Rauchwaren


Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete gegerbte, noch nicht zu Pelz verarbeitete Tierfelle. Der Begriff wird insbesondere im Pelzhandel selbst benutzt; die Singularform âRauchwareâ ist wenig gebrĂ€uchlich.
Namensherkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bezeichnung Rauchwaren leitet sich von dem Adjektiv ârauch, rauh/rauâ ab, das so viel wie âbehaart, zottigâ bedeutet. Der Ausdruck ist seit dem 9. Jahrhundert im Althochdeutschen nachweisbar,[1][2] spĂ€ter beispielsweise im MĂ€rchen Allerleirauh. In der eigentlichen, damaligen Bedeutung ist Allerleirauh ein aus verschiedenartigen Fellarten zusammengesetztes Pelzteil, das fĂŒr Pelzfutter und nach auĂen als VerbrĂ€mung genutzt wurde.[3] KrĂŒnitzâ EnzyklopĂ€die von 1812 vermerkt unter âRauchâ: âmit Wolle, Haaren oder Federn bewachsen, im Gegensatze zu glatt.â
Der Leipziger Rauchwarenkaufmann Friedrich JĂ€kel erinnerte sich 1985, dass ihm berichtet wurde, dass der Begriff als âRauchwareâ in Ă€lterer Zeit am Pelzzentrum des Leipziger BrĂŒhl in Gebrauch war und spĂ€ter in âRauhwareâ, wie in Ăsterreich, ĂŒbergegangen wĂ€re. Da aber die jĂŒdischen EinkĂ€ufer aus dem europĂ€ischen Osten das Wort wie âRuachwareâ aussprachen, hĂ€tte sich wieder der Name âRauchwareâ eingebĂŒrgert.[4]
In frĂŒheren Zeiten unterschied man noch nicht streng zwischen Rauchwaren und den Pelzwaren. Erst spĂ€ter wurde versucht, diese beiden Begriffe voneinander zu trennen.[5]
Wortverwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]WĂ€hrend das historische Wort âRauchwerkâ in der Regel Pelzkleider oder zumindest PelzverbrĂ€mungen an textiler Kleidung bezeichnete, bezog sich die Zusammensetzung mit âRauchwarenâ immer auf unverarbeitete Pelzfelle. WĂ€hrend in einem Pelzhandelsfachbuch des Jahres 1864 Rauchwaren noch den zu Leder verarbeiteten TierhĂ€uten gegenĂŒbergestellt wurden, betrachtet man inzwischen als nĂ€chstes GegenstĂŒck die âPelzwarenâ, Produkte aus immer verarbeiteten beziehungsweise konfektionierten Fellen.
Im Fachbuch âDie Rauchwarenveredlungâ aus dem Jahr 1925 wird noch strenger unterschieden:
âAls Rauchware bezeichnet man das Fell, sobald es zugerichtet ist. [âŠ] FĂŒhrt jemand in seiner Firma die Bezeichnung âFelleâ, so handelt er eben nur mit rohen BĂ€lgen. Schreibt er âRauchwarenâ ohne weiteren Zusatz, dann handelt er mit zugerichteten (gegerbten) oder mit zugerichteten und gefĂ€rbten Fellen, die jedoch nicht so weit verarbeitet sind, dass man sie sofort tragen könnte. [âŠ]â
âRauchwarenâ war als der ursprĂŒnglichere und umfassendere Begriff besonders geeignet, Weiterverbindungen zu bilden, wie âRauchwarenveredlungâ, âRauchwarenzurichtereiâ, âRauchwarenfĂ€rbereiâ, âRauchwarenhandelâ, âRauchwarenmarktâ und âRauchwarenwirtschaftâ, Mantelbegriffe fĂŒr alle Zweige des der Pelzfelle verarbeitenden Gewerbe und Industriearten.[7] Zuletzt wurde âRauchwarenâ in den Wortzsammensetzungen immer mehr durch den noch allgemeineren Begriff âPelzâ ersetzt. Laut dem letzten, 1989 erschienenen deutschsprachigen Fachbuch der Pelzbranche heiĂen veredelte Felle âjetzt allgemein Rauchwarenâ.[8]
Ein Fell mit dichtem, nicht straff anliegendem Haar wird im Handel als ârauchâ bezeichnet. Die KĂŒrschnerfachsprache kennt daneben GĂŒtebezeichnungen wie ĂŒberrauch, vollrauch, halbrauch, wenig rauch (etwas flach) und nichtrauch (flach). Diese durchaus weiter nuancierbaren Abstufungen bezeichnen âden Zustand des Haarwuchses beim Entpelzen im VerhĂ€ltnis zum Zustand der Vollreife innerhalb ein und derselben Artâ.[9] Der Ăberbegriff fĂŒr die Beschreibung des Haarzustandes ist âRaucheâ.
