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Testmarktsimulation

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Die Testmarktsimulation (abgekĂŒrzt: TMS) ist ein Verfahren innerhalb der Marktforschung, welches die MarktrealitĂ€t in Modellform wirklichkeitsgetreu nachbilden soll, inklusive eines realitĂ€tsnahen Durchspielens. Ziel ist es, die Marktchancen eines neuen Produktes (vornehmlich aus dem Bereich der KonsumgĂŒter, speziell der FMCG) vor einer MarkteinfĂŒhrung zu quantifizieren.

Im Gegensatz zu anderen Modellen der Marktforschung wie z. B. dem Markttest ist die Testmarktsimulation durch eine Erhebung der Daten in einer kontrollierten Laborsituation gekennzeichnet. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Konkurrenz sollen das Kauf- und Wiederkaufverhalten sowie der Wahrnehmungsprozess fĂŒr ein neues Produkt simuliert werden. Einer durch Stichprobe ausgewĂ€hlten Gruppe von Verbrauchern wird in mehreren Experimenten unter Anwendung von Marketinginstrumenten ein neues Produkt vorgefĂŒhrt. Die Erkenntnisse ĂŒber die Marktchancen sollen durch Befragung und Beobachtung gewonnen werden. Insbesondere sollen der mögliche Marktanteil und das Absatzvolumen prognostiziert werden.[1]

DurchfĂŒhrung

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Es existieren verschiedene Methoden zur DurchfĂŒhrung, so etwa Assessor, Bases, TESI, Designor, Sensor und Microtest. Diese werden von verschiedenen Marktforschungsunternehmen angeboten. Prinzipiell laufen diese Methoden jedoch nach einem Ă€hnlichen Schema ab, welches sich in etwa neun Phasen gliedert:[2]

  1. ZunÀchst werden 200 bis 400 Probanden als potentielle KÀufer des neuen Produktes angeworben, wobei persönliche Daten wie Markenbekanntheit, Markenverwendung, Kaufverhalten, Einstellung zu bereits existierenden Marken sowie soziodemographische Daten erhoben werden.
  2. DurchfĂŒhrung eines Erstinterviews, wobei Konsumgewohnheiten, MarkenprĂ€ferenzen, Demographie und das jeweilige Relevant-Set (Auswahl aus einem bestimmten Produktangebot, welches fĂŒr den Konsumenten bei einem Kauf in Frage kommt) ermittelt wird. Die Probanden vergeben den Produkten anschließend Punkte, wobei eine PrĂ€ferenzskala der wichtigsten Produkteigenschaften erstellt wird.
  3. Konfrontation der Probanden mit Werbung sowohl des Testproduktes als auch der verschiedenen bestehenden Produkte. Dies kann z. B. in Form von Werbespots geschehen.
  4. Kaufsimulation in einem Teststudio (z. B. Testsupermarkt), wobei den Probanden ein Einkommen bzw. Gutscheine gegeben werden, welche sie frei verwenden können. Hierbei soll ermittelt werden, wie hoch die Erstkaufrate fĂŒr das Testprodukt ist.
  5. DurchfĂŒhrung eines Nachkaufinterviews, wobei KaufgrĂŒnde und NichtkaufgrĂŒnde erfragt werden. Beim Kauf des Testproduktes erhalten die Probanden das Konkurrenzprodukt gratis hinzu und umgekehrt.
  6. DurchfĂŒhrung der Home-use-Phase. Hierbei erhalten die Probanden sowohl das Testprodukt als auch die Konkurrenzprodukte und können diese ĂŒber mehrere Wochen zu Hause ausprobieren.
  7. Folge-Interview nach Ende der Home-use-Phase. Es werden die gleichen Fragen wie beim Erstinterview gestellt. Hierbei soll die Wiederkaufsrate ermittelt werden.
  8. Zweite Kaufsimulation, wobei insbesondere StÀrken und SchwÀchen des neuen Produktes ermittelt werden sollen.
  9. Hochrechnung der Ergebnisse.

Die gesamte Dauer der DurchfĂŒhrung betrĂ€gt ca. 10 Wochen und es fallen Kosten in Höhe von rund 50.000 Euro an.

Vorteilhaft an der Testmarktsimulation ist ihre vergleichsweise kurze Dauer in der DurchfĂŒhrung und die geringen Kosten. Zudem kann sie vor der Konkurrenz geheim gehalten werden. Nachteilig sind die oftmals nicht realistische DurchfĂŒhrung in einem Teststudio sowie die zu geringe Einbeziehung von Werbung. Bei der Auswahl der Probanden kann es zu Fehlern in der Stichprobe kommen, was die ReprĂ€sentativitĂ€t beeintrĂ€chtigen kann.[3] Zudem existiert nur eine geringe externe ValiditĂ€t der Testmarktsimulation.[4]

  • Ludwig Berekoven, Werner Eckert, Peter Ellenrieder: Testmarktsimulation. In: Marktforschung. Springer Fachmedien (1991).
  • Wolfgang Gaul, Daniel Baier, Apostolos Apergis: Verfahren der Testmarktsimulation in Deutschland. In: Marketing: Zeitschrift fĂŒr Forschung und Praxis (1996), 18(3), 203–217.
  • Bernd Erichson: Methodik der Testmarktsimulation. In: Planung & Analyse, Heft 2 (1996b), S. 54–57.
  • Heinrich A. Litzenroth: Testmarktsimulation am Beispiel von Körperpflegemittel. In: Handbuch Produktmanagement (Hrsg. Sönke Albers, Andreas Herrmann). Springer Gabler (2000). S. 963–994. ISBN 978-3-663-05718-5
  • Werner Pepels: Markttestverfahren. In: Marketing, MĂŒnchen: Oldenbourg Wissenschaftsverlag (2004). ISBN 3-486-27538-0
  • Gerhard Raab, Alexander Unger, Fritz Unger: Methoden der Marketing-Forschung, Wiesbaden: Springer Gabler (2009). ISBN 3-8349-0992-0
  • Werner Pepels: Spezielle Anwendungen der Marketingforschung. In: Handbuch des Marketing. Oldenbourg Wissenschaftsverlag (2012). ISBN 3-486-70524-5

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ludwig Berekoven, Werner Eckert, Peter Ellenrieder: Marktforschung, S. 178
  2. ↑ Pepels: Handbuch des Marketing, S. 294–295
  3. ↑ Raab, Unger, Unger: Methoden der Marketing-Forschung, S. 435
  4. ↑ Pepels: Marketing, S. 272