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Utiq

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Utiq SA/NV
Rechtsform SA/NV
Gründung März 2023
Sitz Brüssel, Belgien
Leitung Will Harmer (CEO)
Branche Internetwerbung
Website utiq.com

Utiq ist ein europäisches Werbetechnologie-Unternehmen mit Sitz in Brüssel. Es betreibt eine Kennung für digitale Werbung, die auf den Mobilfunk- und Festnetzanschlüssen der Nutzer beruht. Utiq ist ein Gemeinschaftsunternehmen der vier Telekommunikationskonzerne Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone, die zu gleichen Teilen beteiligt sind.[1][2] Das Verfahren wird als datenschutzfreundliche Alternative zu Third-Party-Cookies vermarktet, ist von Datenschutzorganisationen jedoch wiederholt kritisiert worden.[3][4]

Vorläufer von Utiq war das Pilotprojekt TrustPid, das die vier Konzerne ab 2022 erprobten und das am 15. Mai 2023 eingestellt wurde.[5] Die Anmeldung des Gemeinschaftsunternehmens bei der Europäischen Kommission erfolgte am 6. Januar 2023. Die Kommission gab den Zusammenschluss am 10. Februar 2023 frei.[1][4] Im März 2023 wurde die Gesellschaft in Brüssel eingetragen. Der offizielle Marktstart folgte am 11. Mai 2023 auf dem Online-Marketing-Festival OMR in Hamburg. Geschäftsführer der deutschen Landesgesellschaft wurde zum 1. Juni 2023 Norman Wagner, zuvor Head of Group Media der Deutschen Telekom.[2]

Der Marktstart im Vereinigten Königreich erfolgte am 25. Juni 2025 mit Virgin Media O2 und Vodafone als ersten Partnern.[6] Ebenfalls 2025 wurde das Verfahren in Deutschland von Mobilfunk- auf Festnetzanschlüsse ausgeweitet.[7] Im Juni 2026 gab der US-Anbieter The Trade Desk eine Partnerschaft bekannt, durch die Utiq-Kennungen in seiner Nachfrageplattform verfügbar wurden.[8]

Gründungs-Geschäftsführer war Marc Bresseel. Zum 1. Juli 2026 übernahm der bisherige Produktvorstand Will Harmer die Position des CEO.[9]

Nach Unternehmensangaben war Utiq im November 2025 in sechs Märkten aktiv, nämlich in Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien und im Vereinigten Königreich. Beteiligt waren mehr als 30 Netzbetreiber und über 300 Publisher. Die Zahl der Kennungen mit erteilter Einwilligung gab das Unternehmen mit rund 70 Millionen an.[8]

Besucht ein Nutzer eine teilnehmende Website, wird dessen IP-Adresse an den jeweiligen Netzbetreiber übermittelt. Dieser ordnet die Adresse dem Anschluss beziehungsweise der Rufnummer zu und erzeugt daraus eine pseudonyme Kennung. Utiq leitet daraus mehrere Kennungen ab: den martechpass mit einer Gültigkeit von 90 Tagen für Publisher und Angebotsplattformen, den adtechpass mit 24 Stunden Gültigkeit für Nachfrageplattformen im Real Time Advertising sowie den consentpass, der die Zuordnung zwischen beiden ermöglicht.[4][10]

Die Einwilligung wird über ein eigenes, vom Cookiebanner getrenntes Dialogfenster eingeholt. Über ein zentrales Portal (consenthub) können Nutzer ihre Einwilligungen einsehen und widerrufen sowie dem Verfahren generell widersprechen. Ein solcher Widerspruch verfällt nach einem Jahr.[3][7]

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) bezeichnete die verbreitete Charakterisierung als „Super-Cookie“ als irreführend, verwies zugleich aber darauf, dass Telekommunikationsanbieter eine besondere Vertrauensstellung innehätten, die sich mit dem Tracking ihrer Nutzer nur schwer vereinbaren lasse. Als Risiko benannte er zudem die mögliche Re-Identifizierung durch Verknüpfung mit Login-Daten. Da Utiq seinen Sitz in Belgien hat, beaufsichtigt der BfDI nur die Beteiligung der deutschen Anbieter. Für das Gemeinschaftsunternehmen selbst ist die belgische Datenschutzbehörde zuständig.[10]

Der Verein D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt veröffentlichte eine Analyse unter dem Titel Utiq unter der Lupe. Positiv bewertete der Verein darin das zentrale Einwilligungsportal, den Verzicht auf manipulative Gestaltungsmuster (dark patterns) und die Infrastruktur innerhalb der EU. Kritisiert wurden die Konzentration sensibler Daten bei vier großen Anbietern, das Verfallen des Widerspruchs nach einem Jahr, zusätzliche Einwilligungsbanner und das Risiko einer Verknüpfung mit anderen Tracking-Verfahren. Das Fazit lautete, „mehr Tracking“ sei nicht der richtige Weg zu mehr Datenschutz.[3] Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass Utiq in der Praxis nicht an die Stelle bestehender Tracking-Verfahren trete, sondern zu ihnen hinzukomme. Auf Websites, die Utiq einsetzen, sind häufig weiterhin zahlreiche weitere Tracker eingebunden.[4][7]

Bereits gegen den Vorläufer TrustPid hatte der Europäische Verbraucherverband (BEUC) Bedenken erhoben, unter anderem wegen unklarer Einwilligungsverfahren und eines zeitweise nicht funktionsfähigen Datenschutzportals.[5]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Natasha Lomas: European carriers file to create joint venture for opt-in ad targeting of mobile users. In: TechCrunch. 9. Januar 2023, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 Utiq formally launches in Germany. In: utiq.com. 11. Mai 2023, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Big Brother made in Germany: Wie „Utiq“ unsere Daten sammelt. D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt, abgerufen am 18. August 2026.
  4. 1 2 3 4 Ingo Dachwitz: Neue Tracking-Firma Utiq: Wie Telekom, o2 und Vodafone im Datengeschäft mitmischen. In: netzpolitik.org. 15. Mai 2024, abgerufen am 18. August 2026.
  5. 1 2 UTIQ: Super-Cookie, Cookie-Alternative oder Datenfalle? activeMind AG, abgerufen am 18. August 2026.
  6. ↑ Utiq announces UK launch through Virgin Media O2 and Vodafone partnerships. In: PPC Land. 25. Juni 2025, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 Ingo Dachwitz: Utiq: Tracking jetzt auch am Internetanschluss zu Hause. In: netzpolitik.org. 2025, abgerufen am 18. August 2026.
  8. 1 2 The Trade Desk integrates Utiq's telco identity signals across EMEA. In: PPC Land. 1. Juni 2026, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  9. ↑ Utiq announces Will Harmer as Global CEO. In: utiq.com. 9. Juni 2026, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  10. 1 2 FAQ zu Utiq. Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, abgerufen am 18. August 2026.