Schwingen

Das Schwingen (umgangssprachlich auch Hosenlupf) ist ein mit dem Freistilringen verwandter Zweikampf ohne Gewichtsklassen, der in einem Ring aus SĂ€gemehl ausgetragen wird, dabei ein fast ausschliesslich in der Schweiz ausgeĂŒbter Kampfsport: Mit verschiedenen Wurftechniken wird versucht, einen jeweiligen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn auf den RĂŒcken zu legen. Dabei halten sich die Kontrahenten gegenseitig an einem LedergĂŒrtel und gleichzeitig an einer aus Zwilch bestehenden Ăberhose fest. Die Leistung wird von einem Kampfgericht benotet und das Ergebnis fliesst in eine Wertung mehrerer ZweikĂ€mpfe ein, um einen Gesamtsieg zu ermitteln.
Die kulturelle Bedeutung des Schwingens ist gross: Neben dem Hornussen und dem Steinstossen gilt es als inoffizieller Nationalsport der Schweiz. Beliebt ist es insbesondere in voralpinen Regionen der Deutschschweiz. Die als Schwingfest oder «Schwinget» bezeichneten Veranstaltungen sind nicht nur sportliche WettkĂ€mpfe, sondern auch gesellschaftliche Ereignisse, bei denen Tradition und Brauchtum gepflegt werden. Die zustĂ€ndigen DachverbĂ€nde sind der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) und der Eidgenössische Frauenschwingverband. Die wichtigste Veranstaltung ist das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwing- und Ălplerfest des ESV, bei dem der «Schwingerkönig» gekĂŒrt wird.
Der charakteristische Kleidergriff ist bereits auf Abbildungen aus dem 13. Jahrhundert zu finden, schriftliche Quellen lassen sich aber erst ab dem spĂ€ten 16. Jahrhundert nachweisen. Von der Obrigkeit vielfach unterdrĂŒckt und verboten, fand das Schwingen als Teil der Alphirtenkultur RĂŒckzugsorte in den Voralpen. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert entdeckten patriotisch gesinnte StĂ€dter das Schwingen wieder. Unter massgeblichem Einfluss der Turnbewegung verbreitete es sich allmĂ€hlich wieder im ganzen Land und wird seither auch als eine der Disziplinen des Nationalturnens betrachtet. Nachdem das Schwingen lange Zeit eine von Amateuren betriebene Randsportart war, erlebt es seit der Jahrtausendwende dank verstĂ€rkter Medienaufmerksamkeit einen deutlichen Aufschwung.
Regelwerk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kleidung
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Die GrundausrĂŒstung ist eine reissfeste «Schwingerhose», eine Ăberhose aus besonders robustem Zwilch, einem zweifĂ€digen dichten Leinengewebe. Allgemein stellt sie ein Sattler im Nebenerwerb her. Dabei werden die Nahtstellen vier- bis sechsfach genĂ€ht, ein PVC-Band eingefasst und an kritischen Stellen VerstĂ€rkungen aus Leder angebracht. StandardmĂ€ssig gibt es fĂŒnf Grössen, drei fĂŒr erwachsene Schwinger und zwei fĂŒr Jungschwinger. Es werden auch Ăbergrössen angefertigt, die von offizieller Seite genehmigt werden mĂŒssen. Neue Hosen sind steif und mĂŒssen zuerst im Training «eingeschwungen» werden, damit sie flexibler werden. Die Hosen gehören nicht den Schwingern selbst, sondern den Vereinen. Vor einem Wettkampf muss der Veranstalter jeweils genĂŒgend Exemplare fĂŒr alle Teilnehmer bereitstellen. Die Hose hat vorne und hinten je einen tiefen Einschnitt; zusammengehalten wird sie durch einen breiten LedergĂŒrtel mit vielen Löchern, sodass sie flexibel fĂŒr viele Körperformen verwendbar ist.[1] Neben den ĂŒblichen ungefĂ€rbten Schwingerhosen mit hellem Grundton gibt es auch solche aus dunkel gefĂ€rbtem Stoff. Sie wurden 2010 eingefĂŒhrt, damit die Kontrahenten insbesondere bei FernsehĂŒbertragungen besser unterschieden werden können. Die hellere Hose trĂ€gt jeweils jener Schwinger, dessen Nachname zuerst im Alphabet steht.[2]
Aus historischen GrĂŒnden wird zwischen «Sennenschwingern» und «Turnerschwingern» unterschieden. Die Sennenschwinger gehören einem reinen Schwingverein an, tragen eine dunkle lange Hose sowie ein strapazierfĂ€higes und farbiges (jedoch nicht grelles) Hemd.[3] Beliebt sind so genannte Edelweisshemden, auch wenn diese eigentlich nicht traditionell sind.[4] Die Turnerschwinger, die Mitglied eines Turnvereins sind und das Schwingen in manchen FĂ€llen als Teildisziplin des Nationalturnens ausĂŒben, tragen ein weisses Leibchen und eine lange weisse Hose. Die kurzĂ€rmeligen Hemden und Leibchen mĂŒssen frei von Aufschriften und Werbung sein.[3] Alle Schwinger tragen handelsĂŒbliche knöchelhohe Turnschuhe. Erlaubt sind auch Gelenkbandagen, Ohrenschutz und HosentrĂ€ger, sofern sie keine Metall-, Karbon- oder Hartplastikteile enthalten.[5]
Schwingplatz
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Die als «Schwingplatz» bezeichnete Wettkampfarena besteht aus zwei bis sieben mit SĂ€gemehl bedeckten, kreisrunden Ringen. Normalerweise liegen sie im Freien, es kann aber auch in Hallen geschwungen werden. Der Durchmesser eines Rings ist von der Bedeutung der Veranstaltung abhĂ€ngig und betrĂ€gt 8, 10, 12 oder 14 Meter.[6] Loses und körniges SĂ€gemehl (je nach Platzgrösse ungefĂ€hr 10, 16, 23 oder 35 Kubikmeter) wird in drei Schichten auf den Boden verteilt, jeweils ausgiebig mit Wasser besprĂŒht und mit einer Walze flachgedrĂŒckt.[7] Alle drei Schichten sind zusammen mindestens 15 cm hoch, wobei der Rand nicht steil abfallen darf, sondern flach nach aussen verlaufen muss. Löcher, die wĂ€hrend eines Kampfes entstehen, werden danach mit einem Rechen ausgebessert. Das BewĂ€ssern beim Aufbau und regelmĂ€ssiges NachwĂ€ssern zwischen den KĂ€mpfen binden die SĂ€gemehlkörner und vermindern die Staubentwicklung. Das SĂ€gemehl ist ein Nebenprodukt, das bei ĂŒblichen ArbeitsvorgĂ€ngen in SĂ€gewerken anfĂ€llt; das Holz wird also nicht ausdrĂŒcklich im Hinblick auf eine Veranstaltung gesĂ€gt. Da die Schwinger helles und eher grobes SĂ€gemehl bevorzugen, stellen die SĂ€gewerke in der Regel SĂ€gemehl zur VerfĂŒgung, das bei der Verarbeitung von Fichten oder Tannen in der LĂ€ngsrichtung entstanden ist.[8] Auf dem Schwingplatz gibt es auch einen Brunnen, an dem sich die Schwinger erfrischen und nach dem Kampf das SĂ€gemehl abwaschen können.
Einteilungs- und Platzkampfgericht
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Im Schwingen gibt es keinen Turnierbaum mit K.-o.-System und keine Gewichtsklassen. Es existiert auch kein Ranking, anhand dessen die Paarungen bestimmt werden. Stattdessen gelangt ein EinteilungsÂkampfgericht zum Einsatz, das einen grossen Ermessensspielraum besitzt und verschiedenen ungeschriebenen Regeln folgt. Es besteht je nach Veranstaltung aus drei bis sechs Personen und tritt vor jeder Runde (einem «Gang») zusammen. Die Einteilung des ersten Gangs legt allein der Technische Leiter fest, der zugleich Vorsitzender dieses Gremiums ist. Dabei muss er seine Ăberlegungen den anderen Richtern klar und offen nennen, worauf sie ihre Zustimmung geben. Vor allen nachfolgenden GĂ€ngen entscheiden alle Richter gemeinsam ĂŒber die Paarungen. Sie achten darauf, dass möglichst gleich starke beziehungsweise gleich gut klassierte Gegner einander zugeteilt werden. Der erste Gang bietet oft die grösste Unterhaltung, da jeweils die besten Schwinger aufeinandertreffen.[9]
Als Orientierungshilfe zur Ermittlung der relativen KampfstĂ€rke dient neben der Erfahrung der Richter und dem Wettkampfverlauf auch eine Jahreswertung, die 2009 erstmals von der Fachzeitschrift Schlussgang gefĂŒhrt und 2013 von offizieller Seite ĂŒbernommen wurde.[10] Ein weiteres Kriterium ist, dass Mitglieder desselben Vereins oder â bei ĂŒberregionalen Festen â des gleichen Verbandes nicht gegeneinander schwingen, ausser wenn es sich nicht vermeiden lĂ€sst.[11]
Ein dreiköpfiges Platzkampfgericht wacht ĂŒber das Geschehen im SĂ€gemehlring. Der eigentliche Platzkampfrichter leitet den Wettkampf, setzt die Regeln durch, entscheidet primĂ€r ĂŒber Sieg oder Niederlage, erteilt den Schwingern Anweisungen und ist fĂŒr die Zeitmessung verantwortlich. Hinzu kommen zwei Tischkampfrichter: Sie rufen die Schwinger zum Wettkampf auf, kontrollieren Kleidung und Anzeigetafeln, erledigen Administratives und beraten sich mit dem Platzkampfrichter ĂŒber die Benotung der Leistung (wobei eine Mehrheitsentscheidung erforderlich ist). Im Verlauf eines Wettkampftages werden die Funktionen mehrmals getauscht.[12] Das Kampfgericht lĂ€sst sich grundsĂ€tzlich weder mit den Schwingern noch mit dem Publikum auf Diskussionen ein, Entscheidungen werden ohne Widerspruch akzeptiert.[13]
Kampfregeln
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Das «Technische Regulativ», das die Kampfregeln erlĂ€utert, ist in manchen Bereichen recht vage und lĂ€sst deshalb grossen Spielraum fĂŒr Interpretationen offen. Insbesondere gibt es keine Vorgabe fĂŒr die maximale Dauer eines Zweikampfs («Gang»), sondern nur fĂŒr die MindestlĂ€nge. Diese betrĂ€gt fĂŒnf Minuten bei Aktiv- und vier Minuten bei Nachwuchsschwingern. Die Höchstdauer wird vor Beginn der Veranstaltung vom jeweiligen Vorstand und dem EinteilungsÂkampfgericht bestimmt.[11] Je nach Status der Veranstaltung kann sie bis zu 16 Minuten betragen. Im Verlaufe eines Wettkampfs bestreitet jeder Schwinger sechs GĂ€nge. Die beiden ersten werden zusammen als «Anschwingen» bezeichnet, die dritten und vierten als «Ausschwingen», die fĂŒnften und sechsten als «Ausstich». Einen «Kranzausstich» â also einen siebten und achten Gang â gibt es nur bei der wichtigsten Veranstaltung, dem Eidgenössischen Schwing- und Ălplerfest (ESAF).[14]
