Nutztier

Ein Nutztier ist ein Tier, das vom Menschen wirtschaftlich genutzt wird.[1] Landwirtschaftliche Nutztiere werden auch Vieh genannt. Viele Nutztiere wurden als Rasse speziell gezĂŒchtet, zumeist leben sie in Tierhaltung durch den Menschen. Die Lehre von den Nutztieren ist die Nutztierkunde.
Arten der Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Verzehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nutztiere zur Erzeugung von Nahrungsmitteln werden entweder gezielt vom Menschen gezĂŒchtet oder gehalten, leben halbwild als Weidetier oder als Wildtier. Im Idealfall wird dabei eine möglichst artgerechten Tierhaltung angestrebt, die mit einer möglichst geringen Umweltbelastung einhergeht.[2]

- Fleisch (von Wirbeltieren); sĂ€mtliche Schlachttiere, sowie Wildbret, GeflĂŒgel und âBushmeatâ
- Fische, Muscheln, Krebse und Algen (Wildfang oder Aquakultur)
- Landlebende Weichtiere; insbesondere Weinbergschnecken (siehe auch Schneckenzucht)
- Speiseinsekten, z. B.: MehlwĂŒrmer, Hausgrille
- Milch, z. B. von Hausrind und Hausziege
- Eier, z. B. HĂŒhnerei, Entenei, Wachtelei aber auch Fischrogen, insbesondere vom Stör (siehe hierzu: Kaviar)
- Honig; Honigbienen, aber auch Honigtopfameisen
DarĂŒber hinaus gibt es sogenannte Futtertiere, die zwar nicht fĂŒr den menschlichen Verzehr vorgesehen sind, aber als Futtermittel an Tiere verfĂŒttert werden, die vom Menschen gehalten werden. Insbesondere KleinsĂ€uger, wie MĂ€use, aber auch Futterinsekten dienen als Proteinquelle fĂŒr Haustiere, Zootiere, Versuchstiere und Assistenztiere. Einige Insekten oder Weichtiere werden darĂŒber hinaus beim Angeln als Köder genutzt.
Zur Erzeugung von Nebenprodukten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als tierische Nebenprodukte werden alle vom Tier stammenden Reststoffe bezeichnet, die nicht fĂŒr den menschlichen Verzehr geeignet sind. Wo eine direkte Weiterverarbeitung nicht möglich ist, können beispielsweise SchlachtabfĂ€lle auch in Biogas umgewandelt werden, sowie zur Herstellung von organischen DĂŒngern oder zur Bodenverbesserung.[3]
Die Benennung trifft keine Aussage darĂŒber, ob ein Tier die Verwendung der Nebenprodukte ĂŒberlebt, was bei folgenden Produkten nicht der Fall ist:
- Pelze; sÀmtliche Pelztiere (siehe auch: Pelzarten)
- Leder (z. B.: Reptilien)
- Seide; Seidenspinner
- Fette (z. B.: Hausschweine)
- Schellack (von LackschildlÀusen)
- Knochen (z. B.: Hausrinder)
- Elfenbein (z. B.: Elefanten)
- Ambra (vom Pottwal, historisches Produkt)
Auch Materialien, die von lebenden Tieren stammen können, wie Blut, Wolle, Federn und Haare zÀhlen zu den tierischen Nebenprodukten.[4] Einige Beispiele sind:
- Wolle (z. B.: Hausschafe)
- Borstenhaar; fĂŒr die Herstellung BĂŒrsten und Pinsel
- Rosshaar, fĂŒr Bekleidung und die Bespannung von Bögen (Streichinstrumente)
Als Arbeiter, Helfer und Diensttier
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- als Zugtier und Tragtier sowie zum Reiten (z. B.: Hauspferde, Hausesel und Kamele)
- bei Behinderungen (z. B.: Blindenhunde, Diabetikerwarnhunde, Signalhunde)
- bei der Polizei (z. B.: SpĂŒrhunde)
- zur Ăberwachung (z. B.: Wachhunde)
- bei der Jagd (z. B.: Jagdhunde)
- fĂŒr Tierversuche (Versuchstiere)
- fĂŒr Flugpost (Brieftaube)
- als Erntehelfer (z. B. Makaken zur Kokospalmenernte)
Als Attraktion, sowie im Hobby- und Freizeitbereich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- in Zoos (z. B.: GroĂkatzen und BĂ€ren)
- im Zirkus (z. B.: dressierte TanzbÀren)
- im Delfinarium und Aquarien
- bei Zuchttierschauen (wie Hundeausstellungen, Katzenausstellungen, Zuchtpferdeschau etc.)
