Satellitenorbit


Ein Satellitenorbit (lateinisch orbis âKreisbahnâ, âkreisförmige Bewegungâ) ist die Umlaufbahn eines Satelliten um einen Himmelskörper (Sonne, Planet, Mond usw.). Bei einem Erdsatelliten spricht man von dessen Erdumlaufbahn oder Erdorbit. Die Bahnhöhe wird jeweils in Bezug auf den Meeresspiegel angegeben. Zur genaueren Beschreibung der Flugbahn bedarf es weiterer KenngröĂen, die die Artikel Bahnelemente und Satellitenbahnelemente erklĂ€ren.
Die meisten RaumflĂŒge finden in niedrigen Bahnen (Höhe einige 100 km, Umlaufzeiten um 90 min) um die Erde statt (z. B. Space-Shuttle-Missionen). In mittlerer Höhe (23.000 km, 12 h Umlaufzeit) liegen die Bahnen vieler Navigationssatelliten. Von besonderer Bedeutung ist auch die geostationĂ€re Bahn in 35.800 km Höhe (23 h 56 min 4,09 s Umlaufzeit) mit Bahnneigung 0°. Satelliten in diesem Orbit stehen von der Erde aus gesehen scheinbar fest ĂŒber einem Punkt des Ăquators. Dies ist insbesondere fĂŒr Kommunikations- und Fernsehsatelliten von Vorteil, da die Antennen nur einmal fest ausgerichtet und dann nicht mehr nachgefĂŒhrt werden mĂŒssen. Durch die Position ĂŒber dem Ăquator ist die Nutzung in den Polarregionen allerdings stark eingeschrĂ€nkt oder gar nicht möglich.
Entgegengesetzte Forderungen werden an Erdbeobachtungssatelliten oder Spionagesatelliten gestellt. Diese sollen nach Möglichkeit Orte auf der gesamten ErdoberflĂ€che beobachten können, jeweils 10â15 min lang. Dies geht im erdnahen Raum nur in polnahen Umlaufbahnen, wobei hier der sonnensynchrone Orbit (SSO) gegenĂŒber dem direkten Pol-zu-Pol-Orbit vorteilhafter ist. Bei den SSO-Bahnen erleichtert der konstante Sonnenwinkel im Beobachtungsbereich die Auswertung und Klassifikation der gewonnenen Erdbeobachtungsdaten. Die relativ niedrige Umlaufbahn vereinfacht auch das Aufnehmen detailreicher Bilder. Besonders in niedrigen Umlaufbahnen unterliegen die Satellitenbahnelemente raschen Ănderungen durch die Erdabplattung.
Erdumlaufbahnen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Orbits abseits des Ăquators
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VerlĂ€uft ein Orbit nicht (wie bei geosynchronen Orbits, s. u.) exakt ĂŒber dem Ăquator, bildet er im einfachsten Fall einen Kreis, dessen Mittelpunkt mit dem Erdmittelpunkt zusammenfĂ€llt. (Die folgende Betrachtung gilt darĂŒber hinaus auch fĂŒr Ellipsenbahnen, die nicht zu exzentrisch sind.) Diese Bahnebene steht in erster NĂ€herung (ohne relativistische Effekte und Störungen von auĂen) fest im Raum, wĂ€hrend sich die Erde mit ihrer tĂ€glichen Rotation darunter wegdreht. Auf diese Weise verlĂ€uft die âBodenspurâ des Satelliten in einer charakteristischen Wellenbahn um die Erde, die sich von Umlauf zu Umlauf verschiebt. Bei oberflĂ€chennahen Umlaufbahnen (engl. Low Earth Orbit, LEO, s. u.) betrĂ€gt die Umlaufzeit etwa 100 Minuten, so dass sich die Bahn (am besten ablesbar bei den beiden Schnittpunkten der Bahnellipse mit der Ăquatorebene) von Umlauf zu Umlauf um rund 25° in westlicher Richtung verschiebt (die Erde hat sich in der Zeit nach Osten darunter weitergedreht). Das entstehende Wellenmuster mit den parallelverschobenen Umlauf-Bodenspuren ist in der Abbildung zu erkennen. Bei einer Kreisbahn ist dieses Muster immer symmetrisch zur Ăquatorlinie.
