ADB:Hackert, Philipp
Hackert: Jacob Philipp H., Landschaftsmaler, geb. zu Prenzlau 15. Sept. 1737, â zu Florenz 1807. FrĂŒhzeitig erhielt er den ersten Kunstunterricht von seinem Vater und nachdem er spĂ€ter in Berlin weitere Studien gemacht hatte, begab er sich 1762 nach Stralsund, besuchte die Insel RĂŒgen und Stockholm, machte ĂŒberall fleiĂige Studien nach der Natur und kam endlich 1765 nach Paris, wo es ihm jedoch nicht lange gefiel. Er suchte die malerische Gegend der Normandie auf und fĂŒhrte die damals in Frankreich beliebten Bilder in Gouache in groĂer Menge aus, wodurch er sich einen Namen machte und Geld erwarb. H. hatte vier jĂŒngere BrĂŒder, welche alle KĂŒnstler wurden (Karl Ludwig, starb durch Selbstmord 1800 in Lausanne; Johann Gottlieb, geb. 1744, â 1773 zu Bath in England; Wilhelm, geb. 1748, â 1780 als Zeichenlehrer an der Akademie zu Petersburg, und Georg Abraham, geb. 1755, starb als KunsthĂ€ndler zu Florenz). Als sich H., der der Lehrer und vĂ€terliche Rathgeber seiner BrĂŒder wurde, nach Italien begab, folgten sie ihm nach, ihre KunstthĂ€tigkeit mit der seinigen vereinend. Die italienische Landschaft war ein fortwĂ€hrender Gegenstand ihres Studiums; hier ist nicht der Raum dazu, alle ihre Kreuz- und QuerzĂŒge in Italien aufzuzĂ€hlen. Sie erhielten unzĂ€hlige AuftrĂ€ge von EnglĂ€ndern und auch fĂŒr den Papst, fĂŒr Kaiser Joseph, Gustav Adolf von Schweden, die Kaiserin Katharina II. von RuĂland und insbesondere fĂŒr den königlichen Hof von Neapel waren sie thĂ€tig. Im J. 1786 wurde unser KĂŒnstler zum Hofmaler des Königs von Neapel ernannt und genoĂ in dieser Stellung vielen Ruhm. Doch dauerte diese GlĂŒckszeit nur vier Jahre, da ihn die Revolution um seine Stellung und um einen groĂen Theil seines erworbenen Vermögens brachte. Er siedelte 1803 nach Florenz ĂŒber, begleitet von seinem jĂŒngsten Bruder Georg, der daselbst eine Kunsthandlung errichtet hatte, wĂ€hrend sein Bruder fleiĂig malte, bis er 1807, zwei Jahre nach seinem Bruder, am 28. April starb. Die Zahl seiner GemĂ€lde ist sehr groĂ; fast alle Gallerien Europaâs besitzen einige derselben, auch seine Zeichnungen sind sehr zahlreich anzutreffen, da der KĂŒnstler sehr productiv war. Viele seiner GemĂ€lde wurden durch den Stich vervielfĂ€ltigt; sein Bruder Georg, Dunker, Gmelin, Aliamet und Andere gaben Stiche nach denselben heraus, die einmal sehr gesucht waren, aber heutzutage minder geachtet werden. H. ist als Landschaftsmaler beachtenswerth, da er in der Zeit thĂ€tig ist, in welcher die Kunst sich aus dem Manierismus zu erheben anfing; er hat das Verdienst, sich der Natur zugewendet zu haben. Wenn ihn die Zeitgenossen den gröĂten Landschaftsmaler nannten, so ist das Urtheil der Nachwelt nĂŒchterner geworden. In der Kunst Hackertâs macht sich die Vedute zu stark bemerklich, ohne höheren geistigen Aufschwung und darum erbleicht neben einem Carstens sein Stern bedeutend. Als einem VorkĂ€mpfer fĂŒr die Befreiung der gefesselten Kunst bleibt ihm in den Annalen derselben immerhin ein ehrenvoller Platz. Der KĂŒnstler hat sich auch mit der Radirnadel versucht; wir besitzen von ihm Folgen von Ansichten von der Insel RĂŒgen, aus der Normandie, aus Neapel und aus Schweden. â Auf Hackertâs letztwillige VerfĂŒgung erhielt Goethe, der [296] seit 1787, wo er ihn zuerst in Neapel besuchte, in freundschaftlichen Beziehungen zu ihm stand, seine biographischen Aufzeichnungen und Papiere, um danach seine Biographie zu schreiben. Goetheâs âPhilipp Hackertâ ist nicht sowol eine selbstĂ€ndige, als eine redactionelle Arbeit. Auch die angehĂ€ngte Abhandlung ĂŒber Hackertâs Kunstcharakter ist nicht von Goethe, sondern von Hofrath Meyer.
- Goetheâs Werke, Stuttg. 1831, Bd. 37, Hempelâsche Ausgabe, Thl. 32. â Fiorillo, Gesch. der z. KĂŒnste.