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Segankuru

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Segankuru, auch serankure, segaba und sebinjolo, ist eine im sĂŒdlichen Afrika verbreitete, mit einem Bogen gestrichene, einsaitige Schalenzither. Der aus einer halb zusammengedrĂŒckten Blechdose bestehende Resonanzkörper befindet sich am oberen Ende des SaitentrĂ€gerstabes, den der Spieler ĂŒber eine Schulter gelegt hat, wĂ€hrend er seine Lieder begleitet. Der Holzstab ist ĂŒber fast die gesamte LĂ€nge an der Oberseite schalenförmig ausgearbeitet und trĂ€gt somit zur KlangverstĂ€rkung bei. Das wesentliche Element der schwierig zu erlernenden Spielweise sind kreisförmige Bewegungen mit dem Bogen ĂŒber die Saite, wĂ€hrend gleichzeitig die StĂ€rke der Streichbogenbespannung geĂ€ndert wird, wodurch einzelne Partialtöne herausgefiltert werden können.

Das in unbekannter Zeit vermutlich als Weiterentwicklung der mit einem Mundbogen verwandten Rinnenzither tshidzholo entstandene Saiteninstrument kommt in Botswana und darĂŒber hinaus in Variationen und mit verschiedenen Namen in den angrenzenden LĂ€ndern Namibia, Simbabwe, SĂŒdafrika und Lesotho vor. Bei der sĂŒdafrikanischen Stabzither isankuni ist als Resonator ein Blechkanister angebracht, der beim Spiel nach unten gehalten wird.

Die einfachsten Saiteninstrumente sind Musikbögen, deren flexibler und gebogener SaitentrĂ€ger eine mit beiden Enden verbundene Saite unter Spannung hĂ€lt. VerlĂ€uft eine vorgespannte Saite parallel zwischen den Enden eines starren SaitentrĂ€gers, so ist das Ergebnis eine Stabzither (oder Musikstab). Nach der Form des in Afrika in der Regel hölzernen SaitentrĂ€gers werden MusikstĂ€be mit Plattstab, bei denen die Saite ĂŒber die schmale Seite eines hochkant gestellten TrĂ€gers verlĂ€uft, von solchen mit (einem meist langen) Rundstab unterschieden. Die zuerst genannten kommen ĂŒberwiegend in Ostafrika, die letzteren in Uganda und Westafrika vor.

Damit die Saite parallel zum TrĂ€ger frei schwingen kann, mĂŒssen auf beiden Seiten Abstandshalter unterlegt werden. Bei der segankuru hebt dagegen ein langer Stimmwirbel die an seinem Ende angebundene Saite in einem spitzen Winkel einseitig vom TrĂ€ger ab. Eine dritte Möglichkeit stellen die Kerbstegzithern mit mehreren Saiten dar, bei denen wie bei der kamerunischen mvet die Saiten ĂŒber einen mittig aufgestellten Steg laufen und mit dem TrĂ€ger ein flaches, annĂ€hernd gleichschenkliges Dreieck bilden.[1]

Ein- oder mehrsaitige Stabzithern benötigen eine separate ResonanzverstĂ€rkung, ebenso Brettzithern wie die bangwe in Malawi, die zur ResonanzverstĂ€rkung in eine Kalebassenhalbschale oder einen Blechkanister gehalten wird. SaitentrĂ€ger, die zugleich als Resonanzkörper fungieren, bestehen aus einer Röhre: Röhrenzithern (valiha in Madagaskar) oder aus einer Schale: Schalen- oder Trogzithern, die abgesehen von der segankuru praktisch nur in Ostafrika vorkommen (inanga in Burundi). Kastenförmige Resonanzkörper (Kastenzithern) nach orientalischen oder europĂ€ischen Vorbildern sind in Afrika nicht verbreitet. Schalenförmige Resonanzkörper besitzen neben den Zithern, deren Saiten ĂŒber die Öffnung der Schale verlaufen, auch Leiern, deren Saiten in der Deckenebene bis zu einer darĂŒber hinausragenden Jochstange fĂŒhren (beganna in Äthiopien, endongo in Uganda, obokano in Kenia). In Botswana sind auch Pluriarcs, mehrsaitige Musikbögen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Leiern haben, in Gebrauch (bei den Bantu cihumba)[2].

