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Marcel Petiot

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Marcel Petiot

Marcel AndrĂ© Henri FĂ©lix Petiot (* 17. Januar 1897 in Auxerre; † 25. Mai 1946 in Paris) war ein französischer Arzt und Serienmörder.

WĂ€hrend der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg erschlich Petiot sich das Vertrauen von Menschen, die aus verschiedenen GrĂŒnden zur Flucht entschlossen waren, und bot ihnen an, sie in die freie Zone Frankreichs oder außer Landes zu bringen. In seinem Haus beraubte und ermordete er sie. Gerichtlich konnte ihm die Tötung von mindestens 24 Menschen, ĂŒberwiegend JĂŒdinnen und Juden, nachgewiesen werden. Darunter war auch eine ganze Familie.

FrĂŒhes Leben

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Kindheit und Jugend

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Marcel Petiot wurde am 17. Januar 1897 in Auxerre in Frankreich geboren. Nach einem Diebstahl von Postsendungen im Alter von siebzehn Jahren diagnostizierte ein Psychiater bei ihm eine geistige Erkrankung. Er wurde mehrfach vom Schulbesuch ausgeschlossen und erhielt in der Folgezeit privaten Unterricht von einem Onkel. Er schloss seine Schulausbildung im Juli 1915 mit dem BaccalaurĂ©at (Bachot d’Enseignement Secondaire) ab.[1]

Soldat im Ersten Weltkrieg

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WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurde Petiot im Januar 1916 in die Armee einberufen und zur militĂ€rischen Ausbildung zunĂ€chst in Sens stationiert. Als Soldat der französischen Infanterie nahm er an der Schlacht an der Aisne teil und erlitt im Mai 1917 durch eine explodierende Handgranate eine schwere Fußverletzung. Daraufhin eingewiesen in ein Hospital in OrlĂ©ans, wurden weitere Symptome körperlicher Erkrankungen – wie angenommen wurde, aufgrund erlittener Gasvergiftungen –, als auch Symptome psychischer und mentaler Störungen diagnostiziert. Es folgten zwei Jahre, in denen Petiot abwechselnd in Kliniken, Nervenheilanstalten und einmal wegen Diebstahls in einem ArmeegefĂ€ngnis untergebracht war sowie im Sommer 1918 bei der Schlacht an der Marne an Kampfhandlungen teilnahm. Im Juli 1919 wurde er mit neuen klinischen Diagnosen aus der Armee entlassen und erhielt infolgedessen eine Invalidenrente.[1]

Berufliche Entwicklung

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Nach seiner Zeit beim MilitĂ€r absolvierte Petiot ein Kriegsveteranen angebotenes verkĂŒrztes Studium der Medizin. Die ersten achtzehn Monate des Studiums fanden in Dijon statt, das letzte Studienjahr in Paris. Bereits im Dezember 1921 konnte er dies Studium an der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t von Paris abschließen.

Im Alter von 25 Jahren eröffnete er im nicht weit von seiner Geburtsstadt Auxerre entfernt gelegenen Villeneuve-sur-Yonne seine erste eigene Arztpraxis. Weitere fĂŒnf Jahre spĂ€ter, 1927, wurde er zum BĂŒrgermeister des Ortes gewĂ€hlt. Im selben Jahr heiratete er Georgette Lablais, und ungefĂ€hr ein Jahr darauf wurde ihr Sohn Gerhardt geboren.

WĂ€hrend sich spĂ€ter herausstellen sollte, dass er schon in dieser Zeit vermutlich weitaus grĂ¶ĂŸere Verbrechen begangen hatte, waren es zunĂ€chst KleindiebstĂ€hle von GegenstĂ€nden aus dem Rathaus, die ihm nachgewiesen wurden. Im August 1931 wurde er deswegen von seinem Amt als BĂŒrgermeister suspendiert, woraufhin er zurĂŒcktrat. Allerdings strebte er sofort anschließend das nĂ€chste öffentliche Amt an, in das er im Oktober des Jahres gewĂ€hlt wurde – in den conseil gĂ©nĂ©ral (DĂ©partementrat) von Yonne. Die politische Karriere Petiots endete, als er ungefĂ€hr zwei Jahre spĂ€ter, im Juli 1933, angeklagt war, ElektrizitĂ€t aus dem Stadtnetz, ohne dafĂŒr zu zahlen, in sein Privathaus geleitet zu haben. Petiot verließ daraufhin die Provinzstadt und zog nach Paris.[1]

