Rotbuchenwald
RotbuchenwĂ€lder sind von Rotbuchen beherrschte WaldbestĂ€nde. Da die einzige mitteleuropĂ€ische Buchenart die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist (die sogenannte Hainbuche gehört zu den BirkengewĂ€chsen), spricht man zumeist von BuchenwĂ€ldern. Vom SĂŒdosten Europas an nach Osten hin vorkommende WĂ€lder der Orient-Buche (Fagus sylvatica ssp. orientalis) und der zwischen dieser und der typischen Rotbuche vermittelnden mösischen Buche (Fagus sylvatica ssp. moesiacea) entsprechen ökologisch und im Erscheinungsbild den aus Mitteleuropa vertrauten BuchenwĂ€ldern.
Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]BuchenwĂ€lder findet man von Mittel- bis Osteuropa bis zur montanen Stufe. Im Mittelmeerraum kommen sie in der Bergwaldstufe der Gebirge vor. Im osteuropĂ€ischen Tiefland werden sie nach und nach durch Eichen-Hainbuchen-WĂ€lder ersetzt. Nach Norden sind BuchenwĂ€lder bis SĂŒdschweden und SĂŒdengland verbreitet, in Norwegen in direkter MeeresnĂ€he bis zu den Lofoten. Die artenreichsten BuchenwĂ€lder Europas finden sich im Norden der Balkan-Halbinsel (Kroatien). BestĂ€nde mit der östlichen Unterart Orientbuche kommen noch bis auf die Krim-Halbinsel (vgl. unter Krim-Buche) und im Pontischen Gebirge vor.
BuchenwĂ€lder können in den SĂŒd- und SĂŒdostalpen die natĂŒrliche Baumgrenze bilden und hier bis ĂŒber 1800 Meter Höhe wachsen. In Mitteleuropa und in den Nordalpen werden sie ab etwa 800 bis 1000 Meter Höhe von Nadelbaumarten, vor allem der Fichte, abgelöst.
Mitteleuropa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]RotbuchenwĂ€lder haben in Mitteleuropa ihr weltweites Verbreitungszentrum. Sie gelten als bestimmende Vegetationsform Mitteleuropas. Man nimmt an, dass sie in vielen Regionen beinahe ausschlieĂlich die potenzielle natĂŒrliche Vegetation bilden, so dass Waldtypen mit Vorherrschaft anderer Baumarten nur auf Sonderstandorten vorkommen wĂŒrden. Das potenzielle natĂŒrliche Gesamtareal der durch Rotbuchen geprĂ€gten WĂ€lder wĂŒrde demnach europaweit rund 90,7 Mio. ha umfassen. Der deutsche Anteil des Areals betrĂ€gt rund 23 Mio. ha. Der tatsĂ€chliche Buchenwaldbestand umfasst jedoch nur noch 1,565 Mio. ha (= 4,5 % der heutigen BundesflĂ€che oder 7 % des ursprĂŒnglichen Buchenwaldareals in Deutschland). Nach einschlĂ€gigen SchĂ€tzungen dĂŒrfte das ursprĂŒngliche Areal in Europa um mehr als 85 % geschrumpft sein, wobei sich fast die HĂ€lfte dieser noch vorhandenen BestĂ€nde in nur vier europĂ€ischen Staaten konzentriert (RumĂ€nien, Deutschland, Frankreich und Slowenien).
Die traditionelle Annahme, dass der Rotbuchenwald die potentielle natĂŒrliche Vegetation der meisten Gebiete Mitteleuropas darstellt, wird mittlerweile von einigen Wissenschaftlern in Frage gestellt. Eine alternative Hypothese (Megaherbivorenhypothese) besagt, dass die gegen Verbiss sehr empfindliche Rotbuche unter natĂŒrlicher Anwesenheit groĂer Pflanzenfresser wie Wisente, Auerochsen und Hirsche, anderen Baumarten wie etwa der Eiche unterlegen wĂ€re. Demnach wĂ€re der Buchenwald nicht die bestimmende Vegetation Mitteleuropas, sondern offene, von Eichen dominierte WĂ€lder, Ă€hnlich den ehemaligen HutewĂ€ldern. Erst als der Mensch im Verlauf des HolozĂ€n die groĂen Pflanzenfresser stark dezimierte, konnte die Buche auf groĂer FlĂ€che FuĂ fassen. Der Umstand, dass die Rotbuche erst vor etwa 4.000 Jahren begann, die WĂ€lder Mitteleuropas zu dominieren, spricht fĂŒr diese Theorie.