Je steiler die Bahn gegen den Ăquator geneigt ist, desto höhere Breiten zu den Polen hin werden in den Extremstellen erreicht.
Parkbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Höhe: 150 bis 200 km, unter UmstÀnden auch elliptische Bahnen, die höher oder tiefer reichen.
Eine Parkbahn stellt in der Regel eine mit geringem Antriebsbedarf erreichbare Kreisbahn dar, die die meisten TrĂ€gerraketen wĂ€hrend des Starts einer Raumsonde zuerst ansteuern. Von dieser kann die Rakete oft leichter in die Bahnebene der Fluchtbahn starten.[1] Nach der Vermessung der beim Aufstieg in die Parkbahn aufgetretenen Ungenauigkeiten wird die ZĂŒndung in Richtung Ziel berechnet. Danach verlĂ€sst die Rakete, am berechneten Punkt, oft schon wĂ€hrend des ersten Umlaufs wieder die instabile Parkbahn. Etliche Raketentypen verwenden Park- oder Zwischenbahnen auch beim Start von Satelliten in höhere Erdumlaufbahnen.
Low Earth Orbit (LEO)
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(Niedrige Erdumlaufbahn, Erdnahe Umlaufbahn)
- Höhe: 200 bis 2000 km[2]
- Höhen zwischen 1200 und 3000 km Höhe sind zwar theoretisch denkbar, werden aber auf Grund der hohen Strahlungsbelastung durch den Van-Allen-GĂŒrtel nach Möglichkeit vermieden.
- LEO-Bahnen sind die energieĂ€rmsten Bahnen und damit am leichtesten zu erreichen. Raumfahrzeuge bewegen sich dort mit etwa 7 km/s. FĂŒr einen Umlauf um die Erde benötigen sie ca. 100 Minuten. Die Sichtbarkeit und damit der Funkkontakt zu einer Bodenstation betrĂ€gt höchstens 15 Minuten pro Umlauf.
- Wird genutzt fĂŒr:
- Bemannte Raumfahrt (beispielsweise Internationale Raumstation ISS; ausgenommen sind die Apollo-Missionen, die vor ihrer Mission zum Mond nur in eine Parkbahn eingeschwenkt sind)
- Spionagesatelliten (beispielsweise amerikanische Keyhole-Satelliten)
- astronomische Satelliten (beispielsweise das Hubble-Teleskop)
- Erderkundungs- und Wettersatelliten
- Amateurfunksatelliten
- Globale Kommunikationssatellitensysteme (etwa Iridium)
- Forschungs- und Technologieerprobungssatelliten (zum Beispiel TUBSAT-N und TET-1)
- Orbitales Treibstoffdepot
- globale 5G-Abdeckung fĂŒr das Internet der Dinge[3]
Very Low Earth Orbit (VLEO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Sehr niedrige Erdumlaufbahn)
- Höhe 150 km bis 300 km[4]
- Wird genutzt fĂŒr:
- Erdbeobachtung
- Hochgeschwindigkeits-Kommunikation
- Vorteile:
- Niedrige Startkosten
- PreisgĂŒnstige Optik oder hohe Auflösung bei Erdbeobachtungssatelliten
- Geringer Strombedarf des Senders an Bord des Satelliten, daher kleine und leichte Solarmodule
- Guter Strahlenschutz durch die oberen Schichten der AtmosphĂ€re, daher geringer Aufwand fĂŒr Strahlenschutz an Bord des Satelliten
- Bremswirkung der AtmosphÀre reduziert Weltraumschrott nach Betriebsende des Satelliten
- Nachteile:
- Bremswirkung der AtmosphÀre erfordert hÀufige Bahnanhebung mit Triebwerken
- Korrosive Wirkung des atmosphÀrischen Sauerstoffs erfordert spezielle Materialien[5]
- SolarzellenflĂŒgel können aus aerodynamischen GrĂŒnden nicht auf die Sonne ausgerichtet werden und liefern nur ĂŒber dem Ăquator volle Leistung[6]
Sonnensynchroner Orbit (SSO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im sonnensynchronen Orbit passiert der Satellit einen Punkt auf der OberflÀche der Erde immer zur selben wahren Ortszeit ±12 Stunden (Ortszeit des aufsteigenden Knotens, engl. Local Time of Ascending Node, LTAN). Die Beobachtungen verschiedener Tage lassen sich leichter vergleichen, da sich bei gleichem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen der Schattenwurf und das Reflexionsverhalten von OberflÀchen nicht verÀndert.
