist wohlfeil und man kann lange bei ihm aushalten. (âŠ) Und â wenn man starken Wein will â haben wir nicht eine Weinverbesserungsanstalt, die die edelsten Rheinweintrauben bei uns eingefĂŒhrt hat und dazu Burgunder- und Champagner Reben von der edelsten Sorte? Und ist nicht der Wein bereits so verbessert und veredelt worden, dass Fremde oft glauben, Ă€chten Sillery-MoussĂ© zu trinken, wĂ€hrend es nur ein Esslinger oder Heilbronner Fabrikat ist? Haben nicht Clevner und Traminer, an die kein Bordeaux oder Deidisheimer hin darf? Wird nicht WĂŒrttemberger ĂŒbers Meer verfĂŒhrt, ins ferne Amerika und die demokratischen Kaufleute daselbst trinken ihn lieber als die französischen Weine, ob er gleich theurer kommt, als diese? Bey Gott! WĂŒrttemberg ist ein Weinland, das sich mit jedem Anderen messen darf.â[43]
Kapitalquellen
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Kessler und Georgii fĂŒllten 1826 die ersten 4000 Flaschen ab, die ein Jahr spĂ€ter in den Handel kamen.[44] Im âSchwĂ€bischen Merkurâ vom 5. Januar 1828 warben die beiden GrĂŒnder fĂŒr den Jahrgang 1826:
âWir beehren uns, das Publikum hiermit zu benachrichtigen, dass wir bei Herrn Spindler in Stuttgart, Herrn Bossert in TĂŒbingen, Herrn Schumann in Esslingen Niederlagen (gemeint sind Verkaufsniederlassungen, Anm. d. Vf.) von dem durch uns nach Champagner-Art bereiteten hielĂ€ndischen mouĂirenden Weine vom Jahr 1826 errichtet haben, und daĂ bei denselben einzelne Flaschen um 1 Fl. 36 kr. zu kaufen sind. Wer wenigstens 25 Flaschen bestellen will, kann sich auch unmittelbar an uns wenden, worauf wir nichts weiter als 1 fl. 24 kr. fĂŒr die Flaschen nehmen werden, jedoch so, daĂ der Besteller die Verpackungskosten, die Fracht und den unterwegs etwa statt habenden Bruch zu tragen hat.â[45]
Die Resonanz auf die Produktion des ersten Schaumwein-Jahrgangs aus dem Hause Kessler ĂŒbertraf alle Erwartungen. âHerr KeĂler in Esslingen hat im letzten Herbste Versuche gemacht, Most von Clevner und Elbling auf Champagner Art zu bereiten und beiderlei Weine, besonders der Clevner, haben, so weit sie sich im ersten halben Jahre beurteilen lassen, in Beziehung auf Geschmack, Farbe und Moussiren ein sehr gĂŒnstiges Resultat geliefert.â[46] 1827 wurden bereits 30.000 und 1828 54.000 Flaschen gezogen. 1842, in Kesslers Todesjahr, wurden bereits 140.000 Flaschen produziert.
Die erste ProduktionsstĂ€tte fĂŒr Kessler Sekt war die Kelter des Kaisheimer Pfleghofes. Das GebĂ€ude einschlieĂlich gröĂerer WeinbergflĂ€chen am âSchönebergâ (heute âBurgbergâ) gehörte Georgii. Schon bald mussten zusĂ€tzliche Keller in der nĂ€heren Umgebung gepachtet werden. DarĂŒber berichtet 1834 der Hohenheimer Professor Wilhelm Heinrich Theodor Plieninger (1795â1879), der 1832 bis 1848 wissenschaftlicher SekretĂ€r der landwirtschaftlichen Centralstelle war:
âNoch vor dem Herbste das Jahres 1827 wurde von den Herren Kessler und Georgii die ehemalige sogenannte Klösterles-Kelter (des Kaisheimer Pfleghofes, Anm. d. Vf.) nebst dem darunter befindlichen Keller angekauft, und in beiden die in der Champagne stattfindenden, zur Behandlung von moussierenden Weinen nothwendigen Einrichtungen getroffen. Von den Weinen des fraglichen Herbstes wurden 30.000 Flaschen gefĂŒllt; die Ziehung des Jahres 1828 betrug sodann 54.000 Flaschen, die vom Jahr 1830 (im Jahr 1829 war der Most zu gering) etliche 30.000, vom Jahr 1831 72.000 und vom Jahr 1832 44.000 Flaschen. Der Umstand, dass die moussierenden Weine erst nach Verlauf von 1œ bis 2 Jahren versandt werden können, machte den Besitz weiterer geeigneter GebĂ€ude und Keller selbst in dem Fall einer Reduktion der jĂ€hrlichen Ziehungen auf 30 oder 40.000 Flaschen notwendig; es wurden daher die der hiesigen Stiftung gehörigen, sehr gerĂ€umigen, die vormalige Stiftungskelter bildenden Lokale nebst den darunter befindlichen Kellern und einem anstoĂenden weiteren Keller angekauft. Nach der diesen Lokalen alsbald gegebenen Einrichtung wurden diese fĂŒr die diesjĂ€hrige in 57.000 ganzen Flaschen bestehende Ziehung von dem Weine des vorigen Jahres benĂŒtzt.â[47]
Damit begann der stufenweise Erwerb der Keller und GebĂ€ude auf dem Areal des ehemaligen Speyrer Pfleghofes zwischen der Esslinger Stadtkirche St. Dionys und dem Alten Rathaus, die im Jahr 1866 abgeschlossen war. Bis heute ist der historische Speyrer Pfleghof und die an ihn grenzenden Zunft- und BĂŒrgerhĂ€user der Sitz von Kessler Sekt.