NatĂŒrliche bzw. naturnahe RotbuchenwĂ€lder sind so selten geworden, dass sie heute als unersetzliches Naturerbe und wertvollster Naturschatz der EU gelten. Der Anteil urwaldĂ€hnlicher (unversehrter) BuchenbestĂ€nde dĂŒrfte nach SchĂ€tzung von Panek europaweit bei weit unter 5 % liegen.[1] Die mit Abstand gröĂten BuchenurwĂ€lder und Quasi-UrwĂ€lder befinden sich mit insgesamt 141.086 ha in RumĂ€nien, insbesondere in den Karpaten. Obwohl viele FlĂ€chen einen Schutzstatus aufweisen, sind sie im Bergland durch Abholzung und in den ĂŒbrigen Gebieten zudem durch Beweidung stark gefĂ€hrdet.[2] Weitere bedeutende urwaldĂ€hnliche FlĂ€chen befinden sich in den Karpaten der Ukraine und der Slowakei, von denen insgesamt 33.671 ha im Jahr 2007 von der UNESCO anerkannt wurden.
Obwohl Deutschland reich an WeltkulturerbestĂ€tten ist, weist es nur wenige NaturerbestĂ€tten auf. Vor diesem Hintergrund beantragte die Bund/LĂ€nder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) auf Vorschlag des Saarlandes 2004, die wertvollsten Relikte naturbelassener BuchenwĂ€lder als Teil des EuropĂ€ischen Buchenwalderbes durch die Bundesregierung der UNESCO als Weltnaturerbe vorzuschlagen.[3] Am 25. Juni 2011 wurden die âAlten BuchenwĂ€lder Deutschlandsâ von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklĂ€rt. Derzeit handelt es sich um fĂŒnf ausgewĂ€hlte WaldflĂ€chen in bestehenden Schutzgebieten mit einer GesamtflĂ€che von 4.391 ha.[4] Heute gehören sie zusammen mit den vorgenannten WĂ€ldern in den ukrainischen und slowakischen Karpaten zum Weltnaturerbe âBuchenurwĂ€lder und Alte BuchenwĂ€lder der Karpaten und anderer Regionen Europasâ.
Vegetationskundliche Stellung der RotbuchenwÀlder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pflanzensoziologisch werden in der Klasse Querco-Fagetea alle LaubwĂ€lder Mitteleuropas (mit Ausnahme der BruchwĂ€lder) zusammengefasst. Die BuchenwĂ€lder und einige in der Artenkombination und Ăkologie Ă€hnliche Waldtypen bilden darin die Ordnung Fagetalia sylvaticae. Die meisten Autoren fassen alle von Rotbuche in der Baumschicht dominierten BestĂ€nde im Verband Fagion sylvaticae zusammen (manche trennen die bodensauren BuchenwĂ€lder ab und fassen sie mit den EichenwĂ€ldern in der Ordnung Quercetalia robori-petraeae zusammen). Die Gliederung innerhalb der BuchenwĂ€lder erfolgt nach Standorteigenschaften, Höhenstufen, z. T. auch arealgeographischer Besonderheiten. Die Gliederung der mitteleuropĂ€ischen BuchenwĂ€lder auĂerhalb der Gebirgslagen wird beinahe ausschlieĂlich anhand der Standorteigenschaften durchgefĂŒhrt, so dass die Waldgesellschaften zu einer ökologischen Reihe geordnet werden können. Die Gliederung in Assoziationen wird unten dargestellt.
Baumartenzusammensetzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Baumart Rotbuche zeichnet sich durch sehr starken Schattenwurf der Baumkrone, geringe LichtbedĂŒrftigkeit der Keimlinge und Jungpflanzen sowie sehr rasches Jugendwachstum aus und ist dadurch auf ihr zusagenden Standorten beinahe allen anderen Baumarten konkurrenzĂŒberlegen. BuchenwĂ€lder sind dadurch in vielen FĂ€llen arm an Begleit- und Mischbaumarten. Selbst in Regionen und auf Standorten, an denen die Rotbuche an der Grenze ihrer physiologischen Lebensmöglichkeiten wĂ€chst, können sich noch reine BuchenwĂ€lder finden. Viele MischwĂ€lder mit Rotbuchen-Beteiligung verdanken ihre Existenz dem Menschen (Forstwirtschaft und frĂŒhere Waldnutzungspraktiken wie Waldweide, Streunutzung, Niederwaldwirtschaft) und wĂ€ren von Natur aus buchenreicher. Wichtige natĂŒrliche Begleitbaumarten der Rotbuche sind:
- WeiĂtanne (Abies alba). Sie begleitet die Buche regelmĂ€Ăig in den höheren Mittelgebirgen und der montanen Bergwaldstufe der Gebirge, fehlt aber in den westlichen Mittelgebirgen. Tannen kommen im Buchenwald auf sauren und basenreichen Böden gleichermaĂen vor. Die Baumart WeiĂtanne hat Ă€hnliche ökologische AnsprĂŒche und ein Ă€hnliches Verbreitungsgebiet, so dass auch die reinen TannenwĂ€lder der Gebirge zum Verband der BuchenwĂ€lder gerechnet werden, weil ihre ĂŒbrige Artenkombination sehr Ă€hnlich ist. In vielen Gebirgen und Mittelgebirgen kommen in der Bergwaldstufe neben der WeiĂtanne auch Fichten (Picea abies) vor und bauen BergmischwĂ€lder auf.
- Die Eichenarten Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) vermögen sich meist nur auf sehr sauren Böden neben der Rotbuche zu behaupten. MischwĂ€lder mit Eichen kommen auch auf trockenen, flachgrĂŒndigen Kalkböden vor, hier aber meist vom Menschen gefördert.
- die so genannten Edellaubhölzer, vor allem Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) sind auf nÀhrstoffreichen Böden am Buchenwald beteiligt.
- unter dem Buchenschirm wachsen gelegentlich immergrĂŒne Baumarten, die noch schattenvertrĂ€glicher als die Buche sind. Dies ist im atlantischen Klimabereich auf sauren Böden die Stechpalme (Ilex aquifolium), auf kalkreichen Böden die Eibe (Taxus baccata). Diese niedrig bleibenden Baumarten können ein unteres, zweites Baumstockwerk aufbauen.
Ăkologie
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Die vielfÀltigen AusprÀgungen des Buchenwaldes sind abhÀngig vom Boden, der Höhenlage und nicht zuletzt von seiner Bewirtschaftung. Das Klima und die Bodeneigenschaften, wie zum Beispiel der Kalk- und Basengehalt, bestimmen unter anderem, aus welchen Arten der Unterwuchs besteht; vor allem der Wasserhaushalt bestimmt, wie hoch die Rotbuchen werden.
Trotz der Dominanz der Rotbuche ist ein naturbelassener Buchenwald keineswegs artenarm. Naturnahe BuchenwĂ€lder mit einem hohen Anteil an alten BĂ€umen, stehendem sowie liegendem Totholz bieten ein ideales Habitat fĂŒr viele Tier- und Pflanzenarten. In einem solchen Wald sind viele natĂŒrliche Höhlen vorhanden, in denen HöhlenbrĂŒter, FledermĂ€use und viele andere Lebewesen Brutraum und Unterschlupf finden. Die Erhaltung und Förderung solcher Strukturen ist daher von groĂer Bedeutung fĂŒr den Erhalt der biologischen Vielfalt in BuchenwĂ€ldern.[5] Aufgrund seiner Bedeutung fĂŒr viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten wurde der Buchenwald zum Biotop des Jahres 1995 gewĂ€hlt.
Einige typische, in RotbuchenwĂ€ldern vorkommende Krautarten sind Waldmeister (Galium odoratum), Wald-Schwingel (Festuca altissima), Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Hasenlattich (Prenanthes purpurea) und QuirlblĂ€ttrige WeiĂwurz (Polygonatum verticillatum).
Gliederung der RotbuchenwÀlder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moder-BuchenwÀlder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Unterverband des Luzulo-Fagenion wĂ€chst auf bodensauren, basenarmen Standorten mit der Humusform âModerâ, die sich durch Auflagen nur schwach zersetzter Pflanzenstreu auf der BodenoberflĂ€che auszeichnet. Bodensaure BuchenwĂ€lder sind meist arm an Unterwuchsarten, die vorkommenden Arten kommen fast alle auch in anderen bodensauren Waldtypen vor. ModerbuchenwĂ€lder wachsen auch auf Böden, deren SĂ€uregehalt so hoch ist, dass die Toleranzgrenze der Rotbuche erreicht ist. Charakterarten sind WeiĂliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Differentialarten sind Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa) und Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).
