
Wortherkunft: Der Begriff âInternetâ leitet sich von der Bezeichnung fĂŒr die Forschungsabteilung ARPA (Advanced Research Project Agency) des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums ab, in der das Kommunikationsnetzwerk ARPANET entwickelt wurde. Es ging ins Internet ĂŒber, als es spĂ€ter vom MilitĂ€r unabhĂ€ngig betrieben wurde (Abbate 2000: 113ff.). Die Wortbestandteile âInterâ (zwischen) und ânetâ (Netz) weisen darauf hin, dass es zur Verbindung zwischen einzelnen Computernetzen entworfen wurde.
Definition
Das Internet besteht erstens aus einer Reihe von Vereinbarungen (Protokollen), zweitens der zum Betrieb erforderlichen Hard- und Software, und drittens den Diensten (Anwendungen), die auf dieser Grundlage realisiert werden.
Die Protokolle beschreiben, schichtweise gegliedert, welche Voraussetzungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, damit die jeweilige Betriebsebene funktionieren kann, und welche Funktionselemente sie auf ihrer Ebene zu welchen Bedingungen den darĂŒber liegenden Protokollebenen anbieten. Die unterste Protokollebene legt fest, wie das Netzwerk elektrotechnisch funktionieren soll, also die Ăbertragungs-Infrastruktur aus Kabeln oder Funksignalen. DarĂŒber regelt das IP (Internet Protocol), wie Datenpakete gebildet werden und durch Adressierung ihre Bestimmungsorte finden, indem es die darunter liegende Schicht benutzt. Dabei kann die jeweilige Schicht ignorieren, wie und womit die darunter oder darĂŒber liegende ihre Aufgaben erfĂŒllt. Dem IP kann es also gleichgĂŒltig sein, ob das Ăbertragungsnetz mit Kabeln, Funk oder anders realisiert wird, es genĂŒgt, die Regeln des Protokolls einzuhalten; ebenso ist es indifferent, welchen Zwecken ĂŒbergeordneter Ebenen es dient. Das TCP (Transport Control Protocol) legt fest, wie aus dem Strom von ausschwĂ€rmenden Paketen verlĂ€ssliche KommunikationskanĂ€le aufgebaut werden können, und schlieĂlich beschreibt die Anwendungsschicht, was eigentlich am Ende mit all dem bewirkt werden soll: E-Mail, World Wide Web, â Social Media, â Zeitungs-Apps oder andere Dienste. Die Protokolle beschreiben nur die Funktionsweise ihrer jeweiligen Schicht, nie die technische AusfĂŒhrung, wodurch das Internet insgesamt stĂ€ndig technisch aktualisiert werden kann, sich Hard- und Software und sogar die Dienste weiterentwickeln und vermehren können, ohne dass die Protokolle angetastet werden mĂŒssen. So wurde es möglich, dass Dienste auf der ursprĂŒnglichen Infrastruktur entstehen konnten, an die niemand zu Beginn gedacht hatte, wie etwa der â Online-Journalismus, Internet-Fernsehen, E-Commerce oder jetzt die generative â KI (Warnke 2011: 53ff.).
Das Internet hat das Grundprinzip der Telefonie aufgegeben, das eine direkte Verbindung zwischen den Kommunikationspartnern vorsieht. Es stellt den Datenverkehr auf Pakete um, in die das Kommunikat zerlegt wird. Weil die Adressierung der Datenpakete auf der IP-Ebene einheitlich geregelt ist â in Form der IP-Adresse â, können alle Dienste alle Zieladressen und damit die dadurch adressierten Nutzerinnen und Nutzer individuell erreichen, wodurch das Internet kein â Massenmedium mehr ist, sondern sich zu einem Netzmedium mit individueller Erreichbarkeit aller Netzknoten entwickelt hat. Im IP wird keine Authentifizierung verlangt, weshalb die Teilhabe an Internet-Diensten anonym geschehen kann, wenn nicht zusĂ€tzliche spezifische Sicherungsverfahren mit Nutzernamen und Passwörtern eingesetzt werden. Dennoch kann durch Analyse des Datenverkehrs und durch Benutzungsspuren von ans Internet angeschlossenen Computern die IdentitĂ€t von Sendern und EmpfĂ€ngern indirekt erschlossen werden, was ein politisch kontrovers diskutiertes Datenschutz-Problem darstellt (Virtuelles DatenschutzbĂŒro 2025).
