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Schulprogramm

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Ein Schulprogramm ist ein schriftliches Dokument, in dem eine Schule ihr Leitbild konkretisiert und mittel- bis langfristige Schwerpunkte der QualitĂ€tsentwicklung setzt. Es wirkt als Orientierungshilfe im Prozess der Schulentwicklung und hat verbindlichen Charakter fĂŒr die Schulgemeinschaft. Es basiert auf dem Schulprofil.

Die bildungspolitisch eingeforderte StĂ€rkung der Eigenverantwortung der Einzelschule setzt eine kontinuierliche Selbstreflexion, Analyse der Praxis und Rechenschaftslegung ĂŒber die geleistete und zu leistende Arbeit voraus.

Alle an Schule Beteiligten (Schulleitung, Lehrerkollegium, Eltern, SchĂŒler, externe Partner) bĂŒndeln im Rahmen der Erarbeitung des Schulprogramms ihre KrĂ€fte und geben ihrem Handeln systematisch und transparent eine Leitlinie und Arbeitsgrundlage vor dem Hintergrund der konkreten Bedingungen an der Bildungseinrichtung.

Das Schulprogramm dient neben der innerschulischen VerstĂ€ndigung und Teambildung auch der konkreten Ausgestaltung der Vorgaben und FreirĂ€ume, die im Schulgesetz des jeweiligen Bundeslandes festgelegt sind. Dabei wird Unterricht als Kern der schulischen Arbeit betrachtet. Haben alle Beteiligten Gelegenheit, ihre QualitĂ€tsvorstellungen zu diskutieren und finden sie zu einer gemeinsamen Vision, dann lassen sich Synergieeffekte fĂŒr die Verwirklichung der abgeleiteten Ziele nutzen.

Zur Schulprogrammarbeit gehört die klare Bestimmung der Wege zur Zielerreichung, konkreter Maßnahmen sowie Verantwortlichkeiten. Die Einhaltung der Festlegungen kann von den Partnern eingefordert werden. Auf der Grundlage des Schulprogramms erfolgt die regelmĂ€ĂŸige Rechenschaftslegung nach innen (z. B. gegenĂŒber dem Lehrerkollegium) und nach außen (z. B. PrĂ€sentation der Schule gegenĂŒber Eltern und Kooperationspartnern).

Wird das Schulprogramm als Instrument zur systematischen Schulentwicklung verstanden, so erhĂ€lt es eine Doppelfunktion: Zum einen ist es ein Entwicklungsinstrument fĂŒr die Schulen, wird bei der regelmĂ€ĂŸigen Evaluation der Schule eingesetzt und im Zuge derselben fortwĂ€hrend weiterentwickelt und zum anderen ist es ein Steuerungsinstrument fĂŒr die FĂŒhrungsebene, welches bei Entscheidungen wie z. B. der Personalauswahl behilflich sein kann.

Eltern und SchĂŒlern kann das Schulprogramm als Orientierungs- und Entscheidungshilfe dienen, wenn es darum geht, eine Auswahl fĂŒr den weiterfĂŒhrenden Schulbesuch zu treffen.

In den 1980er Jahren wurden die ersten Schulprogramme in die QualitÀtsentwicklung an Schulen eingebunden (z. B. Modellversuch in Nordrhein-Westfalen).

Seit der ersten HĂ€lfte der 1990er Jahre begannen zunehmend mehr Schulen freiwillig mit der Schulprogrammarbeit. Es entstanden sehr verschiedenartige Schulprogramme hinsichtlich des Umfangs, des Inhaltes und der Struktur.

Zu Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Schulprogrammarbeit in vielen BundeslÀndern durch neue Schulgesetze rechtlich verankert.

Gesetzliche Grundlagen

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Im Zusammenhang mit der bildungspolitischen Diskussion um mehr Eigenverantwortung von Schulen stellt ein Schulprogramm ein Mittel dar, vorhandene GestaltungsspielrĂ€ume in pĂ€dagogischer, personeller, finanzieller und organisatorischer Hinsicht mit Leben zu fĂŒllen und sich ĂŒber QualitĂ€tsansprĂŒche an der Schule zu verstĂ€ndigen.

In mehreren deutschen BundeslÀndern[1] sind alle Schulen verpflichtet, ein Schulprogramm zu entwickeln.

