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LifeSiteNews

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LifeSiteNews bzw. LifeSite ist eine in Kanada beheimatete Website, die extrem konservative und traditionalistische katholische Ansichten propagiert. Chefredakteur ist seit der GrĂŒndung John-Henry Westen, PrĂ€sident Steve Jalsevac.[1] Hervorgegangen aus der kanadischen Campaign Life Coalition, einer Anti-Abtreibungs-Kampagne, wandte LifeSiteNews sich alsbald auch anderen Themen zu und wurde schließlich wegen Verbreitung von Verschwörungstheorien und Fehlinformationen ĂŒber Covid-19 von etlichen Social-Media-Plattformen verbannt.

Die Veröffentlichungen auf LifeSiteNews werden von D. W. Lafferty als „shrill, sensationalistic“ und „highly biased“ beschrieben.[2] Laut Lafferty weisen sie hĂ€ufig Merkmale eines „fanatischen katholischen Traditionalismus“ auf.[2]

Geschichte und Kritik

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LifeSiteNews wurde 1997 von kanadischen politischen Lobbyisten – darunter Westen und Jalsevac – gegrĂŒndet; Ziel war die BekĂ€mpfung von Abtreibungen.[3]

2011 reichte der progressive katholische Priester Raymond Gravel, ehemaliges Mitglied des Kanadischen Parlaments, eine Klage wegen Verleumdung gegen LifeSiteNews ein und verlangte 500.000 kanadische Dollar Schadensersatz. Gravel hatte eine tolerante, zeitgemĂ€ĂŸe und menschenfreundliche Haltung der Kirche eingefordert und sich gegen eine Diktion der Verbote und Verdammungen ausgesprochen.[4][5] LifeSiteNews hatte 39 Artikel ĂŒber Gravel veröffentlicht, die dieser als diffamierend empfunden hatte.[6] Die Klage wurde 2013 zur Verhandlung zugelassen, im Jahr darauf starb Gravel.[4]

2019 war LifeSiteNews an der Finanzierung einer Vortragsreise durch die USA fĂŒr Alexander Tschugguel beteiligt. Tschugguel hatte im Oktober 2019 nach der Amazonassynode im Vatikan fĂŒnf als „Mutter Erde“ beschriebene hölzerne Statuetten, die eine nackte, schwangere indigene Frau darstellten, nachts aus der Kirche Santa Maria in Traspontina gestohlen und in den Tiber geworfen und sich dabei gefilmt. Diese Figuren waren vorher im Rahmen einer Baumpflanzungsaktion in den Vatikanischen GĂ€rten, an der Papst Franziskus teilgenommen hatte, prĂ€sentiert und gesegnet und anschließend in der Kirche ausgestellt worden. Franziskus hatte sich fĂŒr Tschugguels Akt des Vandalismus entschuldigt und die Figuren wurden spĂ€ter aus dem Tiber geborgen. Tschugguel rechtfertigte seine Tat damit, die Statuen seien Götzen der Erdgöttin Pachamama gewesen, deren Aufstellung in der Kirche das Erste Gebot verletze. Mit Darstellungen der Jungfrau Maria, mit der sie von indigenen Teilnehmern der Zeremonie in den Vatikanischen GĂ€rten verglichen wurden, hĂ€tten die Figuren seiner Ansicht nach nichts zu tun, da sie nackt und hĂ€sslich seien, Maria aber grundsĂ€tzlich sehr gut angezogen und sehr schön sei.[7] Angestiftet oder zumindest unterstĂŒtzt worden war Tschugguel durch den US-amerikanischen Traditionalisten Taylor Marshall, der wie auch Tschugguel fĂŒr die reaktionĂ€re Aktivistenorganisation Tradition Familie Privateigentum tĂ€tig ist. Es gibt Vermutungen, dass die Aktion dazu beigetragen haben könnte, dass derartige besonders unter konservativen Katholiken in den USA populĂ€re Gruppierungen von der römischen Kurie deutlicher als ernsthaftes Problem innerhalb der katholischen Kirche erkannt worden seien. Zuvor seien sie im Vatikan wie auch global mehr oder weniger ignoriert worden: “Until Tschugguel’s actions, the reactionary traditionalist segment of the Church was likely easy to ignore in Rome. Largely confined to the US, the movement spent most of its time criticizing and nitpicking the pope’s teachings, signing open letters, and circulating petitions. They inhabited their own media ecosystem, and few in the global Church took notice”, schrieb beispielsweise Mike Lewis im Dezember 2022.[8] Marshall und Konsorten seien möglicherweise daran schuld, dass Franziskus die Bestimmungen fĂŒr die Feier der unter Traditionalisten beliebten vorkonziliaren lateinischen Messe durch sein Motu proprio Traditionis custodes verschĂ€rfte.[8]

