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Vredeborg

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Vredeborg
Alternativname(n) Vredeborch, Friedeburg
Staat Deutschland
Ort Atens (Nordenham)
Entstehungszeit 1407
Burgentyp Niederungsburg
Erhaltungszustand zerstört
Geographische Lage 53° 29â€Č N, 8° 28â€Č OKoordinaten: 53° 29â€Č 29,8″ N, 8° 28â€Č 5,7″ O
Vredeborg (Niedersachsen)
Vredeborg (Niedersachsen)

Die Vredeborg oder Vredeborch (hochdeutsch: Friedeburg) war von 1407 bis 1425 eine Niederungsburg der Stadt Bremen bei Atens (im heutigen Nordenham). Sie sollte als Zwingburg das friesische Gebiet von Stadland und Butjadingen fĂŒr die bremische Herrschaft sichern und als StĂŒtzpunkt zur BekĂ€mpfung der SeerĂ€uberei im Gebiet der WesermĂŒndung dienen.

In den Jahren 1400/1401 unternahm Bremen mit UnterstĂŒtzung des Grafen von Oldenburg, Teilen des bremischen Stiftadels sowie Dide Lubben, HĂ€uptling des Stadlandes, einen Feldzug mit 6000 Mann in das Land Butjadingen, um den regelmĂ€ĂŸig von dort aus initiierten Angriffen auf bremische und andere Handelsschiffe Einhalt zu gebieten. WĂ€hrend dieser Unternehmung errichteten die Bremer eine SchiffsbrĂŒcke aus 20 aneinandergelegten Eken ĂŒber die Heete, einen MĂŒndungsarm der Weser, der die Grenze zwischen dem Stadland und Butjadingen bildete.[1] 1401 wurde zur Sicherung dieser strategisch bedeutsamen Flussquerung eine als „Bergfried“ bezeichnete Befestigung errichtet.[2] Der Kriegszug endete mit einem Sieg der Bremer und ihrer VerbĂŒndeten, infolge dessen die Butjadinger HĂ€uptlinge geloben mussten, in Zukunft die Kaufleute in ihrem Gebiet zu beschĂŒtzen und fĂŒr jeden von ihrem Territorium aus unternommenen Raubzug EntschĂ€digung zu leisten.

Geschichte der Friedeburg

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Nach Abschluss des Feldzuges beschloss der Bremer Rat 1404, eine Burg fĂŒr eine kleine Garnison im Stadland zu errichten, um das Hinterland links der WesermĂŒndung dauerhaft sichern zu können. Als Standort fĂŒr die Befestigung wurde der Stadt von Dide Lubben ein StĂŒck Land am sĂŒdlichen Ufer der Heete gegenĂŒber dem Ort Atens zur VerfĂŒgung gestellt. Dieses lag nahe der MĂŒndung der Heete in die Weser, vermutlich dort, wo bereits 1400/1401 die SchiffsbrĂŒcke errichtet worden war.[3]

Der Baubeginn der Friedeburg verzögerte sich jedoch, da der Bau des Rathauses (ab 1405) viele Mittel band und Erzbischof Otto II. versuchte, das Vorhaben zu blockieren, um zu verhindern, dass die Stadt ihre Machtbasis gegenĂŒber dem Erzbistum stĂ€rkt. Sein Nachfolger Johannes II. einigte sich dann zwar mit BĂŒrgermeister Johann Hemeling auf eine UnterstĂŒtzung des Vorhabens und sagte zu, 50 Soldaten und weitere Vasallen zum Bau der Festung abzustellen, löste dieses Versprechen jedoch nie ein. Die Stadt initiierte den Bau dennoch im Jahr 1407 und erhielt – trotz eines Verbotes des Erzbischofs – UnterstĂŒtzung von mehreren Adligen des Erzstiftes. DarĂŒber hinaus steuerten das Paulskloster und das Domkapitel Geld bei.