Eine Besonderheit der Sekterzeugung war, dass die Produktion ĂŒber lĂ€ngere Zeit vorfinanziert werden musste. Der in Flaschen gĂ€rende und reifende Wein wurde ĂŒber viele Monate gelagert, ehe er als Schaumwein verkauft werden konnte. Hinzu kamen Produktionsverluste durch zu schwache GĂ€rung oder Flaschenbruch, der bis weit in die 1830er Jahre bis zu 50 Prozent der befĂŒllten Flaschen betraf. Berechnungen ergaben, dass sich das bei der GrĂŒndung erforderliche Betriebskapital auf 100.000 bis 150.000 Gulden belief.
Das erforderliche Kapital kam aus mehreren Quellen. Kessler blieb in den ersten Jahren nach der GrĂŒndung der Sektkellerei weiterhin als Teilhaber mit seiner Textilfabrik verbunden, so dass er dort anfallende Gewinne aus dem Verkauf der Produkte in den neuen Betrieb investieren konnte. Als sich die Sektproduktion stabilisiert hatte, forcierte er den Verkauf seiner Anteile an der Textilfabrik, um das Wachstum der Sektkellerei zu finanzieren.
Weiteres Kapital kam von Georgii, der mehr als ein GeschĂ€ftspartner war. Kessler und Georgii verstanden sich persönlich gut und hatten groĂes Vertrauen zueinander, so dass es bis 1835 keinen schriftlichen Gesellschaftervertrag gab. Nach Kesslers Tod schrieb Georgii 1846: âBei der im Jahre 1826 durch Herrn Kessler und mir (âŠ) erfolgten BegrĂŒndung der Weinhandlung G. C. Kessler & Co. wurde zwischen den beiden GrĂŒndern und Gesellschaftern ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag nicht errichtet. Die Gesellschafter waren aber ĂŒber die Hauptpunkte einig.â ([48])
Die dritte Kapitalquelle war die von Königin Katharina ins Leben gerufene âWĂŒrttembergische Landessparkasseâ in Stuttgart â eine VorlĂ€uferorganisation der heutigen Landesbank Baden-WĂŒrttemberg. Kessler erhielt 1833 einen Kredit in Höhe von 20.000 Gulden gegen VerpfĂ€ndung einer Forderung an die GebrĂŒder Hardtmann aus einem Verkauf der Kesslerschen Weberei. Dies ist ein frĂŒhes Zeugnis fĂŒr eine Kreditvergabe durch ein staatliches Bankinstitut an einen Privatunternehmer. An der Spitze der âWĂŒrttembergischen Landessparkasseâ stand seit 1818 der Stuttgarter Kaufmann und TuchhĂ€ndler, der Geheime Hof- und DomĂ€nenrat Gottlob Heinrich Rapp, ein Onkel des Dichters Gustav Schwab, der wiederum zum Freundeskreis Kesslers gehörte. Rapp zĂ€hlte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens seiner Zeit in WĂŒrttemberg. König Friedrich I. von WĂŒrttemberg ĂŒbertrug dem geschickten GeschĂ€ftsmann 1808 die Direktion der âKöniglichen Tabakregieâ, er ernannte ihn zum Vorstand der SalinengefĂ€llverwaltung, spĂ€ter zum Oberfinanzrat und bestellte ihn 1814 zum Kontrolleur der Hofbank. König Wilhelm I. ernannte ihn zum Hofbankdirektor und zum Vorsteher der WĂŒrttembergischen Landessparkasse.[49] Rapp und der Verleger Johann Friedrich Cotta gehörten zum Vertrautenkreis der Königin Katharina. Weit ĂŒber die Landesgrenzen hinaus war Rapp als Kunstkenner und MĂ€zen bekannt, Goethe nannte ihn einen âwohlunterrichteten Kunstfreundâ.[50]
Die ersten Sektflaschen bezog Kessler aus dem Schwarzwald, in den ersten Jahren vorzugsweise von der königlichen GlashĂŒttenverwaltung in SchönmĂŒnzach, spĂ€ter von der HĂŒtte Buhlbach und der GlashĂŒtte Böhringer in Freudenstadt. Die Buhlbacher Flaschen kosteten 15 Gulden das Hundert, halbe Flaschen 10 Gulden das Hundert. Bereits 1833, kurz vor dem Beitritt WĂŒrttembergs zum Deutschen Zollverein, der einen einheitlichen Wirtschaftsraum bewirkte, hatte Kessler rund 150.000 Flaschen im Bestand.