Die Klassifizierung der segankuru als Schalen- oder Trogzither mit Resonator erfolgt gemĂ€ĂŸ der Hornbostel-Sachs-Systematik (315.2), weil der TrĂ€gerstab, ĂŒber den die Saite verlĂ€uft, in den meisten FĂ€llen muldenförmig ausgehöhlt ist. Dass ĂŒblicherweise nur Lauteninstrumente – in Afrika etwa die ugandische Röhrenspießgeige endingidi – mit dem Bogen gestrichen werden, fĂ€llt bei dieser nach Strukturmerkmalen vorgenommenen Einteilung nicht ins Gewicht. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland einen Versuch, eine mit dem Bogen gestrichene Kastenzither einzufĂŒhren, ansonsten sind Streichzithern nur aus Ostasien bekannt, wo sie seit der Tang-Dynastie (618–907) nachgewiesen sind:[3] die mit einem Holzstab gestrichenen Wölbbrettzithern ajaeng in Korea und yazheng in China.

Mit einem angerauhten Holzstab werden im sĂŒdlichen Afrika auch die Saiten einiger Mundbögen gestrichen. Nach der auf harmonischen Obertönen basierenden Spielweise besteht eine enge Verbindung zwischen der segankuru und Mundbögen. Die Resonanz erzeugende Eigenschaft des schalenförmigen SaitentrĂ€gers bringt die segankuru mit den ostafrikanischen Röhrenspießgeigen, die durch arabische HĂ€ndler eingefĂŒhrt wurden, zusammen. Dieselbe Methode wie bei der segankuru, ausgehend von einem massiven SaitentrĂ€gerstab, der praktisch keinen Einfluss auf den Klang nimmt, eine zusĂ€tzliche KlangverstĂ€rkung zu erzielen, ist beim Schrapbogen kalyalya zu beobachten, der um die ostangolanische Stadt Luau gespielt wird. Beim kalyalya (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen dreisaitigen Kastengeige in Angola) ist der Bogenstab nach dem Prinzip der Schlitztrommel im mittleren Bereich ausgehöhlt.[4] Die Verwendung eines Streichbogens verbindet die segankuru mit ein- und mehrsaitigen afrikanischen Fideln wie der zeze in Tansania. Die zeze ist eine Schalenspießlaute mit einem tiefen hautbespannten Korpus.[5]

Als separate Resonatoren von Musikbögen und Xylophonen wie der valimba in Malawi dienen ĂŒberwiegend Kalebassen. VorlĂ€ufer der Blechdosen an den Streichzithern sollen den Aussagen einiger Informanten zufolge frĂŒher Resonatoren aus Kalebassen oder steifen getrockneten TierhĂ€uten gewesen sein. Auch soll es frĂŒher Saiten aus Tiersehnen gegeben haben. Erhalten blieben solche Instrumente nicht.[6]

Die zum Bau verwendeten Holzarten sind ĂŒblicherweise relativ leicht. Verwendet werden Cussonia spicata (Cussonia-Art, mosetse), Ozoroa paniculosa (Familie der SumachgewĂ€chse, monokane), Zedrachbaum (Melia azedarach L., mosalaosi), Knotenfruchtbaum (Maerua schinzii Pax, moomane oder moratletla) und seltener das schwerere Holz von Mopane (Colophospermum mopane). Das möglichst gerade HolzstĂŒck wird von Zweigen befreit und mindestens zwei Wochen in der Sonne getrocknet oder in ein offenes Feuer gelegt, um die Rinde abzubrennen. Die Mulde wird mit einem Dechsel (petlwana) bis zur Form eines Kanus herausgeschĂ€lt.[7] Der SaitentrĂ€ger der segankuru ist zwischen 90 und 110 Zentimeter lang bei einem Durchmesser von fĂŒnf bis sieben Zentimetern.[8] John Brearley beschreibt ein typisches Exemplar mit einem Stab von 86 Zentimetern LĂ€nge und sechs Zentimetern Durchmesser, bei dem auf fast der gesamten LĂ€nge eine Mulde ausgeschĂ€lt ist. Hier betrĂ€gt die freie LĂ€nge der Saite 74 Zentimeter.[9]

