Zitierstil
Als Zitierstil, Zitierrichtlinie, Zitationsmanual, Zitierverfahren oder Zitierweise wird ein Regelwerk bezeichnet, das festlegt, wie Zitate und Aussagen fremder Autoren in einem wissenschaftlichen Text referenziert werden. Die Belegstelle wird als Referenz, Quellenangabe, Literaturangabe, Zitat, Zitation, Beleg oder Nachweis bezeichnet.
Im wissenschaftlichen Publikationsbetrieb kommen viele verschiedene Zitierstile zur Anwendung, die sich teilweise deutlich, manchmal aber auch nur in Details unterscheiden. Sie lassen sich anhand der Art und Weise, wie die zugehörigen Kurzbelege strukturiert sind, in Zitiersysteme kategorisieren.[1] Die Wahl des Zitiersystems hĂ€ngt von der Art der Publikation ab. Einige Zitierstile arbeiten mit dem FuĂnoten-System, andere Nutzen das Name-Datum-System, und bei manchen Zitierstilen kommen beide Systeme zum Einsatz (nicht jedoch gleichzeitig). In Nummernsystemen wird der Beleg lediglich mit einer Zahl oder mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen angegeben.
Welcher Stil in einem wissenschaftlichen Text verwendet wird, hÀngt beispielsweise vom Fachgebiet, den Vorgaben der Forschungseinrichtung, der betreuenden Lehrperson oder auch des Verlags ab, in dem die Publikation veröffentlicht wird. Der gewÀhlte Zitierstil muss einheitlich im ganzen Text Anwendung finden. Hilfreich bei der Umsetzung der Einheitlichkeit sind Literaturverwaltungsprogramme, in denen die Formatierungsvorgaben vieler gÀngiger Zitierstile ausgewÀhlt werden können.
Im deutschen Sprachraum wurden historisch hauptsĂ€chlich fuĂnotenbasierte Zitierstile verwendet. Zur Abgrenzung von den an PopularitĂ€t gewinnenden angloamerikanischen Zitierstilen, beispielsweise dem Harvard-Stil, werden diese als deutsche Zitierweise bezeichnet.[2]
Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wird in einem wissenschaftlichen Text eine Aussage getĂ€tigt, die zuvor bereits von anderen Autoren formuliert wurde, wird der Aussage eine Belegstelle angefĂŒgt. Beim Name-Datum-System ist dies der Kurznachweis, auch Kurzverweis, im FuĂnotensystem ist dies eine hochgestellte Zahl, in numerischen Systemen eine Nummer. Auch wörtliche Zitate werden so gekennzeichnet. Kurznachweise bestehen je nach Zitierstil aus dem Nachnamen des oder der Autoren, wobei bei mehr als zwei (manchmal mehr als drei) Autoren mit der lateinischen AbkĂŒrzung et al. (und andere) abgekĂŒrzt wird, und dem Publikationsjahr. Bei zitierten Monografien wird auch die Seitenzahl oder der Seitenbereich mit angegeben. Hochgestellte Ziffern können entweder auf FuĂnoten oder auf Endnoten verweisen. Dem Text hintenan gestellt wird das Literaturverzeichnis, in dem die im Text genannten Publikationen zumeist alphabetisch aufgelistet werden. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis wird als Vollbeleg bezeichnet. Auch die erste, vollstĂ€ndige ErwĂ€hnung einer Quelle in einer FuĂnote kann als Vollbeleg bezeichnet werden, alle weiteren ErwĂ€hnungen derselben Quelle werden dann verkĂŒrzt geschrieben (Kurzbeleg). Diese Benennung erfolgt ĂŒblicherweise dann, wenn in einem FuĂnotensystem kein eigenstĂ€ndiges Literaturverzeichnis verwendet wird.
Die DIN ISO 690, die zuletzt 2021 aktualisiert wurde, regelt den grundsÀtzlichen Aufbau von Literaturbelegen.
Verbreitete Zitiersysteme und Zitierstile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Name-Datum-System oder Autor-Jahr- bzw. parenthetische Zitierweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Harvard-Stil wird synonym fĂŒr das Name-Datum-System verwendet und hat kein offizielles Regelwerk, sondern es gibt verschiedene Variationen. Verbreitet ist er in den Naturwissenschaften, in den Publikationswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.