Medium Earth Orbit (MEO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Mittlere Erdumlaufbahn)
Polare Umlaufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Polare Bahnen verlaufen ĂŒber die Polregionen, das heiĂt die Bahnneigung liegt nahe 90°.
Geotransferorbit (GTO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Höhe: 200â800 km PerigĂ€um, 36.000 km ApogĂ€um
- Besonderheiten: Ăbergangsorbit, um einen GEO zu erreichen (siehe auch Hohmann-Transfer). Das PerigĂ€um wird in den meisten FĂ€llen vom Satelliten selbst angehoben, indem im ApogĂ€um ein Raketenmotor gezĂŒndet wird.

Geosynchroner Orbit (GSO, IGSO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Orbit mit einer Umlaufzeit von 23h56min04s, dessen Bahn nicht notwendigerweise kreisförmig ist oder in der Ăquatorebene liegt. Ist sie verkippt, spricht man von einem Inclined geosynchronous orbit (IGSO), ist sie zusĂ€tzlich auch hochelliptisch von einem Tundra-Orbit. Der Satellit verharrt zwar auf einer im Mittel konstanten geographischen LĂ€nge, seine geographische Breite schwankt aber stark ĂŒber den Tag, bzw. vollfĂŒhrt genauer gesagt in einem Tag eine sinusförmige Schwingung um den Ăquator. Aufgrund von Bahnstörungen, hervorgerufen durch ungleichmĂ€Ăige Masseverteilung der Erde, gehen geostationĂ€re Satelliten in einen IGSO ĂŒber, wenn keine Bahnkorrekturen vorgenommen werden.
GeostationÀrer Orbit (GEO)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch: Geosynchrone Umlaufbahn#GeostationÀre Umlaufbahn
- Höhe: 35.786 km
Die Kreisbahn eines geostationĂ€ren Satelliten liegt immer ĂŒber dem ErdĂ€quator. Die Bahnneigung zum Ăquator betrĂ€gt 0 Grad. Bei Bahnneigungen gröĂer als null wĂŒrde der Satellit scheinbar um den Betrag der Neigung senkrecht zum HimmelsĂ€quator pendeln, so dass ein echter stationĂ€rer Orbit nur ĂŒber dem Ăquator möglich ist.
- Wird genutzt fĂŒr:
Die AbkĂŒrzung GEO leitet sich von englisch Geostationary Earth Orbit ab.
Schwerlastraketen wie die russischen Proton, die US-amerikanische Vulcan und Falcon Heavy sowie die europÀische Ariane 6 sind in der Lage, Satelliten direkt im geostationÀren Orbit auszusetzen.