Ziele von Schulprogrammen

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  • Steigerung der QualitĂ€t pĂ€dagogischer Arbeit auf verbindlicher, gemeinsamer Grundlage
  • mehr EffektivitĂ€t durch Konzentration auf Schwerpunkte
  • Rechenschaftslegung und Evaluation zur QualitĂ€tssicherung
  • Profildarstellung nach außen zur Orientierung und Kooperation
  • kontinuierliche Analyse von Entwicklungsstand und -bedarf
  • stĂ€rkere Identifikation der Beteiligten mit der Schule und verbesserte Kommunikation

Bestandteile von Schulprogrammen

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Es gibt zentrale Aspekte, auf die keine Schule in ihrem Schulprogramm verzichtet: Bestandsanalyse, Schwerpunktsetzung, Maßnahmenkatalog und Evaluation.

Aussagen zu folgenden Gliederungspunkten sind in Schulprogrammen enthalten:

  • Bestandsanalyse der QualitĂ€t der schulischen, insbesondere der unterrichtlichen Prozesse und schulspezifischer Rahmenbedingungen
  • Entwicklungsschwerpunkte in den Bereichen Unterricht, Organisation, Personal, Werteerziehung und Schulleben (Vision)
  • pĂ€dagogische Leitideen der Schule (Leitbild)
  • Zeit- und Maßnahmenplanung fĂŒr die Realisierung der Entwicklungsvorhaben
  • Aussagen ĂŒber die Fortbildung der LehrkrĂ€fte und Kooperationsbeziehungen der Schule
  • GegenstĂ€nde, Ziele und Verfahren der Evaluation

Eine gemeinsame Vision fĂŒr die Entwicklung der Schule erhöht die Wirksamkeit des Schulprogramms.

Deshalb diskutieren die Beteiligten zu Beginn der Schulprogrammarbeit intensiv und unter Wahrung eines konstruktiven Freiraums ihre Vorstellungen davon, in welche Richtung sich die Schule entwickeln und wie der Bildungsauftrag wahrgenommen werden soll.

Die Vision ist nicht nur zukunftsgerichtete Ideensammlung, sondern auch Verfestigung von Werthaltungen mit dem Ziel, realistische Leitgedanken fĂŒr VerĂ€nderungen zu fassen.

Eine schulische Vision ist stark durch die normativen Vorstellungen und die Persönlichkeit des Schulleiters geprÀgt.[2]

Das Leitbild bringt einen Wertekonsens und gemeinsam herausgearbeitete Grundideen der Schule zum Ausdruck. Im Spannungsfeld zwischen ĂŒbergreifenden schulpolitischen Zielsetzungen und eigenen Entwicklungszielen wird von der Schule der Handlungsbedarf konkretisiert.

Leitbilder als Konzept in der Schulentwicklung existieren seit den 1980er Jahren. Vorbilder stammen aus Wirtschaft und Verwaltung, die sich um eine Neuorientierung bemĂŒhten.

Prozess / idealtypischer Ablauf der Schulprogrammarbeit

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Das Schulprogramm wird an der Schule partizipativ entwickelt. Die Beteiligung von Lehrern, SchĂŒlern, Eltern und externen Partnern der Schule an der Erarbeitung ist erwĂŒnscht und kann unterschiedlich geregelt sein.

  • Einstieg durch einen Impuls z. B. vom Schulleiter
  • Bildung einer Steuergruppe
  • Analyse des Ist-Zustandes
  • VerstĂ€ndigung ĂŒber eine Vision
  • Entwicklung eines Leitbildes
  • Auswahl von Entwicklungsschwerpunkten, Festlegen von Zielen
  • Umsetzungsplanung
  • Erstellung und Kommunikation einer Textfassung
  • Beschluss der Schulkonferenz und damit BestĂ€tigung der Verbindlichkeit
  • interne Evaluation
  • externe Evaluation
  • kontinuierliche Fortschreibung des Schulprogramms

Die Bestandsanalyse ist die Basis jeder Schulprogrammentwicklung. Sie geschieht mittels unterschiedlicher Vorgehensweisen. So werden z. B. vorhandene Schulstatistiken gesichtet oder Zufriedenheitsbefragungen innerhalb der Lehrerschaft, unter den SchĂŒlern oder ihren Eltern durchgefĂŒhrt. Das methodische Spektrum reicht von einfachen Kartenabfragen bis zu umfangreichen empirischen Erhebungen (z. B. SWOT-Analyse).

