Schiffsheizer
Schiffsheizer war ein Beruf in der Seeschifffahrt und Binnenschifffahrt, und zwar sowohl in der Handelsschifffahrt als auch der Marine. Der Beruf ist heute ausgestorben. Man findet Schiffsheizer nur noch auf Museumsschiffen. Im Seemannsslang hat sich "Heizer" aber als liebevoll spöttischer Sammelbegriff fĂŒr das Maschinenpersonal erhalten.

Der Schiffsheizer hatte die ihm anvertrauten Dampfkessel so zu bedienen, dass jederzeit ausreichend Dampf in der benötigten Spannung (Druck) zum Betrieb der Schiffs-Kolbendampfmaschinen oder Schiffs-Dampfturbinen zur VerfĂŒgung stand. Zu dieser Bedienung gehörten das regelmĂ€Ăige und kontrollierte Aufwerfen und DurchstoĂen von Kohle, die Kontrolle des Kessel-Wasserstandes, die Nachspeisung mit Kessel-Speisewasser, die regelmĂ€Ăige Reinigung der Feuer, die Beseitigung der entstandenen Asche, die Versetzung des Kesselwassers mit Chemikalien, die die Bildung von Kesselstein bzw. Mineralstoffablagerungen verhindern sollten (zum Beispiel Soda und Natriumphosphat), Reinigungs- und Reparaturarbeiten und ggfs. auch das Kohletrimmen, falls dazu keine Kohlentrimmer und Kohlenzieher zur VerfĂŒgung standen. Darunter versteht man das Heranschaffen von Kohle aus den zum Teil weit entfernten Kohlebunkern.
Die Arbeit wurde in der Regel im 3-Wachen-Törn gefahren. Das bedeutete, dass ein Heizer 4 Stunden arbeitete, 8 Stunden Ruhezeit hatte und dann nochmals einen Törn von 4 Stunden Arbeit plus 8 Stunden Ruhezeit abhielt. 24 Stunden bestanden folglich aus 8 Stunden Arbeit und 16 Stunden Freiwache. Insgesamt wurden 3 Wachen benötigt, um den Betrieb rund um die Uhr (24 Stunden) aufrechtzuerhalten. Im Hafen wurde dieser Rhythmus hĂ€ufig geĂ€ndert, das heiĂt im Hafenbetrieb wurde 8 Stunden gearbeitet und 16 Stunden waren frei (Freiwache), um auch LandgĂ€nge zu ermöglichen.
Die Arbeit in den zum Teil dunklen und heiĂen (30â40 °C, in tropischen GewĂ€ssern bis zu 60 °C) KesselrĂ€umen der Schiffe war Ă€uĂerst anstrengend, krĂ€fteraubend und nicht ungefĂ€hrlich. Verbrennungen und VerbrĂŒhungen durch undichte Ventile oder Rohrleitungen kamen oft vor. Ein geĂŒbter Schiffsheizer konnte unter BerĂŒcksichtigung aller Arbeiten pro Stunde maximal etwa 750 kg Kohle verfeuern. FĂŒr seine Arbeit stand ihm das so genannte Feuergeschirr, verschiedene Werkzeuge wie Kohlenschaufel, SchleuĂe, ReinmachkrĂŒcke, AschfallkrĂŒcke, Pricker, RohrbĂŒrste und Rostenzange zur VerfĂŒgung. Es handelte sich um lange Eisenstangen von 20â30 kg Gewicht, die mit besonderen Enden fĂŒr den entsprechenden Verwendungszweck ausgestattet waren.
Der Beruf des Schiffsheizers erfuhr mit der Umstellung auf ölgefeuerte Kessel eine erhebliche Erleichterung und verlor mit der EinfĂŒhrung von diesel(motor)getriebenen Schiffen an Bedeutung.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl Helbig: Seefahrt vor den Feuern. 1987, ISBN 3-925769-02-1
- A. S. Alexandrow: Praktischer Leitfaden fĂŒr Schiffsheizer. Fachbuchverlag Leipzig, 1953
- Wilhelm Leder: Schiffsmaschinenkunde, Bd. II: Schiffsdampfkessel. Fachbuchverlag Leipzig, 1957
- JĂŒrgen Taggesell: Bilddokumente alter Schiffskolbendampfmaschinen.
- Bösche, Hochhaus, Pollem, Taggesell u. a.: Dampfer, Diesel und Turbinen. 2005, ISBN 3-934613-85-3
- Armin Wulle: Der Stettiner Vulcan. Koehler, ISBN 3-7822-0475-1
- K. E. Th. Schlippe: Die Dampfkessel und ihr Betrieb. 1913
- A. Loschge: Die Dampfkessel.
- B. Traven: Das Totenschiff. 1926