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Polavision

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Polavision war ein 1977 von Polaroid vorgestelltes und im Mai 1978 in den Markt eingefĂŒhrtes „Sofortbild“-Schmalfilmsystem. „Sofortbild“ bedeutete dabei, die Filmkassette konnte wenige Minuten nach dem Belichten vorgefĂŒhrt werden, indem sie in ein spezielles BetrachtungsgerĂ€t – mit Anschluss an das Stromnetz – eingelegt und daraufhin automatisch entwickelt wurde. Das System wurde bereits 1979 wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt.

Edwin Herbert Land bei der Vorstellung von Polavision

Polaroid hatte bereits erfolgreich Sofortbild-Kameras eingefĂŒhrt, zunĂ€chst nach dem Trennbild-Verfahren, dann mit dem Integralfilm des Systems SX-70. Letzteres bedeutete, das Bild kam unmittelbar nach dem Auslösen von einem Motor bewegt aus der Kamera und entwickelte sich ohne jedwedes Zutun des Fotografen von allein. Polavision setzte diese Idee auf bewegte Bilder um, ein Schmalfilm sollte sich nach der Belichtung ebenfalls ganz von allein entwickeln. Dies setzte ein neukonstruierte Filmkassette voraus, da die bekannte Super-8-Kassette weder Platz fĂŒr die erforderlichen Chemikalien zur Entwicklung bot, noch der Film zurĂŒckgespult werden konnte. Eine neue Kassette erforderte wiederum eine spezielle Kamera. Da Polaroid den Film auch zur VorfĂŒhrung in der Kassette belassen wollte, bedurfte es ĂŒberdies eines speziellen VorfĂŒhrgerĂ€ts.

Treibende Kraft des Projekts war der UnternehmensgrĂŒnder Edwin Herbert Land, wĂ€hrend die meisten Mitarbeiter es ablehnten. Ihr Argument war: Super 8 macht nur etwa 3 % des gesamten Fotomarkts aus und mit solch einer Dimension ist es unmöglich, die Entwicklungskosten wieder herein zu bekommen – egal, zu welchem Preis man die GerĂ€te und Filme anbietet.[1] Land hingegen argumentierte: Es handelt sich um etwas ganz Neues, dass man mit Super 8 nicht vergleichen kann und das deswegen ungleich mehr Erfolg haben wird.[2]

„Polavision sind nicht Filme; es ist ‚eine Art, sich zum Leben und zueinander in Beziehung zu setzen‘.“

– Edwin Herbert Land[1]

Ein weiteres Problem bestand in der fraglichen Zukunft des Schmalfilms. Akai hatte bereits 1970 den tragbaren Videorecorder VT 100 und eine Videokamera dazu herausgebracht. Es handelte sich zwar noch um Schwarzweiß-GerĂ€te, sie zeigten aber bereits die Zukunft, mit 20 min Spielzeit pro Band und einer derart immensen Lichtempfindlichkeit, dass man problemlos in der DĂ€mmerung oder bei Zimmerbeleuchtung aufnehmen konnte. Aus diesen Grund kam das Wort Film in der Bezeichnung der Filmkassetten nicht vor, sie erhielten den eigenartigen Namen Polavision Phototape Cassette.

Problematisch war auch das an sich fĂŒr einen „Sofortbild“-Film nicht nötige Konzept, den Film fĂŒr immer in der Kassette zu belassen. Zum einen musste man einen lĂ€ngeren Film mit mehreren Pausen schauen, in denen das VorfĂŒhrgerĂ€t den Film zurĂŒckspulte und die Kassette anschließend auswarf, wĂ€hrend der typische Super-8-Projektor 120 m Film entsprechend etwa 25 min Laufzeit ohne Unterbrechung vorfĂŒhren konnte. Dies betraf insbesondere die hĂ€ufige Schmalfilm-Anwendung Urlaubsfilm. Zum anderen konnte man den Film nicht schneiden und deswegen misslungene Aufnahmen nicht beseitigen. Bei Videorecordern konnte man zwar ebenfalls noch nicht schneiden, weil das nur mit Überspielen ging und der dafĂŒr erforderliche zweite Recorder viel zu teuer gekommen wĂ€re. Aber man konnte sich eine Aufnahme sofort ansehen und sie gegebenenfalls wieder löschen.