Mögliche Fragen dabei sind: Gibt es bereits Leitziele? Welche Gruppen fĂŒhlen sich in welchem Maße diesen Zielen verpflichtet? Welche AktivitĂ€ten gibt es bereits an der Schule? Lassen sich diese bereits einem pĂ€dagogischen Leitziel zuordnen?

Im Anschluss an die Ermittlung der besonderen StĂ€rken der Schule wird gemeinsam festgelegt, was unbedingt beibehalten werden soll, weil es fĂŒr die Schule bedeutsam, nutzbringend und zukunftsweisend ist. Die Akteure suchen in dieser Phase Übereinkunft hinsichtlich der pĂ€dagogischen Ziele, formulieren diese eindeutig und verbindlich.

Im nĂ€chsten Schritt werden möglichst detailliert Maßnahmen zur Erreichung der Ziele entwickelt. Sie mĂŒssen mit Hilfe eines konkreten und realistischen ZustĂ€ndigkeitsplans[3] koordiniert und fĂŒr alle Beteiligten verbindlich gemacht werden.

Alle Schritte der Umsetzung des Schulprogramms sollten eigenstĂ€ndig ĂŒberprĂŒfbar sein.

Das (z. B. durch Beschluss der Schulkonferenz) genehmigte Schulprogramm wird in geeigneter Weise der schulischen Öffentlichkeit bekannt gegeben und allen Interessierten auf Wunsch zugĂ€nglich gemacht[4].

Die Arbeit am Schulprogramm wird kontinuierlich fortgesetzt. Grundlage dafĂŒr sind regelmĂ€ĂŸige Evaluationen.

Die Einrichtung einer Steuergruppe hat sich bewÀhrt. Ihre Mitglieder bilden die Interessen unterschiedlicher Gruppen innerhalb der Schulgemeinschaft so weit wie möglich ab.

Der Steuergruppe wird das Management der Schulprogrammarbeit fĂŒr eine absehbare Zeit ĂŒbertragen. Sie initiiert die notwendigen Arbeitsschritte, arbeitet zielorientiert und sorgt fĂŒr die Weitergabe von Informationen ĂŒber den Fortschritt der Schulprogrammarbeit an alle Interessengruppen. Neben der Steuergruppe werden oft noch themenbezogene Arbeitsgruppen gebildet.

Beratungs- und UnterstĂŒtzungssysteme

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Die Inanspruchnahme externer Beratungs- und UnterstĂŒtzungssysteme kann sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Umsetzung des Schulprogramms hilfreich sein.

Von unterschiedlichen Möglichkeiten machen Schulen hierbei Gebrauch:

  • Kontakt und Austausch mit anderen Schulen auf unterschiedlichen Ebenen (einzelne Lehrer, Steuergruppen, Schulleitungen) – Aufbau eines Netzwerks „Schulentwicklung“[5]
  • Aufbau von Know-how an der Schule durch Teilnahme von Lehrern an themenspezifischen Fortbildungen
  • Inhouse-Schulungen fĂŒr Lehrer, Eltern, SchĂŒler
  • Beratung durch externe Prozessberater fĂŒr Schulentwicklung
  • Einbezug der umfangreichen Publikationen zum Thema und der Dokumentationen im Internet

Sowohl die Schule als auch die Schulaufsichtsbehörde bewerten regelmĂ€ĂŸig die QualitĂ€t der pĂ€dagogischen Arbeit auf der Grundlage des Schulprogramms. Schulprogramme enthalten deshalb Angaben zu QualitĂ€tsindikatoren, mit deren Hilfe die AnnĂ€herung an die gesetzten und vereinbarten Ziele ermittelt wird.

Der Prozess des systematischen, an den Entwicklungsschwerpunkten der Schule ausgerichteten Sammelns, Analysierens und Bewertens von Informationen ĂŒber das Lernen, den Unterricht und die Schule als Ganzes durch das Kollegium der Schule wird als Selbstevaluation bezeichnet. Sie dient der eigenverantwortlichen Steuerung schulischer Prozesse und ist Teil der Schulentwicklung.

In einigen BundeslĂ€ndern werden die Maßnahmen der Selbstevaluation durch eine externe Evaluation ergĂ€nzt.

In der Regel wird auch die Öffentlichkeit mit dem Schulprogramm darĂŒber informiert, welche Ziele sich die Schule setzt, welche Maßnahmen sie plant und was sie bereits erreicht hat.

Schulprogramme sind auf der Basis der Ergebnisse der Evaluation kontinuierlich fortzuschreiben.[6]

Die Vorlage bei der zustÀndigen Schulaufsicht ist in den Schulgesetzen der einzelnen BundeslÀnder geregelt.

