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Ferralsol

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(Weitergeleitet von Ferrallit)
Gelblich-rot gefÀrbter Ferralsol.

Der Ferralsol ist eine Referenzbodengruppe der internationalen Bodenklassifikation World Reference Base for Soil Resources (WRB), der der klimatischen Region der immerfeuchten Tropen zugeordnet ist. Der Begriff ist ein Kunstwort, das sich aus den Wörtern Ferrum (Eisen), Alumen (Aluminium) und Solum (Boden) zusammensetzt.

Böden dieses Typs sind tiefgrĂŒndig verwittert, sauer und meist intensiv gelb, orange oder rot gefĂ€rbt. Sie sind durch Dominanz von Kaolinit in der Tonfraktion sowie durch Anreicherung von Eisen- und Aluminium(hydr)oxiden gekennzeichnet. Ferner weisen sie eine extreme NĂ€hrstoffverarmung auf, die die landwirtschaftliche Nutzung vor große Herausforderungen stellt.

In der US-amerikanischen Klassifikation (Soil Taxonomy) werden sie als Oxisol bezeichnet. Allerdings sind die Oxisole breiter definiert und umfassen auch die meisten Plinthosole sowie viele Nitisole. In Deutschland wurden die Böden der feuchtwarmen Tropen frĂŒher unter der Bezeichnung Laterit oder Lateritboden zusammengefasst (Scheffer und Schachtschabel, Bodenkunde, 3. Auflage, 1952). In Mitteleuropa kommen sie nur als Reste tropisch-subtropischer Verwitterung aus dem TertiĂ€r oder Ă€lteren Zeitepochen vor und sind stets von jĂŒngeren Ablagerungen bedeckt. Diese Reste wurden in der Bodenkundlichen Kartieranleitung bis zur 3. Auflage (1983) als Latosol bezeichnet, seither als Ferrallit.

Bodenregionen, in denen Ferralsole vorkommen.

FĂŒr die Entstehung der tiefgrĂŒndig und intensiv verwitterten Ferralsole mĂŒssen zwei Kriterien erfĂŒllt sein: Zum einen mĂŒssen die Böden einer starken und kontinuierlichen Verwitterung unterliegen, und zum anderen muss diese Verwitterung bereits ĂŒber einen extrem langen Zeitraum abgelaufen sein. Deshalb ist die Verbreitung der Ferralsole eng an bestimmte Regionen gebunden.

Das Verwitterungskriterium wird nur in den immerfeuchten Tropen erfĂŒllt, also in den Gebieten des tropischen Regenwaldes sowie in Teilen der sich anschließenden Feuchtsavannen. Wegen dieser Bindung an eine bestimmte Klimazone gehören Ferralsole zu den zonalen Böden.

Aufgrund des Zeitkriteriums kommen sie aber nicht gleichmĂ€ĂŸig in jeder feuchttropischen Region der Erde vor. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind vielmehr die alten Kontinentalschilde der Feuchttropen, die in SĂŒdamerika (v. a. Brasilien) und Afrika (v. a. Zentralafrika, Madagaskar und Westafrika) liegen. Auf diesen seit vielen Millionen Jahren ungestörten OberflĂ€chen sind Ferralsole die absolut dominanten Böden. Weltweit nehmen sie etwa 750 Millionen Hektar ein.

Im tropischen Asien sind Ferrasole dagegen kaum verbreitet, denn dort kommt es durch Gebirgsauffaltungen (HimalayaauslÀufer in Indochina) und Vulkanismus (Indonesien, Malaysia u. a.) immer wieder zu einer Erneuerung der OberflÀchen.

Außerhalb der feuchten Tropen sind sie nur als kleinflĂ€chige Relikte vergangener Klimabedingungen anzutreffen. In Deutschland gibt es kleine Reliktvorkommen aus dem TertiĂ€r, die hier als Ferrallit bezeichnet werden.

Wenn eine OberflĂ€che in den humiden Tropen ĂŒber einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren ungestört verwittert, so bilden sich mehrere Zehnermeter tiefe Böden. (In Deutschland sind Böden selten ĂŒber 2 m tief). Der Boden ist versauert und durch die langdauernde Auswaschung sehr nĂ€hrstoffarm. Seine Bestandteile sind fast nur noch schwer verwitterbare Stoffe wie Quarz, Kaolinit sowie Eisen- und Aluminium(hydr)oxide, in geringeren Mengen auch Mangan- und Titan(hydr)oxide.