Artenarmer Moderbuchenwald
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Artenarme ModerbuchenwĂ€lder gedeihen auf sehr sauren Böden. In der Baumschicht sind bereits viele Stieleichen vorhanden und der SĂ€urezeiger Besenheide (Calluna vulgaris) kommt vor, so dass diese Assoziation einen Ăbergang zu den EichenwĂ€ldern darstellt. Diese ĂbergangsbestĂ€nde wurden frĂŒher oft als Eichen-Buchen-WĂ€lder (Fago-Quercetum) bezeichnet. Da sie keine Charakterarten besitzen, vermeidet man heute, von einer Assoziation zu sprechen.
Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagenion)
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Der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum Meusel 1937) gilt als die hĂ€ufigste und am weitesten verbreitete Buchenwaldgesellschaft. Seine Verbreitung erstreckt sich von der Schweiz im SĂŒden bis nach SĂŒdschweden im Norden sowie von den Ardennen im Westen bis zu den Karpaten im Osten. Er kommt vom Tiefland bis in die montanen Lagen vor. Man findet ihn auf sauren Böden mit Sand, Sandstein oder Schiefer als Untergrund. Die Gesellschaft ist artenarm und besteht aus der Baumschicht, typischerweise keiner Strauchschicht und einer oft spĂ€rlichen und lĂŒckigen Krautschicht. Der Unterwuchs wird von sĂ€ureliebenden Arten, wie der WeiĂlichen Hainsimse (Luzula luzuloides) gebildet. Obwohl sehr viele BestĂ€nde in Fichtenforste umgewandelt wurden, gehört sie immer noch zu den am weitesten verbreiteten Waldgesellschaften Mitteleuropas. Je nach Standort und Boden kann der Hainsimsen-Buchenwald in lokale Subassoziationen und Varianten unterschieden werden.
Das Luzulo-Fagetum milietosum kommt auf Lösslehmböden vor und ist reicher an etwas basenbedĂŒrftigeren Arten wie Schattenblumen (Maianthemum bifolium) oder Wald-Flattergras (Milium effusum). Diese ĂbergangsbestĂ€nde werden von manchen Vegetationskundlern auch als Assoziation (Milio-Fagetum oder auch Maianthemo-Fagetum) gefasst.
In BestĂ€nden des mitteleuropĂ€ischen Tieflands fehlt Luzula luzuloides, ansonsten sind diese WĂ€lder in der Artenzusammensetzung, Ăkologie und Erscheinungsform beinahe identisch. Manche Autoren belassen diese WĂ€lder beim Luzulo-Fagetum, andere sind der Auffassung, dies sei aufgrund des Charakterarten-Prinzips der Pflanzensoziologie nicht statthaft. Sie fassen diese ModerbuchenwĂ€lder des Tieflands in eine eigene Assoziation, das Deschampsio-Fagetum (Drahtschmielen-Buchenwald), benannt nach der Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa syn. Avenella flexuosa).
In der Bergwaldstufe, in den Ostalpen und östlichen Mittelgebirgen, wird der Hainsimsen-Buchenwald abgelöst vom Reitgras-Fichten-Buchenwald, Calamagrostio villosae-Fagetum.