Im Unterschied zur ĂŒblichen Position oben bei einem senkrecht gehaltenen Saiteninstrument befindet sich der Stimmwirbel am unteren Ende. Der runde HolzdĂŒbel wird durch ein Loch im SaitentrĂ€ger einige Zentimeter vor dessen Ende gesteckt und ragt auf beiden Seiten mindestens eine Handbreit heraus. Zum Stimmen muss er mit der ganzen Hand fest umfasst werden. Vom Ă€ußeren Ende des Wirbels verlĂ€uft eine Drahtsaite schrĂ€g bis zum oberen Ende des TrĂ€gers. Bei manchen Instrumenten fĂŒhrt die Saite ĂŒber eine Art Sattel aus einem untergeschobenen beliebigen Material hinweg, der knapp unterhalb des Resonators positioniert ist. Als Resonator (Setswana phomphokgo) dient eine ĂŒbergestĂŒlpte FĂŒnf-Liter-Öldose, deren Deckel abgeschnitten ist und die seitlich passend auf die Breite des TrĂ€gerstabes zusammengedrĂŒckt und bei Bedarf festgenagelt wird. In den Dosenboden können einige Schalllöcher geschnitten sein.[10] Wie viele afrikanische Musikinstrumente kann die segankuru mit Rasselkörpern ausgestattet sein, in diesem Fall etwa mit Drahtringen, die in Bohrlöchern an der Unterkante der Blechdose befestigt sind.

Der Streichbogen besteht aus einem stark gekrĂŒmmten Zweig, der meist mit Rinderschwanzhaaren bespannt ist, deren LĂ€nge 20 bis 35 Zentimeter betrĂ€gt. Bevorzugt werden möglichst feste Haare, wobei der Bogen wegen der kurzen Schwanzhaare des Rindes zwangslĂ€ufig so klein ausfĂ€llt. Als Kolophonium wird das Harz (Setswana borekhu) eines in Botswana moroka genannten Baumes der Gattung Commiphora (Familie der BalsambaumgewĂ€chse) verwendet. Ein Harzklumpen klebt normalerweise am unteren Ende des Instruments hinter dem Wirbel in einer eigens geschaffenen Vertiefung.[11]

FĂŒr die sĂŒdafrikanische Provinz Ostkap erwĂ€hnt David Rycroft 1966 neben mehreren, mit einem Holzstab gestrichenen Mundbögen und mit Resonanzkörpern ausgestatteten Musikbögen eine anders konstruierte Streichzither namens isigankuri, die im dortigen Pondoland nach Aussage von Percival Robson Kirby Anfang der 1930er Jahre als isankuni bezeichnet wurde. Laut Kirby war die isankuni wenig zuvor aus dem Norden eingefĂŒhrt worden. Die isankuni (isigankuri) mit einer freien SaitenlĂ€nge von etwa 75 Zentimetern ist eine umgedrehte Version der segankuru, bei der sich ein Blechkanister am unteren Ende befindet. Sie besitzt keinen Stimmwirbel und geht möglicherweise auf den Mundbogen umqunge zurĂŒck, der nur bei den Pondo vorkommt. Die isangkuni ist noch einfacher als die segankuru konstruiert. Der SaitentrĂ€ger wird schrĂ€g in einen offenen Blechkanister gesteckt und die Saite verlĂ€uft von dessen Ende bis zur unteren Ecke des Kanisters.[12] Die klanglichen Variationsmöglichkeiten sind geringer als bei einem Mundbogen, weil das Volumen des Resonator-Kanisters wĂ€hrend des Spiels nicht verĂ€ndert werden kann.[13]

Wann die segankuru eingefĂŒhrt wurde, ist nicht bekannt. Eine der ersten ErwĂ€hnungen stammt aus dem Jahr 1928 von Dorothy Bleek, die Jugendliche der Nharo, die eine zu den San gehörende Gruppe von Sammlern und JĂ€gern in der zentralen Kalahari bilden, das Instrument spielen hörte. Es war mit einer Sehne bespannt und besaß bereits eine Blechdose als Resonator. Die Musiker befeuchteten die Bogenhaare mit den Lippen vor dem Spiel.[14] Etwas nĂ€her beschrieb 1932 Kirby die segankuru, die nach seiner Kenntnis in weiten Teilen des sĂŒdlichen Afrika vorkam.[15] Die bantusprachigen Venda spielten das bei ihnen tshidzholo (tsijolo) genannte Instrument in der Ă€lteren Tradition nach dem Prinzip des Mundbogens mit dem Mund anstelle der Blechdose verstĂ€rkt. Mit der tsijolo verwandt ist das Wort der Batswana, sefinjolo, das offensichtlich von Afrikaans viool fĂŒr „Violine“ abgeleitet ist, mit se-, einem PrĂ€fix fĂŒr Batswana-Substantive.[16] Die bantusprachigen Batswana verwendeten sie fĂŒr ein sebatlo genanntes Versteckspiel[17].