Supersynchroner Orbit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Höhe: GröĂer als GEO-Orbit
Ein Satellit auf einem supersynchronen Orbit umkreist mit einem ApogĂ€um höher als 35.786 km die Erde langsamer, als sie sich selbst dreht. Bei hoher Einschuss-Inklination kann es gĂŒnstiger sein, einen geostationĂ€ren Satelliten statt auf einen GTO-Orbit zunĂ€chst auf einen supersynchronen Transferorbit (SSTO) zu platzieren.
Highly Elliptical Orbit (HEO)
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Highly-Elliptical-Orbit-Satelliten (HEO, engl. âSatellit mit hochelliptischer Umlaufbahnâ) bewegen sich auf elliptischen Bahnen mit groĂer ExzentrizitĂ€t, das heiĂt groĂem VerhĂ€ltnis von PerigĂ€um und ApogĂ€um. Typische Werte sind 200 bis 15.000 km bzw. 50.000 bis 400.000 km. Hochelliptische Erdorbits eignen sich fĂŒr Forschung, Telekommunikation und militĂ€rische Anwendungen. Beispiele sind:
- Sehr elliptische Umlaufbahnen fĂŒr Weltraumteleskope, die sich sehr lange Zeit pro Umlauf ĂŒber den Van-Allen-StrahlungsgĂŒrteln aufhalten sollen (Integral, EXOSAT oder IBEX).
- Transferbahn fĂŒr Raumfahrzeuge, die zum Mond fliegen.
- Transferbahn fĂŒr Raumfahrzeuge, die zu den Lagrange-Punkten L1 oder L2 fliegen.
- Molnija-Orbits: Dies sind HEO mit einer Inklination 63,4° (arctan 2) und etwa 12 Stunden Umlaufzeit. Die Inklination, Umlaufzeit, PerigĂ€um und ApogĂ€um fĂŒr Satelliten der russischen Molnija-Baureihe lauten: 63,4°, 718 Min, 450â600 km, 40.000 km (ApogĂ€um ĂŒber der Nordhalbkugel). Bei dieser Neigung verschwindet die durch den Ăquatorwulst der Erde verursachte PerigĂ€umsdrehung der Bahn, so dass die gewĂŒnschte Lage des ApogĂ€ums ĂŒber lĂ€ngere Zeit erhalten bleibt. Satelliten auf Molnija-Bahnen eignen sich bevorzugt fĂŒr die Versorgung von Polargebieten. GeostationĂ€re Satelliten sind auf Grund der geringen Elevation in diesen Gebieten schlecht und oberhalb von 82° ĂŒberhaupt nicht mehr zu empfangen. Ein Satellit mit einer Umlaufzeit von 24 Stunden steht fĂŒr 2 bis 4 Stunden im Erdschatten, fĂŒr eine ganztĂ€gige Abdeckung benötigt man drei Satelliten.[7]
Friedhofsorbit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Friedhofsorbit werden Umlaufbahnen bezeichnet, auf die Satelliten oder Raketenoberstufen nach dem Ende ihrer Lebensdauer manövriert werden.
- z. B. der Orbit ca. 300 km oberhalb der GEO-Orbits
Sonstige Umlaufbahnen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sehr selten verwenden Satelliten auch Umlaufbahnen, die sich in dieses Schema nicht einordnen lassen. Zum Beispiel liefen die Vela zum AufspĂŒren von oberirdischen Kernwaffentests auf nur leicht elliptischen sehr hohen Umlaufbahnen zwischen etwa 101.000 und 112.000 km Höhe. Das ist zu hoch fĂŒr eine MEO-Bahn und zu wenig elliptisch fĂŒr eine HEO-Bahn.
Von theoretischem Interesse ist die sogenannte Schuler-Periode von 84,4 Minuten. Es ist die kĂŒrzest mögliche Umlaufzeit eines Satelliten, der die Erde auf Meereshöhe umkreisen mĂŒsste â das ginge aber nur, wenn es weder Berge noch ErdatmosphĂ€re gĂ€be.
