Papist
Papist ist eine von dem Wort Papst abgeleitete Bezeichnung fĂŒr Katholiken, die im Protestantismus der Reformationszeit im 16. Jahrhundert aufkam und in der Zeit der Kontroverstheologie als ein zumeist abwertend gebrauchter Kampfbegriff gelĂ€ufig war.[1] Das zugehörige Abstraktum lautet Papismus.
Der Ausdruck reduziert den Katholizismus bewusst auf das Papsttum, das als herausragendes Abgrenzungsmerkmal betrachtet wird. Aus protestantischer Sicht wurde damit kÀmpferisch-kritisch auf die totale Unterordnung und Unterwerfung der römischen Katholiken unter den Papst als unumschrÀnktes Kirchenoberhaupt verwiesen.
Eine Ă€hnliche, jedoch weniger polemisch verwendete und nicht allein auf das Papsttum fokussierte Selbst- und Fremdbezeichnung von Katholiken in den frĂŒhneuzeitlichen konfessionellen Auseinandersetzungen war der Begriff âAltglĂ€ubigeâ.
In einem moderateren VerstĂ€ndnis, das noch bis ins 19. Jahrhundert gelĂ€ufig blieb und insbesondere auch in den Debatten im Vorfeld der Dogmatisierung des pĂ€pstlichen Lehr- und Jurisdiktionsprimats auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) eine Rolle spielte, wird Papismus als gleichbedeutend mit Ultramontanismus begriffen und der Ausdruck auf den vom Papsttum beanspruchten Vorrang der geistlichen (pĂ€pstlichen) gegenĂŒber der weltlichen (kaiserlichen) Gewalt bezogen.
Im deutschen Sprachraum wird der Begriff Papist heute nur noch selten, manchmal allerdings ironisch gebraucht. Auch im englischen Sprachraum wirkt er ungebrÀuchlich und fremd, wÀhrend er in französischen Publikationen zur Papstgeschichte bis heute Verwendung findet.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Georg Denzler: Papism. In: Philippe Levillain (Hrsg.): The Papacy. An Encyclopedia. Band 2. Routledge, London/New York 2002, ISBN 0-415-92230-5, S. 1107â1110.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Eintrag papist im FrĂŒhneuhochdeutschen Wörterbuch, Abruf im Januar 2020.
- â Bernard McDinn (University of Chicago): Rezension zu Levillain, Philippe, ed. The Papacy. An Encyclopedia. 3 vols. New York: Routledge 2002. In: The Journal of Religion 83 (2003), S. 628â630, hier: S. 629.