Der Name segankuru ist in Botswana insgesamt am weitesten verbreitet; im nordöstlichen Central District kommt laut John Brearley (1996) segaba („etwas Geschnitztes“) hĂ€ufiger vor, bei den Batswana ist segankuru gebrĂ€uchlich. JĂŒrgen Schöpf (2008) beschreibt in seiner Monografie die Streichzither im South-West District als serankure.[18] Die Herkunft des Wortes segankuru ist unbekannt. In der nahezu ausgestorbenen Khoisansprache Korana bedeutet kuru „machen“, der Wortbestandteil gan könnte von Afrikaan kann oder Englisch can, „Dose“ abgeleitet sein. Diese geteilte Wortherkunft wĂŒrde zum Instrument passen, dessen aus der afrikanischen Tradition stammende Anordnung der Saite mit einem wohl von der europĂ€ischen Musikkultur beeinflussten Bogen gestrichen wird. Ein Streichholz gab es hingegen vermutlich bereits vor den EuropĂ€ern.[19]

Segaba kann auch einen Mundbogen bezeichnen, dessen Saite aus einer Palmblattfaser besteht, ĂŒber die wie mit beim Mundbogen umrhubhe der Xhosa mit einem Holzstab gestrichen wird. Im westlichen Ghanzi District heißt das Instrument bei den Nharo poman und bei einer anderen San-Gruppe bajene. Beide Namen scheinen nicht aus Khoisansprachen zu stammen. Im Nordwesten des Landes und in angrenzenden Gebieten von Namibia fand Nicholas England in den 1950er Jahren bei der Khoisan-Gruppe Zu/wasi den Namen do n!ao („Blechdosen-Bogen“). Isiceleceshe ist ein Wort der Zulu in SĂŒdafrika, gorito eines der Damara in Namibia.[20] Weitere regionale Namen der Streichzither, die in den 1980er Jahren in Erfahrung gebracht wurden, sind dinudi, siwumba und setinkane und bei den Xhosa ikatari.[21] Die Bakgatla, eine Untergruppe der Batswana, nennen die Streichzither sebinjolo (sebinjola)[22].

Der sitzende Musiker hĂ€lt die segankuru gerade ĂŒber eine Schulter gelegt und einem Winkel von etwa 45 Grad nach vorn mit der linken Hand am Wirbel, wobei sich die Blechdose in Höhe des Kopfes befindet. Mit dem Bogen in der rechten Hand streicht er quer ĂŒber die Saite, in Kreisbewegungen oder elliptischen Bewegungen entlang der Saite. Mit Hilfe des Daumens außen an den Bogenhaaren kann er die Spannung wĂ€hrend des Spiels erhöhen oder vermindern. Die StĂ€rke der Bespannung hat einen wesentlichen Einfluss auf die erklingende Tonhöhe. Kommt der Spieler gemĂ€ĂŸ den Beobachtungen von John Brearley (1996) mit dem Bogen an eine Stelle der Saite, an der sich bestimmte Obertöne ergeben, so spannt er die Bogenhaare an, um diese Töne klarer hervorzubringen. Dagegen ist nach einem neueren ErklĂ€rungsmodell von JĂŒrgen Schöpf (2011) der Anstreichort unerheblich. Demnach bilden Bogen und Saite ein gekoppeltes Schwingungssystem, bei welchem der Spieler durch die gewĂ€hlte Bogenspannung den Bogen in eine bestimmte Eigenschwingung versetzt, die dieser bei der Streichbewegung an die Saite ĂŒbergibt.[23] Zugleich kann der Spieler mit einem Finger der linken Hand an einer oder zwei Stellen die Saite berĂŒhren und so wie beim Musikbogen zwei oder drei Fundamentaltöne erzeugen. Zu jedem Grundton kommen je nach Spielweise bis zu sechs (oder acht) Partialtöne hinzu, die durch die genannte Bogentechnik – also durch Spannen und Entspannen der Bogenhaare – isoliert werden. Bei einer besonderen Spielweise zupft der Spieler die Saite mit der Spitze des Bogens, wodurch er die rhythmische Struktur verstĂ€rkt.[24]

Der Bogen wird ununterbrochen ĂŒber die Saite bewegt, bis nach einigen Minuten der Haftgleiteffekt nachlĂ€sst und die Bogenhaare mit Harz eingerieben oder mit Speichel angefeuchtet werden mĂŒssen. Dies sorgt fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Unterbrechungen und, falls mehrere Musiker zusammenspielen, fĂŒr eine Gelegenheit zur Unterhaltung. Anschließend setzt jeder nach Belieben sein Spiel fort.