Von Esslingen âin alle Weltgegendenâ
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zahl der Kunden stieg von 130 im Jahr 1829 auf 523 im Jahr 1834.[51] Hauptabsatzgebiet war in den ersten Jahren WĂŒrttemberg mit ĂŒber 80 Prozent, gefolgt von Bayern. Das VerhĂ€ltnis Ă€nderte sich seit GrĂŒndung des Deutschen Zollvereins. In den 1840er Jahren stammten ĂŒber 50 Prozent der Kunden aus den Staaten des Deutschen Zollvereins, vor allem aus Bayern, Sachsen, ThĂŒringen und PreuĂen. Schon 1839 war ein Vertreter der Firma namens Johann Eichhorn mit Sitz in Mannheim zustĂ€ndig fĂŒr den Verkauf in Baden, Hessen, PreuĂen, Sachsen und Bayern. 1842 gab es einen Vertreter in Berlin, 1846 fĂŒr Bayern.
Ein besonderes Geschick hatte Kessler darin, sein Produkt im Ausland zu vermarkten. Hier kamen ihm die bei Veuve Clicquot gewonnenen Erfahrungen zugute, wo er nach dem Wiener Kongress den Export, vor allem nach Russland, nennenswert steigern konnte. Unmittelbar nach GrĂŒndung des Unternehmens begann er, fĂŒr Kessler-Sekt in Ăsterreich, GroĂbritannien, den Niederlanden und vor allem Russland zu werben.

Im FrĂŒhjahr 1830 schickte Kessler 300 Probeflaschen nach Sankt Petersburg. Im FrĂŒhjahr 1831 konnte er bereits 6.000 Flaschen seines moussierenden Weines in die russische Hauptstadt liefern. Mit diesem Markt war Kessler vertraut, seit er nach den napoleonischen Kriegen gemeinsam mit dem Handelsagenten Louis Bohne den Export des Hauses Clicquot nach Russland aufgebaut hatte. Um die Ausfuhr nach Russland zu steigern, nutzte Kessler 1834 seine Verbindungen zur wĂŒrttembergischen Regierung und zu König Wilhelm I. Sein Schwiegervater, Staatsminister Baron von Vellnagel, öffnete Kessler die TĂŒren: Mit Empfehlung des Königs wurden dem wĂŒrttembergischen Gesandten in Russland, dem FĂŒrsten zu Hohenlohe-Kirchberg, via LĂŒbeck 60 Flaschen âdeutscher moussirender weiĂer Weinâ aus dem Hause Kessler nach St. Petersburg geschickt. Der FĂŒrst bat daraufhin den Direktor des Wirtschaftsdepartements in St. Petersburg um UnterstĂŒtzung bei der EinfĂŒhrung des Kesslerâschen Sekts in Russland. So gingen bald Sendungen an den Zarenhof, die Hofhaltung des GroĂfĂŒrsten Michael und weitere Mitglieder des Hochadels. Offenbar hatte Kessler die Chancen in Russland richtig eingeschĂ€tzt. Bis zum 16. Mai 1834 wurden via St. Petersburg ĂŒber die Agenten Hills & Whishaw 5279 Flaschen âvin Traminerâ verkauft, die Flasche zu 4Ÿ Rubel. 1835 berichteten die Zeitungen, dass fĂŒr Kessler Russland der wichtigste Markt auĂerhalb Deutschlands sei.
Ungeachtet der Exportoffensive Kesslers blieb WĂŒrttemberg das bedeutendste Absatzgebiet. König Wilhelm I. von WĂŒrttemberg, der wĂŒrttembergische Adel, die Minister und die höhere Beamtenschaft gehörten in den ersten Jahren zu den Abnehmern, denen mittelbar zugleich eine Multiplikatorenfunktion zukam. Ein besonders kritischer Kunde war Herzog Heinrich von WĂŒrttemberg (1772â1838), der jĂŒngste BrĂŒder König Friedrichs I. Er korrespondierte mit Kessler ausfĂŒhrlich ĂŒber die QualitĂ€t seiner Erzeugnisse und gab wertvolle RatschlĂ€ge fĂŒr die erfolgreiche Vermarktung des âmoussierenden Weinâ' auĂerhalb WĂŒrttembergs. In einem Brief vom 4. August 1833 lobt er den Jahrgang 1830: âIch habe nun die drey Gattungen Ihres muszirenden Weins genau geprĂŒft â u. diejenige mit Schnur bezeichnete vom Jahr-Gang, 1830 â als die mir am besten behagende gefunden. Dieser Wein ist angenehm, nicht zu stark und dabey am wenigsten SĂŒĂ â lauter Eigenschaften, die meinem Geschmack entsprechen.â[52]
Letzte Lebensjahre
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Kesslers Weitblick und Interesse an Neuem zeigte sich in seiner Position gegenĂŒber dem neuen Verkehrssystem Eisenbahn. In einer Liste der Esslinger AktionĂ€re fĂŒr den Eisenbahnbau in WĂŒrttemberg vom 24. MĂ€rz 1836 gehörte Kessler zu den BĂŒrgern, die viel Kapital in den Kauf von Eisenbahn-Aktien investierten, weil sie daran groĂe Hoffnungen fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung knĂŒpften. Kessler erscheint mit einem Aktienpaket von 3000 Gulden als einer der gröĂten Investoren aus Esslingen, auĂer ihm riskierten nur zwei BĂŒrger aus Esslingen Ă€hnliche Summen, nĂ€mlich der Fabrikant Carl Christian Deffner ebenfalls mit 3000 Gulden und der Rittmeister Karl Friedrich Sigmund von Minkwitz (1795â?)[53] mit 6000 Gulden.
