Organomarsch
Die Organomarsch ist ein Marschboden, der vor allem in ehemaligen Lagunen und in SchilfgĂŒrteln der BodengroĂlandschaft Marsche und Moore unter Tideeinflussbereich vorkommt. Charakteristisches Merkmal dieses Bodens ist das verbreitete Vorhandensein der Eisenminerale Jarosit und Schwertmannit (Maibolt). In der neueren Deutschen Bodenklassifikation wird dieser Bodentyp der Abteilung der semiterrestrischen Böden der Klasse M (Marschen) zugeordnet. Seine AbkĂŒrzung lautet MO.[1] In der Ă€lteren Literatur wurde die Organomarsch auch als âHumusmarschâ bezeichnet.[2] Die Kategorie korrespondiert mit niederlĂ€ndischen Bodentypen, die als Moormarsch (moerige eerdgronden) bezeichnet werden.[3]
Entstehung und Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Ausgangssubstrat fĂŒr die Entstehung der Organomarsch ist ein humoser, brackisch â tidaler oder fluviatil â tidal, teilweise lithogener toniger Schluff oder Ton. Einlagerungen von Torfen und Mudden sind hĂ€ufig zu beobachten. Die humosen Tone wurden in Stillwasserbereichen und Lagunen am Geestrand abgelagert und sind hĂ€ufig im Bereich von Nehrungen und deren Hinterland sowie in gezeitenbeeinflussten Flussniederungen, z. B. von Ems, Weser, Elbe und Eider zu finden. Im Verlauf der Bodenbildung wurde die im Ausgangssediment vorhandene organische Substanz abgebaut einhergehend mit einer starken Versauerung des Bodens und Bildung von fĂŒr diesen Bodentyp charakteristischen Eisenmineralen Jarosit (Maibolt).
Organomarschen sind hÀufig mit Dwog- und Knickmarschen sowie mit Niedermooren vergesellschaftet.[4] Die Organomarschen nehmen lediglich 1 % der Marschböden in Niedersachsen ein.[5]
Unterteilung und Subtypen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Organomarschböden lassen sich in âRohorganomarschâ (OM1), die âunreife Organomarschâ (OM2), die ânormale Organomarschâ (OM3), die âschwefelreiche Organomarschâ (OM4) und die âeisenreiche Organomarschâ (OM5) untergliedern.[6] Als Subtypen dieser Böden sind neben der typischen Organomarsch die âflache Organomarschâ beispielsweise ĂŒber Niedermoor oder die âflache Organomarschâ ĂŒber fossilen Böden, wie Podsol (Geestmarsch) ausgebildet.
In der internationalen Bodenklassifikation World Reference Base for Soil Resources (WRB) gehören Organomarschen ĂŒberwiegend zu den Gleysolen. Der hohe Gehalt an organischer Substanz wird durch den Supplementary Qualifer Hyperhumic ausgedrĂŒckt.
Horizontierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Organomarsch ist durch eine charakteristische oAh/oGo/oGr â Bodenhorizontierung gekennzeichnet. Der erste Horizont wird durch jĂŒngere Sedimente gebildet, der auf der Ă€lteren OberflĂ€che abgelagert wurde.
A-Horizont: Der stark humose, mineralische Oberbodenhorizont ist durch Anreicherungen von organischer Substanz gekennzeichnet, die allmÀhlich nach unten abnimmt.
- oAh: Der organische (âoâ) Oberboden (âAâ) ist humos (âhâ) und daher dunkelbraun bis schwarz gefĂ€rbt. Er besteht aus stark humosem, schluffigem Lehm.
Unterhalb dieses Horizontes folgt der grundwasserbeeinflusste Mineralboden (G-Horizont: Mineralbodenhorizont mit Grundwassereinfluss).
Mitunter lÀsst der G-Horizont sich in einen Mineralbodenhorizont mit zeitweiliger und stÀndiger Grundwasserbeeinflussung untergliedern.
- oGo: Der obere grundwasserbeeinflusster Horizont aus schwach humosem, schluffigem Ton ist ĂŒberwiegend durch oxidierende Bedingungen und einem geringen Anteil an sedimentĂ€rer organischer Substanz gekennzeichnet. Partiell ist dieser Horizont rostfleckig und durch AusfĂ€llungen von Kalium-Eisensulfatmineralen (Maibolt, Jarosit) charakterisiert, die mitunter Konkretionen bilden können.
- oGr: Bis zum Anstehenden schlieĂt sich ein weiterer grundwasserbeeinflusster, meist wassererfĂŒllter Bodenhorizont (âGâ) aus humosem, tonigem Schluff an, in dem fast ganzjĂ€hrig (mehr als 300 Tage) reduktive Prozesse (ârâ) dominieren. Dieser Bodenhorizont ist durch das Auftreten geringer Anteile von sedimentĂ€rer organischer Substanz mit Schilfresten gekennzeichnet.