Erste AnkĂŒndigungen

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Polaroid hielt Neuentwicklungen grundsĂ€tzlich bis zur MarkteinfĂŒhrung geheim, Anfang 1974 erschien aber ein zweiseitiger Bericht in Popular Science. Dieser erwĂ€hnte die schon seit einiger Zeit im Umlauf befindlichen GerĂŒchte, welche aber nur darauf fußten, dass nach dem Sofortbild-Foto ein Sofortbild-Film wahrscheinlich ist. Aber er ergĂ€nzte die Analyse von Polaroid-Patenten mitsamt einer Skizze der zukĂŒnftigen Kassette. Dabei ging man bereits davon aus, dass der Film immer in der Kassette verbleit und nicht in der Kamera, sondern im Projektor entwickelt wird. Bis zur Vorstellung wĂŒrden aber noch ein paar Jahre vergehen.[3]

TatsĂ€chlich waren die Entwicklungsarbeiten schon weit fortgeschritten, der Wechsel des GerĂ€teherstellers fĂŒhrte aber zu einer erheblichen Verzögerung. ZunĂ€chst arbeitete man mit Bell & Howell zusammen, mehrfache ÄnderungswĂŒnsche fĂŒhrten aber im Sommer 1974[4] zur Trennung.[1] 1976 kam es dann zu einem Vertrag mit Eumig, dieses Unternehmen kreierte die Apparate dann ganz nach den WĂŒnschen von Polaroid.[5]

Eumig produzierte die Kamera und das BetrachtungsgerĂ€t in seinen Werken in Österreich. Zuerst berichtete wiederum Popular Science davon und zeigte mit einem dreiseitigen Artikel Fotos der Kamera und des BetrachtungsgerĂ€ts. Man vermutete einen Preis unter $ 500 fĂŒr beides zusammen.[6] TatsĂ€chlich lag der Listenpreis dann bei $ 699. In Österreich wurde das Set fĂŒr 9.990 öS angeboten.[5] Polavision war damit erheblich teurer als vergleichbare Super-8-GerĂ€te.

Maße und Laufzeit

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Die Polavision-Kassette war 5 1⁄2 in hoch, 2 7⁄8 in breit und Ÿ in dick, entsprechend 130 mm × 70 mm × 15 mm. Sie enthielt einen Film mit einer LĂ€nge von 38,5 ft, entsprechend 11,7 m, welcher der Super-8-Norm folgte und infolgedessen 2800 Bilder enthielt. Bei der einzig möglichen Frequenz von 18 Bildern/s, betrug die Laufzeit einer Polavision-Kassette 2 min 35 s – gegenĂŒber 3 min 20 s bei der Super-8-Kassette.

In der Polavision-Filmkasette waren die beiden Spulen nicht wie von Super 8 bekannt konzentrisch ĂŒbereinander angeordnet, sondern nebeneinander in einer gemeinsamen Ebene. War die Kassette in eine Kamera eingelegt, dann lagen unten die Aufwickel-, darĂŒber die Abwickelspule und nochmals darĂŒber der Tank mit der EntwicklungsflĂŒssigkeit. Um letzteren verlief der Film in einer Schleife. Damit der Film auch zur VorfĂŒhrung in der Kassette verbleiben konnte, gab es ein Prisma hinter dem Bildfenster, welches die Lichtstrahlen der Projektorlampe auf den Film umlenkte. Der Film trug am Anfang den aufgedruckten Schriftzug unexposed und am Ende exposed.[6]

Filmentwicklung

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Die Filmentwicklung wurde mit dem ZurĂŒckspulen des komplett durchgelaufenen Films automatisch eingeleitet. Der Tank fĂŒr die EntwicklungsflĂŒssigkeit war dafĂŒr mit einem Deckel verschlossen, an dem ein Kunststoffband hing. Dieses Band wies ein pfeilförmiges Ende auf, welches neben dem Film lag und durch die Bewegung des Films in ein Loch geschoben wurde, dass sich am Ende des Films befand. Durch einen Widerhaken blieb das Band im Loch hĂ€ngen, dass dazu eine geeignete Form aufwies. So öffnete sich der Tank, wobei das Band mit aufgewickelt wurde und mit einer Sollbruchstelle nach der Öffnung vom Deckel abriss, der an einer bestimmten Stelle in der Kassette verblieb. Da sich die Kassette wĂ€hrend der Entwicklung nicht in der Kamera, sondern im BetrachtungsgerĂ€t befand, hatte sie eine definierte Lage, bei der die EntwicklungsflĂŒssigkeit direkt auf den Film lief.