Höhepunkt der gesellschaftlichen Anerkennung von Kesslers Verdiensten um die wĂŒrttembergische Industrie und den Weinbau war die Verleihung des Ritterkreuzes des Ordens der wĂŒrttembergischen Krone durch König Wilhelm I. am 30. Oktober 1841. Mit der Aufnahme in den Orden ist die Erhebung in den persönlichen Adelsstand verbunden. Allerdings erkrankte Kessler bereits im selben Jahr so schwer, dass er damit rechnen musste, die GeschĂ€fte nicht mehr lange fortfĂŒhren zu können.
Am 1. Juli 1835 trat der junge Carl Weiss-Chenoux (1809â1889) als neuer Gesellschafter in die Firma ein. Wichtig war Kessler, dass nicht nur das önologische Können, sondern auch die kaufmĂ€nnische Kompetenz in den HĂ€nden einer tatkrĂ€ftigen Unternehmerpersönlichkeit blieb. Seine Frau, sein Sohn und seine Tochter hatten kein ernsthaftes Interesse am Erhalt der Teilhaberschaft. Ihnen erschien der hohe Kapitalbedarf, der in diesen Jahren des Wachstums erforderlich war, zu riskant. Deshalb nahm er mit Zustimmung der anderen Gesellschafter 1841 den Kaufmann Gustav Stitz als weiteren Teilhaber in das Unternehmen auf.

Wegen des unheilbaren RĂŒckenmarksleidens, das Kessler den Gebrauch von HĂ€nden und FĂŒĂen schwer machte, zog er sich im Januar 1841 fast vollstĂ€ndig aus dem GeschĂ€ftsleben zurĂŒck. Er verkaufte an seine Teilhaber seine Anteile fĂŒr 54.000 Gulden. Die Gesellschafter vereinbarten, dass er noch im selben Jahr 24.000 Gulden in drei Teilzahlungen erhalten sollte. Die restlichen 30.000 Gulden sollten in sechs Raten zu je 5.000 Gulden bezahlt werden. Nur die GeschĂ€fte mit Russland wollte er persönlich fortfĂŒhren.
Kesslers Zustand verschlechterte sich rasch, so dass er auch auf das Russland-GeschÀft verzichtete. Am 16. September 1842 lieà er seinen GeschÀftspartnern folgendes Rundschreiben zugehen:
âIch habe die Ehre, Sie zu benachrichtigen, dass ich mich, infolge von erneuertem vermehrten Unwohlseyn, neben meiner leider unheilbaren RĂŒckenmarks-Krankheit, die mir den Gebrauch der HĂ€nde und FĂŒsse ausserordentlich erschwert, genöthigt gesehen habe, auf die mir bey meinem RĂŒcktritt aus der Gesellschafts-Handlung G. C. Kessler & Cie, fĂŒr mich und meine Erben vorbehaltenen Russischen GeschĂ€fte ebenfalls zu Gunsten meiner Herren Nachfolger zu verzichten. Haben Sie die GĂŒte, hiervon Notiz zu nehmen, um sich wegen der zwischen Ihnen und mir angeknĂŒpften GeschĂ€fte mit besagtem meinen Herren Nachfolgern zu verstĂ€ndigen und zu berechnen. Ich danke Ihnen auf das Verbindlichste fĂŒr das mir gĂŒtigst bewiesene Wohlwollen und Vertrauen und verharre der ausgezeichnetsten Hochachtung ganz der Ihrige G. C. Kessler.â[54]
Bereits am 16. Dezember 1842 starb Kessler 55-jĂ€hrig in Stuttgart. Er hinterlieĂ seine Witwe mit der 16-jĂ€hrigen Tochter Anna Friederike (* 2. Januar 1827) und dem 15-jĂ€hrigen Sohn Georg Karl August (* 14. Februar 1828; â 1868 als Fabrikant in Leipzig). Seine am 2. Juni 1830 geborene Tochter Clara war ihrem Vater 1836 kurz vor der Vollendung des sechsten Lebensjahres an den Folgen einer HirnhautentzĂŒndung im Tod vorangegangen. Kesslers Grab befindet sich auf dem Hoppenlau-Friedhof Stuttgart.
