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Elsflether Werft

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Elsflether Werft AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
GrĂŒndung 1916
Auflösung 2019
Sitz Elsfleth, Deutschland Deutschland
Leitung Pieter Wasmuth (Aufsichtsratsvorsitzender)
Axel Birk (Vorstandsvorsitzender)[1]
Mitarbeiterzahl 115 (Durchschnitt)[2]
Umsatz 41,9 Mio. €
Branche Werft
Website elsflether-werft.de
Stand: 31. Dezember 2016
Blick auf die Elsflether Werft

Die Elsflether Werft AG war eine Schiffswerft in Elsfleth. Das WerftgelĂ€nde befand sich an der Hunte etwas oberhalb des Huntesperrwerks an der MĂŒndung in die Weser. Inzwischen ist die Gesellschaft aufgelöst.[3]

Aktie ĂŒber 100 RM der Elsflether Werft AG vom November 1928

Die Werft wurde am 2. Oktober 1916 vom Schiffbauingenieur Franz Peuss als Aktiengesellschaft gegrĂŒndet. GeschĂ€ftszweck waren der Schiffbau und die Reparatur. Der Betrieb wurde am 14. Mai 1918 eröffnet. Von 1920 bis 1964 stand der Schiffneubau im Vordergrund und es entstand eine sehr breite Palette von Neubauten.

Nachdem zunĂ€chst nur Reparaturen durchgefĂŒhrt worden waren, lieferte die Elsflether Werft AG im Jahr 1920 mit einer Motorbarkasse erstmals einen Neubau ab. Das zwölf Meter lange Schiff ging an eine dĂ€nische Reederei und erhielt die Baunummer 2 (die Baunummer 1 war aus Aberglaube nicht vergeben worden). Als nĂ€chste Neubauten folgten 1921 bzw. 1922 die Dampflogger Mime und Fasolt fĂŒr die Visurgis Heringsfischerei in Nordenham. Im Jahr 1922 lieferte die Werft sechs PĂ©nichen und drei CampinekĂ€hne als Reparationsleistung nach Belgien und Frankreich. Daneben entstanden in den frĂŒhen 1920er Jahren hauptsĂ€chlich SchleppkĂ€hne und Leichter, die unter anderem nach DĂ€nemark, SĂŒdamerika und Afrika gingen. Am 2. September 1924 wurden mehrere GebĂ€ude der Werft durch einen Großbrand zerstört. Noch im selben Jahr begann der Wiederaufbau, so dass die Produktion nur kurz unterbrochen werden musste. Von 1926 bis 1928 erhielt das Bremer Unternehmen A. Held zwanzig Fahrzeuge, hauptsĂ€chlich Fracht- und Tiertransportleichter, die fĂŒr den Export nach Kolumbien bestimmt waren. ZusĂ€tzlich wurden auch Leichter in die portugiesische Kolonie Mosambik geliefert. Im Jahr 1928 fertigte die Werft mit der Ahrensburg ihren ersten Motorschlepper.

In den 1930er Jahren entstanden Fahrgastschiffe, MotorgĂŒterschiffe fĂŒr die Binnenschifffahrt, Motorjachten, Bereisungsboote, im Zweiten Weltkrieg Torpedoboote und Sperrbrecher und nach dem Krieg KĂŒmos, Tanker, Versorger, Patrouillenboote, Containerschiffe und Tonnenleger. Der Kreuzfahrtsegler Lili Marleen fand internationale Beachtung und wurde 1994 als letzter Neubau der Werft mit der Baunummer 417 an die Reederei Peter Deilmann abgeliefert. Insgesamt verließen 275 Neubauten die Werft.[4]

Insolvenz 1994 und NeugrĂŒndung

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Im Jahr 1994 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. 1996 wurde der Werftbetrieb neu gegrĂŒndet[5] und umstrukturiert.[6] Die NeugrĂŒndung erfolgte unter dem Namen Elsflether Werft GmbH & Co. KG mit der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Castor der Hamburger Reederei Rohden[7], einem langjĂ€hrigen Werftkunden. So wurde mit allen 93 BeschĂ€ftigten auf dem 150.000 mÂČ großen Werftareal die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit wieder aufgenommen. Zu den Angeboten gehören seitdem Reparatur- und Umbauarbeiten an See- und Binnenschiffen sowie Servicearbeiten, Personalgestellung im In- und Ausland und auch Revisionsarbeiten an Kernkraftwerken im gesamten Bundesgebiet.

2008 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Diese wurde am 3. Dezember 2008 als EW Elsflether Werft AG in das Handelsregister eingetragen. Die Anteile der Werft wurden spĂ€ter in die Sky-Stiftung eingebracht, die damit EigentĂŒmer der Werft wurde.