Das BetrachtungsgerĂ€t erfuhr durch zwei elektrische Kontakte, ob es sich um einen unentwickelten Film handelte. Dann waren die beiden Kontakte durch ein Blech miteinander verbunden. Dieses Blech wies zwei Widerhaken auf, die sich beim RĂŒckspulen rechts und links in den Filmanfang einhaken konnten, weil es dort eine verjĂŒngte Stelle gab. Anschließend lief das Blech mit dem Film mit, unterbrach so den elektrischen Kontakt und bewegte ein weiteres Blech. Dieses schob sich vor den Tank, um ihn durch einhaken wieder zu verschließen.

An dem Ablauf waren mehrere Umlenkrollen beteiligt. Da es zudem Arretierungen fĂŒr die beiden Spulen gab, befand sich im Inneren der Polavisions-Kassette ein ausgesprochen komplizierter Mechanismus.[7]

Polavision Land Camera 3600

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Polavision Land Camera

Zum System gehörte eine gut, aber billig aussehende Filmkamera, was der RealitĂ€t entsprach.[6] Ihr Objektiv war mit f/1,8 und 12 mm bis 25 mm Brennweite fĂŒr eine 8-mm-Kamera weder besonders lichtstark, noch mit einem großen Zoom-Bereich ausgestattet. FĂŒr die Entfernungseinstellung konnte man den Tubus axial bewegen, wobei es nur zwei Stellungen gab, nĂ€mlich fĂŒr 2 m bis 5 m und fĂŒr 5 m bis unendlich. Das Zoomen ging nicht motorisch vonstatten, wie es bei Super-8-Kameras mittlerweile Standard war, sondern durch Drehen des schwergĂ€ngigen Tubus, wozu man einen Hebel rechts oder links anschrauben konnte, um den Sensor des Belichtungsmessers nicht mit der Hand zu verdecken. FĂŒr die Stromversorgung befanden sich vier AA-Zellen im Handgriff. Die Bildfrequenz betrug 18/s, es gab weder Zeitlupe, noch Zeitraffer.[6]

FĂŒr diese Kamera gab es mit der Polavision Twi Light eine einfache Filmleuchte, die auf die Kamera geschraubt wurde. Sie bestand aus zwei transparenten Kunststoffröhren mit je einer Halogen-Reflektorlampe, die mit Netzspannung betrieben wurden. Mit dem Aufschrauben bewegte sich der Rotfilter aus den Strahlengang, um bei Kunstlicht aufnehmen zu können – es verhielt sich also genau wie bei Super 8. Kamen andere Filmleuchten zum Einsatz, dann musste die unten in den Griff eingeschraubte Trageschlaufe anstelle der Filmleuchte montiert werden.[2]

Eumig hat 171.000 Kameras produziert.[5]

Nicht mehr realisierte Modelle

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Polaroid kĂŒndigte zur Vorstellung von Polavision aufwendigere Kameras an, darunter eine XL-Kamera, also eine Kamera fĂŒr schlechte LichtverhĂ€ltnisse, und eine Tonfilmkamera, die mit Tonspur auf dem Film arbeitet. Zudem sprach man von einer Fotofunktion, um Einzelbilder zu belichten, also bis zu 2800 Bilder auf eine Kassette unterbringen zu können.[6]

Mekel 300 Instant Analysis Camera

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Von der Mekel Engineering Inc. gab es die Hochgeschwindigkeitskamera Mekel 300 Instant Analysis Camera, die mit einer Bildfrequenz von 4/s bis 300/s aufnehmen konnte, also bei Maximalgeschwindigkeit eine Kassette in rund 10 s durchlaufen lassen konnte.[8]

BetrachtungsgerÀt

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Polavision Player mit zwei Filmkassetten

Polaroid bot fĂŒr das System nur einen einzigen Apparat zum Betrachten an, welcher in etwa das Aussehen eines portablen FernsehgerĂ€ts hatte. Der Polavision Player war nĂ€mlich ein RĂŒckprojektionsgerĂ€t mit 12" Bilddiagonale. Er arbeitete mit einer 100 W Halogenlampe, die mit 12 V betrieben wurde. Das GerĂ€t hatte nur wenige Bedienelemente: nach Abnehmen der RĂŒckwand kam ein Drehschalter zum Vorschein, mit dem man die Netzspannung auf verschiedene Werte zwischen 100 V und 240 V einstellen konnte; unter der RĂŒckwand gab eine Taste fĂŒr den vorzeitigen Auswurf und ein Drehrad fĂŒr den Bildfang; oben auf dem GerĂ€t lag in der Griffmulde ein weiteres Drehrad fĂŒr die Fokussierung.