FĂŒr die sebinjolo genannte, mit der segankuru baugleiche Streichzither ist eine andere Spielposition ĂŒblich. Der Musiker fixiert den Resonator in seiner rechten Armbeuge, wĂ€hrend er den SaitentrĂ€ger quer ĂŒber seinen Knien hĂ€lt. Mit dem gestreckten Zeigefinger und gelegentlich dem Daumen seiner linken Hand verkĂŒrzt er die Saite an der gewĂŒnschten Stelle, wobei die ĂŒbrigen Finger den Holzstab umfassen. Die meisten Musiker spannen den Bogen, indem sie mit dem Daumen von unten gegen die Bogenhaare drĂŒcken. Der Bogen wird bei der sebinjolo wenige Zentimeter vom Resonator entfernt quer ĂŒber die Saite gestrichen. Auf harmonische Obertöne kommt es hierbei nicht an, sondern nur auf die Töne, die sich durch VerkĂŒrzen der Saite ergeben. Dies verbindet die sebinjolo mit der Schalenspießgeige zeze in Tansania.[25]

Am hĂ€ufigsten kommt die Spielweise mit zwei Grundtönen vor: Neben der leeren Saite wird mit dem Finger eine große Sekunde oder bei den Khoisan eine kleine Musik abgegriffen. Eher unĂŒblich ist eine große Terz, die nur im Central District zu hören ist. All dies gilt gleichermaßen fĂŒr die traditionelle Spielweise des Mundbogens. Wenn die segankuru jedoch in Jazzstilrichtungen wie Kwela, Mbaqanga oder Marabi vorkommt, die um die Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind, können beispielsweise vier Grundtöne mit einer großen Terz, einer Quarte und einer Quinte im Abstand zur leeren Saite gegriffen werden. Das Spielen auf der segankuru ist in jedem Fall schwierig zu erlernen.[26]

Traditionell ist die segankuru ein Instrument der Rinderhirten, die sie zur Liedbegleitung auf der Weide einsetzen. Die Musik soll dem Hirten die Zeit vertreiben und die Tiere beruhigen, damit sie sich möglichst nicht außer Hörweite fortbewegen.[27] Andere Instrumente, die frĂŒher von Rinderhirten gespielt wurden, sind das Lamellophon setinkane (bei den Nharo dongu oder dengu), der Mundbogen segorogoro, Flöten und Okarinas, zu denen Gitarren und Banjos hinzukamen. Beim segorogoro wird der gekerbte Bogenstab mit einem ebenfalls gekerbten geraden Holzstab gerieben, um zur Melodie ein SchrapgerĂ€usch zu erzeugen.[28] Die Kombination von Saitenmelodie und Rasselrhythmus ist die besondere Eigenschaft des Tsonga-Schrapbogens xizambi.

Die mit der segankuru begleiteten Lieder sind hĂ€ufig lang, sie handeln in einer bildreichen Sprache von historischen Themen, von persönlichen Dingen oder sind Liebeslieder. Als Liedbegleitung werden meist nur wenige Töne in absteigenden Akkorden benötigt. Die Töne des Instruments mĂŒssen keine harmonische Begleitung der Gesangsstimme bilden. Die Gesangsmelodie bewegt sich in beliebigem Abstand oberhalb oder unisono mit der Instrumentalbegleitung.[29] Einem allgemeinen Trend bei traditionellen Musikinstrumenten folgend wird versucht, mit ihnen einen Gitarrenstil zu imitieren.[30] UngefĂ€hr in den 1940er Jahren wurde die ramkie, eine viersaitige, selbst gebaute Gitarre mit Blechkanister, zum beliebtesten Instrument fĂŒr die Liedbegleitung. Heute dominieren Gitarren nach westlichem Modell.