Mull-BuchenwÀlder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit abnehmendem SĂ€uregehalt des Bodens gehen die Moder-BuchenwĂ€lder in Waldtypen ĂŒber, die den Unterverband der Mull-BuchenwĂ€lder (Galio odorati-Fagetum) bilden. Humusform ist hier âMullâ, bei welchem die Blattstreu und die anderen organischen Reste durch RegenwĂŒrmer in den Boden eingearbeitet sind und deshalb im Sommerhalbjahr nicht als Auflage auf der BodenoberflĂ€che liegen. Der Mull-Buchenwald steht in der Mitte zwischen den AusprĂ€gungsformen der extremeren Standorte, er hat deshalb wenig eigene Differential- und Charakterarten. Heute werden meist nur noch zwei Assoziationen anerkannt:
Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum)
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Der Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum Sougez et Thill) kommt auf lehmigen, etwas basenhaltigen Böden von der Ebene bis ins Bergland vor. Oft sind es geschlossene âHallen-BuchenwĂ€lderâ, welche durch reine und hochwĂŒchsige BuchenbestĂ€nde gebildet werden. Es wird nur eine schwache Strauchschicht ausgebildet. In der Krautschicht herrschen vor allem sĂ€urezeigende und sĂ€uretolerante Arten vor. Waldmeister-BuchenwĂ€lder besitzen keine eigenen Krautarten, sie werden nur dadurch charakterisiert, dass sowohl starke SĂ€urezeiger (des Luzulo-Fagetum) wie auch Kalkzeiger (des Hordelymo-Fagetum) fehlen. Typische Krautarten im Waldmeister-Buchenwald sind z. B. Waldmeister (Galium odoratum, syn. Asperula odorata), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), EinblĂŒtiges Perlgras (Melica uniflora).
Waldgersten-Buchenwald (Hordelymo-Fagetum)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Waldgersten-Buchenwald (Hordelymo-Fagetum) oder âfrische Kalkbuchenwaldâ ersetzt den Waldmeister-Buchenwald auf nĂ€hrstoffreicheren, meist kalkhaltigen, Böden. Er kommt vom nördlichen Mitteleuropa ĂŒber den Teutoburger Wald und entlang der OstseekĂŒste bis nach SĂŒdskandinavien vor. Der Unterwuchs ist artenreicher. Als Differentialarten treten Basenzeiger wie das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), die FrĂŒhlings-Platterbse (Lathyrus vernus), die Haselwurz (Asarum europaeum), die NesselblĂ€ttrige Glockenblume (Campanula trachelium) und der Echte Seidelbast (Daphne mezereum) auf. Charakterarten sind die Waldgerste (Hordelymus europaeus) und selten auch das Christophskraut (Actaea spicata).
JĂŒngeren Veröffentlichungen nach ist die Artenkombination und Artenvielfalt des Hordelymo-Fagetum vor allem auf die ehemalige Nutzung dieser Waldstandorte als Eichen-Hainbuchen-Mittelwald zurĂŒckzufĂŒhren. Diese wirkt sich immer noch durch die jahrhundertelange Beeinflussung der Samenbank im Boden auf die heutigen WĂ€lder aus. Die in jĂŒngerer Zeit vielfach beobachteten vegetationskundlichen VerĂ€nderungen in Waldgersten-BuchenwĂ€ldern lassen sich vielfach auf das zeitbedingte Nachlassen dieses Einflusses zurĂŒckfĂŒhren.[6]
Trockenhang-KalkbuchenwÀlder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sie kommen auf nur flachgrĂŒndigen, kalkhaltigen Böden, meist an steilen HĂ€ngen, vor. Vom Waldgersten-Buchenwald unterscheiden sie sich durch die gröĂere Bodentrockenheit. Im Flachland fehlen sie ganz. Viele Arten, die auf diesen speziellen Buchenwaldtyp angewiesen sind, sind stark gefĂ€hrdet. Die Trockenhang-KalkbuchenwĂ€lder werden meist im Unterverband Cephalanthero-Fagenion zusammengefasst.
Seggen-Buchenwald (oder Orchideen-Buchenwald) (Carici-Fagetum)
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Der Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum Moor 1952) kommt auf flach- bis mittelgrĂŒndigen, frischen bis wechseltrockenen Kalkstein- und Dolomitböden vor. Standort sind hĂ€ufig sĂŒdexponierte Hanglagen. Der Orchideen-Buchenwald wĂ€chst hĂ€ufig auf stabilisiertem Hangschutt. Da die Rotbuche sich auf diesen Standort nicht optimal entwickeln kann, ist sie mit zahlreichen Lichtbaumarten vergesellschaftet. Der Unterwuchs wird groĂteils von wĂ€rmeliebenden Arten gebildet, wobei lichtliebende Seggenarten (Carex) verbreitet sind. Es treten seltene und teilweise auffĂ€llig blĂŒhende Orchideen wie der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) oder verschiedene Waldvögeleinarten (Cephalanthera) auf.