Steckte man nach Öffnen eines Deckels auf der GehĂ€useoberseite eine Filmkassette in das GerĂ€t, dann schaltete es sich automatisch ein und startete. Erkannte es dabei eine unentwickelte Kassette, dann wurde sie in 90 s zurĂŒckgespult und dabei entwickelt. Nach 45 s Wartezeit zum Trocknen und Ausentwickeln des Film begann automatisch die VorfĂŒhrung. Im Falle einer entwickelten Kassette startete die VorfĂŒhrung. Am Ende wurde die Kassette binnen 15 s zurĂŒckgespult und ausgeworfen. Als Zubehör gab es die Instant Replay Control, eine Taste, die mit einer Zuleitung hinten an das GerĂ€t angeschlossen wurde und mit der man den Film rĂŒckwĂ€rts laufen lassen konnte, um sich ein Abschnitt noch einmal anzuschauen.[6] Problematisch an der Vollautomatik war ein Defekt an der Kassette, dann lief der Film nur wenige Sekunden vorwĂ€rts und wurde wieder zurĂŒckgespult. In diesem Fall konnte der Benutzer nicht eingreifen, um die Störung zu beheben.[2]

Eumig hat 215.000 Polavision Player produziert.[5]

Der Polavision-Film war anders als das SX-70-Sofortbild aufgebaut, nÀmlich nach dem Rasterverfahren. Dieses stammte aus der Zeit vor dem modernen Farbfilm, wie sie um 1935 mit Kodachrome und Agfacolor Neu erschienen. Allerdings konnte Polaroid mit 4500 Streifen pro Zoll[6] ein feineres Raster und somit eine höhere Auflösung als damals erzeugen. Dabei verwendete man das Linienrasterverfahren:

WĂ€hrend Super-8-Filme aus dem weißen Licht der Projektorlampe die nicht benötigten Anteile herausfilterten, also mit subtraktiver Farbmischung arbeiteten, nutzte Polavision mit dem Rasterverfahren die additive Farbmischung. Es handelte sich um einen Schwarzweißfilm, auf den ein Muster von kleinen Farbfiltern fĂŒr die drei Grundfarben Rot, GrĂŒn und Blau angebracht waren. Der Schwarzweißfilm bestimmte dabei die Helligkeit jeder Farbe. Nachteilig an dem Verfahren war die geringe Empfindlichkeit und das dunkle Projektionsbild. Dies lag daran, dass aus dem auftreffenden Licht zunĂ€chst durch filtern die Grundfarbe erzeugt wurde und dann noch einmal die Grundfarbe – vom Schwarzweißfilm – gefiltert wurde, um ihre Helligkeit zu bestimmen. Umgekehrt wurde vom Licht der Projektionslampe erst einmal große Anteile herausgefiltert, um die Grundfarben zu erhalten, und dann noch die Grundfarbe verdunkelt, um die richtige Farbe und Helligkeit zu erzeugen.

Phototape Cassette Type 608

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Der Typ 608 war – wie von den Super-8-Kassetten gewohnt – fĂŒr Kunstlicht sensibilisiert und wies eine Empfindlichkeit von ISO 40/17° auf. Er war der Standardfilm, mit dem das System auch vorgestellt wurde. In den USA betrug der Listenpreis $ 9,95,[9] Super-8-Kassetten waren demgegenĂŒber deutlich billiger.