In Paris eröffnete er seine Arztpraxis unter der Anschrift 66 Rue Caumartin und bezog im selben Haus auch seine Wohnung.[1]

1936 wurde er kurzzeitig wegen Kleptomanie in die Nervenheilanstalt Maison de SantĂ© d’Ivry eingewiesen, aber bereits im folgenden Jahr wieder entlassen.[1]

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und dem Fall Frankreichs begann Petiot, falsche Krankenscheine fĂŒr französische BĂŒrger auszustellen, damit sie sich der Einberufung zur Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland entziehen konnten.[2]

Nachdem am 11. MĂ€rz 1944 Anwohner der Rue Le Sueur gemeldet hatten,[3] dass aus dem Schornstein des Hauses der Nummer 21 stark ĂŒbel riechender Rauch aufstieg, trafen dort am frĂŒhen Abend Polizei- und FeuerwehrkrĂ€fte ein. Da niemand anwesend war, drangen sie in das Haus ein und fanden im Keller herumliegende Leichenteile und den noch in Betrieb befindlichen Ofen, in dem weitere Überreste menschlicher Körper verbrannten.

EigentĂŒmer des Hauses war seit drei Jahren Docteur Marcel Petiot. Die Concierge des Nebenhauses kannte die Telefonnummer, unter der er an seiner Wohnadresse in der Rue Caumartin zu erreichen war. Er wurde telefonisch angerufen und traf eine Weile spĂ€ter per Fahrrad am Ort seiner Mordtaten ein.

Ihm gelang es, das Vertrauen der zu dem Zeitpunkt anwesenden Polizisten zu gewinnen. Er soll – so wurden seine Äußerungen kolportiert – behauptet haben, er sei Leiter einer Widerstandsgruppe, die Toten seien allesamt Deutsche oder Kollaborateure. Er mĂŒsse dringend zurĂŒck in seine Wohnung in der Rue Caumartin, um Dokumente zu vernichten, die nicht in die HĂ€nde „des Feindes“ fallen dĂŒrften. Petiot wurde nicht festgenommen, sondern konnte den Tatort per Fahrrad wieder verlassen.

Ein hinzugezogener Kommissar nahm dennoch unmittelbar danach eingehendere Durchsuchungen des Hauses vor. In einer Werkstatt im Hinterhof fand man inmitten eines Haufens von ungelöschtem Kalk weitere Leichenteile. Erst jetzt wurde die fĂŒr MordfĂ€lle zustĂ€ndige „brigade judiciaire“ am Quai des OrfĂšvres informiert; man beauftragte Kommissar Georges-Victor Massu, sich noch am spĂ€ten Abend des 11. MĂ€rz in die Rue Le Sueur zu begeben. Die Fahndung nach Petiot begann jedoch erst am darauf folgenden Tag.

Beginn der Fahndung

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Georges-Victor Massu, ein erfahrener und fĂŒr seine Fahndungserfolge bekannter Pariser Polizeikommissar, ĂŒbernahm die Leitung der Ermittlungen und der forensischen Untersuchungen. Als am Vormittag des 12. MĂ€rz 1944 drei seiner Mitarbeiter Petiots Wohnung in der Rue Caumartin aufsuchten, fanden sie diese bereits verlassen vor. Petiot, und mit ihm seine Frau, waren kurz zuvor geflohen. Am Montag, den 13. MĂ€rz, bestimmte das Thema und insbesondere die Nachricht, dass Petiot auf der Flucht war, die Schlagzeilen der französischen Pariser Presse.[4]

Die Kenntnisse der Gestapo

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Zwei Tage spĂ€ter, am 15. MĂ€rz 1944, ĂŒbergab die Pariser Außenstelle der Gestapo Unterlagen an Kommissar Massu,[5] die ihre Kenntnisse ĂŒber Petiot darlegten. Es waren, wie sich durch die Leichenfunde in der Rue Le Sueur gezeigt hatte, Kenntnisse, die sich bezĂŒglich der Auswahl und der Übergabe der spĂ€teren Opfer an Petiot als zutreffend erweisen sollten, die sich jedoch nicht auf deren Ermordung bezogen.