Nachdem die Schwinger aufgerufen wurden, ziehen sie ihre Schwingerhose an und begeben sich in den SĂ€gemehlring. Sie begrĂŒssen sich per Handschlag als Zeichen des gegenseitigen Respekts und der friedlichen Austragung des Kampfes. Vor Kampfbeginn und nach jeder Unterbrechung erfolgt in der Mitte des Rings das Grifffassen. Dabei umfasst die rechte Hand den offen liegenden GĂŒrtel am RĂŒcken des Gegners, wĂ€hrend die linke Hand den gerafften Beinabschluss der Schwingerhose (das «Gestöss») ergreift. Sobald der Platzkampfrichter den Griff als ordnungsgemĂ€ss erklĂ€rt hat, ist der Kampf eröffnet.[15] Daraufhin versuchen die Schwinger, ihren Gegner mit unterschiedlichen Wurftechniken («SchwĂŒnge») aus dem Gleichgewicht zu bringen und auf den RĂŒcken ins SĂ€gemehl zu werfen oder zu rollen. Der Griff darf gesprengt, gelöst und verĂ€ndert werden, jedoch muss jeder Schwung mit mindestens einer Hand an der Schwingerhose ausgefĂŒhrt werden, um gĂŒltig zu sein (wobei es ganz wenige und streng reglementierte Ausnahmen von dieser Regel gibt).[16]
Der Kampf wird unterbrochen, wenn Unfallgefahr besteht oder ein Unfall eingetreten ist, wenn keiner der beiden Schwinger Griff an der gegnerischen Schwingerhose hat, wenn beide stehend am Rand des SĂ€gemehlrings angelangt sind und wenn einer von ihnen im Bodenkampf das SĂ€gemehl vollstĂ€ndig verlassen hat. Unterbrechungen gibt es auch, wenn gefĂ€hrliche Griffe angewendet werden, der Platzkampfrichter die beiden Tischkampfrichter ĂŒber Sanktionen orientiert oder wenn ein Schwinger SĂ€gemehl verschluckt hat, das am Brunnen ausgespĂŒlt werden muss. Ein Gang ist entschieden, wenn ein Schwinger «gebodigt» ist, d. h. mit dem RĂŒcken ganz oder bis zur Mitte beider SchulterblĂ€tter (vom Kopf oder GesĂ€ss, von linker oder rechter Seite her) den Boden berĂŒhrt. Geschieht dies ausserhalb des SĂ€gemehlrings, liegt kein gĂŒltiges Ergebnis vor und der Kampf wird mit dem Grifffassen fortgesetzt. Verharrt einer der Schwinger in der BrĂŒckenposition, ohne sich daraus befreien zu können, kann er ausgezĂ€hlt werden, worauf der Gang ebenfalls beendet ist. Nach dem Ende des Gangs verabschieden sich die Schwinger mit Handschlag; als Zeichen der Anerkennung wischt der Sieger dem Besiegten das SĂ€gemehl vom RĂŒcken.[15]
Notengebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kampfrichter benoten einen Schwinger nach abgeschlossenem Kampf anhand einer Skala, die nach Viertelpunkten abgestuft ist und von 10,00 bis 8,50 Punkten reicht:[13]
- 9,75 oder 10,00 Punkte fĂŒr einen gewonnenen Gang
- 8,75 oder 9,00 Punkte fĂŒr einen «gestellten» (unentschiedenen) Gang
- 8,50 oder 8,75 Punkte fĂŒr einen verlorenen Gang
Die Maximalnote 10,00 gibt es bei einem «Plattwurf», d. h. einem Schwung aus dem Stand oder mit leichtem Anheben, bei dem der Gegner direkt und in einem nicht unterbrochenen Bewegungsablauf in die RĂŒckenlage gebracht wird.[17] War ein NachdrĂŒcken erforderlich, wird eine 9,75 vergeben. Endet der Gang nach Ablauf der Zeit unentschieden, ist eine 8,75 ĂŒblich, bei einer Niederlage gibt es eine 8,50. Die Noten 9,00 bei einem «gestellten» und 8,75 bei einem verlorenen Gang können fĂŒr einen ĂŒberdurchschnittlich attraktiven, technisch hochstehenden und angriffigen Zweikampf vergeben werden.[13] Nach einer Ermahnung kann ein Viertelpunkt abgezogen werden, wenn ein Schwinger beim Grifffassen Zeit schindet, sonstige Kunstpausen einlegt, absichtlich und ĂŒber lĂ€ngere Zeit den Kopf des Gegners ins SĂ€gemehl hineindrĂŒckt («Kopfeinstellen»), rohe und gefĂ€hrliche Griffe anwendet, den Platzkampfrichter beschimpft oder dessen Weisungen ignoriert, sich offensichtlich passiv verhĂ€lt oder ĂŒber lange Zeit in einer aussichtslosen Stellung verharrt. Besonders unsportliches Verhalten hat den Ausschluss vom Wettbewerb zur Folge.[18]
Jene zwei Schwinger, die nach dem fĂŒnften Gang (oder beim ESAF nach dem siebten) am meisten Punkte erzielt haben, treten zum «Schlussgang» an, um den Gesamtsieger zu ermitteln. Falls drei oder mehr Schwinger vor dem Schlussgang dieselbe Punktzahl aufweisen, muss das EinteilungsÂkampfgericht die Paarung bestimmen, wobei der Ermessensspielraum eine Rolle spielt. Der Gewinner des Schlussgangs erhĂ€lt automatisch 10,00 Punkte gutgeschrieben, der Verlierer 8,75.[19] Der Schlussgang ist in jedem Fall der letzte Kampf und Höhepunkt einer Veranstaltung. Da aber auch die ĂŒbrigen Schwinger zuvor ihren sechsten oder achten Gang absolvieren, kann es vorkommen, dass keiner der beiden Schlussgangteilnehmer zum Sieger ausgerufen wird. Dies geschieht, wenn der Schlussgang unentschieden endet und ein weiter hinten Platzierter dank einer höheren Note sich noch an die Ranglistenspitze setzt.[20]
Die heute geltende Form der Notengebung besteht seit 1969 und stellt einen nach jahrzehntelangen Diskussionen erzielten Kompromiss zwischen unterschiedlichen Ansichten von Sennen- und Turnerschwingern dar. WÀhrend die Sennen zu Beginn nur nach Anzahl Siegen, Unentschieden und Niederlagen werteten, nutzten die Turner einst eine von 1 bis 10 reichende Skala, um ihre Leistungen mit den anderen Disziplinen des Nationalturnens vergleichen zu können (von 1912 bis 1969 waren es 5 bis 10 Punkte).[21]
Rangliste
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Am Ende werden die Ergebnisse zusammengezÀhlt. Gesamtsieger ist, wer die meisten Punkte aufweist, wobei dies nicht zwingend ein Schlussgangteilnehmer sein muss.[22] Eine typische Rangliste hat folgende Form (fiktives Beispiel):
| Rang | Punkte | Resultat | Name Vorname | Wohnort | Schwingclub |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 57,00 S | +++âo+ | Muster Otto, S *** | Ortsname | Vereinsname |
| 2a | 56,75 | +++â+o | Muster Peter, T ** | Ortsname | Vereinsname |
- Rang: Die Rangliste wird nach den erhaltenen Punkten erstellt. Weisen mehrere Schwinger dieselbe Punktzahl auf, erhalten sie den gleichen Rang mit den fortlaufenden Zusatz a, b, c usw. DafĂŒr ausschlaggebend sind die Anzahl Siege, Unentschieden und Niederlagen. Falls weiterhin Gleichstand herrscht, wird nach alphabetischer Position des Nachnamens sortiert: in geraden Jahren aufsteigend (beginnend mit A), in ungeraden Jahren absteigend (beginnend mit Z).[23]
- Punkte: Steht hinter der Punktzahl der Zusatz S, handelt es sich um einen Teilnehmer des Schlussgangs.
- Resultat: Siege werden mit +, Unentschieden («Gestellte») mit â und Niederlagen mit o gekennzeichnet.
- Name Vorname: In Ranglisten wird immer zuerst der Nachname genannt, gefolgt vom Vornamen (diese Form erstreckt sich hĂ€ufig auch auf Medienberichte). Ein S kennzeichnet einen Sennenschwinger, ein T einen Turnerschwinger. Die Sterne stehen fĂŒr frĂŒhere Kranzgewinne (siehe KrĂ€nze und ihre Gewinner): Drei Sterne (***) fĂŒr Gewinner eidgenössischer KrĂ€nze, zwei Sterne (**) fĂŒr Kranzgewinner bei Teilverbands- oder Bergkranzfesten, ein Stern (*) fĂŒr Gewinner sonstiger KrĂ€nze.
Wichtige SchwĂŒnge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine im Schwingen angewandte Wurftechnik wird als «Schwung» bezeichnet. Aktuelle TrainingslehrbĂŒcher enthalten 120 verschiedene SchwĂŒnge, aufgeteilt in Stand-, Flanken-, Boden- und VerteidigungsschwĂŒnge. Darin enthalten sind zahlreiche Varianten und Kombinationen.[24] Nachwuchsschwinger im Alter von 15 bis 18 Jahren mĂŒssen 34 SchwĂŒnge beherrschen, um die SportfachprĂŒfung des Förderprogramms Jugend+Sport zu bestehen.[25]
Der wohl hĂ€ufigste Schwung ist der «Kurz», da er sehr rasch ausgefĂŒhrt werden kann und bei einem Angriff erfolgversprechend ist. In der Grundvariante fĂŒhrt der angreifende Schwinger eine Vierteldrehung nach rechts aus, um mit seinem linken Bein zwischen die Beine des Gegners zu gelangen. Anschliessend zieht er ihn mit aller Kraft durch Heben an sich und wirft ihn mit einer Drehung nach rechts direkt auf den RĂŒcken. Wehrt sich der Gegner mit einer Knieparade, setzt man ihn kurz ab und reisst ihn in gleicher AusfĂŒhrung mit voller Wucht wieder hoch.[26][27] Beim «Ăbersprung» macht der Angreifer eine rasche Finte und dreht dann blitzschnell nach links. Dabei bringt er sein rechtes Bein hinter jenes seines Gegners und drĂŒckt ihn mit krĂ€ftiger Hilfe des Oberkörpers in Richtung Boden auf den RĂŒcken. Der Ăbersprung kann als direkter Angriffsschwung oder aus der Defensive heraus als Gegenschwung angewandt werden.[28][29]
Der «Brienzer» stammt ursprĂŒnglich aus der Region rund um den Brienzersee. Da man mit ihm körperliche Nachteile gegen besonders grosse Gegner ausgleichen kann, wird er mit Vorliebe von leichteren und mittelschweren Schwingern eingesetzt. Der AusfĂŒhrende wechselt seine rechte Hand vom GĂŒrtel zum Gestöss des Gegners, macht eine Drehung nach links und greift mit dem linken Arm ĂŒber die Schulter oder den Nacken des Gegners auf dessen linkes Gestöss. Gleichzeitig hĂ€ngt er sein linkes Bein beim rechten Bein des Gegners ein, spreizt es hoch und wirft ihn kopfĂŒber nach vorn auf den RĂŒcken. Sehr oft wird ein Brienzer mit anderen SchwĂŒngen kombiniert.[30]
Beim «HĂŒfter» wird der entscheidende Wurf ĂŒberwiegend durch die Hebelwirkung der HĂŒfte ausgelöst. Wichtig zur Fixierung bei diesem Schwung ist der Griff mit der linken Hand an den rechten Oberarm des Gegners. Aus der Angriffsstellung wechselt der schwungausfĂŒhrende Schwinger seinen linken Griff und fasst von oben GĂŒrtel oder Gestöss des Gegners. Mit der rechten Hand fasst er den gegnerischen linken Oberarm, springt mit der linken HĂŒfte möglichst tief unter den Gegner, hebt diesen durch Strecken der Beine vom Boden, beugt sich gleichzeitig kopfvoran tief nach vorn und wirft ihn mit heftigem Ruck kopfĂŒber auf den RĂŒcken.[31]