Die Netz-Infrastruktur wird durch Vermittlungsrechner (Router) zusammengehalten, die Dienste werden durch Server angeboten, die Konsumentinnen und Konsumenten greifen auf diese durch Client-Rechner zu. Letztere umfassen alle Internet-fĂ€higen Computer, vom PC ĂŒber Laptop, Tablet, Smartphone, Smart Watches und andere am Körper getragene GerĂ€te und Smart-Home-Komponenten sowie die Informations-Rechner von Fahrzeugen, Industrieanlagen, Einrichtungen im öffentlichen Raum, wobei die Liste solcher Clients bestĂ€ndig anwĂ€chst.
Geschichte
Das US-MilitĂ€r förderte in den 1960er Jahren Projekte, um ein Kommunikationssystem entwickeln zu lassen, das auch unter Bedingungen eines Atomkriegs sicher funktionieren wĂŒrde. Paul Baran, Mitarbeiter der Rand Corporation, erarbeitete die Prinzipien dazu (Baran 1964: iii). Das US-MilitĂ€r war auf Ausfallsicherheit aus; so bestand fĂŒr Baran der Test auch darin zu untersuchen, wie gut unterschiedliche Varianten der Verbindung zwischen Kommunikationspartnern nach einer teilweisen Zerstörung der Stationen oder Leitungen noch zur sicheren Ăbertragung von Befehlsketten taugten. Je gröĂer die Redundanz der Verbindung, desto mehr Partner bleiben nach einem Angriff erreichbar. Verteilte vernetzte, nicht hierarchische Strukturen, die alternative Ăbertragungswege erlauben, bieten Schutz gegen Aus- und Zerfall des Ăbertragungssystems (Warnke 2011: 20f.). Statt durchgeschalteter Verbindungen wie beim Telefonnetz schlug Baran also Datenpakete vor, die ĂŒber alternative Routen auch mehrfach gesendet und zum Teil verloren gehen können, ohne dass die Verbindung abbricht. Das ARPANET konnte 1969 in Betrieb genommen werden. Seine nicht-hierarchische, diversifizierte Struktur hat bis heute im Internet Bestand.
ZunĂ€chst diente das Internet der Steuerung von Rechnern und dem Datenaustausch mit Hilfe von Terminals (Monitoren mit Tastaturen), die ĂŒber Telefonleitungen mit den Knoten-Rechnern verbunden waren. 1971 kam die E-Mail hinzu, die es zu einem Kommunikationsmedium zwischen Menschen machte (Abbate 2000: 106). Mit der Verbreitung von Personal Computern nahm die Nutzung des Internet rasant zu, und 1990 stellten Tim Berners-Lee, Robert Cailliau und andere das World Wide Web (WWW) vor, womit die Möglichkeit der MultimedialitĂ€t eröffnet und das Internet endgĂŒltig zu einem Medium der Allgemeinheit wurde. Mit Fug und Recht lĂ€sst sich diese Entwicklung als ein Medienumbruch, vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks, bezeichnen.
Das WWW basierte auf der losen Kopplung von Dokumenten, gespeichert auf beliebig vielen örtlich verteilten Servern. Die Technik enthielt keine Elemente fĂŒr ZugriffsbeschrĂ€nkungen oder monetĂ€re Abrechnung und setzte sich wohl gerade deswegen durch. Alternativ-EntwĂŒrfe wie etwa Xanadu von Ted Nelson (Nelson 1981), schon 1960 begonnen, blieben erfolglos. Hier liegt die Wurzel der Gratisökonomie des Internet (Warnke 2011: 119), die einer der GrĂŒnde fĂŒr die heute schwierige wirtschaftliche Lage der Zeitungen ist. Ăberhaupt war das Internet in seiner Anfangszeit von libertĂ€rem Geist geprĂ€gt, Aktivistinnen und Aktivisten lehnten staatliche Eingriffe strikt ab: John Perry Barlow schrieb: âGovernments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.â (Barlow 1996) Die idealistischen Forderungen sollten unerfĂŒllt bleiben: BekanntermaĂen entwickelte sich das Internet dann spĂ€ter doch zu einem Ăberwachungsmedium.