Im Mai 2017 pachtete das Unternehmen das GelĂ€nde der ehemaligen LĂŒhring-Werft in Brake fĂŒr 15 Jahre, um dort eine Niederlassung einzurichten.[8] Das GelĂ€nde sollte auch fĂŒr den Aufbau eines Reparaturbetriebs mit bis zu zwei Schwimmdocks und einem Hebelift genutzt werden, um TiefgangsbeschrĂ€nkungen an der Stammwerft in Elsfleth zu umgehen.[9]

Restaurierung der Gorch Fock, Insolvenz 2019 und Verkauf 2021

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2016 wurde die Elsflether Werft mit der GeneralĂŒberholung der 1958 in Dienst gestellten Gorch Fock beauftragt. ZunĂ€chst mit rund 10 Millionen Euro veranschlagt, wurden die Kosten fĂŒr die vollstĂ€ndige Wiederherstellung des Schiffes im Verlaufe des Jahres 2018 auf insgesamt bis zu 135 Millionen Euro geschĂ€tzt. Anfang Januar 2019 waren bereits 69 Millionen Euro fĂŒr die Sanierung des Schiffes ausgegeben.

Die Justizbehörde Hamburg entließ im Januar 2019 den Vorstand der Sky-Stiftung, der die Elsflether Werft gehört. Dem Vorstand wird Pflichtverletzung zu Lasten der Werft vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg nahm Ermittlungen auf. Auch wird gegen einen Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven wegen des Verdachts der Korruption ermittelt. Er soll unter Mitarbeit des Vorstandes der Sky-Stiftung Geld fĂŒr Auftragsvergaben erhalten haben. In diesem Zusammenhang wurde Ende Januar die GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Werft ausgetauscht. Die beiden neuen GeschĂ€ftsfĂŒhrer wollten dem Verteidigungsministerium im Februar 2019 ein Angebot zur abschließenden Sanierung der Gorch Fock unterbreiten. Im Februar 2019 wurde auch bekannt, dass die Elsflether Werft seit mehreren Monaten AußenstĂ€nde in zweistelliger Millionenhöhe hat. Am 20. Februar 2019 stellte das Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.[10][11][12][13] Mitte 2019 lagen die Forderungen, die im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden, bei 36 Millionen Euro.[14]

Ende Oktober 2019 wurde die Elsflether Werft von der LĂŒrssen-Werft gekauft.[15] FĂŒr die insolvente Werft mit 130 BeschĂ€ftigten bezahlte LĂŒrssen nach Angaben des GlĂ€ubigerausschusses 3,57 Mio. Euro.[16] Im April 2020 teilte LĂŒrssen mit, die Elsflether Werft noch im selben Jahr schließen zu wollen, da der Standort als nicht zukunftsfĂ€hig angesehen werde.[17]

Zum 1. Juli 2021 wurde das 95.000 mÂČ große Elsflether WerftgelĂ€nde an die in Bremen ansĂ€ssige Kloska-Gruppe und die in Rastede ansĂ€ssige TT-Bau-Gruppe verkauft, die fĂŒr die Verwaltung des GelĂ€ndes das Unternehmen Neue Elsflether Werft GmbH grĂŒndeten. Das GelĂ€nde soll fĂŒr Reparaturen, Umschlag und andere Industrie- und Schifffahrtsdienstleistungen genutzt werden.[18]

AuftrÀge, Umbauten, Werftausstattung

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Blick auf die Slipanlagen von der Landseite (2016)
Hallen und Slipanlagen von der Wasserseite (2016)

Mit der DB AutoZug GmbH bestand ein Rahmenvertrag ĂŒber die Wartung und DurchfĂŒhrung der notwendigen Reparaturen der Fahrgastschiffe nach Wangerooge. 80 Prozent der AuftrĂ€ge bei der Elsflether Werft kamen Anfang der 2010er Jahre von der Bundeswehr.[19]

Die Werft verfĂŒgt neben einem 420 m langen Kai ĂŒber drei Slipanlagen und vier Krane. Hier können Schiffe mit einer maximalen LĂ€nge bis 105 m und maximalen Breite bis 14,9 m und maximalen Gewichtsbelastung bis 2.150 t bearbeitet werden.

2014 erfolgte nach einer Investition von rund 3œ Mio. Euro die Einweihung der neuen, 120 m langen und 25 m breiten Montagehalle, in der die Schlosserei, Rohrwerkstatt, Dreherei und die Schiffbauwerkstatt einzogen.[20] Das Dach der Halle wurde zur nachhaltigen Stromerzeugung mit Solarzellen belegt. Auch die Entschlickung des werftseitigen Hafenbeckens gehörte damals zu den notwendigen Maßnahmen. Da der Schlick mit Tributylzinnhydrid von den Schiffsfarben belastet war, wurde er auf speziellen Deponien entsorgt.