Um einen zu Fall gebrachten Schwinger daran zu hindern, sich wieder aufzurichten, kann der «Buur» (Bauer) angewandt werden, der am hĂ€ufigsten angewandte Schwung im Bodenkampf. Mit dem linken Bein wird das Knie des Gegners fixiert. Anschliessend wird mit der rechten Hand im Spalt bis zum GĂŒrtel an der Schwingerhose gegriffen, was die BewegungsfĂ€higkeit des Gegners einschrĂ€nkt. Danach wird der Gegner mit Hilfe der rechten Hand am Boden ĂŒberdrĂŒckt, verbunden mit einer Drehbewegung.[32] Beim Gammen (von ital. gamba = Bein) fixiert der angreifende Schwinger mit seinem rechten Bein das linke des Gegners (oder umgekehrt) und bringt ihn mit gleichzeitigem VorwĂ€rtsdruck aus dem Oberkörper heraus aus dem Gleichgewicht.[33]
Anspruchsvoll ist der «Wyberhaagge» (Weiberhaken). Nach einer Attacke mit dem Gammen klemmt der Angreifer das gegnerische Bein mit seinen eigenen Beinen ein und hakt anschliessend ĂŒber Kreuz mit dem anderen Bein ein. Auf diese Weise ist der Gegner in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschrĂ€nkt und kann zu Boden gebracht werden.[34] Ein fĂŒr körperlich unterlegene Schwinger effektiver Angriffsschwung ist der «Fussstich», hĂ€ufig in Kombination mit dem «Kurz». Hierbei wird mit einer Körpferfinte eine Drehung angetĂ€uscht, die rechte Fussspitze ans linke Fussgelenk des Gegners gesetzt, worauf der Gegner an sich gezogen und nach rechts abgedreht werden kann.[35]
Verwandte Sportarten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Schwingen gehört zu einer Gruppe volkstĂŒmlicher Kampfsportarten, die gewisse Ăhnlichkeiten mit dem modernen Freistilringen aufweisen und unter dem Begriff «Kleiderringen» zusammengefasst werden. Bei diesen geht es im Wesentlichen darum, den Gegner zu bezwingen, indem man sich an einem bestimmten KleidungsstĂŒck festhĂ€lt und es so zum eigenen Vorteil nutzt. Beispiele dafĂŒr sind GlĂma in Island, das Ranggeln im Ostalpenraum[36], Lucha Canaria auf den Kanarischen Inseln[37] oder Ssireum in Korea.[38] Von den BewegungsablĂ€ufen her besteht eine gewisse Ăhnlichkeit auch mit Judo; beispielsweise entspricht ein «HĂŒfter» einem «O-goshi».[39]
VerbÀnde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die oberste Verantwortung fĂŒr den Schwingsport trĂ€gt der 1895 gegrĂŒndete Eidgenössische Schwingerverband (ESV), der seit 2017 dem Sportdachverband Swiss Olympic angehört. GemĂ€ss Statuten bezweckt er die «Pflege, Förderung und Verbreitung des Schwingerwesens und verbindet damit die Erhaltung der volkstĂŒmlichen BrĂ€uche und Spiele».[40] Der ESV verfolgt das Ziel, Schweizer Traditionen zu bewahren und sie in moderner Form zu prĂ€sentieren. Er legt das Regelwerk fest und erlĂ€sst Reglemente, ebenso bildet er Kampfrichter und Technische Leiter aus.[41] Im November 2023 zĂ€hlte der Verband etwas mehr als 60'000 Mitglieder, davon waren rund 2900 in WettkĂ€mpfen aktive Schwinger und etwa 3400 Jungschwinger im Alter bis 16 Jahren.[42] Dem ESV untergeordnet sind fĂŒnf TeilverbĂ€nde, zwischen denen eine grosse RivalitĂ€t herrscht: der Bernisch-Kantonale Schwingerverband (BKSV), der Innerschweizer Schwingerverband (ISV), der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV), der Nordwestschweizerische Schwingerverband (NWSV) und der SĂŒdwestschweizer Schwingerverband (SWSV). Vier dieser TeilverbĂ€nde sind weiter in KantonalverbĂ€nde unterteilt, die jeweils die Vereine in ihrem Gebiet umfassen. Aufgrund der Grösse des Einzugsgebiets und der Mitgliederzahlen bildet der fĂŒr den Kanton Bern zustĂ€ndige BKSV eine Ausnahme. Er ist stattdessen in sechs GauverbĂ€nde fĂŒr die Regionen Berner Jura, Berner Oberland, Emmental, Mittelland, Oberaargau und Seeland unterteilt, die den KantonalverbĂ€nden gleichgestellt sind.[43] UnabhĂ€ngig vom ESV ist der seit 1992 bestehende Eidgenössische Frauenschwingverband fĂŒr das Frauenschwingen.
Schwingfeste
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hierarchie der Schwingfeste
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Eine Veranstaltung mit SchwingkĂ€mpfen wird als «Schwingfest» oder «Schwinget» bezeichnet und dauert einen Tag. Der Schwinget (auf Schweizerdeutsch das Schwinget[44]) kann grundsĂ€tzlich das ganze Jahr ĂŒber stattfinden, wobei die Hauptsaison mit den wichtigsten Festen von Anfang Mai bis Ende August dauert. Veranstaltungen in den ĂŒbrigen Monaten sind von geringer Bedeutung.
Das wichtigste Ereignis ĂŒberhaupt ist das Eidgenössische Schwing- und Ălplerfest (ESAF), das als einziges zwei Tage dauert und dessen Sieger zum «Schwingerkönig» ausgerufen wird. Es wird alle drei Jahre ausgetragen und im Rotationsprinzip von einem der fĂŒnf TeilverbĂ€nde des ESV organisiert. An beiden Wettkampftagen waren 2019 jeweils rund 57'000 Zuschauer anwesend. Selbst die grössten Fussballstadien des Landes sind dafĂŒr zu klein, weshalb das ESAF in einem sechseckigen temporĂ€ren Stadion aus StahlrohrtribĂŒnen durchgefĂŒhrt wird. Das FestgelĂ€nde rund um die Arena zieht nochmals rund 350'000 Besucher an, weshalb das ESAF als grösstes wiederkehrendes Sportereignis des Landes gilt.[45][46] Zwei weitere «Feste mit eidgenössischem Charakter» sind von ihrer Bedeutung her dem ESAF gleichgestellt und finden alle sechs Jahre statt, das Kilchberger Schwinget in Kilchberg bei ZĂŒrich und das Unspunnenfest in Interlaken. DarĂŒber hinaus kann der ESV Feste, die aus besonderen GrĂŒnden stattfinden, als eidgenössisch erklĂ€ren; dies geschieht ĂŒblicherweise anlĂ€sslich eines VerbandsjubilĂ€ums oder einer Landesausstellung.[47]
Die zweite Stufe bilden die Bergkranzfeste, die jĂ€hrlich von den TeilverbĂ€nden organisiert werden und ein hohes Prestige geniessen. Ihre Austragungsorte in erhöhter Lage in den Voralpen oder im Juragebirge erinnern an weit zurĂŒckliegende Zeiten, als das Schwingen ĂŒberwiegend von Bergbewohnern an entlegenen Orten ausgeĂŒbt wurde.[48] Es gibt sechs solcher Veranstaltungen: der BrĂŒnigschwinget auf dem BrĂŒnigpass, der Rigi-Schwinget auf der Rigi, der SchwĂ€galp-Schwinget auf der SchwĂ€galp unterhalb des SĂ€ntis, der Schwarzsee-Schwinget am Schwarzsee bei Freiburg, der Stoos-Schwinget auf dem Stoos bei Schwyz und der Weissenstein-Schwinget auf dem Weissenstein bei Solothurn.[49]
Alle fĂŒnf TeilverbĂ€nde fĂŒhren jĂ€hrlich ein Teilverbandsfest durch, zu dem auch GĂ€ste aus anderen TeilverbĂ€nden eingeladen werden. DarĂŒber hinaus organisiert jeder kantonale Schwingerverband jĂ€hrlich ein Kantonalschwingfest. Im Kanton Bern besteht eine unterschiedliche Struktur: Hier hat das Bernisch-Kantonale Schwingfest den Status eines Teilverbandsfests, wĂ€hrend die Gauverbandsfeste gleichwertig zu den ĂŒbrigen kantonalen Festen sind. Die unterste Stufe bilden Regional-, Jugend- und Hallenschwingfeste.[50]
Vereinzelte Schwingfeste finden auch ausserhalb der Schweiz statt, an denen ĂŒberwiegend Auslandschweizer, Nachkommen von Schweizer Emigranten oder GĂ€ste aus der Schweiz beteiligt sind. RegelmĂ€ssig durchgefĂŒhrt werden sie in Kalifornien, QuĂ©bec und Neuseeland. FĂŒr erfolgreiche Teilnehmer besteht die Möglichkeit, ans ESAF und an andere Schwingfeste eingeladen zu werden.[51]
KrÀnze und ihre Gewinner
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Im ursprĂŒnglichen Sinne treten die Schwinger gegeneinander an, um mit einem Kranz ausgezeichnet zu werden. Es handelt sich dabei um ein Eichenlaub-Imitat aus gewachstem und gestanztem Papier, dessen BlĂ€tter auf einen Draht gebunden werden; zusĂ€tzlich ist ein Metallabzeichen des Schwingfests befestigt. Der reine Materialwert ist gering, umso grösser jedoch der ideelle Wert.[52] KrĂ€nze gibt es an den «Kranzfesten» zu gewinnen. Dazu gehören das ESAF, Bergkranzfeste, Teilverbandsfeste sowie Kantonal- und Gauschwingfeste. Einen Kranz erhalten jeweils nur die besten 15 Prozent der angetretenen Schwinger. Wird die «Kranzquote» infolge Ranggleichheit mehrerer Schwinger nicht erreicht, ist der nĂ€chstfolgende Rang ebenfalls kranzberechtigt, sofern dadurch die Marke von 18 Prozent nicht ĂŒberschritten wird.[53] Keine KrĂ€nze gibt es beim Unspunnenfest und beim Kilchberger Schwinget: Hier zĂ€hlt nur der Sieg, der aber aufgrund der Seltenheit der DurchfĂŒhrung umso prestigetrĂ€chtiger ist.[54]
Ein Kranzgewinner gehört umgangssprachlich zu den «Bösen». Dieser Begriff ist anerkennend gemeint und stammt vom veralteten berndeutschen Ausdruck «bös ha» (böse haben), der die Verrichtung besonders schwerer und mĂŒhseliger Arbeit umschreibt; in diesem Sinne ist ein Erfolg nur mit viel Anstrengung zu schaffen.[55] Ein Kranzgewinner beim ESAF ist ein «Eidgenosse» und gehört zu den besten Schwingern ĂŒberhaupt. Die Titel «Eidgenosse» und «Schwingerkönig» behĂ€lt man sein Leben lang, es gibt also keine ehemaligen Gewinner.[56] Die meisten KrĂ€nze gewann Arnold Forrer (151), Rekordhalter bei den eidgenössischen KrĂ€nzen ist Karl Meli (9). Von einem «Schwinger-Grand-Slam» ist die Rede, wenn ein Schwinger je ein ESAF, Unspunnenfest und Kilchberger Schwinget als Sieger beendet. Das gelang bisher nur Jörg Abderhalden und Christian Stucki.[57]