- fĂŒr TierkĂ€mpfe (StierkĂ€mpfe, HahnenkĂ€mpfe, Kamelringen)
- als Tierdarsteller in Filmen, Werbespots sowie im Internet
- im Hundesport
Unterscheidung Nutztier â Haustier â Heimtier
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nutztier ist ein Ăberbegriff, der Wildtiere und Haustiere und einige Ăbergangsformen umfasst. Viele Wildtiere und einige Ăbergangsformen werden vom Menschen wirtschaftlich genutzt. Viele Haustiere sind typische Nutztiere, siehe die Liste domestizierter Tiere. Insgesamt finden sich unter den Nutztieren:
- Wildtiere, z. B. Speisefische aus Wildfang, jagdbares Wild, Wurmkur bei Colitis ulcerosa.
- Ăbergangsformen; dazu zĂ€hlen
- gezĂ€hmte Wildtiere (WildfĂ€nge), sind genetisch Wildformen, ihr Verhalten wird aber bei der ZĂ€hmung an die BedĂŒrfnisse des Menschen angepasst, z. B. Arbeitselefanten.
- gezĂŒchtete Wildtiere, die durch ZĂŒchtung eine gewisse genetische Isolierung von Wildpopulationen oder Haustierpopulationen erfahren; auch ihre Haltung wird an die BedĂŒrfnisse des Menschen angepasst, z. B. die Honigbiene in der Imkerei, Fliegen fĂŒr die Madentherapie, Erhaltungszucht von PandabĂ€r und Przewalski-Pferd in Zoos.
- Haustiere, die durch Domestikation und ZĂŒchtung aus Wildformen hervorgegangen sind.
- Heimtiere, das sind Tiere, die vom Menschen in engem Kontakt gehalten werden, z. B. in der Wohnung.
Bei Heimtieren steht die Freude am Zusammenleben im Vordergrund, eventuell auch ein privater âNutzenâ wie zum Beispiel die Anregung zu SpaziergĂ€ngen und sozialen Kontakten, die mit der Haltung eines Hundes verbunden ist. Heimtiere werden von FĂ€ngern, JĂ€gern, ZĂŒchtern, HĂ€ndlern wirtschaftlich genutzt. Auch fĂŒr TierĂ€rzte, Tierheilpraktiker, Tierfriedhöfe und Tierheime generieren sie wirtschaftliches Einkommen. Unter den Heimtieren sind sowohl Haustiere (domestizierte Tiere) vertreten als auch Wildtiere, ebenso Ăbergangsformen. Die beliebtesten Heimtiere â Hauskatzen und Haushunde â sind domestiziert.
Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig möglich. Honigbienen werden durch Menschen seit Jahrtausenden nahe ihrer Siedlungen zur Gewinnung von Wachs und Honig gehalten und durch Imkerei auf der ganzen Welt verbreitet; teilweise als Neobionten, z. B. die Honigbienen in Nordamerika. Erst in moderner Zeit, seit etwa 150 Jahren, werden sie auch zunehmend systematisch selektiert und gezĂŒchtet. Es entstehen genetisch verarmte Zuchtpopulationen, die nur mit sehr groĂem Aufwand eine weitestgehende aber nicht vollstĂ€ndige genetische Isolierung von Wildpopulationen erfahren. Sie sind weder gezĂ€hmt noch domestiziert, was sich in ihrer abweichenden rechtlichen Stellung, weder Haustier noch Wildtier, widerspiegelt. Daneben gibt es weiterhin wild lebende Honigbienenpopulationen in Europa und dem Rest der Welt, die aufgrund der spezifischen Fortpflanzung der Honigbienen mit den Honigbienen in imkerlicher Nutztierhaltung in genetischem Austausch bleiben, weil die wenigsten Imker Bienenzucht betreiben.