Neubauten (Auswahl)

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  • Pippilotta (Schoner, 1933 abgeliefert als Heringslogger Erika)
  • Weser (Tender, 1962 abgeliefert)
  • Mellum (Mehrzweckschiff, 1984 abgeliefert)
  • Siderfly (Frachtschiff, 1984 abgeliefert als Borgfeld)
  • Bredstedt (Patrouillenschiff, 1989 abgeliefert)
  • Lili Marleen (Kreuzfahrt-Segelschiff, 1994 abgeliefert)

Reparaturen und Umbauten (Auszug)

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Musicals auf der Elsflether Werft

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Zwischen 2001 und 2006 fanden auf der Elsflether Werft in den Sommermonaten TheaterauffĂŒhrungen statt. Die Idee dazu kam vom Elsflether KapitĂ€n und Reeder Horst Werner Janssen. Die AuffĂŒhrungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Oldenburgischen Staatstheater auf die BĂŒhne gebracht.

AufgefĂŒhrt wurden

Bilder von 2016

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  • Jens Schmeyers, Susanne Wiechmann: 100 Jahre Elsflether Werft. Carl-SchĂŒnemann-Verlag, Bremen, 2016, ISBN 978-3-96047-003-8.
  • Reinhart Schmelzkopf: Die Elsflether Werft A.G. In: Strandgut 45: Materialien zur Schiffahrtsgeschichte, Selbstverlag/Schmelzkopf, Cuxhaven 1999, S. 117–136.
  • Horst Adamitz: Gezeiten der Schiffahrt. Verlag H. Saade, Bremen, ISBN 3-922642-09-8.
  • 100 Jahre Schiffahrt Schiffbau HĂ€fen. Schiffahrts-Verlag „Hansa“, Hamburg 1964.
Commons: Elsflether Werft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ „Gorch Fock“-Sanierung: Vorstand der Elsflether Werft AG entlassen, Weser-Kurier, 30. Januar 2019. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  2. ↑ Jahresabschluss zum 31. Dezember 2016 im eBundesanzeiger
  3. ↑ Bekanntmachung des Amtsgerichts Oldenburg HRB 202754 am 9. Mai 2019
  4. ↑ Jens Schmeyers, Susanne Wiechmann: 100 Jahre Elsflether Werft, Carl-SchĂŒnemann-Verlag, Seiten 158–168.
  5. ↑ Jens Schmeyers, Susanne Wiechmann: 100 Jahre Elsflether Werft, Carl-SchĂŒnemann-Verlag, Seite 105.
  6. ↑ Erfolg als Spezialist fĂŒr eilige FĂ€lle, Die Welt (abgerufen am 8. MĂ€rz 2011)
  7. ↑ Evelyn Eischeid: Das letzte Schiff heißt „Ruhestand“, Nordwest-Zeitung, 26. November 2011, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  8. ↑ Torsten Wewer: Kurz trĂ€umt schon von der Gorch Fock, Nordwest-Zeitung, 13. Mai 2017, abgerufen am 28. Februar 2018.
  9. ↑ Peter Kleinort: Elsflether Werft expandiert nach Brake. TĂ€glicher Hafenbericht, 27. Februar 2018.
  10. ↑ Gorch Fock: Elsflether Werft strebt Insolvenz in Eigenverwaltung an. buten un binnen. Radio Bremen, 19. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  11. ↑ Frank Behling: Elsflether Werft meldet Insolvenz an. Kieler Nachrichten, 20. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  12. ↑ Krischan Förster: »Gorch Fock« bringt Elsflether Werft in die Insolvenz. (Memento vom 20. Februar 2019 im Internet Archive) Hansa – International Maritime Journal, 20. Februar 2019.
  13. ↑ Insolvenz: Elsflether Werft verwaltet sich selbst. NDR, 2. Mai 2019, abgerufen am 5. Mai 2019.
  14. ↑ Matthias Gebauer, Hubert Gude: Finaler Rabatt. In: Der Spiegel. Nr. 25, 2019, S. 39 (online – 15. Juni 2019).
  15. ↑ Florian Schwiegershausen, Friedemann Kohler: Bremer LĂŒrssen-Werft kauft „Gorch-Fock“-Sanierer. Weser-Kurier, 28. Oktober 2019, abgerufen am 28. Oktober 2019.
  16. ↑ Eckhard-Herbert Arndt: Elsflether Werft: LĂŒrssen zahlt 3,5 Millionen Euro. TĂ€glicher Hafenbericht vom 29. Oktober 2019, S. 3
  17. ↑ Elsflether Werft schließt in diesem Jahr. NDR, 8. April 2020, abgerufen am 8. April 2020.
  18. ↑ Elsflether Werft ĂŒbernommen. In: Schiff & Hafen, Heft 7–8/2021, S. 9
  19. ↑ Felix Frerichs: Der KapitĂ€n geht von Bord, Nordwest-Zeitung, 21. September 2011, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  20. ↑ Jens Schmeyers, Susanne Wiechmann: 100 Jahre Elsflether Werft, Carl-SchĂŒnemann-Verlag, Seite 122.
  21. ↑ NWZ online, Es geht wieder aufwĂ€rts auf der Elsflether Werft, 16. MĂ€rz 2019, abgerufen am 15. Dezember 2019

Koordinaten: 53° 13â€Č 37″ N, 8° 27â€Č 45″ O