Ohne Zweifel gehört Georg Christian von Kessler zu den profiliertesten und innovativsten Persönlichkeiten in der FrĂŒhphase der Industrialisierung WĂŒrttembergs. Er gehörte einer mit der bĂŒrgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts neu entstandenen sozialen Gruppe an, die â befreit von den ZwĂ€ngen der StĂ€nde- und Zunftordnung â ihr Leben aus eigenem Antrieb gestalteten und sich durch Pioniergeist, Risikofreudigkeit, Besitzstreben, Bildung und Erfindungsreichtum auszeichnete. DarĂŒber hinaus wird in Kesslers Nachruf aus dem Jahr 1844 seine soziale Verantwortung und sein Kunstsinn erkennbar, CharakterzĂŒge, die möglicherweise von der TĂ€tigkeit seines Vaters als Stadtrat und Organist beeinflusst worden sind:
âDurch ein offenes gerades Benehmen, durch ein dienstfertiges freundliches Entgegenkommen, durch gefĂ€llige Formen, durch Erhabenheit ĂŒber kleinliche Interessen, durch rege Teilnahme fĂŒr alles Schöne und GemeinnĂŒtzige, durch Freigebigkeit und Gastfreundschaft, GrundsĂ€tze seines Charakters, die bei aller Verstimmung in den letzten Lebensjahren nie sich verbargen, hatte er die Achtung und Zuneigung Aller, die mit ihm in BerĂŒhrung kamen, erworben. Die UnterstĂŒtzung seiner Geschwister, die alle vor ihm starben und von denen er zweien noch wĂ€hrend des letzten Jahren in das Grab nachsehen musste, so wie ihrer Angehörigen wurde er nicht mĂŒde. Ăberhaupt HilfsbedĂŒrftigen wohl tun und seine Umgebungen an seinen LebensgenĂŒssen Teil nehmen lassen zu können, hielt er fĂŒr den Hauptgewinn seiner eigenen TĂ€tigkeit und dem glĂŒcklichen Endergebnisse seiner Unternehmungen zu verdanken hatte.
Leidenschaftlicher Freund der Tonkunst, fand er einen hohen Genuss darin, wenn zuweilen die LiederkrĂ€nze von Esslingen auf seinem freundlich gelegenen Landsitze am Neckar sich einfanden und unter dem Klange der Becher, die seine Gastlichkeit ihnen fĂŒllte, durch ihre vierstimmigen GesĂ€nge den Abend ihm verkĂŒrzten. Gesegnet wird sein Andenken nicht nur bei Allen, denen er nĂ€her stand, sondern bei allen Freunden des Vaterlandes, vorzugsweise aber bei den Einwohnern der Stadt Esslingen sein, denen sein Wirken mannigfachen bleibenden Vorteil brachte.â[55]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Siehe dazu die AnkĂŒndigung der Aufnahme von Carl Weiss-Chenaux (1809â1889) als Teilhaber des Unternehmens: âUnser im Jahr 1826 begrĂŒndetes GeschĂ€ft hat, wie Ihnen bekannt, die Bereitung hierlĂ€ndischer, aus den edelsten feinsten Traubensorten erzeugter, mouĂierender Weine zum Gegenstande.â
- â Gerd Kollmer-von Oheimb-Loup: Georg Christian von Kessler. Fabrikant und Wegbereiter der wĂŒrttembergischen Industrie (1787â1842). In: Lebensbilder aus Baden-WĂŒrttemberg. Nr. 20. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-17-017333-0, S. 207.
- â Neuer Nekrolog der Deutschen. Zwanzigster Jahrgang, 1842, zweiter Teil, Weimar 1844, No. 317: Georg Christian von Kessler, S. 871 (Digitalisat).
- 1 2 Neuer Nekrolog der Deutschen, S. 872.
- â Der handschriftliche Lebenslauf Kesslers wird in AuszĂŒgen zitiert bei GĂŒnther Weiss: Vom EĂlinger Champagner zum Kessler HochgewĂ€chs. Chronik der Familie Weiss, der Ă€ltesten Familie von Sektfachleuten in Deutschland 1835â1985. Esslingen 1985, S. 20ff.
- â Ihr UrgroĂvater mĂŒtterlicherseits war Nicolas Ruinart (1697â1769), der 1729 das erste Champagnerunternehmen grĂŒndete; siehe dazu: Robert Tomes: The Champagne Country. New York 1867, S. 94â95
- â Ein UmrechnungsverhĂ€ltnis von einem Franc zu einem heutigen Euro von eins zu zwanzig gilt als konservativ angesetzt. Damit hĂ€tte Barbe-Nicole Clicquot etwa 1,5 Millionen Euro investiert. Zum Vergleich: ein ungelernter Arbeiter verdiente um 1830 etwa 400 Francs (8.000 Euro) jĂ€hrlich, eine Flasche Champagner kostete um 1800 rund 3,5 Francs (70 Euro).
- â Das Unternehmen, das Alexandre gemeinsam mit seinem Sohn JĂ©rĂŽme unter dem Namen Fourneaux et fils weiterfĂŒhrte, stellte ebenfalls qualitĂ€tvolle Champagner her und ging 1931 in den Besitz von Champagne Taittinger, das drittĂ€lteste Champagnerhaus, ĂŒber. Siehe dazu: Jacques-Louis Delpal: Merveilles de Champagne. Paris 1993, S. 58
- â Jean-Antoine Chaptal: Lâart de faire le vin. Paris 1819; Jerry B. Gough: Winecraft and Chimistry in Eighteenth-Century France: Chaptal and the Invention of Chaptalization. In: Technologies and Culture. Band 39, Nr. 1, 1998, S. 74â104, speziell S. 102.
- â Roderick Philipps: A Short History of Wine. New York 2000, S. 243.
- â Robert Tomes: The Champagne Country. New York 1867, S. 68; Henry Viztelly: Facts About Champagne and Other Sparkling Wines, Collected During Numerous Visits to the Champagne and Other Viticultural Districts of France an the Principal Remaining Wine-Producing Countries of Europe. London 1879, S. 192, 198, 214
- â GĂ©rard Liger-Belair: Uncorked: The Science of Champagne. Princeton, NJ 2004, S. 15.