Phototape Cassette Type 617

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Der Typ 617 war ein Schwarzweißfilm mit ISO 125/22° Empfindlichkeit. Er war vor allem fĂŒr Forschung und Entwicklung gedacht.[10]

Phototape Cassette Type 618

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Der Type 618 war der Nachfolger des Typs 608 und besaß unverĂ€ndert eine Empfindlichkeit von ISO 40/17°.[11]

BildqualitÀt

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Consumer Reports beschrieb das Bild als „trĂŒb und dunkel“, was allerdings einige KĂŒnstler faszinierte, darunter Charles Eames, Stan Brakhage und Andy Warhol. GrundsĂ€tzlich ließ sich der Film aus der Kassette herausziehen, um ihn mit einem gewöhnlichen Super-8-Projektor vorzufĂŒhren. Montierte man ihn aber zusammen mit herkömmlichen Super-8-Film, dann fĂŒhrte dies zu unbrauchbaren Ergebnissen, da die Helligkeit dann stark schwankte.

MarkteinfĂŒhrung

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Polaroid startete Anfang 1978 den Verkauf und gewann Danny Kaye fĂŒr eine Werbekampagne, ein in den 1950er Jahren bekannten Komiker.[12] DarĂŒber hinaus erschienen weitere Werbespots,[13][14] man konnte aber kein Interesse bei den potenziellen Kunden wecken. Popular Science brachte im FrĂŒhjahr 1978 sogar einen Artikel, in dem man auf einer Doppelseite berichtete, wie gut sich Polavision auf zwei Partys bewĂ€hrt habe.[15]

„Ich habe das Produkt ausprobiert, aber es war im Vergleich zu allem, was Kodak zu bieten hatte, ein totaler Reinfall. [
] Sofortbildfilme waren zwar eine technische Meisterleistung, aber genau das trenne die Polaroid-Techniker von den Polaroid-Pragmatikern. Es gab einfach nicht genug Kunden, an denen sich das Potenzial dieser Technologie hĂ€tte auszahlen lassen.“

– Paul Giambarba, ehemaliger freier Mitarbeiter von Polaroid[16]

Polaroid Deutschland hatte sechs Monate nach Verkaufsbeginn gerade einmal 1.000 Sets ausgeliefert,[17] also kaum mehr als die VorfĂŒhrgerĂ€te. Polavision blieb weitgehend unbekannt, außer durch einige Berichte in Zeitschriften und Fernsehsendungen, in denen technische Neuheiten vorgestellt wurden, hatte man kaum eine Chance, davon zu erfahren. Es gab keine Werbespots im Werbefernsehen und noch nicht einmal eine Werbekampagne in Fachzeitschriften.

KundenwĂŒnsche

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FĂŒr den Privathaushalt war kein Kundenwunsch ersichtlich. WĂ€hrend bei der Sofortbild-Fotokamera das Foto bereits am Aufnahmeort beurteilt und Anwesenden mitgegeben werden konnte, entfielen diese Aspekte bei Polavision. Da der Film nicht in der Kamera entwickelt wurde, konnte er erst zu Hause betrachtet werden. Im Falle einer Urlaubsreise bestand also kaum ein Unterschied zu Super 8, zumal, wenn man die belichteten Filme vom Urlaubsort aus zum Labor sandte und sie daraufhin bei der Heimkehr bereits im Briefkasten lagen.

FĂŒr den professionellen Einsatz gab es Einsatzgebiete, beispielsweise das Filmen von Sportlern, um anschließend mit ihnen den Bewegungsablauf zu besprechen. Allerdings standen dafĂŒr auch schon Videokameras mit tragbaren Recorder bereit, die zwar erheblich teurer waren, dafĂŒr aber die hohen Kosten fĂŒr die Filmkassetten vermieden. Folglich lohnte sich Polavision nur bei seltenen Einsatz. Eine Ausnahme stellten lediglich Aufnahmen mit der Hochgeschwindigkeitskamera dar.

Super 8 hatte den Höhepunkt in den Jahren 1972 bis 1975, danach ließen die VerkĂ€ufe von Kameras und Projektoren bereits nach. Der Grund lag in den tragbaren Farb-Videorecordern mit zugehöriger Kamera, die zwar mit ĂŒber 7000 DM noch immens viel kosteten, aber ein Ende des Heimkinos in der nicht allzu fernen Zukunft vermuten ließen. In dieser Situation gelang es Polaroid nicht, Polavision bekannt zu machen.

