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PrimÀrer Endpunkt

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Als primĂ€rer Endpunkt (lat. primus = „der Erste“) wird in klinischen Studien das primĂ€re (erstrangige) Ziel der Studie bezeichnet.

Es ist das allgemeine Ergebnis der Studie, das anhand eines klinischen PrĂŒfplans beurteilt wird.[1] Am primĂ€ren Endpunkt kann festgestellt werden, ob die angewendeten Maßnahmen (im Allgemeinen eine medizinische Behandlung) erfolgreich waren. Beispielsweise kann die Überlebensrate oder das Risiko eines RĂŒckfalls (Rezidiv) als primĂ€rer Endpunkt definiert werden. In der Studie werden dann diese Kriterien bei der behandelten Gruppe mit denen der Kontrollgruppe verglichen. Die primĂ€ren Endpunkte mĂŒssen vor dem Beginn der Studie festgelegt werden.[2] Die Erreichung des primĂ€ren Endpunktes entscheidet ĂŒber den Erfolg oder Misserfolg einer Studie.[3]

O’Neill definiert den primĂ€ren Endpunkt als:

“a clinical endpoint that provides evidence sufficient to fully characterize clinically the effect of a treatment in a manner that would support a regulatory claim for the treatment.”

„klinischen Endpunkt, der den Beweis liefert, der ausreicht, um den Effekt einer Therapie klinisch vollstĂ€ndig so zu beschreiben, dass er den regulatorischen AnsprĂŒchen fĂŒr eine Therapie genĂŒgt.“[4]

Festlegung des primÀren Endpunktes

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Vor dem Beginn (a priori) einer klinischen Studie wird der primĂ€re Endpunkt als das Hauptziel der Studie festgelegt.[2][5] Wichtig ist dabei, dass möglichst „harte“, das heißt messbare und klar definierte Kriterien festgelegt werden. Harte Kriterien sind beispielsweise:

  • Remission (kompletter RĂŒckgang aller Zeichen der Erkrankung)[3]
  • Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung)[3]
  • Tod innerhalb von 30 Tagen nach der Intervention[1]
  • Zeit bis zum Eintreten eines Herzinfarktes oder Tod[1]

„Weiche“ Endpunkte, wie beispielsweise LebensqualitĂ€t[3] oder Schmerzen,[3] sind nicht quantifizierbare GrĂ¶ĂŸen. FĂŒr eine Festlegung als primĂ€rer Endpunkt sind sie nur sehr bedingt geeignet. Sie fließen gegebenenfalls in die sekundĂ€ren Endpunkte mit ein.

Der primÀre Endpunkt einer Studie kann dabei zusammen mit der genehmigenden Behörde (beispielsweise der FDA) festgelegt werden.[6]

Surrogat-Marker

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siehe auch Hauptartikel Surrogat-Marker

Surrogat-Marker sind Laborparameter, die am Patienten gemessen werden können. Beispiele hierfĂŒr sind: die Leukozytenzahl, der Blutdruck, die Knochendichte und vieles andere mehr. Die Werte von einem oder mehreren Surrogat-Markern können prinzipiell auch als „harte“ (weil messbare) primĂ€re Endpunkte gewĂ€hlt werden. In diesem speziellen Fall spricht man dann auch von Surrogatendpunkt. Allerdings sind sie kein direkter Maßstab fĂŒr den klinischen Nutzen oder Schaden des therapeutischen Eingriffes. In der Vergangenheit gab es mit Surrogatendpunkten mehrere Studien, die zu fatal falschen SchlĂŒssen fĂŒhrten und die fĂŒr die spĂ€ter behandelten Patienten zum Teil erheblich negative Auswirkungen hatten. Eine pharmakodynamische Wirkung ist kein Beweis fĂŒr eine therapeutische Wirksamkeit.[1]

Beispiele fĂŒr Surrogatendpunkte mit – teilweise postulierten – Korrelationen sind:

Ein Beispiel fĂŒr einen falsch gesetzten Surrogat-Marker als primĂ€ren Endpunkt ist die Gabe von beta-Carotin an Raucher, zur PrĂ€vention von Lungenkrebs. Der primĂ€re Endpunkt (das Anheben des erniedrigten Vitaminspiegels) wurde zwar erreicht, aber die Gabe fĂŒhrte auch zu einer Zunahme der Lungenkrebs-MortalitĂ€t.[7]

Weitere Endpunkte

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Neben dem primĂ€ren Endpunkt werden ĂŒblicherweise auch ein oder meist mehrere sekundĂ€re Endpunkte gesetzt. Gelegentlich auch tertiĂ€re Endpunkte.[8] BezĂŒglich der möglichen Nebenwirkungen der Maßnahmen werden auch Sicherheits-Endpunkte zum Schutz der Patienten gesetzt.[1] Unter einem kombinierten Endpunkt schließlich versteht man eine Kombination aus mehreren einzelnen Kriterien, von denen eines oder mehrere erreicht sein mĂŒssen, um die BestĂ€tigung einer Hypothese vornehmen zu können.