  • John Brearley: A musical tour of Botswana, 1982. In: Botswana Notes and Records. Band 16, 1984, S. 45–57.
  • John Brearley: Music and Musicians of the Kalahari. In: Botswana Notes and Records. Band 20, 1989, S. 77–90.
  • John Brearley: The Segankuru – a „Bush Fiddle“ or a Bowed Bow? Some of its Exponents and their Songs. In: Botswana Notes and Records. Band 28, 1996, S. 121–144.
  • Mothusi Phuthego: Segaba, an African zither and its potential for music education. In: Botswana Notes and Records. Band 31, 2009. S. 118–128.
  • David Rycroft: Friction Chordophones in South-Eastern Africa. In: The Galpin Society Journal. Band 19, April 1966, S. 84–100.
  • Andrew Tracey: Segankuru. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 4. Oxford University Press, Oxford / New York 2014, S. 458 f.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ulrich Wegner: Afrikanische Saiteninstrumente. Band 2. (Neue Folge 41. Abteilung Musikethnologie V.) Museum fĂŒr Völkerkunde Berlin 1984, S. 34f
  2. ↑ Gerhard Kubik: Das Khoisan-Erbe im SĂŒden von Angola. Bewegungsformen, Bogenharmonik und tonale Ordnung in der Musik der ǃKung’ und benachbarter Bantu-Populationen. In: Erich Stockmann (Hrsg.): Musikkulturen in Afrika. Verlag Neue Musik, Berlin 1987, S. 90
  3. ↑ Laurence Picken: Early Chinese Friction-Chordophones. In: The Galpin Society Journal, Vol. 18, MĂ€rz 1965, S. 82–89, hier S. 82, 88
  4. ↑ Gerhard Kubik: Das Khoisan-Erbe im SĂŒden von Angola. Bewegungsformen, Bogenharmonik und tonale Ordnung in der Musik der ǃKung’ und benachbarter Bantu-Populationen, S. 118
  5. ↑ John Brearley, 1996, S. 131
  6. ↑ John Brearley, 1996, S. 124
  7. ↑ Mothusi Phuthego: The segaba: an indigenous form of music education. In: Minette Mans (Hrsg.): Centering on African Practice in Musical Arts Education. Pan-African Society of Musical Arts Education, African Minds, 2006, S. 187
  8. ↑ Mothusi Phuthego, S. 121
  9. ↑ John Brearley, 1996, S. 122
  10. ↑ John Brearley, 1982, S. 52
  11. ↑ Mothusi Phuthego, 2009, S. 120f
  12. ↑ Luvuyo Dontsa: The Tonalities of the "Isankuni". In: The Galpin Society Journal, Vol. 60, April 2007, S. 161–166
  13. ↑ David Rycroft, 1966, S. 94f
  14. ↑ Dorothy F. Bleek: The Naron. A Bushmen Tribe of the Central Kalahari. Cambridge University Press, Cambridge 1928, S. 21
  15. ↑ Percival Robson Kirby: The recognition and practical use of the harmonics of stretched strings by the Bantu of South Africa. In: Bantu Studies, Vol. 6, No. 1, University of the Witwatersrand Press, 1932
  16. ↑ David Rycroft, 1966, S. 97
  17. ↑ John Brearley, 1984, S. 52
  18. ↑ JĂŒrgen Schöpf: The Serankure and Music in TlĂŽkweng, Botswana. (Intercultural Music Studies, Band 13) VWB Verlag fĂŒr Wissenschaft und Bildung, Berlin 2008
  19. ↑ David Rycroft, 1966, S. 97f
  20. ↑ John Brearley, 1996, S. 121f
  21. ↑ Mothusi Phuthego, 2009, S. 121
  22. ↑ Elizabeth Nelbach Wood: A Study of the Traditional Music of Mochudi. In: Botswana Notes and Records, Vol. 8, 1976, S. 189–221, hier S. 196
  23. ↑ JĂŒrgen Schöpf: Teiltöne filtern mit einem Streichbogen – die ungewöhnliche Spieltechnik der Serankure im sĂŒdlichen Afrika. In: Deutsche Gesellschaft fĂŒr Akustik (Hrsg.): Fortschritte der Akustik, 37. Deutsche Jahrestagung fĂŒr Akustik, DAGA 2011, S. 563f
  24. ↑ John Brearley, 1996, S. 125
  25. ↑ John Brearley, 1996, S. 125, 128, 130
  26. ↑ John Brearley, 1996, S. 131
  27. ↑ Mothusi Phuthego, 2009, S. 123
  28. ↑ Boenyana Mashabalewa. Segorogoro mouthbow song. Mmmanana (Mother of the Child). British Library Sounds. John Brearley Botswana Collection
  29. ↑ Mothusi Phuthego, 2009, S. 126
  30. ↑ John Brearley, 1989, S. 89