Trotz einiger ScharmĂŒtzel mit den Butjadingern verlief der Bau der Befestigung zĂŒgig, da es der Stadt nicht an ArbeitskrĂ€ften und Bewaffneten fĂŒr das Unternehmen mangelte und die Verpflegung der am Bau Beteiligten gemĂ€ĂŸ einer zeitgenössischen Chronik besonders gut war: „Dar weren alto vele guder lude, die sproken, sie ne hedden der koste, des beres unde haveren voderens like nywerlde see.“ („Da waren viele gute Leute, die sagten, sie hĂ€tten an Kost, Bier und Haferfutter so viel niemals zuvor gesehen.“)[4] Aus dem Rechnungsbuch der Friedeburg, das der Ratsherr Hinrich von der Trupe fĂŒhrte,[5] der auch die Rechnungen fĂŒr den Bau des Rathauses ĂŒberwachte, geht hervor, dass die Errichtung der Festung 1300 Mark kostete und dass u. a. auch der Baumeister des Rathauses, Salomon, an dem Werk beteiligt war. Die Arbeiten vor Ort beaufsichtigten die Ratsherrn Arnd Balleer und Johann von Sandbeck.

Anfang Juli 1407 wurde die Befestigung fertiggestellt. Die Friedeburg bestand aus einem „großen“ steinernen GebĂ€ude – auch als „Schloss“ bezeichnet,[6] das von zwei GrĂ€ben umgeben und einem Wall mit Palisaden geschĂŒtzt war. Ein Tor fĂŒhrte nördlich bei dem bereits 1401 erwĂ€hnten Bergfried auf eine BrĂŒcke ĂŒber die Heete, ein zweites Tor sĂŒdlich zum Stadland hin. Das HauptgebĂ€ude war mit Kellern fĂŒr die Lagerung von Waffen und Munition versehen. SpĂ€ter wurde die Bastion weiter verstĂ€rkt und durch Balleer ein Vorwerk (Befestigung) vor der BrĂŒcke errichtet, das StĂ€lle und LagerhĂ€user umfasste.

In Anlehnung an die Bezeichnung der Kriegskoggen der HansestĂ€dte als Vredekoggen (‚Friedenskoggen‘), wurde die Befestigung Vredeborg (‚Friedensburg‘) genannt. Erster Vogt auf der Burg – auch „Amtmann“ oder „Schlosshauptmann“ genannt – war Ratsherr Arnd Balleer, dem das Amt auf zehn Jahre ĂŒbertragen wurde. In Friedenszeiten umfasste die regulĂ€re Besatzung des StĂŒtzpunktes zirka 30 Mann. DarĂŒber hinaus gab es einige GeschĂŒtze.

KĂ€mpfe um die Burg und das Gebiet

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Siegel von Otto III. von Hoya

Bald nach Fertigstellung der Befestigung kam es zu militĂ€rischen Auseinandersetzungen um die Friedeburg und das umliegende Gebiet. 1407 beschloss der Hansetag in LĂŒbeck einen Feldzug gegen die VitalienbrĂŒder und ihre VerbĂŒndeten an der friesischen KĂŒste, zu dem Bremen eine Kogge abstellte und sich verpflichtete, von Land aus gegen Verstecke der SeerĂ€uber an der WesermĂŒndung vorzugehen. Inzwischen schloss Graf Christian VI. von Oldenburg ein BĂŒndnis mit Edo Wiemken, HĂ€uptling von RĂŒstringen, Österingen und den Wangerland und fiel in die Grafschaft Delmenhorst und das Grolland ein. UnterstĂŒtzung fanden die BĂŒndnispartner bei Erzbischof Johannes II., der den Rat schwĂ€chen wollte. Bremen schloss im Gegenzug eine Allianz mit Graf Otto III. von Hoya sowie den Grafen von Delmenhorst und unternahm im Winter 1407/1408 seinerseits mehrere PlĂŒnderzĂŒge in das Oldenburger Land. Anfang des Jahres 1408 zogen die Bremer, verstĂ€rkt durch StadlĂ€nder Krieger und 300 sĂ€chsische und westfĂ€lische Ritter, nach Butjadingen und zerstörten dort Schiffe und StĂŒtzpunkte der VitalienbrĂŒder. Am 30. Januar trafen sie dann in der Schlacht bei Golzwarden auf die Oldenburger und ihre friesischen VerbĂŒndeten. Mit doppelter Übermacht besiegten die Bremer unter dem Befehl von Edgard von Bordeslo und Henning von Reden ihre Gegner und setzten Graf Christian gefangen. Er wurde zunĂ€chst auf die Friedeburg gebracht und anschließend einige Monate in Bremen gefangen gehalten, bis er gegen die Verpachtung des Landes WĂŒrden an die Stadt Bremen als Lösegeld freikam. Aus dem Jahr 1408 ist das Kriegslied eines Ritters in Bremer Diensten ĂŒberliefert, das den Feldzug in 135 Versen schildert.[7]