Sachpreise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von jeher gibt es keine Preisgelder. Stattdessen werden Sachpreise gegeben, die von Sponsoren gestiftet und wĂ€hrend des Schwingfests im «Gabentempel» ausgestellt werden. Ihr Gesamtwert kann an den bedeutendsten Festen mehr als eine Million Franken betragen.[58] Der Festsieger erhĂ€lt einen Lebendpreis, hĂ€ufig einen Zuchtstier («Muni») im Wert von bis zu 30'000 Franken. Da nur noch wenige Schwinger beruflich als Landwirte tĂ€tig sind, können sie ihren Lebendpreis umgehend an den ZĂŒchter zum ursprĂŒnglichen SchĂ€tzpreis zurĂŒckverkaufen, was hĂ€ufig mit einem Wertzuwachs verbunden ist.[59] Zu den Sachpreisen traditioneller Art gehören Treicheln, Kuhglocken und geschnitzte Bauerntruhen. In neuerer Zeit kommen allerlei Möbel, Haushalts- und EinrichtungsgegenstĂ€nde, SportgerĂ€te, Werkzeuge, Unterhaltungselektronik, MotorrĂ€der, Gutscheine und vieles mehr hinzu.[60] Der Preis wird gemĂ€ss Rangliste ausgesucht, wobei bei gleichem Rang die alphabetische Reihenfolge des Nachnamens ausschlaggebend ist (siehe Kapitel Rangliste).[61]
HĂ€ufig ist die Zahl der Preise höher als die der Teilnehmer, so dass selbst der Letztplatzierte noch etwas erhĂ€lt. Beim ESAF 2019 in Zug beispielsweise erhielt jeder Teilnehmer einen Preis im Wert von mindestens 1500 Franken. Ăblich sind an kleinen Festen jedoch Preise von geringerem Wert.[62] Verschiedentlich wird Kritik am zunehmenden Gigantismus der Gabentempel geĂ€ussert, da er nicht mehr den Grundwerten des Schwingsports entspreche. So lehnt das BrĂŒnigschwinget Sponsoring konsequent ab und zahlt als einzige Veranstaltung von Bedeutung ausschliesslich Bargeldpreise aus, die aus den Catering- und Zuschauereinnahmen erzielt werden; der Sieger erhĂ€lt maximal 1500 Franken.[63]
Rahmenprogramm
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Der sportliche Wettkampf ist nicht die einzige Komponente eines Schwingfests, sondern in ein betont traditionelles Rahmenprogramm eingebettet, bei dem das schweizerische Brauchtum zelebriert wird. Dazu gehören Darbietungen von Jodlern, AlphornblĂ€sern, Fahnenschwingern und Trachtengruppen, PrĂ€sentationen der Lebendpreise, ein offizieller Festakt mit Ansprachen und die Siegerehrung, manchmal auch ein Umzug. Insbesondere kleine Veranstaltungen sind von der Mithilfe zahlreicher freiwilliger Helfer abhĂ€ngig, die anderen lokalen Vereinen angehören und ihnen so den Charakter eines Dorffests verleihen.[64] Bei den grösseren Kantonalfesten sowie an JubilĂ€umsfesten, Unspunnenfest, und den ESAF finden zusĂ€tzlich WettkĂ€mpfe im Steinstossen und Hornussen statt. Das Schwingen und die ĂŒbrigen traditionellen Bestandteile eines Schwingfests gehören zum immateriellen Kulturerbe und sind in der Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz verzeichnet.[65]
Jahrzehntelang unterschied sich ein ESAF bezĂŒglich des Rahmenprogramms nicht von sonstigen Schwingfesten. Einen eigentlichen Paradigmenwechsel gab es jedoch beim ESAF 2001, das auf dem GelĂ€nde des PalĂ©o Festival Nyon stattfand und Ă€hnlich wie dieses Festzelte, VerkaufsstĂ€nde, FahrgeschĂ€fte und weitere Attraktionen bot. Erstmals strömte eine grosse Schar von Besuchern an ein ESAF, die bis dahin keinerlei Bezug zum Schwingen hatten.[66] Mit jeder Austragung wuchs der Umfang des Rahmenprogramms, so dass es an eine professionelle Eventagentur ausgelagert wurde. Diese orientierte sich vor allem bei der Abendunterhaltung am Geschmack eines betont urbanen und nichttraditionellen Eventpublikums. Dem Sportjournalisten Thomas Renggli zufolge sei das ESAF mittlerweile eine «Gratwanderung zwischen Trachtentradition und Alpenballermann».[67]
Schwinger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Amateure und Profis
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Von seinem althergebrachten SelbstverstĂ€ndnis her ist das Schwingen eine Amateursportart, doch die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende Kommerzialisierung (siehe dort) hat dazu gefĂŒhrt, dass zumindest die Spitzenschwinger mittlerweile als Teilzeitprofis tĂ€tig sind. Mit einem detaillierten Werbereglement achtet der ESV darauf, eine gewisse Balance zwischen traditionellen Werten und den AnsprĂŒchen der Sponsoren zu halten. GrundsĂ€tzlich gilt, dass der Schwingplatz und die Wettkampfkleidung vollstĂ€ndig werbefrei sind, wĂ€hrend sonst nur wenige EinschrĂ€nkungen bestehen. Verboten ist Werbung, «wenn sie anstössig oder sexistisch ist, die politische oder sportliche NeutralitĂ€t des Schwingens verletzt oder fĂŒr Mittel wirbt, die mit den Grundwerten des Schwingens nicht vereinbar sind». Individuelle WerbevertrĂ€ge der Athleten mĂŒssen durch den Werbeverantwortlichen des ESV genehmigt werden. Die Schwinger sind verpflichtet, zehn Prozent der Werbeeinnahmen, die sie wĂ€hrend ihrer Aktivzeit generieren (fĂŒnf Prozent in den drei Jahren nach ihrem RĂŒcktritt), an den Verband abzugeben. Dieser wiederum investiert das auf diese Weise erhaltene Geld zweckgebunden in die Nachwuchsförderung.[68]
Da sĂ€mtliche persönlichen Werbeeinnahmen aktiver und zurĂŒckgetretener Schwinger deklarationspflichtig sind, lĂ€sst sich die Höhe der Investitionen durch Sponsoren ziemlich genau ableiten. 2011 nahmen die Schwinger insgesamt 0,69 Millionen Franken ein.[69] Nach einem kontinuierlichen Anstieg wurde 2019 mit 2,34 Millionen der vorlĂ€ufige Höhepunkt erreicht. Danach bewirkte die COVID-19-Pandemie einen Einbruch um ĂŒber 15 Prozent auf knapp unter zwei Millionen.[70] Die Situation erholte sich rasch und 2021 standen wieder 2,184 Millionen zur VerfĂŒgung, wobei die Verteilung recht einseitig ist: Zwar bezogen damals 73 Schwinger Einnahmen aus persönlicher Werbung, doch die zehn Besten teilten ĂŒber 80 Prozent unter sich auf.[71] Marketingexperten gehen davon aus, dass ein Schwingerkönig im Verlauf seiner Karriere etwa eine Million Franken verdienen könne.[72] Lange Zeit konnten selbst die Allerbesten nicht allein vom Sport leben, senkten aber ihr Arbeitspensum, um die dadurch gewonnene Zeit fĂŒr Training und Erholung einzusetzen.[71] Dies Ă€nderte sich jedoch im Lauf der 2020er Jahre: Im Sommer 2026 gab Samuel Giger als erster Spitzenschwinger öffentlich bekannt, ein Vollprofi zu sein.[73]
Training
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lange Zeit gab es im Schwingen kein spezifisches Training. Die benötigte Kraft holte man sich bei der tĂ€glichen anstrengenden Arbeit. Aus diesem Grund dominieren bis heute kraftbetonte Berufe wie Landwirt, Forstwart, Handwerker, Metzger oder Bauarbeiter, wĂ€hrend Akademiker seit jeher untervertreten sind.[74] BezĂŒglich der Technik waren die Schwinger einst oft davon abhĂ€ngig, dass sie mit einem technisch versierten Vereinskollegen ĂŒben konnten. Deshalb gab es hĂ€ufig Spezialisten, die sich auf wenige SchwĂŒnge konzentrierten und kaum etwas Neues dazulernten.[75] In den spĂ€ten 1970er Jahren war Ernst SchlĂ€pfer der erste Schwinger, der der physischen Grundlagenarbeit eine ĂŒbergeordnete Bedeutung beimass und nach modernsten sportwissenschaftlichen Methoden trainierte. Sein damaliges Trainingspensum von 15 Stunden pro Woche galt als aussergewöhnlich.[76] Die von ihm neu eingeschlagene Richtung fĂŒhrte dazu, dass ein typischer Schwinger mit der Zeit krĂ€ftiger, schwerer und muskulöser wurde, gleichzeitig aber auch reaktionsschneller, beweglicher und ausdauernder.[77] ErnĂ€hrungsplĂ€ne, ein nach Phasen abgestimmtes Personal Training und Leistungsdiagnostik gehören zumindest bei Spitzenschwingern mittlerweile zum Standard. Zu diesem Zweck schliessen sie sich innerhalb eines Teilverbands zu Trainingsgruppen zusammen.[78] Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Körpergrösse eines «Eidgenossen» 187 cm, das durchschnittliche Gewicht 115 kg.[79]
UnfÀlle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Schwingen birgt wie andere Kampfsportarten ein erhöhtes Unfallrisiko. Durch die starken KrĂ€fte, die besonders auf die Beine der Schwinger einwirken, treten Kreuzbandrisse gehĂ€uft auf. Typisch sind auch Schulter- und Rippenverletzungen sowie Zerrungen. Da die Schwinger durch gezieltes Krafttraining im Laufe der Jahrzehnte im Durchschnitt krĂ€ftiger und muskulöser geworden sind, hat tendenziell auch die Belastung auf Gelenke, Muskeln und Sehnen zugenommen.[80] In der Geschichte des Schwingens kam es bisher zu vier QuerschnittlĂ€hmungen: 1960, zweimal im Jahr 1997 sowie 2004 (wobei letzterer Unfall sogar tödlich endete). Nach diesen tragischen VorfĂ€llen reagierte der ESV jeweils mit Massnahmen, beispielsweise der Vergrösserung der SĂ€gemehlringe oder mit reglementarischen Anpassungen. Ebenso steht vermehrt die PrĂ€vention im Blickpunkt, sei es durch spezifisches Nackentraining oder EinĂŒben von Falltechniken und Abrollen (Ă€hnlich wie im Judo).[81]
Die Hilfskasse des Eidgenössischen Schwingerverbandes (HKESV) ist eine Unfallversicherung, bei der alle Aktiv- und Jungschwinger obligatorisch angemeldet sein mĂŒssen, um an Schwingfesten teilnahmeberechtigt zu sein. Sie deckt die Kosten nach UnfĂ€llen, die sich beim Schwingen an gefĂŒhrten Trainings und WettkĂ€mpfen von Vereinen und VerbĂ€nden ereignen. Ebenso bezweckt die HKESV die Förderung der UnfallverhĂŒtung.[82] 1919 gegrĂŒndet, erfolgte 1945 die Umwandlung in eine Genossenschaft, um dadurch Steuerbefreiung zu erlangen.[83]
Doping