Haushunde können Heimtiere, aber auch Gebrauchshunde sein. Hunde sind unverzichtbare Helfer einerseits fĂŒr bestimmte Berufsgruppen, andererseits auch im privaten Bereich fĂŒr viele Blinde und Gehörlose (siehe BlindenfĂŒhrhund, Signalhund). In manchen LĂ€ndern wird darĂŒber hinaus auch Hundefleisch gegessen. Ohne menschliche Haltung entstehen verwilderte Hundepopulationen, wie die Dingos. Der Beruf des HundefĂ€ngers entstand, um die Plage der StraĂenhunde oder streunende Hunde zu bekĂ€mpfen und die Gefahren ausgehend von verwilderten Hundemeuten in SĂŒd- und Osteuropa, Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zu mindern.
Das BegriffsverstĂ€ndnis kann auch nach ErklĂ€rungszusammenhang unterschiedlich sein. So versteht das deutsche Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) fĂŒr seine Zwecke unter Nutztieren Tiere von Arten, die nicht zum Liefern, sondern zur Gewinnung von Produkten, insbesondere Lebensmitteln gehalten werden, sowie Pferde.[5] Bei der Regelung tierschutzgerechter Nutztierhaltung fallen darunter landwirtschaftliche Nutztiere und sonstige warmblĂŒtige Wirbeltiere zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, HĂ€uten, Fellen oder Wolle und zu sonstigen landwirtschaftlichen oder zĂŒchterischen Zwecken.[6]
Nutztierhaltung durch Tiere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch Tiere können andere Tiere als eine Art Nutztier halten (Trophobiose). Als Beispiel sei die Ameisen-Art Lasius austriacus angefĂŒhrt, welche WolllĂ€use der Art Eurypersia europaea in ihren Bauten zĂŒchtet. Die WolllĂ€use saugen am Pflanzensaft von Wurzeln und geben Honigtau ab, welcher den Ameisen als Nahrung dient. Dies ermöglicht es den Ameisen, die meiste Zeit im Nest zu verbringen, ohne dieses zur Nahrungssuche verlassen zu mĂŒssen.[7][8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ludwig Steuert, Das Buch vom gesunden und kranken Haustier: LeichtverstĂ€ndlicher Ratgeber zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten bei Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen, Hunden und GeflĂŒgel, zehnte, neubearbeitete Auflage, Verlag von Paul Parey in Berlin, 1940, 495 Seiten mit Sachregister (Erste Auflage, FrĂŒhling 1897, 465 Seiten)
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tierproduktion
- Nutztier des Jahres, Ăsterreich (jĂ€hrlich, seit 2015)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Nutztier im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Arbeitende Tiere In: Audiovisuelle Dokumente in Vitrinen von Memoriav, abgerufen auf memobase.ch am 24. Oktober 2026
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Duden online: Nutztier.
- â Nutztiere Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft, abgerufen am 22. MĂ€rz 2024.
- â Tierische Nebenprodukte Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft, abgerufen am 22. MĂ€rz 2024.
- â Kategorisierung von tierischen Nebenprodukten Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft, abgerufen am 22. MĂ€rz 2024.
- â § 3 Ziff. 21 LFGB.
- â § 2 Ziff. 1 TierSchNutztV.
- â Florian M. Steiner, Birgit C. Schlick-Steiner: Ăkologische Giganten, Spezialisten und Informanten: die Ameisen der Trockenrasen Niederösterreichs, in: Heinz Wiesbauer (Hrsg.): Die Steppe lebt - Felssteppen und Trockenrasen in Niederösterreich, St. Pölten 2008, S. 179, ISBN 3-901542-28-0.
- â Evolutionsbiologie | WettrĂŒsten im Ameisenstaat. In: deutschlandfunknova.de. 10. Januar 2015, abgerufen am 24. MĂ€rz 2024.