Dem sogenannten Judenreferat der Gestapo in Paris war Anfang 1943 aufgefallen, dass einige der JĂŒdinnen und Juden, die zu gegebener Zeit festgenommen und den Deportationslagern ĂŒberstellt werden sollten, plötzlich unauffindbar waren. Die Gestapo ging davon aus, dass sie mit der Hilfe eines Fluchtnetzwerks in die freie Zone Frankreichs entkommen oder ins Ausland geflohen waren. Der Gestapo-Agent Robert Jodkum, tĂ€tig fĂŒr den SS-ObersturmfĂŒhrer Heinz Röthke, hatte einen Friseurladen in der Rue des Mathurins aufgespĂŒrt, der von den „Geflohenen“ offenbar als Anlaufpunkt genutzt wurde. Jodkum versuchte, einen von seinen Angehörigen freigekauften jĂŒdischen HĂ€ftling in das Fluchtnetzwerk einzuschleusen. Dieser erste Versuch misslang – Petiot, der sich zu diesem Zeitpunkt „Dr. EugĂšne“ nannte, konnte seine Verfolger abschĂŒtteln. In seiner Begleitung war jener junge jĂŒdische Mann, Yvan Dreyfus, der mit großer Wahrscheinlichkeit in der Rue Le Sueur ermordet wurde. Bei einem zweiten Ă€hnlich angelegten Versuch einer anderen Pariser Gestapo-Stelle wurden die zwei Betreiber des Friseurladens sowie ein Mittelsmann zu Petiot festgenommen. Unter Folter gaben sie die IdentitĂ€t und den Wohnsitz von „Dr. EugĂšne“ preis.

Petiot saß acht Monate im GefĂ€ngnis Fresnes in Haft, ehe er im Januar 1944 entlassen wurde.

Was das vorgebliche, nicht-existente Fluchtnetzwerk betraf, so ergab sich fĂŒr die französische Polizei aus den Gestapo-Unterlagen und den ersten eigenen Ermittlungen das folgende Bild: „Dr. EugĂšne“ / Petiot akzeptierte jeden zur Flucht Entschlossenen, der sich seinen Preis in Höhe von 25.000 Francs (oder mehr) pro Person leisten konnte. Dabei war ihm gleichgĂŒltig, ob es Juden, WiderstandskĂ€mpfer oder Kriminelle waren. Petiot behauptete, er könne eine sichere Passage nach Argentinien oder in jedes andere Land in SĂŒdamerika arrangieren. In den Verhören durch die Gestapo hatte Petiot angegeben, dass er selbst nur fĂŒr eine ĂŒbergeordnete, ihm intern unbekannte Organisation gearbeitet habe und von den HintergrĂŒnden nie etwas gewusst habe. SpĂ€ter gab er als Namen des von ihm geleiteten Fluchtnetzwerks, das in Wirklichkeit nie existiert hatte, „Fly-Tox“ an.[6]

Weitere Ermittlungen

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Es stellte sich heraus, dass Petiot der Polizei und den Gerichten bereits aus einer AffĂ€re, die sich zwei Jahre zuvor zugetragen hatte, bekannt war. Er hatte im FrĂŒhjahr 1942 drogenabhĂ€ngigen Klienten hohe Mengen an BetĂ€ubungsmitteln verschrieben, und ein Verfahren gegen ihn war angestrengt worden. Wenige Wochen vor Prozessbeginn im Mai 1942 waren die zwei wichtigsten Belastungszeugen von Angehörigen und ihren AnwĂ€lten als vermisst gemeldet worden. Petiot wurde zu einer auf BewĂ€hrung ausgesetzten Haft- und einer geringfĂŒgigen Geldstrafe verurteilt. Die beiden Zeugen – Jean-Marc Van Bever und Marthe KhaĂŻt – konnten niemals aufgefunden werden. Jetzt, im MĂ€rz 1944, musste man davon ausgehen, dass sie zu Petiots ersten Todesopfern gehörten.

Bei drei weiteren TodesfĂ€llen, die noch lĂ€nger zurĂŒcklagen und in die Zeit von Petiot in Villeneuve-sur-Yonne fielen, entstand nunmehr die dringende Vermutung, dass auch sie ihm anzulasten waren.