Beispiele fĂŒr primĂ€re Endpunkte

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In einer Studie zur Therapie der rezidiven/refraktĂ€ren chronisch lymphatischen LeukĂ€mie vom B-Zell-Typ (B-CLL) war der primĂ€re Endpunkt das Ansprechen der Patienten (Remissionsraten) auf die Therapie. Der sekundĂ€re Endpunkt waren progressionsfreies Überleben, GesamtĂŒberleben sowie VertrĂ€glichkeit und Sicherheit der Therapie.[9]

In der ASCOT-Studie wurde die prophylaktische Wirkung des ACE-Hemmers Perindopril und des Calciumkanalblockers Amlodipin bei Bluthochdruckpatienten untersucht. PrimĂ€rer Endpunkt war hierbei «nicht tödlicher Herzinfarkt und tödliche koronare Herzkrankheit». SekundĂ€re Endpunkte waren unter anderem «MortalitĂ€t fĂŒr alle Todesursachen, die kardiovaskulĂ€re MortalitĂ€t, tödlicher und nichttödlicher Schlaganfall und die Gesamtheit aller kardiovaskulĂ€ren Ereignisse und Eingriffe». TertiĂ€rer Endpunkt war die «Neumanifestation eines Diabetes».[8]

Erreichen des Endpunktes

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Wenn ein Patient den primÀren Endpunkt einer Studie erreicht, so wird dieser Patient von der Studie ausgeschlossen, so wie dies auch dem Begriff Endpunkt entspricht.
In vielen klinischen Studien wird der primĂ€re Endpunkt nicht erreicht. Dies ist aber keine Aussage bezĂŒglich einer möglichen Unwirksamkeit des Medikamentes. Möglicherweise wurde das zu testende Medikament in einer falschen Dosierung oder Formulierung verabreicht.

In einigen Studien werden die sekundÀren Endpunkte, aber nicht der primÀre Endpunkt erreicht. Auch der umgekehrte Fall kann eintreten.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 M. Wolbers: Statistische Methoden in der klinischen Forschung (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) (PDF). Basler Institut fĂŒr klinische Epidemiologie, UniversitĂ€t ZĂŒrich, 2007, S. 33.
  2. 1 2 National Cancer Institute: Dictionary of Cancer Terms: primary endpoint, abgerufen am 4. Dezember 2007.
  3. 1 2 3 4 5 K. Lechner: Anforderungen an die Informatik bei der Entwicklung neuer Medikamente (PDF; 1,0 MB). Medizinische UniversitÀt Wien.
  4. ↑ R. T. O’Neill: Secondary endpoints cannot be validly analyzed if the primary endpoint does not demonstrate clear statistical significance. In: Contr. Clin. Trials. 18/1997, S. 550–556, doi:10.1016/S0197-2456(97)00075-5.
  5. ↑ A. Diekmann: Methoden der Sozialforschung. 2006, ISBN 3-531-14362-X, S. 74.
  6. ↑ Serono gibt hoch signifikante positive Ergebnisse der Vergleichsstudie von Rebif¼ mit Avonex¼ bei multipler Sklerose bekannt, auf: chemie.de, 10. Mai 2001.
  7. ↑ M. Berger, I. MĂŒhlhauser: Arzneimittelsicherheit: Wirksamkeit von Medikamenten muss auch nach Zulassung geprĂŒft werden. In: Deutsches Ärzteblatt. 97, Ausgabe 4/2000, S. A-154. (aus New Engl J Med. 330, 1994, S. 1029 und 1996; 334, S. 1150)
  8. 1 2 Die ASCOT-BPLA-Studienergebnisse: Ein grosser Schritt vorwÀrts in der Prophylaxe kardiovaskulÀrer Ereignisse bei Bluthochdruckpatienten (Memento vom 16. Januar 2013 im Webarchiv archive.today) auf: presseportal.ch, 4. September 2005.
  9. ↑ CLL2K Protokoll-Synopse. (PDF) In: Deutsche CLL Studiengruppe. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  • G. Y. H. Chi: Multiple testings: Multiple comparisons and multiple endpoints. In: Drug Information Journal. 1. Oktober 1998, doi:10.1177/00928615980320S131.
  • Über Risikofaktoren und Endpunkte. In: Erfolgreich wissenschaftlich arbeiten in der Klinik. 2., ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Springer, Vienna 2005, ISBN 3-211-21255-8, S. 13–22.