Zum Inhalt springen

Paradeisos

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Das Wort Paradeisos (altgriechisch Ï€Î±ÏÎŹÎŽÎ”ÎčÏƒÎżÏ‚ „Tiergarten“, „Park“; lateinisch paradisus; mittelpersisch und hebrĂ€isch pardēs) wurde von den Griechen aus dem avestischen pairi-daēza (wörtlich „umgrenzter Bereich“) ĂŒbernommen. Das griechische Wort bezog sich ursprĂŒnglich auf persische KönigsgĂ€rten, im biblischen Zusammenhang auch auf „GottesgĂ€rten“. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der Tora, bezeichnet es unter anderem den Garten Eden.

Hannes Galter und Lutz KĂ€ppel wollen den persischen Paradeisos von assyrischen KönigsgĂ€rten ableiten.[1] Seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. wurden in den assyrischen PalastgĂ€rten BĂ€ume und StrĂ€ucher angepflanzt sowie exotische Tiere gehalten. Inschriften belegen, dass die Sicherung von Wohlstand und Fruchtbarkeit eine vorrangige Aufgabe assyrischer Könige war. Dies brachte der Palastgarten zum Ausdruck, der zugleich ein Naherholungsraum war. Das Interesse an Hortikultur und Exotik beruht vielleicht auch darauf, dass solche GĂ€rten ein Abbild des Reiches waren, indem Flora und Fauna aus dem ganzen assyrischen Reich prĂ€sentiert wurden. Sanherib ließ mehrere Gartenanlagen in Ninive erbauen, am Tigris möglicherweise einen abgeschlossenen Wildpark. Dort fanden wahrscheinlich zeremonielle Jagden statt, wie sie spĂ€ter auf Reliefs von Assurbanipal in Khorsabad abgebildet wurden.

Die AchÀmeniden entwickelten den Palastgarten zum Ziergarten weiter, in dem die königlichen Residenzen standen, und legten auch Wildparks an. Das Bild des berittenen Königs auf der Jagd mit Pfeil und Bogen ist besonders in der sasanidischen Ikonographie hÀufig.

Griechenland und Rom

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
paradeisos-Fresko in der Casa dei Cei in Pompeji

Über Xenophon gelangte die Kenntnis persischer KönigsgĂ€rten nach Griechenland. Bei den Griechen bezeichnete das Fremdwort paradeisos zunĂ€chst eben jene orientalischen, besonders die persischen, mit einem Wall umgebenen Parks. In der Folge war ein paradeisos dann eine großflĂ€chige, eingehegte Parkanlage als Teil hellenistischer und römisch-kaiserzeitlicher Palastanlagen, die auch der Vorhaltung von Wildtieren fĂŒr die Jagd diente.

Auf einem paradeisos-Fresko in der Casa dei Cei in Pompeji sind wilde Tiere in einer hĂŒgeligen Landschaft zu sehen. Wie bei seiner Gartengestaltung war der Hausherr auch hier bemĂŒht, das mĂŒĂŸige Leben der oberen Schichten zu imitieren.[2]

Altes Testament und Christentum

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Zeit wurde die Vorstellung des Paradiesgartens auch auf „GottesgĂ€rten“ angewandt, die einen religiösen Bezug hatten. Vom Paradeisos leitet sich der Ausdruck Paradies fĂŒr den Garten Eden ab. Paradeisos wurde so zu einem Bestandteil der religiösen Sprache.

Im Neuen Testament kommt der Begriff, anders als im Alten Testament nur selten vor (Lukas 23,43; 2 Korinther 12,4; Apokalypse 2,7). SpÀter bezeichnete Paradies auch den Narthex, eine Vorhalle von Kirchen.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Paradeisos in Der Neue Pauly
  2. ↑ Eve D'Ambra: Die Römische Kunst : Kultur und Alltag im antiken Rom. DuMont, Köln 1998, ISBN 3-7701-4709-X, S. 139.