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der ESV ignorierte die Doping-Problematik jahrzehntelang, da er sich primĂ€r nicht als Sportverband sah, sondern als Vereinigung zur Erhaltung des schweizerischen Brauchtums. Von einigen Schwingern war bekannt, dass sie sich mit Alkohol aufputschten. Nachdem sich der ESV 1997 dem Programm Jugend+Sport angeschlossen hatte, um an Fördergelder des Bundes zu gelangen und allgemein das Niveau der Nachwuchsarbeit zu heben, begann sich die Einstellung zu Ă€ndern. Ab 1999 fĂŒhrte er freiwillig Dopingtests durch, um in den Augen der Ăffentlichkeit und von Sponsoren als «sauber» dazustehen.[84] Der erste bekannte Dopingfall betraf Beat Abderhalden, der im Juli 2001 positiv auf Anabolika getestet wurde.[85] Im Vergleich zu anderen Sportarten gab es relativ wenige Dopingkontrollen, was wiederholt Anlass zu Kritik gab. 2016 setzte der ESV ein Antidopingkonzept um und ein Jahr spĂ€ter schloss er sich dem Sportdachverband Swiss Olympic an. Dadurch ging die Verantwortung vollstĂ€ndig an die Stiftung Antidoping Schweiz ĂŒber, die internationalen Richtlinien folgt.[86] Der prominenteste Dopingfall betraf mit Martin Grab einen der erfolgreichsten Schwinger; ihm wurde im April 2018 die Einnahme von Tamoxifen nachgewiesen, worauf er eine Sperre von zwei Jahren erhielt und seine Karriere beendete.[87]
Verbreitungsgebiet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2022 fĂŒhrte das St. Galler Tagblatt eine statistische Auswertung durch, um die PopularitĂ€t des Schwingsports geographisch zu ermitteln. Es setzte die Anzahl der seit 2008 gewonnenen KrĂ€nze in Relation zur Einwohnerzahl der Wohngemeinden. Dabei lĂ€sst sich recht genau abbilden, in welchen Landesgegenden das Schwingen besonders populĂ€r ist und von wo besonders viele erfolgreiche Schwinger herkommen. Demnach gibt es einen «SchwinggĂŒrtel» entlang der Voralpen, der sich vom Berner Oberland ĂŒber die Zentralschweizer Kantone Obwalden, Nidwalden, Uri und Schwyz bis in die Ostschweiz mit dem Kanton St. Gallen und dem Appenzellerland hinzieht. Markante AuslĂ€ufer ins Mittelland gibt es in den Kantonen Bern, Luzern und Thurgau. Hingegen ist die Verbreitung in den Hochalpen, in der Romandie und in den GrossstĂ€dten deutlich geringer. Weitgehend bedeutungslos ist das Schwingen in den Kantonen Jura und Tessin.[88]
Frauenschwingen
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Jahrzehntelang galt es aus gesellschaftlicher Sicht als völlig undenkbar, dass Frauen den Schwingsport ausĂŒben. Es bestand aber Interesse von Frauen, die mit Schwingern verwandt oder verheiratet waren. Aus diesem Umfeld stammte auch die Wirtin Dora Hari, die gegen zahlreiche WiderstĂ€nde den ersten Frauenschwinget organisierte. Dieser fand am 17. August 1980 auf einer Wiese neben ihrem Restaurant in Aeschi bei Spiez statt. Hari hatte mit 500 Besuchern gerechnet, tatsĂ€chlich kamen nicht zuletzt wegen des grossen Medieninteresses rund 15'000.[89] Nachfolgende Veranstaltungen waren deutlich weniger gut besucht, was die Zeitung Der Bund mit «gestillter Sensationslust» zu erklĂ€ren versuchte. 1992 wurde der Eidgenössische Frauenschwingverband (EFSV) gegrĂŒndet.[90] Das VerhĂ€ltnis zum ESV blieb lange angespannt und mit Vorurteilen belastet. Dessen Statuten schrieben vor, dass jeder Schwinger, Kampfrichter oder FunktionĂ€r sanktioniert werden kann, der an der DurchfĂŒhrung von nicht durch den ESV sanktionierten Schwingfesten beteiligt ist. Davon ausgenommen waren lange Zeit nur Veranstaltungen des Eidgenössischen Nationalturnverbandes. Erst seit einer StatutenĂ€nderung im Jahr 2010 ist der EFSV von diesem Verbot ebenfalls ausgenommen.[91]
Der EFSV wendet das Regelwerk des ESV an, strukturell bestehen aber grosse Unterschiede. WĂ€hrend bei den MĂ€nnern jĂ€hrlich deutlich mehr als hundert Veranstaltungen stattfinden, sind es bei den Frauen jeweils knapp zehn. Die Festorte sind nicht fest und mĂŒssen jedes Jahr neu gesucht werden, Sponsoren sind rar und die Zahl der Schwingerinnen ist deutlich kleiner als die der Schwinger. Seit 1991 wird eine Schwingerkönigin gekĂŒrt, was im Gegensatz zu den MĂ€nnern jĂ€hrlich anhand der Gesamtwertung geschieht. Als «Eidgenössisches Schwingfest» wird jeweils die SaisonabschlussÂveranstaltung bezeichnet.[92]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sagen, Verbote und RĂŒckzugsorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wann sich das Schwingen vom Ringen (bzw. vom Kampfringen) zu unterscheiden begann, ist aufgrund fehlender schriftlicher Quellen nicht nachvollziehbar. Der französische KĂŒnstler Villard de Honnecourt hielt um 1230 in seinem Skizzenbuch einen Zweikampf fest, den er wohl wĂ€hrend einer Reise nach Lausanne beobachtet hatte. Die Abbildung zeigt zwei MĂ€nner, die sich jeweils mit der einen Hand am Hosenstoss des Gegners fassen und sich mit der anderen am RĂŒcken festhalten.[93] Etwa aus derselben Zeit stammt eine Reliefschnitzerei im ChorgestĂŒhl der Lausanner Kathedrale Notre-Dame, auf der zwei KĂ€mpfer zu sehen sind, die ebenfalls einen Kleidergriff anwenden. In Schwingerkreisen und selbst in offiziellen Publikationen hĂ€lt sich mitunter hartnĂ€ckig die unhistorische Feststellung, dass es sich hierbei um die Ă€ltesten Darstellungen von Schwingern handle.[94] Der Historiker Walter Schaufelberger schrĂ€nkt hingegen ein, dass sie nur entfernt an das Schwingen nach heutigen Regeln erinnern. Dasselbe gelte auch fĂŒr Darstellungen im Talhofferschen Fechtbuch (1467) und in der Luzerner Chronik von Diebold Schilling dem JĂŒngeren (1513). Damals habe es noch keine Veranlassung gegeben, explizit zwischen Schwingen und Ringen zu unterscheiden.[95]
Ăberliefert sind gut ein Dutzend Volkssagen, die SchwingkĂ€mpfe zum Thema haben, wobei ihre erste Verschriftlichung jeweils nur schwer zu datieren ist. Oft enden diese KĂ€mpfe tödlich, indem einer der Gegner die Gunst Gottes verspielt, weil er die Kontrolle ĂŒber seinen Körper und somit buchstĂ€blich den Boden unter den FĂŒssen verliert.[96] Beispielsweise erzĂ€hlt eine Obwaldner Sage von Ratsherr Hans Rotzer, der im Schwingkampf unbesiegbar war und seine ĂŒbermenschliche Kraft einem Pakt mit dem Teufel verdankte.[97] Weitere bekannte Sagen mit Bezug zum Schwingen sind die «Kraftwurzel» aus dem Entlebuch und das allgemein verbreitete Motiv des «Sennentuntschi».[98] Geschichten dieser Art dĂŒrften wohl entstanden sein, um unerklĂ€rliche Ereignisse zu verarbeiten oder eine moralische Botschaft zu vermitteln. Laut dem Volkskundler Rudolf Schenda gehe es im Wesentlichen darum, die Vergeudung von Kraft fĂŒr unnĂŒtze SchaukĂ€mpfe anzuprangern.[99]
Schriftliche Quellen setzen gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein und betreffen Versuche der Obrigkeit der eidgenössischen Orte, das Schwingen zu verbieten. Aus Sicht der Herrschenden war das «regellose Balgen» ein mit «Nachtbubenstreichen» gleichzusetzendes VergnĂŒgen, da es die Untertanen mit Vorliebe an Sonntagen ausĂŒbten.[100] Oft geschwungen wurde an Kirchweihen, Dorf- und Alpfesten sowie bei gegenseitigen Besuchen von Talschaften. Der Klerus betrachtete dies als unerwĂŒnschte Konkurrenz im Wettbewerb um Aufmerksamkeit, denn die Schwingfeste hielten insbesondere Jugendliche vom Kirchgang ab. Die weltlichen Herren wiederum sahen im Schwingen keinen Nutzen und unternahmen besondere Anstrengungen, stattdessen ein diszipliniertes SchĂŒtzenwesen zu etablieren, da sie sich davon militĂ€rische Vorteile versprachen.[101] Schwingverbote sind beispielsweise in Bern (1593), Luzern (1594), Basel (1611) und Appenzell (1666) belegt; ein 1682 in Nidwalden erlassenes Verbot hielt sich bis 1908. Nach dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 kursierte ein von einem Luzerner Patrizier geschriebenes Spottlied mit der Zeile «Jetz schwing, jetz ring, jetz stoss den Stein», das diese TĂ€tigkeiten als BrĂ€uche lĂ€ndlicher Verlierer und roher Aussenseiter stigmatisierte.[102]
WĂ€hrend die Verbote in den StĂ€dten und ihrem Umland durchgesetzt wurden, blieben sie in voralpinen Gegenden wirkungslos. HĂ€ufig solidarisierten sich die Landvögte mit der Bergbevölkerung, indem sie das illegale Treiben auf den oft schwer zugĂ€nglichen FestplĂ€tzen ignorierten. Diese konnten rasch und mit einfachsten Mitteln vorbereitet werden. HĂ€ufig organisierten geschĂ€ftstĂŒchtige Wirte kurz entschlossen Schwingeten in ihren Tavernen, um beispielsweise sauren Wein loszuwerden.[103] Im 18. Jahrhundert war das Schwingen ein fester Bestandteil der Kultur der Sennen und KĂŒher.[104] Mit Vorliebe wurde nicht gegen eigene Leute geschwungen, sondern der Kontrahent stammte von einer anderen Alp, Gemeinde oder Talschaft. Das Kampfgericht bildete sich jeweils spontan, die Regeln waren kaum kodifiziert und bei den Griffen und SchwĂŒngen bestanden kaum EinschrĂ€nkungen; selbst Schwingerhosen waren nicht ĂŒberall verbreitet.[105] Preise fĂŒr die Sieger wurden vielfach entweder von Wirten zur VerfĂŒgung gestellt oder durch Geldspenden der Zuschauer finanziert; meist handelte es sich dabei um ein Schaf.[106]
Romantisierung einer Bergidylle
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Im Zeitalter der AufklĂ€rung verbreitete sich zumindest im Berner Patriziat die Auffassung, dass VergnĂŒgungen keine Gefahr fĂŒr den Staat darstellen, weshalb es die Schwingverbote lockerte. Ab 1750 trafen sich am Ostermontag die besten Schwinger aus dem Oberland, dem Emmental, dem Entlebuch sowie Ob- und Nidwalden auf der Grossen Schanze in Bern, um den «Schwingerkönig» zu ermitteln.[107][108] 1797 beschrieb der Luzerner Geistliche Franz Joseph Stalder in «Fragmente ĂŒber Entlebuch» das Schwingen erstmals ausfĂŒhrlich nach wissenschaftlichen Kriterien. Neben detaillierten Beschreibungen einzelner SchwĂŒnge fanden auch verschiedene heute noch gĂŒltige Grundregeln ErwĂ€hnung, beispielsweise der Handschlag vor dem Zweikampf oder das Grifffassen an den Schwingerhosen.[109] Wie zahlreiche andere Autoren seiner Zeit neigte Stalder dazu, das scheinbar einfache Leben naturverbundener Alphirten (die das Schwingen als Zeitvertreib betrieben) romantisch zu verklĂ€ren.[110]