1926, noch unverheiratet, bestand eine Liebesbeziehung Petiots zu Louisette Delaveau. Die junge Frau war plötzlich von einem auf den anderen Tag verschwunden und ihre Leiche spÀter in der NÀhe von Dijon aufgefunden worden. Petiot konnte damals glaubhaft machen, dass sie unvermittelt abgereist sei.[7]

Vier Jahre spĂ€ter, im MĂ€rz 1930, war Henriette Debauve, eine Patientin Petiots, ermordet und das Haus der Familie in Brand gesteckt worden. Ein möglicher Zeuge der Geschehnisse war der Betreiber eines kleinen Bistros am Ort, Frascot. Einige Wochen nach der Ermordung Debauves besuchte er wegen eines Rheumaleidens Petiots Praxis. Er starb an einer dort erhaltenen Injektion; als offizielle Todesursache auf dem von Petiot selbst ausgestellten Totenschein wurde eine unerwartbare Überreaktion („par accident“) angegeben.[8]

Neben dieser Neubewertung alter TodesfĂ€lle und den, was Petiots Aufenthaltsort betraf, ergebnislos bleibenden Befragungen von seinem Bruder Maurice und seiner in Arrest genommenen Ehefrau Georgette konzentrierten sich die Ermittlungen auf die KlĂ€rung der IdentitĂ€t der Opfer aus der Rue Le Sueur. Anhand der wenigen Habseligkeiten, die im Haus Nr. 21 aufgefunden wurden, konnten Nachforschungen zu ihrer Herkunft angestellt werden. Ihren ehemaligen Besitzern war eines gemeinsam – sie alle waren spurlos verschwunden. Einige Zeit spĂ€ter wurden im Haus eines gewissen Albert Neuhausen annĂ€hernd 50 Koffer gefunden, die den Opfern von Petiots Mordserie Anfang 1943 gehört hatten.

Bei der Polizei meldeten sich Zeugen, die Angehörige oder Freunde hatten, die Petiots Versprechungen vertraut und ihm jeweils mindestens 25.000 Francs fĂŒr die erhoffte Flucht gezahlt hatten. Es erwies sich, dass sie zu Petiots Opfern gehörten.[9]

Petiots Bruder Maurice gestand, dass er in dessen Auftrag ungelöschten Kalk zum Haus in der Rue Le Sueur geliefert hatte.[10]

Mit der alliierten Invasion der Normandie, die am 6. Juni 1944 begann, ergab sich fĂŒr die polizeilichen Ermittlungen eine neue Situation. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Macht der deutschen Besatzer auch in der Hauptstadt Paris gebrochen sein wĂŒrde. Die Ermittlungen im Fall Petiot wurden nicht offiziell eingestellt, hatten in den Sommermonaten 1944 aber nicht mehr PrioritĂ€t.[11]

Flucht und Gefangennahme

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Die Fahndung nach Petiot, der sich – wie spĂ€ter aufgeklĂ€rt werden konnte – zunĂ€chst bei einem Freund, einem gewissen Georges RedoutĂ©, verborgen gehalten hatte[12] und sich spĂ€ter in dreister Weise unter falscher IdentitĂ€t den Forces françaises de l’intĂ©rieur anschloss,[13] blieb bis zur Befreiung von Paris Ende August 1944 erfolglos.

Im September 1944 ging er in eine ihm gestellte Falle. Die Zeitung RĂ©sistance veröffentlichte einen Artikel unter dem Titel „Petiot, soldat du Reich“, und Petiot verlangte daraufhin – handschriftlich – eine Gegendarstellung. Ein systematisch durchgefĂŒhrter Vergleich zahlreicher Schriftproben ergab: Hinter dem FFI-Offizier „Capitaine Valery“ verbarg sich Marcel Petiot.[14]

Bald darauf, am 31. Oktober 1944, wurde er an der Pariser Metrostation Saint-MandĂ© erkannt und festgenommen.[15] Er trug zum Zeitpunkt seiner Festnahme eine Pistole, mehr als 30.000 Francs und eine große Zahl verschiedener Identifikationspapiere bei sich.[16]

Gerichtsverhandlung und Verurteilung

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Marcel Petiot wurde in den Todestrakt des GefĂ€ngnisses La SantĂ© verlegt. Er behauptete weiterhin, unschuldig zu sein und nur „Feinde Frankreichs“ getötet zu haben.

Noch bevor es zur Prozesseröffnung gegen Marcel Petiot kam, wurden alle Verfahren gegen seine potentiellen Mitwisser und Helfer – u. a. gegen seinen Bruder Maurice, gegen seine Ehefrau Georgette und gegen Albert Neuhausen – eingestellt.[17]

Der Staatsanwalt klagte Marcel Petiot wegen zumindest 27 Morden aus Habgier an. Die Höhe seiner Beute wurde auf 200 Mio. Francs geschÀtzt.

