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Kopfweide

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Junge Kopfweide
Alte Kopfweiden in Nordvorpommern
Kopfweide in Verwechselten Farben, Wappen von Zechin (MĂ€rkisch-Oderland)

Als Kopfweide bezeichnet man eine Weide, deren Stamm als Jungbaum auf einer Höhe von etwa 1 bis 3 Metern eingekĂŒrzt wurde und deren Zweige in der Folge regelmĂ€ĂŸig beschnitten werden (Schneitelung). Auch andere Baumarten wie Eschen, Pappeln oder Linden werden geschneitelt, sodass sich daraus KopfbĂ€ume entwickeln (siehe auch Kopflinde).

Als Arten nutzt man hierzu meist die Silber-Weide (Salix alba) oder die Korb-Weide (Salix viminalis). An der SchnittflĂ€che treibt der so behandelte Baum in großer Zahl neue Triebe aus. Diese Ruten lassen sich gut erreichen und zur wirtschaftlichen Nutzung abschneiden (schneiteln). Im Laufe der Zeit verdickt sich der oberste Abschnitt des Stammes; durch den wiederholten Kopfschnitt entsteht der Kopf der Weide. Ist eine Weide einmal zur Kopfweide geschnitten worden, muss sie regelmĂ€ĂŸig gepflegt werden. Alle drei bis zehn Jahre ist ein Schnitt notwendig,[1] der Zeitraum ergibt sich aus der gewĂŒnschten Nutzung, Ruten zum Flechten werden in kurzen AbstĂ€nden geschnitten, fĂŒr die Nutzung als Pfosten oder Stiele wird lĂ€nger gewartet. Bereits ein um wenige Jahre lĂ€ngeres Intervall (15 bis 20 Jahre) kann dazu fĂŒhren, dass der Baum, dessen Statik durch große Äste verĂ€ndert ist, unter deren Last teilweise auseinanderbricht (vgl. auch: Totholz). Dieser Effekt erklĂ€rt die große Anzahl an bizarren, beschĂ€digten Kopfweiden, deren VitalitĂ€t aber derartig große SchĂ€den noch lange kompensieren kann.

Da Äste von Weiden frĂŒher hĂ€ufig als PfĂ€hle fĂŒr das Errichten von WeidezĂ€unen benutzt wurden, entstanden aus diesen PfĂ€hlen durch die enorme RegenerationsfĂ€higkeit der Weiden neue Pflanzen. Aus diesem Grund stehen Kopfweiden hĂ€ufig (z. B. am Niederrhein) in einer Reihe. Eine moderne Form der Weidennutzung ist der Lebendverbau, hierbei werden lebende Zweige zur Erstellung von Bauwerken verwendet. Von der Befestigung von HĂ€ngen durch das Verwurzeln der Äste, bis zu beachtlichen GebĂ€uden aus lebendem Holz (wie z. B. einem Weidendom) reicht die Verwendungsmöglichkeit. FĂŒr den Einsatz als Faschine können sowohl lebende wie auch bereits getrocknete Ruten verwendet werden. Einerseits liefert totes Material eine hohe Belastbarkeit, aber die austreibenden, lebend verbauten Ruten sichern mit ihren Wurzeln die Erdmassen deutlich effektiver. Allerdings ist das dabei entstehende Weidenfeld nicht ĂŒberall gewĂŒnscht.

Die gewonnenen Ruten wurden in frĂŒheren Zeiten fĂŒr die Korbflechterei (Korb-Weide) oder in Verbindung mit Lehm als Baumaterial fĂŒr HĂ€userwĂ€nde benutzt. Ältere bzw. durchgewachsene Äste wurden fĂŒr die Herstellung von Besen- und Werkzeugstielen verwendet.

Heute gibt es kaum noch eine wirtschaftliche Nutzung der Weiden, da sich industrielle Ersatzprodukte durchgesetzt haben; dementsprechend werden Kopfweiden heute auch nur noch selten gepflegt (Stand 2006). Wird heutzutage noch eine Pflege durchgefĂŒhrt, so meistens durch Naturschutzorganisationen, die sich fĂŒr den Erhalt der Kopfweiden als Lebensraum zahlreicher Tierarten einsetzen, vor allem die in ihrem Bestand bedrohten FledermĂ€use und Eulen. Diese Tiere finden in den hĂ€ufig hohlen StĂ€mmen Unterschlupf und Nistgelegenheiten. Sowohl die mĂ€nnlichen als auch die weiblichen Weiden mit ihren KĂ€tzchen bieten den Bienen im FrĂŒhjahr die erste Nahrung. Darum werden in der Regel in einem Jahr nicht alle Weiden eines Bestandes geschneitelt, sondern abwechselnd immer nur einzelne.

Kopfweiden sind prĂ€gend fĂŒr das Erscheinungsbild der Region Niederrhein, aber auch anderer Regionen, wie z. B. Vorpommern oder Mecklenburg.

Der niederrheinische Kreis Wesel und die schweizerische Gemeinde Widnau tragen eine Kopfweide im Wappen, das der Gemeinde Lambrechtshagen zeigt zwei BĂ€ume dieser Art.

  • Erich Staudt: Kopfweiden: Herkunft – Nutzung – Pflege. 2. Auflage, Mercator, Duisburg 1991, ISBN 3-87463-147-8.
  • Bettina Braun, Werner Konold: Kopfweiden: Kulturgeschichte und Bedeutung der Kopfweiden in SĂŒdwestdeutschland. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1998, ISBN 3-929366-30-4.
  • Andrea Dohmann, Ulrich Kaminsky: Das Kopfweiden-Handbuch: Ein praktischer Leitfaden fĂŒr die Bildungsarbeit. Regionalverlag Kiper, Bielefeld 2005, ISBN 3-936359-13-X.
  • Lebensraum Kopfbaum. Vom nachhaltigen Nutzen des Baumschnitts. (OT: Trognes, les arbres aux mille visages.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2017, 51:35 Min., Buch und Regie: TimothĂ©e Janssen, Produktion: Camera Lucida Productions, arte France, Erstsendung: 8. Juni 2018 bei arte, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.
Commons: Kopfweiden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kopfweide – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Kopfweiden (NABU Brandenburg-Havel) (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)