Mann Act
Der Mann Act[1][2] ist ein Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, das am 25. Juni 1910 in Kraft trat und nach dem amerikanischen Politiker James Robert Mann (1856â1922) benannt ist.[3][4] Dieses Gesetz verbot es in der ursprĂŒnglichen Fassung, Frauen oder MĂ€dchen zur Prostitution oder fĂŒr andere âunmoralische Zweckeâ von einem Bundesstaat in einen anderen zu bringen.
Seit 1986 ist das Gesetz geschlechtsneutral formuliert, gilt also auch hinsichtlich mĂ€nnlicher Prostituierter; die anderen âunmoralischen Zweckeâ wurden durch Sexualstraftaten ersetzt. Dazu gehört insbesondere auch, wenn jemand Absichten hegt, die zwar nicht im zweiten, aber im ersten Bundesstaat verboten sind (z. B. eine 17-jĂ€hrige Person aus einem Bundesstaat, in dem das Schutzalter bei 18 Jahren liegt, in einen Bundesstaat mit niedrigerem Schutzalter bringt, um dort mit ihr zu verkehren).
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Gesetz sollte ursprĂŒnglich der Handel zwischen den Bundesstaaten reguliert werden, insbesondere die Prostitution â der sogenannte âWeiĂe-Sklaven-Handelâ (White-Slave Traffic)[5]. Die US-Regierung benutzte den Umweg ĂŒber das Transportgesetz, weil die Gesetzgebung zu Prostitution und Sexualverbrechen den einzelnen US-Bundesstaaten obliegt, der Transport von einem in einen anderen US-Bundesstaat aber zu den ZustĂ€ndigkeiten der Bundesregierung zĂ€hlt. VerstöĂe gegen dieses Gesetz kann das FBI verfolgen.
Aufsehenerregende Urteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jack Johnson
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einer der ersten, der infolge des Mann Acts verurteilt wurde, war der Schwergewichts-Box-Weltmeister Jack Johnson. Er soll eine Prostituierte dazu ermutigt haben, das Bordell, in dem sie arbeitete, zu verlassen und mit ihm in einen anderen Bundesstaat zu reisen. Lucille Cameron weigerte sich aber, gegen ihn auszusagen, und heiratete ihn spĂ€ter. Mit groĂem Aufwand baute die Staatsanwaltschaft eine neue Anklage auf (siehe auch Rassismus in den Vereinigten Staaten). Diesmal war eine Prostituierte namens Belle Schreiber Zeugin. Obwohl Johnson ihr geholfen hatte, das Bordell zu verlassen, und zwar vor Inkrafttreten des Mann Act (siehe Nulla poena sine lege), wurde er zu einem Jahr und einem Tag Freiheitsstrafe verurteilt.
Der SĂ€nger, Gitarrist und Komponist Chuck Berry (1926â2017) wurde Mitte 1961 zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil er (angeblich oder tatsĂ€chlich) gegen den Mann Act verstoĂen hatte. Er wurde im Oktober 1963 vorzeitig entlassen.[6]
Sean Combs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2025 wurde der Hip-Hop-Musiker Sean Combs im Zusammenhang mit dem Mann Act zu 50 Monaten Haft, 500.000 US-Dollar Geldstrafe und fĂŒnf Jahren auf BewĂ€hrung verurteilt. Combs wird vorgeworfen, ĂŒber mehrere Jahre hinweg seine Freundin Cassie sowie andere Frauen und mĂ€nnliche Sexarbeiter ĂŒber die Grenzen der Bundesstaaten transportiert zu haben (Sexhandel). Die Personen nahmen dann an von Combs gesponserten Sexorgien (âfreak-offsâ), unter Einfluss von Drogen, teilweise mit Erpressung und Gewalt, teil. Er befindet sich seit seiner Festnahme im September 2024 im Metropolitan Detention Center, Brooklyn, NYC.[7][8][9] Combs AnwĂ€lte kĂŒndigten an, Berufung einzulegen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- David J. Langum: Crossing over the Line. Legislating Morality and the Mann Act. University of Chicago Press, Chicago, Ill 2006, ISBN 978-0-226-46870-9 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Justice Manual | 2027. Mann Act | United States Department of Justice. 19. Februar 2015, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- â Mann Act. In: The Free Dictionary. Farlex, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- â Eric Weiner: The Long, Colorful History of the Mann Act. In: NPR. 11. MĂ€rz 2008 (npr.org [abgerufen am 5. Oktober 2025]).
- â Prof. Tunick: Kommentar zum Mann Act. 1996, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- â Mann Act. In: Legal Information Institute (LII). Cornell, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- â Chuck Berry goes on trial for the second time | October 28, 1961. Abgerufen am 2. September 2024 (englisch).
- â Sean 'Diddy' Combs sentenced to 50 months behind bars. NBC, 3. Oktober 2025, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
- â Michael R. Sisak, Larry Neumeister, and Jennifer Peltz: Sean âDiddyâ Combs gets 4 years in prison for case involving sex workers, violence and âfreak-offsâ. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- â Artemis Moshtaghian: Mansion to misery: A glimpse inside the prison Sean âDiddyâ Combs now calls home. 19. September 2024, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).