Der Franzoseneinfall beendete 1798 die Herrschaft des Ancien RĂ©gime abrupt. FĂŒnf Jahre spĂ€ter brach auch die von den Franzosen gestĂŒtzte Helvetische Republik zusammen, was zu einem tiefen ZerwĂŒrfnis zwischen ehemaligen Herrschern und Untertanen beitrug. Eine vom Berner Schultheiss Niklaus Friedrich von MĂŒlinen angefĂŒhrte Gruppe von Patriziern versuchte die alte Ordnung wiederherzustellen und wollte zu diesem Zweck ein Fest veranstalten, um die Gunst des Volkes wiederzuerlangen und Versöhnung anzustreben.[111] Ein noch grösseres Anliegen war ihr aber, ĂŒber 600 erlesenen auslĂ€ndischen GĂ€sten mit viel Pathos das (noch kaum vorhandene) NationalgefĂŒhl der Schweizer zu prĂ€sentieren.[112] Als Austragungsort bestimmten die Veranstalter eine Wiese neben der Burg Unspunnen bei AarmĂŒhle (heute Interlaken). Sie beauftragten den Dichter Johann Rudolf Wyss, ein Epos zu verfassen. Diesem zufolge war das geplante Fest angeblich die FortfĂŒhrung einer sechs Jahrhunderte alten Tradition. Das Programm des am 17. August 1805 ausgetragenen ersten Unspunnenfests war mit vielen BrĂ€uchen garniert, darunter Steinstossen, Schiessen, Singen und Alphornblasen. Damit waren erstmals Programmpunkte festgelegt worden, die zum Teil bis heute typisch fĂŒr ein Schwingfest sind. Die einheimische Bevölkerung war lediglich Staffage und diente dazu, dem europĂ€ischen Hochadel sowie Literaten und KĂŒnstlern eine idyllische Bergwelt in Form eines tableau vivant vorzufĂŒhren.[113] Indem die Veranstalter dem Schwingen eine weitaus Ă€ltere Ăberlieferung andichteten, rĂŒckten sie es in die NĂ€he einer erfundenen Tradition.[114]
Nach dem zweiten Unspunnenfest von 1808 erlosch das Interesse am Schwingen wieder. Es fristete erneut ein Nischendasein im lĂ€ndlichen Raum, zumal der OstermontagsÂschwinget stark an Bedeutung verlor und um die Mitte des 19. Jahrhunderts ganz verschwand. Um 1830 galt das Schwingen als «versumpft», d. h. als verwahrlost und anrĂŒchig.[115] Die bekanntesten Schwinger jener Zeit glichen weiterhin den Sagenfiguren frĂŒherer Tage, deren KrĂ€fte ins Ăbermenschliche fabuliert wurden. So erzĂ€hlte man ĂŒber Matthias Wittwer aus Schangnau (den «starken Thys»), dass er in der Lage gewesen sei, ein volles Weinfass auf Brusthöhe zu heben und aus dem Spundloch zu trinken.[116]
Popularisierung durch die Turner
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Impuls fĂŒr die Popularisierung des Schwingens kam indirekt aus Preussen. 1811 begrĂŒndete Friedrich Ludwig Jahn die Turnbewegung, die neben körperlicher ErtĂŒchtigung auch einen deutschen Nationalstaat anstrebte.[117] Nach der 1820 erlassenen Turnsperre war die Bewegung im gesamten Deutschen Bund politischer Verfolgung ausgesetzt. Einige Turner flohen in die Schweiz, wo sie auf Gleichgesinnte trafen, die sich nicht nur auf Jahn, sondern auch auf heimische PĂ€dagogen wie Johann Heinrich Pestalozzi und Jean-Jacques Rousseau beriefen.[118] Allerdings stiess der wachsende Einfluss deutscher Exilanten in der Schweizer Turnbewegung auf Widerstand. Alfred Escher, der spĂ€tere «Eisenbahnkönig» und einflussreiche radikalliberale Politiker, war der Ansicht, dass das Turnen deutscher Art immer «elitĂ€rer und raffinierter» werde. 1837 forderte er in einer Rede, die «ernsten Kampfspiele der Schweiz», darunter das Schwingen, unter dem Motto «Schweizer, turnt schweizerisch!» ins Repertoire aufzunehmen.[119] Der angehende Pfarrer Hiestand aus ZĂŒrich befĂŒrchtete ebenfalls, dass eine zu grosse Hinwendung zu den deutschen Vorbildern «das Interesse an heimatlichen Sitten und GebrĂ€uchen verringern» wĂŒrde. 1846 verlangte er, dass «die in unserem Vaterlande bereits gepflogenen KörperĂŒbungen wie Schwingen, freies Ringen, Steinheben und Steinstossen ebenfalls in den Turnbetrieb und an den Festen als WettkĂ€mpfe aufzunehmen seien.»[120] Der Eidgenössische Turnverein erfĂŒllte diese Forderung 1855 mit der EinfĂŒhrung des Nationalturnens.[119]

So waren es ĂŒberwiegend Turner, die den folkloristischen Zweikampf entscheidend zu einer Sportart weiterentwickelten. Die Unterweisung erfolgte auf lokaler Ebene, weshalb es kleinere Unterschiede in der Regelauslegung gab. Turnlehrer und -vereine animierten den Berner Arzt Rudolf SchĂ€rer dazu, eine Normierung herbeizufĂŒhren. Zu diesem Zweck veröffentlichte er 1864 mit der «Anleitung im Schwingen» das erste Lehrbuch fĂŒr den praktischen Gebrauch. Es basierte auf wiederholter RĂŒcksprache mit Schwingern in den Hochburgen Berner Oberland und Emmental. Neben der ErlĂ€uterung des Regelwerks enthielt es auch detaillierte Beschreibungen von 18 verschiedenen SchwĂŒngen sowie taktische Hinweise dazu. Wie den Tuschezeichnungen im Anhang zu entnehmen ist, traten die Schwinger damals auf Gras mit kurzer geschlossener Schwingerhose und Hemd sowie mit blossen Beinen und barfuss gegeneinander an.[16] Die stĂ€dtischen «Turnerschwinger» nahmen 1873 in MĂŒnsingen erstmals an einem Schwinget der lĂ€ndlichen «Sennenschwinger» teil.[121]
Das Schwingen erlangte wieder gesellschaftliche Anerkennung: Die bĂŒrgerliche Wirtschaftselite war interessiert daran, das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl zwischen den sprachlichen und sozialen Gruppen zu stĂ€rken. Ein Mittel dazu waren gesamtschweizerische eidgenössische Feste verschiedener Sparten, die hĂ€ufig das Bild einer angeblich heilen Berg- und Ălplerwelt vermittelten und so insbesondere in der stĂ€dtischen Arbeiterschaft einen Kontrast zu Entbehrungen und Elend boten.[122] Beim Schwingen geschah dies auf reichlich unkoordinierte Weise. Ein «Eidgenössisches Schwingerkomitee» fĂŒhrte 1886 und 1888 in Bözingen und Biel inoffizielle eidgenössische Feste durch, 1887 fanden in Bern und Lausanne gleich zwei solche Veranstaltungen statt.[121] Die Situation war unbefriedigend, weshalb am Berner Fest der Beschluss fiel, dass das jeweilige Kampfgericht berechtigt sei, die Vergabe zukĂŒnftiger eidgenössischer Feste vorzunehmen.[123] Als erstes Eidgenössisches Schwing- und Ălplerfest (ESAF) im heutigen Sinne â wenn auch weiterhin inoffiziell â gilt eine 1889 vom VeterinĂ€rmediziner Erwin Zschokke organisierte Veranstaltung in ZĂŒrich. 15 zum Teil skurrile Volksspiele standen auf dem Programm, wobei das Schwingen weitaus am meisten Interesse hervorrief.[124] Entsprechend dem patriotischen Zeitgeist sollten schweizerische Eigenarten und BrĂ€uche gepflegt und so die «vaterlĂ€ndischen GefĂŒhle von Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit» verteidigt werden. Nach Ansicht Zschokkes waren diese nĂ€mlich «durch den wuchernden Sport und allerlei auslĂ€ndisches Gespiel» bedroht, womit insbesondere Fussball, Radfahren und Tennis gemeint waren.[125] Es waren also ĂŒberwiegend StĂ€dter, die das Schwingen zu einem Hort von NatĂŒrlichkeit und Tradition machten und es gleichzeitig als Konsumgut attraktiv gestalteten.[126]
VerbandsgrĂŒndungen und Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mittlerweile war das Schwingen in vielen Turnvereinen ein fester Bestandteil des Angebots. Doch etliche Mitglieder waren nicht an den ĂŒbrigen Disziplinen des Nationalturnens interessiert, weshalb sich die GrĂŒndung eigenstĂ€ndiger Vereine aufdrĂ€ngte. Der Ă€lteste ist der 1887 entstandene Schwingklub ZĂŒrich.[127] Zudem setzte sich die Erkenntnis durch, dass VerbĂ€nde unabdingbar waren, um das herrschende Durcheinander in geordnete Bahnen zu lenken. Den Anfang machte 1890 der Obwaldner Schwingerverband, drei Jahre spĂ€ter folgten die VerbĂ€nde der Innerschweiz, des Berner Mittellands und des Berner Oberlands.[128] Der Kantonalverband ZĂŒrich folgte 1911.[129] Schon beim Eidgenössischen Schwingfest 1894 in ZĂŒrich hatte der Turnlehrer Johann Josef MĂŒller als Festredner den Vorschlag gemacht, einen Gesamtverband zu grĂŒnden. Am 11. MĂ€rz 1895 konstituierten sich im CafĂ© Born in Bern sechs Delegierte als Zentralvorstand. FĂŒnf Monate spĂ€ter fand in Biel das erste offizielle ESAF statt. Die anschliessende Hauptversammlung genehmigte am 18. August den ausgearbeiteten Statutenentwurf, womit die GrĂŒndung des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) vollzogen war. Bis 1904 bildeten sich fĂŒnf TeilverbĂ€nde.[130]
In den ersten Jahren gab es Bestrebungen, als typisch schweizerisch empfundene BrĂ€uche unter dem Dach des ESV zu vereinen. Das seit dem frĂŒhen 16. Jahrhundert ĂŒberlieferte Steinstossen wird seit der VerbandsgrĂŒndung durch den ESV mitbetreut und ist bis heute ein fester Bestandteil der eidgenössischen Feste.[131] Ebenfalls eine enge Beziehung zum Schwingen unterhĂ€lt das Hornussen. 1895 gehörte die Hornussergesellschaft Heimiswil sogar zu den GrĂŒndungsmitgliedern des ESV. Als 1902 der Eidgenössische Hornusserverband gegrĂŒndet wurde, schloss er sich umgehend als Teilverband dem ESV an. Diese Bindung blieb bis 1956 bestehen.[132] 1910 grĂŒndete sich die Schweizerische Jodlervereinigung, die neben dem Jodeln auch fĂŒr Alphornblasen und Fahnenschwingen zustĂ€ndig war â allesamt typische NebenaktivitĂ€ten bei Schwingfesten. Zwei Jahre spĂ€ter ordnete sich dieser Verband ebenfalls dem ESV unter, um Schutz vor der Konkurrenz durch SĂ€nger aus Tirol und Bayern zu suchen, die nach Ansicht der Schweizer «schmalzige Lieder» vortragen wĂŒrden. 1932 trennten sich die Jodler von den Schwingern.[133] Von 1907 bis 2019 bestand mit der Eidgenössischen Schwinger-, Hornusser- und Jodlerzeitung ein gemeinsames Verbandsorgan.