Blaugras-Buchenwald (Seslerio-Fagetum)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Blaugras-Buchenwald (Seslerio-Fagetum Moor) kommt vor allem auf windexponierten, flach- bis mittelgrĂŒndigen HĂ€ngen sowie auf Graten aus Dolomit- oder Kalkgestein vor. Er ist beinahe ausschlieĂlich in den Alpen verbreitet, nördlich davon kommt er nur sehr selten in den höheren Mittelgebirgen wie in Hochlagen der kalkreichen SchwĂ€bischen Alb (GroĂer Heuberg) vor.[7] Er besiedelt auch wenig entwickelte, trockene Böden mit schlechter WasserspeicherkapazitĂ€t. Auf solchen Böden ist der Bestand nur lĂŒckenhaft und die Rotbuche wĂ€chst meist strauchförmig. WĂ€hrend die Strauchschicht gut entwickelt ist, ist die Krautschicht meist schlecht ausgebildet und setzt sich vor allem aus licht- und trockenheitsliebenden Arten zusammen. Als Differentialarten treten zum Beispiel das Kalk-Blaugras (Sesleria albicans), das Bunte Reitgras (Calamagrostis varia), der Wald-HahnenfuĂ (Ranunculus nemorosus), und die Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) auf.
Nationalparks in Deutschland mit BuchenwÀldern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nationalpark Hainich â Kalk-BuchenwĂ€lder
- Nationalpark Kellerwald-Edersee â Hainsimsen-BuchenwĂ€lder
- Nationalpark Eifel â Hainsimsen-BuchenwĂ€lder
- Nationalpark Jasmund â verschiedene Buchenwaldtypen
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5., stark verÀnderte und verbesserte Auflage. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-2696-6.
- Peter Mertz: Pflanzenwelt Mitteleuropas und der Alpen. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-55-4, S. 62â75.
- Norbert Panek: Deutschland, deine BuchenwĂ€lder: Daten â Fakten â Analysen. 1. Auflage. Ambaum-Verlag, Vöhl-Basdorf 2016, ISBN 978-3-940616-24-1 (207 S.).
- Richard Pott: Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. Ulmer, Stuttgart 1995, ISBN 3-8252-8067-5.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Rotbuchenwald im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- www.natura2000.munlv.nrw.de â Fachdokumentation zum Lebensraum Buchenwald im Rahmen der Natura 2000 des Landes NRW
- Pflege, Erhaltung und Bewirtschaftung der BuchenwĂ€lder des nordostdeutschen Tieflands. (PDF) nabu.de, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 30. September 2007; abgerufen am 4. Mai 2017. â Der NABU ĂŒber die Folgen der Bewirtschaftungsformen der BuchenwĂ€lder im norddeutschen Tiefland (PDF-Datei; 83 kB)
- BuchenwĂ€lder â BroschĂŒre des DFWR ĂŒber BuchenwĂ€lder (PDF-Datei; 10,2 MB)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Norbert Panek: Deutschlands internationale Verantwortung: RotbuchenwĂ€lder im Verbund schĂŒtzen. Gutachten im Auftrag von Greenpeace e. V., 2011
- â Hans D. Knapp, Almut Spangenberg (Red.): EuropĂ€ische Buchenwaldinitiative. BfN-Skripten 222, Vilm 2007. Online-Version (PDF; 19,3 MB)
- â Natur und Landschaft Heft 5 2008; sowie Protokoll der 87. LANA Sitzung vom 4./5. MĂ€rz 2004.
- â UNESCO-Weltnaturerbe BuchenwĂ€lder
- â Thibault Lachat, P. Brang, M. Bolliger, K. Bollmann, U.-B. BrĂ€ndli, R. BĂŒtler, B. Herrmann Wermelinger: Totholz im Wald. Entstehung, Bedeutung und Förderung. Band 52. Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf Mai 2019 (wsl.ch [abgerufen am 28. September 2023]).
- â David Vollmuth: Die Nachhaltigkeit und der Mittelwald. Eine interdisziplinĂ€re vegetationskundlich-forsthistorische Analyse â oder: Die pflanzensoziologisch-naturschutzfachlichen Folgen von Mythen, Macht und Diffamierungen (= Göttinger Forstwissenschaften. Band 10). UniversitĂ€tsverlag Göttingen, Göttingen 2021, ISBN 978-3-86395-492-5, S. 317â396, doi:10.17875/gup2021-1602 (570 S.).
- â 3. Abgerufen am 14. September 2021.