Vereinfachter Ăberblick der Umlaufbahnen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Orbit | LEO | MEO | GEO | Molnija-Orbits |
|---|---|---|---|---|
| Höhe | 200â500 km | 6.000â20.000 km | 35.786 km | elliptisch 400â40.000 km |
| Umlaufzeit | 1,5â2 h | 4â12 h | 24 h | 12 h |
| Empfangsfenster fĂŒr Funk (bei optimaler geografischer Lage der Bodenstation) |
unter 15 min | 2â4 h | immer | 8 h |
| zur globalen Versorgung notwendige Anzahl an Kommunikationssatelliten |
50â70 | 10â12 | 3 (Polargebiete nur bis max. 82° Breite) |
6, je 3 fĂŒr die nördliche und die sĂŒdliche Halbkugel |
Umlaufzeit
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Die Umlaufzeit und die Àquivalente Bahngeschwindigkeit in einem Orbit um einen Zentralkörper werden durch das Newtonsche Gravitationsgesetz bestimmt:
- )
- )
berechnet werden. Hierbei bezeichnen
- (in s) die Umlaufzeit,
- (in m/s) die Àquivalente Bahngeschwindigkeit eines Kreisorbits,
- (in m) die groĂe Halbachse,
- (in kg) die Masse des Zentralkörpers,
- die Gravitationskonstante.
Zu beachten ist, dass die Umlaufzeit unabhĂ€ngig von der ExzentrizitĂ€t und damit von der kleinen Halbachse der Bahn ist. Alle ellipsenförmigen Umlaufbahnen im selben System mit der gleichen groĂen Halbachse benötigen die gleiche Umlaufzeit.
Mit einem angenommenen Erdradius von 6370 km und einer Erdmasse von 5,974 · 1024 kg kann die Umlaufzeit in der Bahnhöhe h (in km) ĂŒber der ErdoberflĂ€che wie folgt berechnet werden:
- a)
FĂŒr die Bahngeschwindigkeit ergibt sich (Rechengang siehe bei oberflĂ€chennahen Umlaufbahnen):
- a)
Start und Eigenschaften von Erdsatelliten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Startort
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr Ă€quatoriale oder Ă€quatornahe Bahnen wie zum Beispiel geostationĂ€re Umlaufbahnen ist ein Ă€quatornaher Startort von Vorteil. Es wird dann relativ wenig Treibstoff fĂŒr die Bahnkorrekturmanöver benötigt, die den Satelliten in die gewĂŒnschte Umlaufbahn bringen. AuĂerdem hat ein Ă€quatornaher Startort den Vorteil, dass die Nutzlast bereits eine relativ hohe Horizontalgeschwindigkeit von der Erdrotation mitbekommt. Insbesondere die Ariane mit ihrem Startplatz im Raumfahrtzentrum Guayana ist hier im Vorteil, ebenso das Unternehmen Sea Launch mit seiner Ă€quatornahen Seeplattform.
Lebensdauer
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Niedrigfliegende Satelliten verweilen nur kurz auf ihrer Umlaufbahn um die Erde. Die Reibung mit der AtmosphĂ€re bremst sie ab und lĂ€sst sie auf die Erde stĂŒrzen. Bei einer Flughöhe von 200 km bleiben sie nur wenige Tage auf der Umlaufbahn. Niedrigfliegende Spionagesatelliten fliegen aus diesem Grund auf stark elliptischen Bahnen. Sie verglĂŒhen erst, wenn sich auch das ApogĂ€um auf ca. 200 km verringert hat.