Der Prozess gegen Petiot vor dem Geschworenengericht Cour d’assises de la Seine begann am 18. MĂ€rz 1946.[18] Die Anklageschrift umfasste insgesamt 135 einzelne Punkte.[19] Dem renommierten Strafverteidiger RenĂ© Floriot standen auf Seiten der Anklage die Staatsanwaltschaft sowie zwölf AnwĂ€lte der NebenklĂ€ger, Verwandten von Petiots Opfern, gegenĂŒber. Petiots Verteidigungsstrategie, die er mit zynischen Kommentaren ĂŒber seine Opfer und ĂŒber das Gericht begleitete, die aber von seinem Anwalt Floriot mitgetragen wurde, bestand in der Behauptung, die Opfer seien ausnahmslos „Deutsche, jĂŒdische Spitzel, ZuhĂ€lter und Prostituierte im Dienst der Besatzer“ gewesen;[20] insgesamt, so Petiot, habe er sogar 63 „Feinde“ getötet; er behauptete, dass verschwundene Menschen, denen er zur Flucht verholfen habe, in SĂŒdamerika unter neuen Namen am Leben seien. In seinem SchlussplĂ€doyer stellte MaĂźtre Floriot es so dar, dass neun der vorgeworfenen Morde mangels Beweisen nicht aufgeklĂ€rt werden könnten und dass in den ĂŒbrigen achtzehn FĂ€llen die Opfer in einer oder anderer Weise mit der Gestapo in Verbindung gestanden hĂ€tten.[21] Doch die Richter und Geschworenen zeigten sich unbeeindruckt. Marcel Petiot wurde am 4. April 1946 wegen Mordes, nachgewiesen in mindestens 24 FĂ€llen, zum Tod verurteilt.

Am Morgen des 25. Mai 1946 wurde Marcel Petiot im Pariser Santé-GefÀngnis von Scharfrichter Jules-Henri Desfourneaux hingerichtet.[22]

Der Fall Marcel Petiot war 1990 Gegenstand der französischen Produktion Dr. Petiot (Docteur Petiot) von Christian de Chalonge, die dem Hauptdarsteller Michel Serrault eine César-Nominierung einbrachte.

Ulrich Tukur verarbeitete die Verbrechen Petiots in seinem ersten Roman Der Ursprung der Welt (2019).[23]