- â Jacques-Louis Delpal: Merveilles de Champagne. Paris 1993, S. 173; FrĂ©dĂ©rique Crestin-Billet: La Veuve Clicquot: La grande dame le la Champagne. Paris 1992, S. 134.
- â Siehe dazu: FrĂ©dĂ©rique Crestin-Billet: Veuve Clicquot. La grande dame de la Champagne. Grenoble 1992, S. 91 und Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten. Lane Books, Paris 2009, S. 79f.
- â In vielen Veröffentlichungen ist von 10.500 Flaschen die Rede, der bei Crestin-Billet auf Seite 81 abgebildete Frachtbrief weist jedoch die o. g. Frachtmenge aus.
- â Die Kessler-Biografie von Rulf Neigenfind eröffnet gĂ€nzlich neue Aspekte auf die gesellschaftliche Position Kesslers in Reims, die durch die Einheirat in die angesehene und groĂbĂŒrgerliche Tuch- und Wolledynastie Jobert-Ternaux entstanden ist. Siehe dazu: Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten. Lane Books, Paris 2009, S. 87â92.
- â FrĂ©dĂ©rique Crestin-Billet: La Veuve Clicquot: La grande dame de la Champagne. Paris 1992, S. 88 und 94
- â Tilar J. Mazzeo: The Widow Clicquot. The Story of a Champagne Empire and the Woman who ruled it. New York 2008, S. 139f.
- â Siehe dazu jetzt die wegweisenden Untersuchungen von Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten. Lane Books, Paris 2009, S. 58f.
- â FrĂ©dĂ©rique Crestin-Billet: La Veuve Clicquot: La grande dame de la Champagne. Paris 1992, S. 91â94; Robert Tomes: The Champagne Country. New York 1867, S. 87.
- â Dazu ausfĂŒhrlich Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten. Lane Books, Paris 2009, S. 95ff.
- â Wie Georg Christian Kessler zĂ€hlt Heinrich Kessler zu den vergessenen Persönlichkeiten der wĂŒrttembergischen Geschichte der Restaurationszeit, die eine moderne historische Aufarbeitung verdient hĂ€tten.
- â Kunigunde Sophie Ludovika Simanowitz, geborene Reichenbach: Bildnismalerin, Zeichnerin, Miniaturmalerin, SchĂŒlerin von Nicolas Guibal in Stuttgart und von Antoine Vestier in Paris, mit Christian Friedrich Daniel Schubart befreundet, der ihr mehrerer Gedichte widmet, sowie mit Friedrich von Schiller, den sie und seine Familie portrĂ€tierte
- â Das GemĂ€lde hing bis 2005 im GrĂŒnder-Saal des Kessler-Hauses, befand sich jedoch im Besitz der frĂŒheren EigentĂŒmerfamilie. 2008 wurde es ĂŒber ein Auktionshaus in Erlangen an einen unbekannten KĂ€ufer im Ausland verkauft.
- â Vgl. Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 9, Leipzig 1870, S. 366.
- 1 2 3 4 SchwÀbische Chronik. 12. Februar 1826, S. 77.
- â Correspondenzblatt des WĂŒrttembergischen Landwirthschaftlichen Vereins. 12. Band, Stuttgart 1827, S. 226
- â Correspondenzblatt des WĂŒrttembergischen Landwirthschaftlichen Vereins. 12. Band, Stuttgart 1827, S. 336
- â SchwĂ€bische Chronik. 17. Februar 1826, S. 87.
- â Siehe dazu: Rulf Neigenfind, Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten, 2. Auflage, Paris 2012, S. 103. Die Abschrift des Kaufvertrags vom 23. Dezember 1820 befindet sich im Staatsarchiv Ludwigsburg (E 173 III, BĂŒ. 255101).
- â Die Forschung geht davon aus, dass Riesling am Rhein entstand. Genetisch gesehen ist Riesling eine Kreuzung zwischen dem weiĂen Heunisch und einem Abkömmling der Wildrebe des Vitis-silvestris-Typs. Siehe Andreas Jung, Erika Maul: Der Ursprung unserer autochthonen und internationalen Rebsorten. In: Geilweilerhof aktuell. 33, Heft 1, 2005, S. 19â26
- â Siehe dazu GĂŒnther WeiĂ, Die Deutsche Sektindustrie. Ihr Werden und Wesen und das Einwirken des Staates auf ihre Geschicke, Stuttgart 1931, S22; Wochenblatt fĂŒr Land- und Hauswirtschaft, Gewerbe und Handel. Nr. 39 vom 11. November 1834, zitiert bei Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Paris 2009, S. 156.