Die Internationale Raumstation umkreist die Erde in einem Abstand von ca. 400 km und verliert pro Tag 50 bis 150 m Höhe. Ohne Bahnanhebungen (englisch Reboost) wĂŒrde sie in wenigen Jahren verglĂŒhen. Ab einer Höhe von 800 km verbleiben Satelliten mehr als 10 Jahre im All, hochfliegende Satelliten praktisch fĂŒr immer. AuĂer Dienst gestellt tragen sie erheblich zum WeltraummĂŒll bei. Das Diagramm veranschaulicht die Verweilzeiten. Je höher die SonnenaktivitĂ€t, desto weiter dehnt sich die AtmosphĂ€re aus, desto gröĂer ist ihr Einfluss auf höhere Bahnen. Der Knick in der Kurve veranschaulicht die verringerte SonnenaktivitĂ€t alle 11 Jahre.
Auch die Satellitengeometrie beeinflusst die Reibung. Je geringer die Masse und je gröĂer der Strömungsquerschnitt und die Geschwindigkeit relativ zur AtmosphĂ€re (ballistischer Koeffizient), desto gröĂer ist die Reibung, damit die Geschwindigkeitsabnahme und damit die Abnahme der Bahnhöhe. Die Internationale Raumstation richtet wĂ€hrend des Fluges durch den Erdschatten ihre drehbaren Solarpaneele so aus, dass der mittlere Widerstand um 30 % verringert wird (sog. Night Glider mode).

Eine Vorhersage ĂŒber den Absturzort eines Satelliten auf die Erde ist praktisch nicht möglich. Das Bild zeigt als Beispiel den niedrig fliegenden Satelliten ROSAT, der im Oktober 2011 abstĂŒrzte. WĂ€hrend einer 5-stĂŒndigen Beobachtung legte der Satellit die als rote Bodenspur markierte Strecke zurĂŒck. Die Aufschlagszone fĂŒr die verschiedenen TrĂŒmmerteile bildet immer eine langgestreckte Ellipse in Bahnrichtung. Um den Aufschlagsort auf einen Erdteil einzugrenzen, mĂŒsste die Prognose fĂŒr einen Satellitenabsturz auf 15 Minuten genau sein. Selbst wenige Tage vor dem endgĂŒltigen VerglĂŒhen sind Bahnstörungen und die Wechselwirkungen mit der AtmosphĂ€re zu groĂ, um den Einschlagszeitpunkt sinnvoll einzugrenzen. Die Inklination der Satellitenbahn bestimmt, welche Breiten nicht ĂŒberflogen werden und auĂerhalb der Risikozone sind. Bei einem polaren Satellit mit fast 90° Inklination ist es die gesamte ErdoberflĂ€che, bei ROSAT mit 53° Inklination der Bereich zwischen 53° Nord und 53° SĂŒd.
Sichtbarkeit mit dem bloĂen Auge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Satelliten und andere Objekte in niedrigen Umlaufbahnen sind typischerweise aus Metall hergestellt, so dass sie Licht gut reflektieren. Werden sie von der Sonne angestrahlt, wird genĂŒgend Licht reflektiert, sodass sie auch mit bloĂem Auge erkennbar sind. Dazu mĂŒssen allerdings mehrere Bedingungen erfĂŒllt sein: Auf dem Boden muss es schon dunkel genug sein, damit sich der Lichtreflex vom Himmelshintergrund abheben kann; der Satellit muss aber noch voll von der Sonne angestrahlt sein. Diese beiden Bedingungen sind nur direkt nach Sonnenuntergang oder direkt vor Sonnenaufgang gegeben, wenn es am Boden Nacht ist, aber die Sonne in der Höhe des Satelliten von ihm aus gesehen ĂŒber dem Horizont steht. Die dritte Bedingung ist, dass der Satellit zu diesem Zeitpunkt auch das Sichtfeld des Beobachters durchqueren muss, das, wie weiter oben ausgefĂŒhrt, nicht allzu groĂ ist. Somit erreicht ein Satellit eine bestimmte Region abseits des Ăquators nur in gröĂeren ZeitabstĂ€nden zu den genannten passenden Zeiten, siehe als Beispiel die Erörterungen bei der ISS. Die vierte Bedingung ist einfach, dass die Bewölkung die Sicht nicht versperren darf.