Der ESV war bemĂŒht, sich von anderen SportverbĂ€nden abzugrenzen. Mehrmals lehnte er «mit Bestimmtheit» die Einladung ab, sich dem Schweizerischen Landesverband fĂŒr LeibesĂŒbungen (einem VorgĂ€nger von Swiss Olympic) anzuschliessen. Er wollte sich nicht mit den dort vorherrschenden internationalen Strömungen identifizieren und war nicht gewillt, die errungene SelbststĂ€ndigkeit aufgeben. Dies bedeutete wiederum, dass er auf staatliche Subventionen verzichten musste.[121] Die kompromisslose Haltung sorgte fĂŒr ein konfliktbeladenes VerhĂ€ltnis zu den Ringern, die als geĂŒbte Nationalturner hĂ€ufig an Schwingfesten teilnahmen. WĂ€hrend reine Geldpreise im Schwingen verboten waren, liessen es sich viele Ringer nicht nehmen, ins Ausland zu gehen und an Profi-SchaukĂ€mpfen teilzunehmen. Ein bekanntes Beispiel ist John Lemm, der nach Ende seiner Karriere als Nationalturner in der britischen und amerikanischen Wrestling-Szene als The Swiss Hercules zahlreiche Erfolge feierte.[134] Auch Robert Roth, Schwingerkönig von 1919 und 1921 sowie Olympiasieger 1920 im Schwergewichts-Freistilringen, betĂ€tigte sich mehrere Jahre als Profiringer, bis ihn der ESV sperrte. Die FunktionĂ€re befĂŒrchteten, dass sich ĂŒber das Ringen zu viele fremde EinflĂŒsse einschlichen und erliessen deshalb 1938 den «Zuger Beschluss», der Schwingern und Kampfrichtern die Teilnahme an WettkĂ€mpfen im Freistilringen untersagte. Das Problem löste sich in den 1940er Jahren von selbst, als Ringen und Wrestling an PopularitĂ€t verloren und nicht mehr das grosse Geld versprachen.[135]
Versuche der politischen Vereinnahmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der organisatorische Schulterschluss der VolksbrĂ€uche und die Abgrenzung zu anderen SportverbĂ€nden waren Zeichen einer ideologischen VerhĂ€rtung. Obschon das Schwingen erst durch das Interesse liberaler StĂ€dter aus seinem Nischendasein befreit worden war, begann im frĂŒhen 20. Jahrhundert zunehmend konservatives Gedankengut den Schwingsport zu prĂ€gen. VerstĂ€rkt wurde diese Tendenz ab 1932 durch die Geistige Landesverteidigung, eine politisch-kulturelle Bewegung, deren Ziel es war, parteiĂŒbergreifend als schweizerisch wahrgenommene Werte und BrĂ€uche zu stĂ€rken und damit zur Abwehr totalitĂ€rer Ideologien beizutragen. UrsprĂŒnglich gegen Nationalsozialismus und Faschismus gerichtet, ging sie im Kalten Krieg nahtlos in den Antikommunismus ĂŒber. Schwinger galten als Verkörperung des wehrhaften, disziplinierten und bodenstĂ€ndigen Schweizers schlechthin. Dazu passte, dass der ESV regelmĂ€ssig BundesrĂ€te oder hohe Offiziere an die ESAF einlud, um die offizielle Festrede zu halten. Darin hoben sie diese Charaktereigenschaften ausgiebig hervor oder betrieben unverhohlen Armeepropaganda.[136] Konsequent verweigerte sich der ESV jeglicher ModernitĂ€t und schloss beispielsweise 1971 mehrere Schwinger mit langen Haaren aus. GemĂ€ss Vorstandsmitglied Ernst Marti entspreche «die MentalitĂ€t vieler Langhaariger [âŠ] nicht der Art und dem Wesen der Schwingerei», denn das staatszersetzende Gedankengut sei «von Gammlern, Tagedieben und Taugenichtsen» eingeschleppt worden. Marti kĂ€mpfte auch energisch gegen die drohende Kommerzialisierung, die er als ernsthafte Gefahr betrachtete. 1976 liess er beispielsweise den dreifachen Schwingerkönig Ruedi Hunsperger fĂŒr ein Jahr sperren, weil dieser seine Erfolge ausgiebig vermarktet hatte.[137]
Wie vor ihnen Aristokraten, Liberale und Konservative versuchten auch Sozialisten, den Schwingsport fĂŒr ihre Zwecke zu nutzen. 1919 wurde in Oerlikon der Arbeiterschwingerverband gegrĂŒndet, der sich dem Schweizerischen Arbeiter-Turn- und Sportverband anschloss. Die proletarisch-sozialistischen Schwinger verbanden die körperliche ErtĂŒchtigung mit der geistigen Förderung des Klassenbewusstseins. Trainings und WettkĂ€mpfe sollten sie dazu befĂ€higen, vereint im Klassenkampf bessere Lebensbedingungen zu erlangen. 1922 organisierte Jacques Schmid, ein erklĂ€rter Marxist, in Olten das erste Eidgenössische Arbeiterschwingfest.[138] Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten fĂŒhrten dazu, dass sich der Verband zunehmend am bĂŒrgerlichen ESV orientierte. Dabei ĂŒbernahm er Benotung und PrĂ€mierung der KĂ€mpfer, den Titel des Schwingerkönigs und den Dreijahresrhythmus der wichtigsten Veranstaltung. Die Abweichungen in den Regeln waren marginal. Ab Mitte der 1940er Jahre wurde die Klassenkampfrhetorik zunehmend unwichtiger und die Teilnehmerzahlen sanken. Als letzte Veranstaltung hielt sich bis 1977 der Arbeiterschwinget auf der Schafmatt, 1980 löste sich der Verband auf.[139] Politisch links stehende Schwinger blieben bei ESV-Veranstaltungen zwar eine Ausnahmeerscheinung, feierten aber dennoch Erfolge. Das bekannteste Beispiel ist Ernst SchlĂ€pfer, Schwingerkönig von 1980 und 1983 sowie sozialdemokratischer Politiker.[140] Vereinzelt findet auch die linksalternative Kultur- und Hausbesetzerszene Gefallen am Schwingen, da sie darin einen Gegenentwurf zur oberflĂ€chlichen und konsumorientierten Glitzerwelt der StĂ€dte sieht. Beispiele dafĂŒr sind der «KĂŒnstlerschwinget» in Wolfenschiessen in den 1980ern sowie Schwingfeste im ZĂŒrcher Kanzleischulhaus zu Beginn der 1990er[141] und in der Berner Reitschule ab 2022.[142]
Zunehmende Kommerzialisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis weit in die 1950er Jahre hinein betrieb der ESV praktisch keine Medienarbeit und begnĂŒgte sich damit, dass die Verbandszeitung beilĂ€ufig auch die Tageszeitungen bediente. Diese passive Einstellung Ă€nderte sich grundlegend mit Fritz Erb, dem schwingbegeisterten Chefredaktor der Zeitung Sport. Er half dem ESV dabei, eine professionelle Berichterstattung aufzubauen, ein Beziehungsnetz zu knĂŒpfen und fachunkundige Journalisten zu schulen. Das monopolistische Radio BeromĂŒnster (das heutige Radio SRF 1) begnĂŒgte sich meist damit, von den ESAF zu berichten, wĂ€hrend es sonstige Schwingfeste ĂŒberwiegend ignorierte. Nach der Legalisierung privater Lokalradios im Jahr 1983 nahm das Interesse dieses Mediums markant zu. Nach der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes trat das öffentlich-rechtliche Radio anlĂ€sslich des ESAF 1992 in Olten erstmals zusammen mit einem offiziellen Sponsor in Erscheinung.[143] Die erste Fernseh-LiveĂŒbertragung fand am 20. August 1995 statt, als das Schweizer Fernsehen den Schlussgang des ESAF in Chur zeigte. Dieses Ereignis wird allgemein als Startpunkt des nachfolgenden Booms angesehen. Mit jeder Austragung stiegen das Interesse und die Ăbertragungsdauer. 2004 in Luzern zeigte das Fernsehen erstmals ĂŒber mehrere Stunden Livebilder beider Festtage.[144] Das Schwingen erwies sich als ausgesprochen fernsehtaugliche Sportart: Zwischen 2004 und 2013 verdoppelte sich die durchschnittliche Einschaltquote von 33 auf 66 Prozent, wĂ€hrend jene des jeweiligen Schlussgangs von 46 auf 78 Prozent anstieg.[145]

Dank der Aufmerksamkeit der Massenmedien, die die besten Schwinger auch in Boulevard-Formaten prĂ€sentierten und so einem grossen Publikum nĂ€herbrachten, erlebte das Schwingen einen regelrechten Boom. Es wuchs ĂŒber das lĂ€ndlich-konservativ geprĂ€gte Milieu hinaus und erfasste auch urbane Gesellschaftsschichten. Damit wiederholte sich in gewisser Weise die Entwicklung, die das Schwingen in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts erfahren hatte. Bisweilen wird versucht, das sprunghaft zugenommene Interesse mit der Verunsicherung in Zeiten der Globalisierung zu erklĂ€ren. Demzufolge wĂŒrden sich die Menschen vermehrt auf AltbewĂ€hrtes und BodenstĂ€ndiges zurĂŒckbesinnen, wobei insbesondere der Schwingsport die Sehnsucht nach einer vermeintlich heilen Welt befriedige.[146] Das Schwingen geriet zunehmend in den Sog der Kommerzialisierung. Betrug der Umsatz beim ESAF 2004 noch 42 Millionen Franken, so stieg er beim ESAF 2019 auf 200 Millionen an. Neue, auch international tĂ€tige Sponsoren, die ĂŒber unvergleichlich grössere Geldmittel verfĂŒgen als die traditionellen Geldgeber aus dem lokalen Gewerbe, stiegen als «Königspartner» des ESV ein. Die FunktionĂ€re betonen wiederholt, dass sie sich der damit verbundenen Risiken bewusst seien, andererseits kann der ESV mittlerweile die Organisation des ESAF ohne Sponsoren gar nicht mehr allein bewĂ€ltigen.[147]
Auch die Schwinger begannen ihren Anteil an den Sponsorengeldern einzufordern, zumal der Widerspruch zwischen Amateurstatus und steigendem Trainingsaufwand immer offensichtlicher wurde. Einen eigentlichen Tabubruch beging Jörg Abderhalden, als er nach seinem dritten ESAF-Sieg 2007 einen Vertrag mit der Agentur IMG abschloss und sich als erster Schwinger ĂŒberhaupt ein professionelles Management zulegte. Konservative AnhĂ€nger des Schwingens befĂŒrchteten einen Ausverkauf der Traditionen.[148] Als mehrere Schwinger Abderhaldens Beispiel folgen wollten, sah sich der ESV zum Handeln gezwungen und fĂŒhrte 2010 ein Werbereglement ein.[149] Die ĂberprĂŒfung der VertrĂ€ge ĂŒberstieg rasch die personellen Ressourcen des bisher rein ehrenamtlich gefĂŒhrten Verbandes, weshalb er 2011 erstmals ĂŒberhaupt einen VollzeitbeschĂ€ftigten als GeschĂ€ftsleiter anstellte.[150] Nach seinem RĂŒcktritt weigerte sich Abderhalden, weiterhin einen Zehntel abliefern zu mĂŒssen, was zu einer öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung mit der Verbandsspitze fĂŒhrte. 2013 beschloss die Abgeordnetenversammlung einen Kompromiss, wonach die Abgabepflicht bis drei Jahre nach dem erfolgten RĂŒcktritt weiterbesteht, fĂŒr diesen Zeitraum aber nur noch fĂŒnf Prozent betrĂ€gt.[151] Die Kommerzialisierung hatte anfangs durchaus lautstarke Kritiker, fĂŒhrte aber auch dazu, dass sich der Schwingsport gesellschaftlich öffnete und heute weitgehend entpolitisiert ist.[152]
Kulturelle Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Volkssagen mit Bezug zum Schwingen waren in die bis zum 18. Jahrhundert vorherrschende Ansicht eingebettet, wonach die schroffen und zerklĂŒfteten Alpen ein Sinnbild des Grotesken, Wahnsinnigen und Bösen seien.[153] Der Berner Universalgelehrte Albrecht von Haller gehörte zu den ersten, der stattdessen die natĂŒrliche Schönheit des Gebirges pries und die Schweiz als Sehnsuchtsort gebildeter Kreise zu etablieren begann. In seinem 1729 erschienenen Gedicht Die Alpen schwĂ€rmte er auch vom Schwingen als Bestandteil von Bergfesten. Reiseberichte jener Zeit wiesen dem Schwingen eine stereotype Rolle als althergebrachter und archaisch anmutender Alphirtenbrauch zu. Zahlreiche Radierungen und Kupferstiche, unter anderem von Marquard Wocher und Ernst Keil, stellten auf ĂŒberhöhende Weise eine idyllische Naturkulisse mit friedlichen WettkĂ€mpfern und in Volkstracht gekleideten Zuschauern dar.[154]

Eine zentrale Rolle in der kĂŒnstlerischen Auseinandersetzung nehmen die beiden ersten Austragungen des Unspunnenfests ein. 1805 lud der Kunstsammler Sigmund von Wagner, einer der Initiatoren, mehrere KĂŒnstler ein. Besonders die Genremaler Franz Niklaus König und Johann HĂŒrlimann liessen sich durch das Festtreiben zu GemĂ€lden inspirieren. 1808 war unter anderem die französische Autorin Germaine de StaĂ«l zu Gast, die ihre EindrĂŒcke im Buch De lâAllemagne festhielt.[155] Einen bleibenden Eindruck hinterliess das Fest auch bei ihrer Begleiterin, der Malerin Ălisabeth VigĂ©e-Lebrun.[156]
Der aus dem Emmental stammende Schriftsteller Jeremias Gotthelf ĂŒbte in seiner Jugend sowohl das Schwingen als auch das Hornussen aus. Diese beiden Sportarten finden in mehreren seiner Werke ErwĂ€hnung; 2013 fĂŒhrte das Gotthelf-Zentrum in LĂŒtzelflĂŒh eine Sonderausstellung zu diesem Thema durch.[157] Im spĂ€ten 19. und im frĂŒhen 20. Jahrhundert befassten sich wiederum verschiedene Maler mit dem Schwingen, darunter Ferdinand Hodler, Johannes Weber und Willy Fries, wĂ€hrend Grafiker wie Paul Wyss Plakate fĂŒr Schwingfeste gestalteten. Der Bildhauer Hugo Siegwart sorgte 1908 mit dem Schwingerdenkmal in Luzern fĂŒr einen Skandal: Konservative Kreise kritisierten die Nacktheit der beiden dargestellten Schwinger heftig und fast 2500 Personen hegten in einer Petition «die ernstliche und wohlbegrĂŒndete BefĂŒrchtung, dass die Aufstellung dieses Denkmals [âŠ] eine SchĂ€digung fĂŒr die sittliche Erziehung der Jugend bedeutet».[158]