Änderung der Zielgruppe

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Nachdem man bei den Privathaushalten nicht Fuß fassen konnte, versuchte Polaroid im November 1978 mit einer ganzseitigen Zeitungsannonce gewerbliche Kunden anzusprechen. Anstatt – wie in der Werbung ĂŒblich – KundenwĂŒnsche zu erfĂŒllen, geriet man in Panik und versuchte dabei, den Kunden mitzuteilen, was sie mit dem Produkt machen sollen.[1] Die Annonce trug die Überschrift: 48 Legitimate business reasons for buying Polaroid Instant Movies for yourself (48 legitime geschĂ€ftliche GrĂŒnde, warum Sie Polaroid Sofortbildfilme fĂŒr sich selbst kaufen sollten), zĂ€hlte alphabetisch geordnet Branchen auf und nannte dahinter die Einsatzmöglichkeit. Beispielsweise:

  • Adoptionsagenturen: Es ist eine der schnellsten und schonendsten Möglichkeiten, Kinder potenziellen Eltern vorzustellen.
  • Werbung: Polavision bietet die effizienteste Möglichkeit, Drehorte, Requisiten und KostĂŒme zu finden.
  • Feldberichte: Polavision-Kassetten ermöglichen es dem Reporter, viel wortreichen oder beschreibenden Text zu vermeiden.
  • Spendenakquise: Dank der MobilitĂ€t können Werber ihre Botschaften auf intime und persönliche Weise prĂ€sentieren, ohne auf komplizierte und sperrige AusrĂŒstung zurĂŒckgreifen zu mĂŒssen.
  • WarenhĂ€user: Werbemaßnahmen zur Kundenfrequenzsteigerung und Verkaufsdisplays können den Einsatz der GerĂ€te zeigen.

Der Erfolg blieb dabei aus.

Da kaum jemand von der Existenz des Systems erfahren hatte, blieb die Einstellung von Polavision im Jahr 1979 praktisch unbemerkt. Es trug aber erheblich zum Untergang des GerÀtelieferanten Eumig bei. Die letzten Kassetten wurden 1988 verkauft. Sie hatten 1990 als Verfallsdatum, ihnen lag ein Zettel bei, der auf das Produktionsende hinwies.

Den grĂ¶ĂŸten Teil der produzierten GerĂ€te verkaufte Polaroid 1979 als Restposten, damit hatte Polavision einen Verlust von insgesamt $ 68,5 Mio. verursacht. Als Folge trat Edwin Herbert Land 1980 als Vorstandsvorsitzender zurĂŒck und verließ das Unternehmen zwei Jahre spĂ€ter.[18]

Um die Produktionsanlagen weiter nutzen zu können, stellte Polaroid 1983 den „Sofortbild“-Diafilm fĂŒr Kleinbildkameras PolaChrome vor, der sich aber nur an professionelle Anwender richtete.

Das Agfa Camerawerk ließ sich durch den Misserfolg aber nicht beirren und stellte 1980 mit Agfa Family ein vergleichbares System, also eine einfache Kamera und ein BetrachtungsgerĂ€t fĂŒr gewöhnliche Super-8-Kassetten vor, dass sich dann als ebenso unverkĂ€uflich erwies und ebenfalls zum Untergang des GerĂ€teherstellers beigetragen hat.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 The $68 Million Instant Movie Disaster Youtube
  2. 1 2 3 Polavision: the Product That Killed Polaroid Youtube
  3. ↑ Instant Movies - Next blockbuster from Polaroid?, Popular Science MĂ€rz 1974
  4. ↑ Schritt ins Nirgendwo. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1974 (online).
  5. 1 2 3 4 Polavisisonssystem. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  6. 1 2 3 4 5 6 7 Inside Polaroid's instant movie system, Popular Science August 1977
  7. ↑ Eine Polavision-Kassette lĂ€sst die HĂŒllen fallen. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  8. ↑ Mekel 300 Instant Analysis Camera. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  9. ↑ Polaroid type 608 Polavision phototape cassette. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  10. ↑ Polaroid Polavision Type 617. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  11. ↑ Polaroid Polavision Type 618. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  12. ↑ Polavision: Polaroid 'Polavision' Commercial (Danny Kaye, 1978) Youtube
  13. ↑ Polavision: Polaroid 'Polavision' Commercial (1978) Youtube
  14. ↑ Polavision: Polaroid 'Polavision' Commercial (1978) Youtube
  15. ↑ Making instant movies, Popular Science MĂ€rz 1974
  16. ↑ The Last Hurrah – Polavision, 1977. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
  17. ↑ Polaroid Polavision Player. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  18. ↑ Era Ends as Land Leaves Polaroid. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).