Bewertung von Schulprogrammen

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Schulprogramme unterscheiden sich stark in der AusfĂŒhrlichkeit der Dokumente und in der Form der öffentlichen PrĂ€sentation. Sowohl fĂŒr die Struktur als auch fĂŒr die Wahl der Entwicklungsschwerpunkte der Schulprogramme gibt es keine BundeslĂ€nder ĂŒbergreifenden verbindlichen Kriterien, sondern nur Empfehlungen oder bundeslandinterne LeitfĂ€den.

Allgemeine Kriterien:

Formal:

  • Aufmachung (aufwĂ€ndig – schlicht)
  • Textgliederung (Gliederung vorhanden – nicht vorhanden)
  • Umfang (ggf. inklusive Anhang)
  • verantwortliche Unterzeichner

Organisatorisch:

  • Welche Interessengruppen waren beteiligt?
  • War die Arbeit in Gruppen (einschließlich einer Steuergruppe) organisiert?
  • Wurde externe Beratung in Anspruch genommen?
  • Gibt es einen konkreten Zeitplan der Umsetzung?

Bestandsanalyse:

  • Welche Aspekte enthĂ€lt die Bestandsanalyse: Umfeld, SchĂŒlerhintergrund, materielle Ausstattung, personelle Ausstattung, Einsatzbereitschaft und Innovationsbereitschaft der LehrkrĂ€fte, Kompetenzen der LehrkrĂ€fte, Engagement der Elternschaft, Wir-GefĂŒhl, Arbeitsklima?

Entwicklungsschwerpunkte als Schlussfolgerung aus der Bestandsanalyse

  • Gibt es ĂŒbergreifende LeitsĂ€tze/ein Motto?
  • Anzahl der Entwicklungsschwerpunkte
  • Sind die Schwerpunkte in greifbare und transparente Ziele umgewandelt?

Beispiele fĂŒr die in Schulprogrammen aufgegriffenen Entwicklungsschwerpunkte:

  • soziales Lernen (z. B. Toleranz, SelbststĂ€ndigkeit)
  • fachbereichsbezogene Kompetenz (Sprachkompetenz, Musik, MINT-FĂ€cher)
  • Bewegung/Gesundheit („bewegte Schule“, gesunde ErnĂ€hrung)
  • Öffnung der Schule (Zusammenarbeit mit Kommune, Vereinen)
  • spezielle Unterrichtsformen (offener Unterricht, Differenzierung, kooperatives Lernen)
  • Einsatz moderner Medien (z. B. Medienkabinett, Moodle)
  • Lerntechniken (Lernen lernen)
  • Lehrerkompetenz (z. B. Fortbildungskonzept fĂŒr LehrkrĂ€fte)
  • Betreuungsangebot (z. B. Hausaufgabenbetreuung)

Kritisiert wird der enorme Zeitaufwand fĂŒr die Entwicklung eines Schulprogramms und dass der Inhalt des Schulprogramm dann teilweise nichts mit dem gelebten Schulalltag zu tun hat.

  • Elmar Philipp, Hans-GĂŒnter Rolff: Schulprogramme und Leitbilder entwickeln, Weinheim 2006
  • Heinz GĂŒnter Holtappels: Schulprogramme – Instrumente der Schulentwicklung, Weinheim und MĂŒnchen 2004
  • Herbert Altrichter, Katharina Maag Merki: Handbuch Neue Steuerung im Schulsystem, Wiesbaden 2010
  • Helmut Fend: Schule gestalten, Wiesbaden 2008
  • Stephan Huber: Handbuch fĂŒr Steuergruppen, Köln 2009
  1. ↑ Berlin-Brandenburg, Hamburg (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.), Hessen, Mecklenburg-Vorpommern (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) (PDF; 318 kB), Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (Memento vom 14. August 2015 im Internet Archive), Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt (Memento vom 9. September 2012 im Webarchiv archive.today)
  2. ↑ (Leadership)
  3. ↑ Jahngymnasium Salzwedel - Schule ohne Rassismus und fĂŒr Courage - Schulprogramm (Memento vom 26. Juni 2011 im Internet Archive)
  4. ↑ http://gymnasium-wurzen.de/Daten/Schulprogramm.pdf
  5. ↑ https://www.netzwerk-schulentwicklung.de/
  6. ↑ http://www.huem-gym.de/index.php?id=40