GegenwÀrtiger Zustand
Durch das rasante Anwachsen der Nutzung und die einsetzende Kommerzialisierung des World Wide Web entstand im Interesse der Nutzerinnen und Nutzer die Notwendigkeit, die â Inhalte automatisch zu filtern und zu erschlieĂen: â Suchmaschinen kamen Mitte der 1990er Jahre auf (Abbate 2000: 217; Lewandowski 2025). Sie eröffneten durch die Möglichkeit, individualisierte auf der Suchabfrage beruhende Werbung zu schalten, profitable GeschĂ€ftsfelder, betrieben von Firmen mit erheblicher Marktdominanz, z. B. Google. Mit den Social Media-Plattformen wie Facebook (seit 2004), Twitter (2006), Instagram (2010) oder TikTok (2016) kamen Netzmedien zur BlĂŒte, bei denen die â Rezipientinnen und Rezipienten selbst Inhalte bereitstellen: â User-generated content kann ohne technische Fachkenntnisse eingespeist werden. Um von den vorwiegend jĂŒngeren Leserinnen und Lesern ĂŒberhaupt noch wahrgenommen zu werden, richten auch professionelle journalistische Medien Nutzerkonten auf diesen Netzmedien ein und veröffentlichen dort ihre Inhalte. So ergibt sich in ihnen eine Mischung von ehemals massenmedialen journalistischen â Nachrichten, privaten ĂuĂerungen, werbefinanzierten BeitrĂ€gen, Propaganda, â Fake News und letztlich sogar von Bot-Accounts erzeugten Meldungen zweifelhaften Ursprungs, die massenhaft â algorithmisch erzeugt wurden und den Eindruck von privaten Mitteilungen erwecken sollen (BMBF 2022).
Seit 2010 nahm die Entwicklung groĂer Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) Fahrt auf, die mit allen Inhalten, die ĂŒber das Internet erreichbar sind oder digitalisiert wurden, trainiert werden â unter Nichtbeachtung des â Urheberrechts. Im Jahr 2022 kam ChatGPT auf den Markt und machte LLM massentauglich. Dieser Zustrom von Big Data, verbunden mit massiver Rechenleistung, fĂŒhrte zu Maschinen, die menschliche Sprache in erstaunlicher Perfektion simulieren können (generative KI) (Warnke 2026) und die mittlerweile auch von Suchmaschinen zur Aufbereitung der gesuchten Inhalte des Internet genutzt werden.
Forschungsstand
Geforscht wird auf dem Gebiet der Technik an Fragen der Netzwerk-Infrastruktur, insbesondere an Steigerungen der Bandbreite und der Sicherheit der ĂbertragungskanĂ€le (Kurose 2021). Das mögliche Aufkommen von Quantencomputern mit besonderen FĂ€higkeiten zum Brechen kryptographischer Codes macht die Entwicklung von Post-Quantum-Protokollen zur Sicherung von ĂbertragungskanĂ€len erforderlich, Forschungen zu Verfahren der Quantenkryptographie sollen neue Möglichkeiten der abhörsicheren Ăbertragung von Nachrichten ĂŒber das Internet zur VerfĂŒgung stellen (Warnke 2024).
Unter dem Begriff âInternet der Dingeâ werden Forschungen zur Vernetzung von Alltags- und am Körper getragenen GegenstĂ€nden wie Uhren, Datenbrillen oder Sensoren fĂŒr Körpermesswerte mit Computern und persönlichen KommunikationsgerĂ€ten zusammengefasst, wie sie mit der Erweiterung des Spektrums internetfĂ€higer GerĂ€te entstanden sind (Sprenger 2015). Damit gehen neue virulente Fragen von Privatheit und Datenschutz einher, weil hoch vertrauliche Daten zum Körperstatus, etwa ĂŒber den weiblichen Zyklus, unbemerkt zum Gegenstand von Strafverfolgung werden können, wie nach der Abschaffung des Abtreibungsverbotes in den USA. Insgesamt hat sich der Druck auf die Privatheit von Daten weiter verschĂ€rft, was besonders in autoritĂ€r regierten Staaten problematisch ist: Aus einem libertĂ€ren ist ein Ăberwachungs-Medium geworden, was Gegenstand soziologischer Forschung geworden ist (Nassehi 2019).
Ganz im Gegensatz zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Internet von John Perry Barlow (Barlow 1996) haben sich nationale Regierungen immer stĂ€rker in die Organisation des Internet eingemischt, was Forschungen zum national fragmentierten âSplinternetâ angeregt hat (European Union 2022). FrĂŒh eingerichtete Organisationen wie die ICANN (Warnke 2014: 61) erfĂŒllen lediglich rein technisch orientierte Aufgaben, etwa die Vergabe von Internet-Domains,  und haben auf die politische Verfassung des Internet keinen Einfluss mehr.