Es sei vielleicht nur eine Frage der Zeit gewesen, dass LifeSiteNews, zunĂ€chst „predominantly known for producing advocacy journalism from an enthusiastically anti-abortion, anti-LGBTQ perspective“, sich schließlich im Einklang mit den Ansichten verschwörungstheoretischer Ultra-Rechter wiedergefunden habe, ist in einer Analyse aus dem Jahr 2021 zu lesen.[1] Schon deutlich frĂŒher hatte in Europa David Berger darauf hingewiesen, dass Websites dieser Art Teil einer religiösen Retrowelle und anfĂ€llig fĂŒr die Vermischung mit politischen Einstellungen seien. „Theologische Substanz gebe es kaum, dafĂŒr gehe es um Regeln, liturgische Formen und Ästhetik. Mit rechtsradikalem Gedankengut könnten AuslĂ€ufer dieser Strömungen sich mischen, weil religiöse Traditionalisten und rechtsextreme Fanatiker zum Teil dieselben Feindbilder hĂ€tten“, wird er in einem Artikel in der FAZ zitiert.[9]

Im Jahr 2021, als LifeSiteNews ein Publikum von geschĂ€tzt etwa 20 Millionen Lesern bzw. Zuschauern erreichte, veröffentlichte das kanadische Anti-Hate-Netzwerk einen Bericht von Hazel Woodrow[10] ĂŒber diese „christliche Version von Breitbart“.[1]

Woodrow machte in Carlo Maria ViganĂČs Brief an Donald Trump vom Sommer 2020 den Punkt aus, von dem an die AktivitĂ€ten von LifeSiteNews eine wirklich beĂ€ngstigende Wendung in Richtung Rechtsextremismus und Verschwörungstheorien genommen hĂ€tten. Die Tatsache, dass im Jahr 2021 Trump kaltgestellt zu sein schien und LifeSiteNews von etlichen grĂ¶ĂŸeren Plattformen verbannt worden war, erfĂŒllte Woodrow mit wenig Hoffnung. Sie ging davon aus, dass die Rechten nun eben in andere Nischen des Internets umgeleitet werden wĂŒrden.[1] Im Übrigen wurde zumindest die Sperre auf YouTube alsbald umgangen: Bereits seit Oktober 2021 existiert ein neuer YouTube-Kanal, auf dem Inhalte von LifeSiteNews veröffentlicht werden. Der Account LSNTV hatte im September 2024 knapp 68.000 Abonnenten.[11]

In seinen Reaktionen auf Woodrows Zusammenstellung behauptete LifeSiteNews-PrĂ€sident Jalsevac unter anderem, die Seite sei nicht „anti-LGBT“, sondern richte sich nur gegen Menschen, die ein „sexually confused life“ fĂŒhrten. Er brachte Kindesmissbrauch mit Satanismus in Verbindung und behauptete, wer nicht wisse, dass das Coronavirus in einem chinesischen Labor kreiert worden sei, sei „simply uninformed“.[1] Dass LifeSiteNews schließlich unter anderem von YouTube verbannt wurde, hing laut Woodrow nicht mit den homophoben Hassbotschaften und der Diskriminierung bestimmter Gruppen zusammen, die auf der Website zu finden waren, sondern mit den Verschwörungstheorien bezĂŒglich Corona und mit der UnterstĂŒtzung von Impfgegnern durch LifeSiteNews.[1]

Charles Eisenstein beklagte im Zuge der Diskussionen um die Corona-Impfung, ein Interview mit dem Mediziner Peter McCullough, das auf LifeSiteNews zu finden sei, werde in den Augen der seriöseren Leserschaft schon allein durch diesen Publikationsort suspekt: „Tragischerweise“ beherbergten Seiten, die Leute wie McCullough zu Interviews einlĂŒden, „ziemlich oft auch einwanderungsfeindliche und Anti-LBGTQ-Artikel, die genau die gleichen Taktiken“ nutzten, „die gegen Impfgegner verwendet“ wĂŒrden. Sie wendeten dabei „die gleichen Entmenschlichungs- und SĂŒndenbockschablonen“ an und gĂ€ben „sich fĂŒr die gleichen faschistoiden Ziele“ her.[12]

Einer der Mitunterzeichner von ViganĂČs Schrift Veritas liberavit vos!, in der die Verschwörungstheorie von einer neuen Weltordnung vertreten wird, Joseph Strickland, wurde im November 2023 seines Amtes als Bischof von Tyler enthoben, nachdem er in einem Beitrag fĂŒr das Rome Life Forum von LifeSiteNews Papst Franziskus bezichtigt hatte, sein Amt unrechtmĂ€ĂŸigerweise innezuhaben.