- Der APA-Stil ist benannt nach der American Psychological Association und ist in den Humanwissenschaften verbreitet. Das Regelwerk Publication Manual of the American Psychological Association, das 2020 in der 7. Auflage erschienen ist, geht ĂŒber Zitationsregeln weit hinaus und macht auch Vorgaben zu Schreibstil und Grammatik, geschlechtergerechter Sprache und Formatierungsvorgaben fĂŒr Textelemente wie Blockzitate, Tabellen, Abbildungen usw.[3] Eine offizielle deutschsprachige Ausgabe gibt es nicht, verschiedene Einrichtungen bieten jedoch Beispiele fĂŒr die Anwendung in deutschsprachigen Texte an, zum Beispiel hat das Institut fĂŒr Publizistik ein Kurzmanual auf Deutsch veröffentlicht.[4]
- Chicago-Stil: Verbreitet in den Geisteswissenschaften, veröffentlicht seit 1906 im Werk The Chicago Manual of Style.
- Der MLA-Stil der Modern Language Association ist ebenfalls in den Geisteswissenschaften im angloamerikanischen Raum verbreitet.
Nummernsysteme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vancouver-Stil ist die Bezeichnung fĂŒr Systeme, die Nummern im Text verwenden, die dann auf die entsprechend durchnummerierten EintrĂ€ge im Literaturverzeichnis verweisen. Sie können auch als FuĂ- oder Endnoten eingesetzt werden. Dieses System wird vor allem in medizinischen und naturwissenschaftlichen Texten angewendet. Der Vancouver-Stil steht damit synonym fĂŒr Nummernsysteme oder auch Autor/Name-Zahl-Systeme. Werden hochgestellte Zahlen verwendet, gibt es Ăberschneidungen mit FuĂnotensystemen.
- Der AMA-Stil der American Medical Association (AMA) wurde 1962 erstmals herausgegeben und ist fĂŒr die Journals der AMA bindend, wie zum Beispiel dem Journal of the American Medical Association.[5]
- Der IEEE-Stil des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) nutzt Zahlen in eckigen Klammern und ist verbreitet in der Elektrotechnik und Informatik.[6][7]
FuĂnotensystem
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Als Deutsche Zitierweise werden verschiedene Zitiersysteme bezeichnet, die FuĂnoten verwenden. Ein offizielles Regelwerk gibt es hierfĂŒr nicht und es gibt viele verschiedene Varianten, wie die FuĂnoten formatiert sein können.
- Der Chicago-Stil hat neben einem Regelwerk fĂŒr parenthetische Zitierweise auch eines fĂŒr ein FuĂnotensystem. Manche Autoren verwenden den Namen Chicago-Stil daher synonym fĂŒr die Deutsche Zitierweise.
- Der Oxford Standard for Citation of Legal Authorities (OSCOLA) ist verbreitet in den Rechtswissenschaften, vor allem in GroĂbritannien.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â TUM-Zitierleitfaden. (PDF) UniversitĂ€tsbibliothek, Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen, 1. MĂ€rz 2024, S. 17, abgerufen am 7. April 2024.
- â Deutsche Zitierweise â FuĂnoten richtig zitieren. Abgerufen am 26. Juli 2026.
- â Write With Clarity, Precision, and Inclusion. In: apastyle.apa.org. Abgerufen am 7. April 2024 (englisch).
- â Zitieren gemÀà APA (7th Edition) | Kurz-Manual. (PDF) In: studium.ifp.uni-mainz.de. Abgerufen am 7. April 2024.
- â S. Christiansen, C. Iverson, A. Flanagin et al.: AMA Manual of Style: A Guide for Authors and Editors. 11th ed. Oxford University Press; 2020. https://www.amamanualofstyle.com/ abgerufen am 8. September 2024
- â IEEE Publication Operations: IEEE_Reference_Guide. IEEE 2023. (PDF; 0,5Â MB)
- â IEEE Standards Style Manual. (PDF) In: mentor.ieee.org. 2014, abgerufen am 7. April 2024 (englisch).