2011 erschien der Dokumentarfilm Hoselupf â oder wie man ein Böser wird. Darin taucht der Kabarettist Beat Schlatter als ahnungsloser Stadtbewohner in die fĂŒr ihn völlig fremde Welt des Schwingsports ein. Er nimmt regelmĂ€ssig an Trainings teil und erlernt die wichtigsten SchwĂŒnge und Taktiken, bis er schliesslich in einem Schaukampf gegen einen Nachwuchsschwinger antritt.[159][160] Zusammen mit Christoph Fellmann schrieb Schlatter auch das Drehbuch fĂŒr das 2023 aufgefĂŒhrte Freilicht-TheaterstĂŒck Wyberhaagge, mit ihm in der Haupt- und mit Schwingerkönig Matthias Glarner in einer Nebenrolle.[161]
In ZĂŒrich liegt die Schwingerstrasse dort, wo einst ab 1907 die SchwingerhĂŒtte (oder Schwingerhalle) bestand. Heute steht dort das Altersheim Stampfenbach.[162] Zudem existiert ein Rickenschwingerweg in Ricken. Nicht um einen Strassennamen, sondern um einen Themenweg handelt es sich beim Schwingerweg Diemtigtal.[163]
2013 wurde von der Swissmint eine 20 Franken SondermĂŒnze mit dem Motiv Schwingen verausgabt.[164]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thomas Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli: Schwingen â vom Nationalspiel zum Millionenspektakel. Weltbild, Wangen bei Olten 2019, ISBN 978-3-03812-770-3.
- Linus Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser â Warum die Schweiz das Schwingen erfand. Nagel & Kimche, ZĂŒrich 2019, ISBN 978-3-312-01144-5.
- Thomas Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport â ein Schweizer PhĂ€nomen. Faro, Lenzburg 2013, ISBN 978-3-03781-066-8.
- Urs Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse: Schwingen â ein Volkssport wird trendig. AT Verlag, Aarau 2010, ISBN 978-3-03800-550-6.
- Stephan Pörtner (Hrsg.): Hosenlupf: Eine freche Kulturgeschichte des Schwingens. Walde + Graf, ZĂŒrich 2010, ISBN 978-3-03774-017-0.
- Walter Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. Verlag Paul Haupt, Bern 1972, ISBN 3-258-01634-8.
- Hans Peter Treichler: Nationalspiele der Schweiz. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- JubilĂ€umsschrift-Kommission (Hrsg.): 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband 1895â1995. Eidgenössischer Schwingerverband, 1995 (esv.ch [PDF; 23,9 MB]).
- Technisches Regulativ 2020. Eidgenössischer Schwingerverband, 2020 (esv.ch [PDF; 310 kB]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eidgenössischer Schwingerverband
- Eidgenössischer Frauenschwingverband
- Schlussgang.ch â die Schwingerzeitung
- Michael Jucker: LÀndlicher Sport oder stÀdtischer Kommerz? Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 7. Mai 2021
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 18â21.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 148â149.
- 1 2 ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 2.
- â Julia Nehmiz: Und plötzlich ist es Tradition. In: St. Galler Tagblatt. 5. Juni 2018, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Richtlinien fĂŒr die Technischen Hilfsmittel. (PDF, 480 kB) Eidgenössischer Schwingerverband, 11. Februar 2014, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 9.
- â Richtlinien fĂŒr SĂ€gemehlplĂ€tze. (PDF, 65 kB) Eidgenössischer Schwingerverband, 5. Oktober 2015, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 13â16.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 33.
- â Jahreswertung. In: Schwingerpedia. schlussgang.ch, 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- 1 2 ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 3.
- â ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 1.
- 1 2 3 ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 7.
- â Anschwingen. In: Schwingerpedia. schlussgang.ch, 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- 1 2 ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 3â6.
- 1 2 Elias Flatscher: Schwungvoll und erschwinglich: Das Schwingen in LehrbĂŒchern aus drei Jahrhunderten. kampfsportmuseum.de, 19. MĂ€rz 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 44.
- â ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 6.
- â ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 7â8.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 25â26.
- â ESV: 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband. 1995, S. 259â261.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 25â26.
- â ESV: Technisches Regulativ. 2020, S. 8.
- â Lehrbuch Schwingen. Eidgenössischer Schwingerverband, 2024, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Technik Schwingen â Abnahme SportfachprĂŒfungen Stufe 1 bis 4. (PDF, 2,67 MB) 2023, S. 21, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 46.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 48.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 47.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 52.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 48.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 50.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 54.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 51.
- â Wyberhaken. In: Schwingerpedia. schlussgang.ch, 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 53.
- â F. K. Mathys: Schweizerische Volksspiele und ihre Verwandtschaft mit europĂ€ischem Spielkulturgut. In: Jugend und Sport : Fachzeitschrift fĂŒr LeibesĂŒbungen der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Magglingen. Band 36, Nr. 12. Eidgenössische Hochschule fĂŒr Sport, Magglingen 1979, S. 391 (e-periodica.ch).
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- â Ralf Streule: Vor den Schweizer Meisterschaften in St.Gallen: Warum Judo in der Schweiz um Beachtung kĂ€mpfen muss. St. Galler Tagblatt, 15. November 2018, abgerufen am 30. Mai 2024.
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- â Unser Leitubild. (PDF, 490 kB) Eidgenössischer Schwingerverband, 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
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- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 136â137.
- â Philipp Rindlisbacher: Das passiert, wenn ein Spitzenschwinger in Kalifornien antritt. Berner Zeitung, 23. Juni 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Claudio Zanini: Schwingen: Jeder eidgenössische Kranz ist ein Unikat. Luzerner Zeitung, 25. August 2016, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â ESAV: Technisches Regulativ. S. 8.
- â Martin Probst, Marcel Kuchta: Bereit fĂŒr das Saisonhighlight? So funktioniert der Schweizer Nationalsport. 24. September 2021, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Warum sind Schwinger «böse»? Luzerner Zeitung, 26. August 2017, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 20â21.
- â Christian Stucki hört nach dieser Saison auf. Jungfrau Zeitung, 10. Januar 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 23.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 26â28.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 177â178.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 77.
- â Martin MĂŒhlebach: Eidgenössisches Schwingfest in Zug: Der Gabentempel ist reich bestĂŒckt. Zuger Zeitung, 9. August 2019, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 28.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 33, 36â39.
- â Schwingen. In: Die lebendigen Traditionen der Schweiz. Bundesamt fĂŒr Kultur, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
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- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 103â104.
- â Reglement Werbung. Eidgenössischer Schwingerverband, 2021 (esv.ch [PDF; 200 kB]).
- â Klaus Zaugg: Schwinger stauben immer mehr ab â aber noch gibt's keinen «SĂ€gemehl-MillionĂ€r». In: watson.ch. 19. Februar 2019, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Klaus Zaugg: Goldgrube SĂ€gemehl â aber nur die ganz Bösen sahnen ab. In: Blick. 26. August 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- 1 2 Ralf Meile: Jetzt klingelt die Kasse von König Wicki â was Schwinger verdienen. In: watson.ch. 30. August 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 77.
- â Klaus Zaugg: Samuel Giger ist erster Schwingprofi â das lĂ€ngst fĂ€llige Ende einer Heuchelei. In: watson.ch. 4. August 2026, abgerufen am 2. September 2026.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 116â117.
- â ESV: 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband. 1995, S. 264.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. 2019, S. 90.
- â ESV: 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband. 1995, S. 264â265.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 126.
- â Reto Fehr: Schwinger in Zahlen: Das ist der typische Eidgenosse. In: watson.ch. 27. Februar 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Huwyler: Könige, Eidgenossen und andere Böse. 2010, S. 129â130.
- â Thomas Heer: UnfĂ€lle im Schwingsport: Einen Toten gab es bereits. In: Luzerner Zeitung. 17. Juli 2016, abgerufen am 5. MĂ€rz 2024.
- â Statuten. (PDF, 170 kB) Genossenschaft Hilfskasse des Eidgenössischen Schwingverbandes, 2018, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â ESV: 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband. 1995, S. 66.
- â Renggli: Brienzer, Kommerz und Halligalli. S. 78â79.
- â Erstmals Schwinger beim Doping erwischt. Swissinfo, 31. Juli 2001, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Stellungnahme zum Fall Martin Grab. Eidgenössischer Schwingerverband, 16. Juli 2018, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Robert Betschart: Schwinger Martin Grab wegen Doping fĂŒr zwei Jahre gesperrt â der beteuert seine Unschuld. Aargauer Zeitung, 28. August 2019, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Ruben Schönenberger: Fast 250 KrĂ€nze in 15 Jahren: Das ist die böseste Gemeinde der Schweiz. St. Galler Tagblatt, 25. August 2022, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 21â25.
- â Chiara Zgraggen: Kampf im und neben dem SĂ€gemehl. In: watson.ch. 3. September 2023, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 138.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 135.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 152.
- â ESV: 100 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband. 1995, S. 17.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 152â153.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 40â41.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 42â43.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 45â47.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 48â49.
- â Renggli: Schwingen: Vom Hosenlupf zum Spitzensport. 2013, S. 63.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 51â53.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 53â55.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 155â156.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 154.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 158â159.
- â Schaufelberger: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. 1972, S. 160.
- â Pörtner: Hosenlupf. 2010, S. 217â218.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 62.
- â Fragmente ĂŒber Entlebuch: Vom «Fleutischwung» und vom «FleugedĂ€tsch». Schwinger-Blog, 11. Januar 2017, abgerufen am 4. MĂ€rz 2024.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 57.
- â Schöpfer: Schwere Kerle rollen besser. 2019, S. 59â61.
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- â Die Schwingerstrasse, alt-zueri.ch
- â Schwingerweg Springenboden
- â SilbermĂŒnze Schwingen