- â J. P. Bachem (Hrsg.): Rheinische Provinzial-BlĂ€tter fĂŒr alle StĂ€nde. Neue Folge, 6. Jahrgang, Nr. 27, Köln 1839, S. 3
- â Werner Föll: âMehr als nur Champagner âŠâ Georg Christian Kessler (1787â1842). In: Christhard Schrenk (Hrsg.): Heilbronner Köpfe III. Lebensbilder aus drei Jahrhunderten (Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 48), Weinsberg 2001, S. 155
- â Dieter Mertens: WĂŒrttemberg. In: Handbuch der baden-wĂŒrttembergischen Geschichte. Band 2, Stuttgart 1995, S. 142â147
- â Ferdinand Regner, A. Stadlbauer, Cornelia Eisenheld: Heunisch Ă FrĂ€nkisch, ein wichtiger Genpool europĂ€ischer Rebsorten. In: Wein-Wissenschaft. Band 53, Nr. 3, 1998, S. 114â118
- â Die Rebsorte bildet groĂe Trauben mit dicken groĂen Beeren, die spĂ€t reifen, fĂ€ulnisanfĂ€llig und frostempfindlich sind. Sie liefert groĂe ErtrĂ€ge, die QualitĂ€t des Mosts und der Weine ist einfach und wenig haltbar. Die Sorte soll nach dem DreiĂigjĂ€hrigen Krieg aus Ungarn eingefĂŒhrt worden sein, wobei berĂŒcksichtigt werden muss, dass Ungarn damals wesentlich gröĂer war als heute und die Slowakei, Kroatien und Teile RumĂ€niens umfasste.
- â Siehe dazu: Christine KrĂ€mer: Rebsorten in WĂŒrttemberg. Herkunft, EinfĂŒhrung, Verbreitung und die QualitĂ€t der Weine vom SpĂ€tmittelalter bis ins 19. Jahrhundert (TĂŒbinger Bausteine zur Landesgeschichte 7), Ostfildern 2006, S. 161f.
- â Johann Philipp Bronner: Der Weinbau im Königreich WĂŒrttemberg. Band 1, Heidelberg 1837, S. 95.
- â Beschreibung des Oberamts EĂlingen. Stuttgart und TĂŒbingen 1845, S. 121.
- â Bronner: Weinbau. Band 1, S. 196ff.
- â Friedrich von Bassermann-Jordan: Geschichte des Weinbaus. 2 BĂ€nde, Frankfurt a. M. 1923, hier Band 1, S. 169
- â Carl Theodor Griesinger: Humoristische Bilder aus Schwaben. Heilbronn 1837, S. 266f.
- â Gert Kollmer-von Oheimb-Loup, Georg Christian von Kessler, S. 219.
- â SchwĂ€bischer Merkur. 5. Januar 1828; zitiert in: J. P. Bachem (Hrsg.): Rheinische Provinzial-BlĂ€tter fĂŒr alle StĂ€nde. Neue Folge, 5. Jahrgang, Nr. 53, Köln 1838, S. 29
- â Christian Carl AndĂ© (Hrsg.): Oekonomische Neuigkeiten und Verhandlungen. 1827, S. 538, Nr. 68, § 537: Oekonomische SocietĂ€ten
- â Correspondenzblatt des Königlich WĂŒrttembergischen Landwirthschaftlichen Vereins. Neue Folge, Band 6, 1834, S. 59
- â Wirtschaftsarchiv Baden-WĂŒrttemberg, Stuttgart, Bestand Y 267 G. C. Kessler, Nr. 179; zitiert auch bei: Helmut Arntz: FrĂŒhgeschichte des deutschen Sektes II: Erster Firmenteil (Schriften zur Weingeschichte 82), Wiesbaden 1987, S. 12
- â âDem Andenken des verstorbenen Geh. Hof- und DomĂ€nen-Raths H. Rapp gewidmet von seinen Hinterbliebenen.â Stuttgart o. J., enth.: die Rede am Grabe von Oberconsistorial-Rath, Stadtdekan Köstlin und einen anonymen LebensabriĂ; ferner: die Nekrologe von Dannecker im SchwĂ€b. Merkur, Chronik, Jg. 1841, S. 1409 ff. und im Kunstblatt, 1842, S. 1 ff.
- â Zitiert nach Max Rehm: Ursprung und Wandlung. Leitgedanken der Jahre 1818 bis 1945. In: HundertfĂŒnfzig Jahre WĂŒrttembergische Landessparkasse. Stuttgart 1968, S. 24ff.
- â Siehe dazu die Kundenverzeichnisse im WA Baden-WĂŒrttemberg (nverzeichnet)
- â WA Hohenheim, Y 267, Nr. 226
- â Nachweis der Lebensdaten: Michael Klein, Die Handschriften der Sammlung J 1 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Die Handschriften der Staatsarchive in Baden-WĂŒrttemberg, Band 1), Wiesbaden 1980, S. 355
- â Wirtschaftsarchiv Baden-WĂŒrttemberg, Bestandssignatur Y 267, Nr. 178
- â Neuer Nekrolog der Deutschen. 1844, S. 875.
Literatur
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Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wirtschaftsarchiv Baden-WĂŒrttemberg, Stuttgart, Bestand Y 267 G. C. Kessler, Nr. 171; 178; 179; 226.
- Wirtschaftsarchiv Baden-WĂŒrttemberg, Stuttgart, Bestand B 44 Merkel & Kienlin BĂŒ 34, 164, 442, 583, 661, 1268, 1315
Gedruckte Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Correspondenzblatt des landwirtschaftlichen Vereins 1822â1842.
- Gewerbsfreund oder Kunst- und Gewerbe-Anzeiger im Königreich WĂŒrttemberg. 1. Jahrgang, 1826
- SchwĂ€bischer Merkur mit Beilage SchwĂ€bische Chronik 1823â1831.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Helmut Arntz, Winfried Heinen: Sekt. Ein MarktfĂŒhrer (= Gesamtwerk deutscher Wein. Sonderbd. 4). Heinen, Trittenheim 1982, ISBN 3-922369-05-7, S. 98â101.