FĂŒr den Beobachter entsteht das Problem, solche Satellitenreflexe von Flugzeugen zu unterscheiden. Satelliten erscheinen dabei betrĂ€chtlich schneller und gleichförmiger in ihrer Bewegung, sie sind typischerweise nur wenige Minuten im Sichtfeld. AuĂerdem weisen sie keine Blinklichter auf wie normale Flugzeuge.
FĂŒr die ISS und viele andere Satelliten gibt es Webseiten mit Terminangaben[8][9] fĂŒr kommende Sichtungsmöglichkeiten.
Eine Besonderheit stellen die sogenannten Iridium-Flares dar, die entstehen, wenn die Satelliten des Iridium-Satellitentelefonsystems fĂŒr einen Augenblick die Sonne genau zum Beobachter reflektieren. Der Effekt ist so auĂergewöhnlich stark, weil diese Satelliten eine sehr groĂe, ebene, reflektierende FlĂ€che aufweisen. Durch die AuĂerbetriebnahme Ă€lterer Iridium-Satelliten treten die Flares nur noch selten auf und werden voraussichtlich ab Mitte der 2040er Jahre der Vergangenheit angehören.[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Oliver Montenbruck u. a.: Satellite orbits â models, methods, and applications. Springer, Berlin 2001, ISBN 3-540-67280-X
- Byron D. Tapley u. a.: Statistical orbit determination. Elsevier Acad. Press, London 2004, ISBN 0-12-683630-2
- Guochang Xu: Orbits. Springer, Berlin 2008, ISBN 3-540-78521-3
- F. O. Vonbun u. a.: Orbit determination accuracies using satellite-to-satellite tracking. in: IEEE Transactions on Aerospace and Electronic Systems. Bd. AES-14, Ausg. Nov. New York 1978, S. 834â842. bibcode:1978ITAES..14..834V
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernd Leitenberger: Umlaufbahnen
- AMSAT: Software fĂŒr die Satellitenbeobachtung (englisch)
- Andreas GrieĂ (Statista)/che: Infografik zu Satelliten: China ĂŒbertrifft Russland im Orbit, in Spiegel Online
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Bruno Stanek: Raumfahrt Lexikon, Halwag Verlag, Bern, Seite 221, 1983, ISBN 3-444-10288-7
- â Whatâs So Special About Low Earth Orbit? wired.com, abgerufen am 15. Februar 2016
- â Maik Wildemann, Sebastian Schöne: 5G via Satellit Alles zu Perspektiven, Chancen/Risiken & Möglichkeiten fĂŒr 5G aus dem All. Abgerufen am 1. Juli 2023.
- â Andrew Jones: Chinaâs CASIC to begin launching VLEO satellites in December. In: spacenews.com. 24. Juli 2023, abgerufen am 25. Juli 2023 (englisch).
- â Debra Werner: How low can satellites go? VLEO entrepreneurs plan to find out. In: spacenews.com. 5. Oktober 2021, abgerufen am 22. Juli 2023 (englisch).
- â æ¶äœłç : æç§æćœéŠéąè¶ äœèœšć«æïŒæŻæéŸæŽäœïŒćźæżäžæ°ç©șéŽâéèĄèŻâ. In: tianmunews.com. 22. Juli 2023, abgerufen am 23. Juli 2023 (chinesisch).
- â Hans-Martin Fischer: EuropĂ€ische Nachrichten-Satelliten Von Intelsat bis TV-Sat. Stedinger Verlag, Lemwerder 2006, ISBN 3-927697-44-3
- â Heavens-Above â Weltweite Beobachtungsmöglichkeiten der ISS und anderer Satelliten
- â NASA: Spot The Station. Abgerufen am 26. September 2023 (englisch).
- â The Iridium Flare Era is About to End. In: Universe Today. 19. MĂ€rz 2019, abgerufen am 30. Juli 2019.