Eigenschaften, Nutzung und GefÀhrdung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die stark humosen Organomarschen sind extrem saure Böden (pH-Wert um 2â3)[7] und darĂŒber hinaus aufgrund der Bodenstruktur kaum tragfĂ€hig und belastbar. Die Böden zeichnen sich durch eine hohe NĂ€hrstoffversorgung und ein hohes Schadstoffbindungsvermögen aus, sind in der Regel jedoch lediglich gering durchwurzelt. Sie eignen sich grundsĂ€tzlich nicht zum Ackerbau, vorwiegend extensive GrĂŒnlandwirtschaft ist jedoch möglich. Die Bodenwertzahl der BodenschĂ€tzung der Organomarschen liegt gewöhnlich zwischen 55 und 64.[8] Als Baugrund sind derartige Böden grundsĂ€tzlich nicht geeignet. Die Böden können nicht mit schweren GerĂ€tschaften befahren und bearbeitet werden, da dies zu irreversiblen Bodenverdichtungen fĂŒhren kann.
Durch Absenkung des Grundwasserspiegels sind Organomarschen potentiell im Bestand gefÀhrdet, da es aufgrund der lockeren Lagerung des Bodens zu Bodensackungen und relativen Absenkungen des GelÀndeniveaus sowie einer Zersetzung des Humus infolge von erhöhter Sauerstoffzufuhr kommen kann.
Weblink
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Objekt des Monats III/12: Die Organomarsch â wenig beachteter Kohlenstoffspeicher mit viel Schwefel. Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe; abgerufen am 12. Juli 2013
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ad-hoc-Arbeitsgruppe Boden in der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. ĂŒberarb. u. erw. Auflage. Hannover 2005, ISBN 3-510-95920-5.
- W. Amelung, H.-P. Blume, H. Fleige, R. Horn, E. Kandeler, I. Kögel-Knabner, R. Kretschmar, K. Stahr, B.-M. Wilke: Scheffer / Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde. 17. Auflage. Heidelberg 2018. ISBN 978-3-662-55870-6.
- H. Streif: Das ostfriesische KĂŒstengebiet â Nordsee, Inseln, Watten und Marschen. 2. völlig neubearbeitete Auflage. GebrĂŒder Borntraeger, Berlin / Stuttgart 1990, ISBN 3-443-15051-9 (Sammlung Geologischer FĂŒhrer, 57).
- H. Kuntze, G. Roeschmann, G. Schwertfeger: Bodenkunde. Eugen Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-8076-4.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Ad-hoc-Arbeitsgruppe Boden in der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. ĂŒberarb. u. erw. Auflage. Hannover 2005, ISBN 3-510-95920-5, S. 253 f.
- â L. Giani, E. Gehrt, H. Sponagel: ExkursionsfĂŒhrer: Böden der niedersĂ€chsischen Marsch. S. 19. (Beitrag zur Tagung âDie Böden der KĂŒste und deren Genese im Spannungsfeld von Landnutzung und Klimawandelâ an der C.-v.-O.-UniversitĂ€t Oldenburg vom 3.-5. September 2008).
- â Es betrifft die Typen plaseerd- und tochteerdgronden, die sich durch das Vorkommen vom (sauren) Maibold oder katteklei auszeichnen.
- â Landesamt fĂŒr Landwirtschaft, Umwelt und lĂ€ndliche RĂ€ume (Hrsg.): Die Böden Schleswig-Holsteins: Entstehung, Verbreitung, Nutzung, Eigenschaften und GefĂ€hrdung. 4. Auflage. Flintbek 2012, ISBN 978-3-937937-03-8, S. 53.
- â E. Gehrt, H. Sponagel, I. Benne: Die Marschen in Niedersachsen â Bodenformen, Verbreitung und FlĂ€chenanteile. Oldenburg 2008; dbges.de (PDF; 200 kB) 4 S.
- â E. Gehrt, H. Sponagel, I. Benne: Die Marschen in Niedersachsen â Bodenformen, Verbreitung und FlĂ€chenanteile. Oldenburg 2008; eprints.dbges.de (PDF; 0,2 MB) 4 S.
- â H. Kuntze, G. Roeschmann, G. Schwertfeger: Bodenkunde. Eugen Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-8076-4, S. 287.
- â Ad-hoc-Arbeitsgruppe Boden in der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. ĂŒberarb. u. erw. Auflage. Hannover 2005, ISBN 3-510-95920-5, S. 317â320.