Im Anschluss an diese Fehde wurden die alten VertrĂ€ge zwischen Bremen und Oldenburg erneuert. Auch die RĂŒstringer schlossen am 16. Juni 1410 einen Friedensvertrag mit Bremen, der die bremischen Eroberungen anerkannte, der Stadt die Hoheit ĂŒber die WesermĂŒndung zugestand und das Auslegen von Seezeichen regelte und somit als Beginn des Bremer Tonnen- und Bakenwesens gilt.

Fast gleichzeitig, im Jahr 1408, gelang es Bremen, den Bau einer erzbischöflichen Festung, Stinteburg genannt, auf der rechten Weserseite im Land Wursten, an der MĂŒndung der Geeste zu verhindern. Leher und Wurster Bewaffnete ĂŒberfielen mit UnterstĂŒtzung der Stadt die unvollendete Befestigung, vertrieben ihre Besatzung und zerstörten die dort befindlichen GeschĂŒtze.[8] Mit diesem Ereignisse erlangte Bremen Anfang des 15. Jahrhunderts eine nahezu uneingeschrĂ€nkte Hoheit ĂŒber die „königliche Straße“ (die Unterweser) und die unmittelbar angrenzenden Gebiete.

Der Bruderkuß, GemĂ€lde von Hugo Zieger aus dem Jahr 1893, das eine kĂŒnstlerische Interpretation der Hinrichtung von Dude und Gerolt Lubben in Bremen zeigt

Schon bald brachen die Konflikte in der Region allerdings erneut auf, diesmal gegen Dide Lubben, den vormaligen VerbĂŒndeten Bremens, dem vorgeworfen wurde, weiterhin die SeerĂ€uberei zu fördern. Mit 300 Reitern und 3000 Fußsoldaten brachen die Bremer den Widerstand Lubbens im Jahr 1414 und verbannten ihn und seine Söhne Gerold und Onneke aus dem Stadland. Nur sein dritter Sohn Dude erhielt das Recht zu bleiben. In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1418 unternahm dieser dann zusammen mit Gerold und einem Trupp von 44 Gefolgsleuten den Versuch, die Friedeburg im Handstreich zu erobern.[9] WĂ€hrend des Überfalls wurde der Schlosshauptmann Arnd Balleer tödlich verletzt, der Angriff scheiterte jedoch und die Friesen wurde beim Versuch, sich zurĂŒckzuziehen, gefangen genommen. Gerold und Dude wurden in der Folge nach Bremen gebracht und dort 1419 zum Tode verurteilt und hingerichtet – ein Ereignis, das spĂ€ter in der Legende vom Bruderkuß verarbeitet wurde, dargestellt in dem gleichnamigen GemĂ€lde von Hugo Zieger aus dem Jahr 1893.[10] Nachfolger von Balleer wurde Hinrich von MĂŒnster.