Weitere drĂ€ngende Forschungsfragen im Zusammenhang mit dem Internet betreffen die langfristigen Folgen generativer KI, die möglicherweise einen neuen â Medienbruch hervorruft (Bieber 2023). Der Kern journalistischer Arbeit, das Schreiben von Texten auf der Grundlage von â Recherche, gerĂ€t massiv unter Druck und wird aus KostengrĂŒnden zunehmend automatisiert. Da LLM selbstĂ€ndig Texte und andere Medieninhalte ĂŒberarbeiten, zusammenfassen und auch erzeugen können, stehen sie in Konkurrenz zu Redakteurinnen und Redakteuren. Probleme der Rationalisierung von journalistischer Arbeit, der UmwĂ€lzung traditioneller journalistischer Strukturen jenseits des Zeitungssterbens sind schon jetzt virulent. Seitens der â Ăffentlichkeit entstehen Zweifel an der GlaubwĂŒrdigkeit journalistischer Meldungen, wenn LLM im Spiel sind, denn das Problem der âHalluzinationenâ bei generativer KI ist weiterhin ungelöst (Warnke 2026). Es ist insgesamt offen, wie die Gesellschaften auf die Disruption generativer KI bei der Aushandlung von Wissensordnungen, normativen Erwartungen und demokratischer LegitimitĂ€t reagieren werden.
Zudem rĂŒcken die ökologischen Folgen der rasant gestiegenen Inanspruchnahme des Internet und der generativen KI in den Fokus aktueller Forschung, denn ein erheblicher Teil des weltweiten CO2-AusstoĂes ist inzwischen auf ihre Nutzung zurĂŒckzufĂŒhren (Istrate 2024).
Literatur
Abbate, Janet: Inventing the Internet. Cambridge, Massachusetts [MIT Press] 2000.
Baran, Paul: On Distributed Communications: I. Introduction to Distributed Communications Networks. https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_memoranda/2006/RM3420.pdf [05.01.2026]
Barlow, John Perry: A Declaration of the Independence of Cyberspace. https://www.eff.org/cyberspace-independence 1996. [05.01.2026]
Bieber, Christoph; Jessica Heesen; Anne Lauber-Rönsberg; Christoph Neuberger: KĂŒnstliche Intelligenz im Journalismus. Potenziale und Herausforderungen fĂŒr Medienschaffende. MĂŒnchen [Plattform Lernende Systeme] 2023.
BMBF. Forschung gegen Fake News. https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/L/31723_Forschung_gegen_Fake_News.pdf. 2022. [05.01.2026]
European Union (Hrsg.): Splinternets: Addressing the Renewed Debate on Internet Fragmentation. BrĂŒssel 2022.
Kurose, James F.; Keith W. Ross: Computer Networking: A Top-down Approach. London [Pearson] 2021.
Lewandowski, Dirk: Wie Suchmaschinen genutzt werden. In: Ders.: Suchmaschinen verstehen. Berlin, Heidelberg [Springer Berlin Heidelberg] 2015, S.65-87.
Istrate, Robert; Victor Tulus; Robert N. Grass; Laurent Vanbever; Wendelin J Stark; Gonzalo Guillén-Gosålbez: The environmental sustainability of digital content consumption. Nat Commun 15, 1, 2024, S. 3724.
Nassehi, Armin: Muster: Eine Theorie der digitalen Gesellschaft. MĂŒnchen [Beck] 2019.
Nelson, Theodor Holm: Literary Machines. Watertown MA [Eastgate Systems] 1981.
Sprenger, Florian; Christoph Engemann. Internet der Dinge: Ăber smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt. Bielefeld [transcript Verlag] 2015.
Virtuelles DatenschutzbĂŒro. https://www.datenschutz.de [05.01.2026]
Warnke, Martin: Theorien des Internet. Hamburg [Junius-Verlag] 2011.
Warnke, Martin: Theorie des Quantum Computings. In: Handbuch Medientheorien im 21. Jahrhundert. Wiesbaden [Springer Fachmedien Wiesbaden] 2024, S. 1-20.
Warnke, Martin: Large Language Kabbala. Berlin [Matthes & Seitz] 2026.
Zuboff, Shoshana: Das Zeitalter des Ăberwachungskapitalismus. Weinheim [Campus Verlag] 2018.