- Helmut Arntz: FrĂŒhgeschichte des deutschen Sektes. Band 2: 1. Firmenteil (= Schriften zur Weingeschichte. Nr. 82, ISSNÂ 0302-0967). Gesellschaft fĂŒr Geschichte des Weines, Wiesbaden 1997, S. 5â15.
- Otto Borst: Die Esslinger PliensaubrĂŒcke. Kommunale Verkehrs- und Wirtschaftspolitik vom frĂŒhen Mittelalter bis zur Gegenwart (= Esslinger Studien. Schriftenreihe. Bd. 3, ISSNÂ 0425-3086). Stadtarchiv, Esslingen 1971.
- Jacqueline de Caraman Chimay: Madame Veuve Clicquot-Ponsardin. Sa vie, son temps. H. Debar & Cie, Reims 1956.
- Frédérique Crestin-Billet: Veuve Clicquot. La grande dame de la Champagne. Glénat, Grenoble 1992, ISBN 2-7234-1421-3.
- Werner Föll: âMehr als nur Champagner âŠâ Georg Christian Kessler (1787â1842). In: Christhard Schrenk (Hrsg.): Heilbronner Köpfe. Band 3: Lebensbilder aus drei Jahrhunderten (= Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn. Bd. 48). Stadtarchiv, Heilbronn 2001, ISBN 3-928990-78-0, S. 143â156.
- Eberhard Kaiser: Georg Christian von Kessler. In: Diplomatische Depesche. 10/2005, ZDB-ID 2150101-4, S. 66â67.
- Gerd Kollmer von Oheimb-Loup: Georg Christian von Kessler. Fabrikant und Wegbereiter der wĂŒrttembergischen Industrie (1787â1842). In: Lebensbilder aus Baden-WĂŒrttemberg. Bd. 20, 2001, ISSNÂ 0948-0374, S. 207â225.
- Georges Lallemend: Edouard WerlĂ©. NĂ©gociant en vins de Champagne. Maire de la Ville de Reims Ă 1852 Ă 1868. DĂ©putĂ© au Corps LĂ©gislatif (31 Octobre 1801 â 6 Juin 1884). Texte d'une confĂ©rence donnĂ©e Ă la SocietĂ© des Amis du Vieux Reims, le 28 octobre 1953. SociĂ©tĂ© des Amis du Vieux Reims, Reims 1954.
- Gérard Liger-Belair: Uncorked. The Science of Champagne. Princeton University Press, Princeton NJ 2004, ISBN 0-691-11919-8.
- Tilar J. Mazzeo: The Widow Clicquot. The Story of a Champagne Empire and the Woman who ruled it. Collins, New York NY 2008, ISBN 978-0-06-128856-2.
- Rulf Neigenfind: Die zwei Leben des Georg Christian Kessler. Die Geschichte eines berĂŒhmten Unbekannten. Lane Books, Paris 2009, ISBN 978-2-9535498-1-2.
- Georg Christian von Kessler. In: Neuer Nekrolog der Deutschen. Jg. 20, Tl. 2, 1842 (1844), S. 871â875, No. 317, (Digitalisat).
- Bertold Pfeiffer: Der Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart. Eine Studie zum Heimatschutz. Neue, erweiterte Ausgabe. Kohlhammer, Stuttgart 1912.
- Henrich Tiessen: Industrielle Entwicklung, gesellschaftlicher Wandel und politische Bewegung in einer wĂŒrttembergischen Fabrikstadt des 19. Jahrhunderts. Esslingen 1848â1914 (= Esslinger Studien. Schriftenreihe. Bd. 6). Stadtarchiv, Esslingen 1982.
- Wilhelm Treue: Kessler, Georg Christian von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 549 (deutsche-biographie.de).
- Alain-Marcel-Louis de VoguĂ©: Une maison de vins de Champagne au temps du blocus continental. 1806â1812. 1948 (Paris, MĂ©moire prĂ©sentĂ© pour l'obtention du diplĂŽme d'Ă©tudes supĂ©rieures d'histoire, Juni 1948).
- Friedrich-Franz Wauschkuhn: Die AnfĂ€nge der wĂŒrttembergischen Textilindustrie im Rahmen der staatlichen Gewerbepolitik 1806â1848. Hamburg 1974, (Hamburg, UniversitĂ€t, Dissertation, 1975).
- GĂŒnther Weiss: Vom Esslinger Champagner zum Kessler HochgewĂ€chs. Chronik der Familie Weiss, der Ă€ltesten Familie von Sektfachleuten in Deutschland. 1835â1985. Eine Plauderei. Kessler, Esslingen 1985.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kessler, Georg Christian |
| ALTERNATIVNAMEN | Kessler, Georg Christian von |
| KURZBESCHREIBUNG | GrĂŒnder der ersten deutschen Sektkellerei |
| GEBURTSDATUM | 30. MĂ€rz 1787 |
| GEBURTSORT | Heilbronn |
| STERBEDATUM | 16. Dezember 1842 |
| STERBEORT | Stuttgart |