  • Jean-Marc Dreyfus: L’Affaire Petiot et la Shoah – Un tueur en sĂ©rie sous l'Occupation. Grasset, Paris 2025, ISBN 978-2-246-84138-8.
  • David King: Death In The City Of Light: The Serial Killer Of Nazi-Occupied Paris. Crown, New York 2011;
    • deutsch: Der Serienmörder von Paris. Die wahre Geschichte des Dr. Petiot, der das besetzte Frankreich in Angst und Schrecken versetzte. Hannibal Crime, Höfen 2013, ISBN 978-3-85445-435-9.
  • James Siegel: Epitaph (dt. Titel). Warner Books, New York 2001;
  • Hans Pfeiffer: Der Zwang zur Serie. Serienmörder ohne Maske. Militzke, Leipzig 1996, ISBN 3-86189-087-9.
  • Thomas Maeder: The Unspeakable Crimes of Dr. Petiot. Little, Brown and Co., Boston 1980;
  • John Grombach: The Great Liquidator. Kensington Pub. Corp., New York 1980.
  • Ronald Seth: Petiot: Victim of Chance. Hutchinson, London 1963.
  • R.A. Stemmle: Reise ohne Wiederkehr. Der Fall Petiot. Non Stop-BĂŒcherei, Berlin-Grunewald 1951.
Commons: Marcel Petiot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Christoph Gunkel: Jagd auf “Dr. Satan”. In: Der Spiegel. 27. Mai 2011 (spiegel.de [abgerufen am 21. November 2025]).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Biographische Angaben gemĂ€ĂŸ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3.
  2. ↑ Diese Tatsache war einer der Punkte die Petiots Anwalt in seinem PlĂ€doyer am Ende des Gerichtsverfahrens geltend machte. – David King schreibt in diesem Zusammenhang: “Witnesses had confirmed his (Petiot’s) strong anti-German stance, and indeed there was not a single instance in the dossier that could show anything remotely pro-German.” („Zeugen hatten seine strikt anti-deutsche Haltung bestĂ€tigt, und tatsĂ€chlich gab es in der Anklageschrift keinen einzigen Beleg dafĂŒr, dass er auch nur im Entferntesten deutsch-freundlich gewesen wĂ€re.“) Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3, S. 313.
  3. ↑ Die Abschnitte „Entdeckung“ und „Ermittlungen“ bilden, wenn nicht im Einzelnen anders angegeben, eine Zusammenfassung der betreffenden Kapitel in The Unspeakable Crimes of Dr. Petiot von Thomas Maeder (s. Literatur) und in L’Affaire Petiot et la Shoah von Jean-Marc Dreyfus (s. Literatur).
  4. ↑ Le docteur Petiot, fortement soupçonnĂ© d'ĂȘtre le brĂ»leur de cadavres, a disparu. In: criminocorpus.org. MusĂ©e d’histoire de la justice, des crimes et des peines, abgerufen am 21. November 2025 (französisch, beispielhaft der Artikel in der Zeitung Le Soleil de Marseille vom 13. MĂ€rz 1944).
  5. ↑ Der Abschnitt „Die Kenntnisse der Gestapo“ bildet, wenn nicht im Einzelnen anders angegeben, eine Zusammenfassung des Kapitels The Gestapo File in David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3.
  6. ↑ Jean-Marc ThĂ©olleyre: Marcel Petiot ou les vingt-six assassinats du "docteur Satan". In: Le Monde. 7. April 1986, abgerufen am 26. November 2025 (französisch).
  7. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zu Louisette Delaveau: S. 32–34.
  8. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zu Henriette Debauve und Frascot: S. 53–56.
  9. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Beispielhaft hierzu der Fall des Petiot-Opfers Joachim Guschinow: S. 118–119.
  10. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zu Maurice Petiots Lieferung von ungelöschtem Kalk: S. 92.
  11. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zur Situation im Sommer 1944: S. 178–192.
  12. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zum Unterschlupf bei Georges RedoutĂ© (Rue du Faubourg Saint-Denis): S. 99.
  13. ↑ Alexandre Vincent: L’affaire Marcel Petiot : un tueur en sĂ©rie sous l’Occupation. MinistĂšre de la Justice, 18. Juni 2024, abgerufen am 26. November 2025 (französisch).
  14. ↑ Margaux Duquesne: Les valises du docteur Petiot. In: radiofrance.fr. Radio France Inter, abgerufen am 26. November 2025 (französisch).
  15. ↑ Le docteur Petiot, un serial killer pendant l'Occupation. In: ina.fr. Institut national de l’audiovisuel, 22. Oktober 2019, abgerufen am 19. November 2025 (französisch, kommentierte Zusammenstellung mehrerer Film- und Fernsehdokumente, u. a. Aufnahmen aus dem 1946er Prozess).
  16. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zur Festnahme Petiots: S. 198.
  17. ↑ David King: Death in the City of Light. Sphere, London 2012, ISBN 978-1-84744-548-3. Darin zur Verfahrenseinstellung gegen potentielle Mitwisser und Helfer: S. 234.
  18. ↑ Der Absatz zum Gerichtsverfahren folgt, wenn nicht im Einzelnen anders angegeben, VĂ©ronique Laroche-Signorile: En 1946, le cynique Petiot alias «docteur Satan» est condamnĂ© Ă  mort. In: Le Figaro. 1. April 2016, abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
  19. ↑ Alexandre Vincent: L’affaire Marcel Petiot : un tueur en sĂ©rie sous l’Occupation. MinistĂšre de la Justice, 18. Juni 2024, abgerufen am 18. November 2025 (französisch): „les 135 charges requises contre l’accusĂ© (die 135 Anklagepunkte gegen den Angeklagten)“
  20. ↑ Siehe: Le Figaro, 1. April 2016: „des Allemands, des Juifs indicateurs, des souteneurs et des filles publiques soumises à l'occupant.“
  21. ↑ Henry Magnan: La condamnationĂ  mort de Petiot. In: Le Monde. 6. April 1946, abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
  22. ↑ Un film, un mĂ©decin: Dr Petiot. Le Quotidien du MĂ©decin, 11. Juli 2011, abgerufen am 17. November 2025 (französisch).
  23. ↑ Ulrich Tukur: Der Ursprung der Welt. Frankfurt a. M. 2019. S. 297.