LifeSiteNews ruft regelmĂ€ĂŸig zu Unterschriftenaktionen etc. gegen Franziskus auf. Beispielsweise geschah dies im Herbst 2024[13] wegen Franziskus’ in katholischen Kreisen vieldiskutierter Äußerung, jede Religion könne einen Weg zu Gott darstellen.[14][15]

Dass derartigen Unterschriftenaktionen etc. mitunter der Charakter des Albernen anhaftet, fĂŒhrte beispielsweise Tony Ginocchio in seinem Text John-Henry Westen, Canadian Idiot. You can really just write anything on the Internet! aus. 2019 etwa habe LifeSiteNews die Leserschaft mobilisiert, um die Ernennung des relativ liberalen Jesuiten James Martin zum Erzbischof von Philadelphia zu verhindern. Nur habe, so fuhr Ginocchio sĂŒffisant fort, die Ernennung James Martins ĂŒberhaupt nie zur Diskussion gestanden. Die Macher von LifeSiteNews hĂ€tten nie die Quellen offengelegt, denen sie das GerĂŒcht ĂŒber diese geplante Amtsverleihung angeblich entnommen hatten. Sie hĂ€tten die ganze Aktion nur gestartet, um Klicks, E-Mail-Adressen und Spenden einzusammeln. Im Übrigen möge man sich einmal die Kirchengeschichte der letzten 2000 Jahre ansehen, um sich ein Bild davon zu machen, wie groß der Einfluss einer Unterschriften sammelnden Gruppe von Laien bei der Besetzung von KirchenĂ€mtern sei.[16]

Ginocchio verglich LifeSiteNews und John-Henry Westen mit Michael Voris und Church Militant. Er gab zwar zu, dass Westen keine ganz so bizarre Persönlichkeit sei wie Voris, erklĂ€rte aber, die Redakteure von LifeSiteNews seien „just writing whatever shit they want“. Wenn man bedenke, wie oft die Seite schon beim Faktenchecker-Portal Snopes aufgetaucht sei, könne man als Benutzer fast sicher sein, dass in der RealitĂ€t exakt das Gegenteil von dem Geschehen sei, was jeweils auf LifeSiteNews als Faktum dargestellt werde.[16] LifeSiteNews bediene dasselbe Publikum, das beispielsweise Taylor Marshall fĂŒr einen Genius halte.[16]

Die Campaign Life Coalition hat (Stand: September 2024) nach wie vor zum Teil dieselben Vorstandsmitglieder wie LifeSiteNews, ist aber nicht mehr Betreiberin der Website. John-Henry Westen gehört auch zu den Trustees der 2013 gegrĂŒndeten Petitionsplattform CitizenGO.[17]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 The biggest Canadian far-right news site you probably haven’t heard of. LifeSiteNews, where Catholicism meets QAnon. www.canadaland.com, 22. Februar 2021.
  2. 1 2 D. W. Lafferty: LifeSiteNews: The Origin Story. wherepeteris.com, 31. August 2020.
  3. ↑ Paul Saurette, Kelly Gordon: The Changing Voice of the Anti-Abortion Movement: The Rise of “Pro-Woman” Rhetoric in Canada and the United States. University of Toronto Press 2016, ISBN 978-1-4426-4761-9, S. 172.
  4. 1 2 Father Raymond Gravel, outspoken social activist, dies. www.cbc.ca, 11. August 2014.
  5. ↑ VladĂ­mir Palko: Die Löwen kommen. Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern. Fe-Medienverlag, 2016, ISBN 978-3-86357-153-5
  6. ↑ Gravel vs. Lifesitenews.com (Canada). www.libelandprivacy.com, 11. Januar 2013.
  7. ↑ Christopher White: Controversial ‘Pachamama thief’ goes on U.S. tour. cruxnow.com, 19. November 2019.
  8. 1 2 Mike Lewis: Taylor Marshall, traditionalist scapegoat? wherepeteris.com, 8. Dezember 2022.
  9. ↑ Ursula Scheer: Katholische Internetportale. WĂ€chter und Hetzer. www.faz.net, 5. September 2012.
  10. ↑ Informationen ĂŒber Hazel Woodrow auf ett.ca
  11. ↑ Interview mit Brendan Kavanagh ĂŒber dessen Vorliebe fĂŒr die traditionelle lateinische Messe und seine Privatkapelle, 25. September 2024 auf www.youtube.com
  12. ↑ Charles Eisenstein: Die Krönung. Wie das Coronavirus die Gesellschaftsordnung infrage stellt. Europa Verlag 2022, ISBN 978-3-95890-486-6.
  13. ↑ Tell Pope Francis that Jesus is the only way to God the Father, Life-Petition seit 13. September 2024 auf lifepetitions.com
  14. ↑ Roland Chia: ‘Every Religion is a Way to God’: Pope Francis’ Religious Pluralism. ethosinstitute.sg, 16. September 2024.
  15. ↑ Tom Hoopes: Did Pope Francis Just Say All Religions Are Equally True? media.benedictine.edu, 17. September 2024.
  16. 1 2 3 Tony Ginocchio: John-Henry Westen, Canadian Idiot. You can really just write anything on the Internet! goths.substack.com, 31. August 2020.
  17. ↑ Profile on the Right: CitizenGO. politicalresearch.org, 4. Mai 2018.