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Gurtstraffer

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Der Gurtstraffer, auch Gurtstrammer, zĂ€hlt, wie der Airbag auch, zum sogenannten passiven Sicherheitssystem eines Fahrzeuges. Er hat die Aufgabe, bei einem Unfall die Sicherheitsgurte zu straffen, damit der Fahrzeuginsasse frĂŒher an der Gesamtverzögerung des Fahrzeuges teilnimmt. Dazu wird der Gurt innerhalb von ca. 10–15 Millisekunden um bis zu 15 cm angezogen. Sinnvoll ist dies insbesondere dann, wenn dicke Kleidung ein straffes Anliegen des Gurtes am Körper verhindert.

Der Gurtstraffer kann entweder im Gurtaufroller, unterhalb des Gurtschlosses und/oder an der Verankerung des Gurtes integriert sein. Als Energielieferant wird entweder eine gespannte Feder oder eine kleine Sprengladung verwendet.

Bei ordnungsgemĂ€ĂŸem Gebrauch bringen aktuelle Gurtstraffer ca. 2 kN Kraft auf die Schulter, wenn der Gurt bereits straff anlag. Dies fĂŒhrt bei ordnungsgemĂ€ĂŸem Gebrauch nur in AusnahmefĂ€llen zu Verletzungen. Um nach dem Straffen des Gurtes in der Vorverlagerungsphase des Insassen die KrĂ€fte nicht zu stark anwachsen zu lassen, wurde der sogenannte Gurtkraftbegrenzer entwickelt.

Mercedes-Benz stellte auf dem Genfer Auto-Salon im Jahr 1981 einen Gurtstrammer fĂŒr den Beifahrer in der S-Klasse vor und fĂŒhrte ihn damit erstmals in den Serienautomobilbau ein.[1] Der Gurtstrammer war in der Aufrollvorrichtung des Gurtes in der B-SĂ€ule angebracht und arbeitete mit einem Treibsatz, der auf einen Kolben wirkte. Dadurch wurde ein FlĂŒssigkeitsstrahl auf die Schaufeln eines kleinen Turbinenrades geleitet, welches das Rad der Aufrollachse in Drehbewegung versetzte. Innerhalb von 12 Millisekunden wurde so der Gurt gestrafft.[2] Laut einer Studie der BASt waren im Jahr 2017 etwa 88 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland mit Gurtstraffern ausgestattet.[3]

Schema eines pyrotechnisch angetriebenen Gurtstraffers

Das AirbagsteuergerĂ€t löst den Gurtstraffer aus, wenn es ĂŒber die Sensorik Informationen ĂŒber eine Kollision erhĂ€lt. Die Auslöseschwelle kann unter UmstĂ€nden niedriger liegen als die des Airbags, zum Beispiel bei niedriger Geschwindigkeit. Somit kann es dazu kommen, dass zwar der Gurtstraffer auslöst, der Airbag jedoch nicht. Bei modernen Autos prĂŒfen Sensoren zusĂ€tzlich, ob sich jemand im Sitz befindet und der Gurt angelegt ist. Falls dies nicht der Fall sein sollte, unterbleibt die Auslösung.

Es gibt mehrere Bauarten von Gurtstraffern:

  • Relativ hĂ€ufig sind Rotationsstraffer. Die Steuereinheit löst im Gurtaufroller eine pyrotechnische Treibladung aus, deren Gasdruck Stahlkugeln im Aufroller beschleunigt. Diese geben ihre Bewegungsenergie an ein Zahnrad auf der Welle des Gurtaufrollers ab. Die Drehung des Zahnrads rollt den Gurt weiter auf, der dann straff am Passagier anliegt. Bei der GurtschlossausfĂŒhrung wird der Gasdruck der Treibladung an einen Kolben unter dem Sitz abgegeben, der ĂŒber ein Stahlseil das Gurtschloss schlagartig nach hinten-unten zieht und so den Gurt strafft.
  • Weitere Funktionsweisen sind zum Beispiel: Seilstraffer, Rohrstraffer und Wankelstraffer (ein Kreiskolbenmotor, Ă€hnlich dem Wankelmotor). Statt einer pyrotechnischen Treibladung kann auch eine gespannte Feder die notwendige Kraft aufbringen.
  • Eine moderne, jedoch vergleichsweise teure AusfĂŒhrung ist der reversible Gurtstraffer.[4] Dabei wird zusĂ€tzlich zum pyrotechnischen Gurtstraffer ein elektrischer Antrieb verwendet, welcher den Gurt mit einer geringeren Kraft (beispielsweise 100–200 N) straffen kann. Der reversible Gurtstraffer kann aufgrund seiner mehrfachen Benutzbarkeit schon wĂ€hrend einer Gefahrensituation eingesetzt werden, ohne dass es tatsĂ€chlich zum Unfall kommen muss.

Ein pyrotechnischer Gurtstraffer kann, wie der Airbag, nur einmal verwendet werden. Ein ausgelöster Gurtstraffer wird bei manchen Autoherstellern durch eine gelbe oder rote Lasche am Gurtstraffungsmechanismus angezeigt.

Wie auch beim Airbag mĂŒssen bei der Verschrottung eines Fahrzeuges spezielle Sicherheitsregeln fĂŒr die Demontage beachtet werden, damit nicht versehentlich der Gurtstraffungsmechanismus ausgelöst wird und dies zu Verletzungen fĂŒhrt. Auch bei der patientengerechten Rettung kann ein Gurtstraffer problematisch sein, da er unter UmstĂ€nden beim Durchtrennen der B-SĂ€ule mit der Schere auslöst und dabei Patienten oder EinsatzkrĂ€fte verletzen kann. Die B-SĂ€ule sollte daher möglichst hoch (ĂŒber dem Gurtstraffer) durchtrennt werden.

GrundsÀtzlich gilt, dass der Sicherheitsgurt im Auto möglichst straff angelegt werden sollte und keinesfalls verdreht sein darf. Sonst kann es bei einem Unfall zu Verletzungen durch den Gurt kommen.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Genf: Airbag und Gurtstrammer feiern Premiere, Mercedes-Benz Chronik 1981
  2. ↑ Mercedes-Benz Presseinformationen vom 5. MĂ€rz 1981
  3. ↑ Marktdurchdringung von Fahrzeugsicherheitssystemen in Pkw 2017. Berichte der Bundesanstalt fĂŒr Straßenwesen, Heft M 295
  4. ↑ Patentanmeldung WO2010031496A8: Reversibler Gurtstraffer. Angemeldet am 31. August 2009, veröffentlicht am 29. Juli 2010, Anmelder: Autoliv Dev, Erfinder: Andreas Lucht et al.‌