Rauchwaren sind Gegenstand eines weltweiten Handels, Rauchwarenhandel oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Pelzhandel genannt. RauchwarenhĂ€ndler, frĂŒher auch RauchhĂ€ndler[10], österreichisch RauhwarenhĂ€ndler, ist die entsprechende Berufsbezeichnung der Mitarbeiter dieser GroĂhandelsbranche.
Die Rauchwarenzurichtung, heute auch unter dem Sammelbegriff Rauchwarenveredlung, macht die Felle haltbar und fĂŒr den KĂŒrschner verarbeitungsfĂ€hig. Diese Verarbeitung Ă€hnelt der Gerberei, nur dass im Unterschied zu dieser bei der Zurichtung die Haare des Tierfells erhalten bleiben. Die Rauchwaren stellen somit das Ausgangsmaterial fĂŒr PelzgegenstĂ€nde dar. Diese werden ihrerseits gelegentlich noch als âRauchwerkâ bezeichnet.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bruno Schier: Zur Geschichte des Wortes âRauchwareâ (Technologisches Pelzfach-Wörterbuch). CB-Verlag Carl Boldt, Berlin 1950, 11 S.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Althochdeutsches Wörterbuch. rĂ»h bis rĂ»hiling (Bd. 7, Sp. 1204 bis 1207), awb.saw-leipzig.de. Abgerufen am 4. August 2022.
- â Elmar Seebold: Chronologisches Wörterbuch des deutschen Wortschatzes. Band 2: Der Wortschatz des 9. Jahrhunderts, 688b (rĆ«h)
- â Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die ErschlieĂung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.â18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation UniversitĂ€t Köln 1940, S. 68. Inhaltsverzeichnis. SekundĂ€rquellen Konrad Bahr: Handel und Verkehr der Deutschen Hanse in Flandern wĂ€hrend des 14. Jahrhunderts. Leipzig 1911, S. 139â143. J. Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. MĂŒnchen, Berlin 1928/1929, 2 BĂ€nde. Russische Wirtschaftsgeschichte, Bd. I, S. 276.
- â Friedrich JĂ€kel: Der BrĂŒhl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg. In: Rund um den Pelz Nr. 11, November 1985, S. 74.
- â Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die ErschlieĂung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.â18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation UniversitĂ€t Köln 1940, S. 2.
- â Kurt Nestler: Die Rauchwarenveredlung. Reihe Chemie, Gewerbe und Technik, Band 1, Deutscher Verlag, Leipzig, 1925, S. 2.
- â Bruno Schier: Zur Geschichte des Wortes âRauchwareâ.
- â Christian Franke, Johanna Kroll: Jury FrĂ€nkelâs Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. ĂŒberarbeitete und ergĂ€nzte Auflage. Rifra-Verlag, Murrhardt 1988, S. 362.
- â Ss: Entstehung und Bedeutung des Wortes Rauchware. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XX, Neue Folge, Nr. 3, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin (u. a.) 1970. S. 29â30.
- â Heinrich Gottlieb KreuĂler: Geschichte der UniversitĂ€t Leipzig: von ihrem Ursprunge bis auf unsre Zeiten. - Nebst einem vollstĂ€ndigen Stipendienverzeichnisse. C. A. Solbrig, Leipzig, 1810. Internet Archive, S. 170 (PDF-Datei). Abgerufen am 31. MĂ€rz 2020.