Zerstörung der Burg

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Am 25. Juli 1420 ĂŒbertrug König Sigismund die Regierung und Beschirmung des Landes Butjadingen offiziell der Stadt Bremen. 1422 wurde der Ratsherr und spĂ€tere BĂŒrgermeister Johann Frese bremischer Vogt auf der Friedeburg, seine Amtszeit wĂ€hrte jedoch nur kurze Zeit. Im Juni 1424 verbĂŒndeten sich die FriesenhĂ€uptlinge Ocko tom Brok, Sibet von RĂŒstringen und Focko Ukena und griffen mit 4000 Mann das Stadland an und besetzten es fast ohne Kampfhandlungen – die kleinen bremischen Garnisonen in Golzwarden und der Friedeburg mussten nach wenigen Tagen kapitulieren, bevor VerstĂ€rkung eintreffen konnte. Die Gemeinden schrieben dem Bremer Rat, dass sie von den HĂ€uptlingen gezwungen seien, ihm abzusagen, „was wir doch ungern tun, vonwegen des Eides, den wir Euch geschworen haben“.[11]

Am 29. Juli 1424 erfolgte ein Friedensschluss in Oldenburg – Bremen verlor darin die Hoheitsrechte ĂŒber das Stadland und Butjadingen, die HĂ€uptlinge verpflichteten sich im Gegenzug, die Friedeburg nicht selbst zu besetzen, sondern sie abzureißen, was im Jahr 1425 geschah. Zudem blieb der Besitz Bremer BĂŒrger im Stadland unangetastet und die Friesen garantierten der Stadt die Handelswege allzeit offen zu halten. Das BĂŒndnis der drei HĂ€uptlinge hielt hingegen nicht lange: In den Jahren 1426 und 1427 kam es zu einem Aufstand von Sibet von RĂŒstringen und Focko Ukena gegen Ocko tom Brok, der mit der Gefangennahme Ockos in der Schlacht auf den Wilden Äckern endete.

Die GaststÀtte Friedeburg um 1900

1505 entstand nahe der ehemaligen Festungsanlage ein Karmeliterkloster. Bereits 1530 wurde es infolge der Reformation jedoch wieder aufgegeben. SpĂ€ter betrieb der „GrĂŒnder von Nordenham“, der Kaufmann Wilhelm MĂŒller, an dieser Stelle das Gasthaus Friedeburg, das 1956/57 abgerissen wurde, um der Stadthalle Nordenhams Platz zu machen.

  • Frank Both und Stefan Eismann: Friedeburg bei Nordenham in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des EuropĂ€ischen Burgeninstituts

Einzelnachweise

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  1. ↑ Johann G. Visbeck: Handbuch einer historisch-statistisch-geographischen Beschreibung des Herzogthums Oldenburg. 1798, S. 66.
    Faksimile des Buches bei Google Books.
  2. ↑ Herbert SchwarzwĂ€lder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X, S. 282.
  3. ↑ Diedrich Rudolf Ehmck: Die Friedeburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Wesepolitik Bremens. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 110.
  4. ↑ Diedrich Rudolf Ehmck: Die Friedeburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Wesepolitik Bremens. In: Bremisches Jahrbuch. Band 3. Bremen 1868, S. 69–109, Anhang S. 110–135, hier: S. 88, Anm. 2.
  5. ↑ Anhang I. Urkunden ĂŒber die Erbauung der Friedeburg. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 110–135.
  6. ↑ Diedrich Rudolf Ehmck: Die Friedeburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Wesepolitik Bremens. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 113.
  7. ↑ Anhang II. Kriegslied aus dem Jahr 1408. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 136–144.
  8. ↑ Georg Bessell: Geschichte Bremerhavens. Morisse, Bremerhaven 1927, S. 43.
  9. ↑ Diedrich Rudolf Ehmck: Die Friedeburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Wesepolitik Bremens. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 152.
  10. ↑ Diedrich Rudolf Ehmck: Die Friedeburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Wesepolitik Bremens. In: Bremisches Jahrbuch, Band 3. Bremen 1868, S. 113.
  11. ↑ Zitiert nach: Georg Bessell: Die ersten 100 Jahre Bremerhavens von 1826 bis 1927. Bremen: Salzwasser 2010, S. 45.