Die starke chemische Verwitterung beruht auf der kontinuierlichen Wasserversorgung und den bestĂ€ndig hohen Temperaturen der Feuchttropen. Dabei zerfallen die ursprĂŒnglich im Boden vorliegenden PrimĂ€rminerale, so dass KieselsĂ€ure (H4SiO4), „Basen“ (NĂ€hrstoffe wie K+, Ca2+ oder Mg2+) sowie Eisen und Aluminium freigesetzt werden. Nur die verwitterungsbestĂ€ndigen Quarze bleiben bestehen.

Bei einer Reaktion von KieselsĂ€ure mit Aluminiumhydroxid (Gibbsit, Îł-Al(OH)3) können sich stabilere SekundĂ€rminerale bilden. In Ferralsolen ist dies in erster Linie der Kaolinit. Diese sind aber sehr nĂ€hrstoffverarmt und können kaum NĂ€hrstoffe festhalten. Außerdem entstehen verschiedene Eisen- und Aluminium(hydr)oxide.

Die Basen unterliegen nach der Zerstörung der Mineralien grĂ¶ĂŸtenteils der Auswaschung und verlassen den Standort. Nur sehr kleine Mengen können vom Boden zurĂŒckgehalten werden. Mit der Zeit wird auch die KieselsĂ€ure grĂ¶ĂŸtenteils gelöst und ausgewaschen (Desilifizierung). ZurĂŒck bleiben nur Kaolinite sowie der Quarz und die widerspenstigsten Eisen- und Aluminium(hydr)oxide (Ferrallitisierung). Mangan- und Titanverbindungen sind seltener und nur regional von Bedeutung. Am Ende der Bodenentwicklung wird durch die Anreicherung der Verwitterungsreste (Residualakkumulation) ein Zustand erreicht, der schon fast den Charakter eines Erzes hat.

Die physikalischen Bodeneigenschaften der Ferralsole sind als mĂ€ĂŸig bis vorteilhaft einzustufen.

Die Bodenart (Textur) kann sehr unterschiedlich sein, von stark sandig bis stark tonig. Die Tonfraktion wird dabei fast ausschließlich von geringwertigen Tonmineralen (v. a. Kaolinit) dominiert.

Die eigentliche Textur ist aber nur von untergeordneter Bedeutung, denn ein stabiles AggregatgefĂŒge, das durch eine Verbindung des Kaolinits mit den Oxiden entsteht, sorgt fĂŒr die Ausbildung von „Pseudosand“. Obwohl die eigentliche Bodenart nicht zwingend sandig ist, bilden die Bodenbestandteile stabile Körner, die sich wie solcher verhalten. Als Folge weist der Boden eine hervorragende WasserleitfĂ€higkeit, WĂ€rmeleitfĂ€higkeit, Bearbeitbarkeit, Durchwurzelbarkeit und BelĂŒftung auf. Auch das Erosionsrisiko ist sehr gering, da die Aggregate nicht verschlĂ€mmen und NiederschlĂ€ge sehr schnell versickern. Allerdings kann der Pseudosand, genau wie richtiger Sand, kaum Wasser speichern, so dass es bei den Pflanzen in Trockenzeiten schnell zu Wasserstress kommen kann.

Ferralsole weisen hohe Aluminium- und Eisengehalte auf und sind an NĂ€hrstoffen und KieselsĂ€ure verarmt. Die bodenchemischen Eigenschaften mĂŒssen allgemein als nachteilig eingestuft werden.

Da die Böden mit großen Mengen an Aluminium- und Eisenoxiden angereichert sind, haben sie einen niedrigen pH-Wert. Dadurch kann stellenweise das fĂŒr Pflanzen giftige Aluminium (Al3+) in Lösung gehen und den Bewuchs schĂ€digen (AluminiumtoxizitĂ€t). Der Boden wird dadurch fĂŒr empfindlich auf Aluminium reagierende Kulturen regelrecht giftig. Auch eine MangantoxizitĂ€t kann vorkommen.

Die Eisenverbindungen sind, wie auch in Deutschland, maßgeblich an der BodenfĂ€rbung beteiligt. Sie bilden je nach Feuchtigkeit gelbe (Goethit, α-FeO(OH)) bis rote (HĂ€matit, Fe2O3) Verbindungen, die den Ferralsolen ihre intensiv leuchtenden Farben geben (Rubefizierung).

Außerdem fĂŒhren die hohen Aluminium- und Eisengehalte zu einer starken Festlegung von Phosphor (P-Fixierung). Da das Element Phosphor ein HauptnĂ€hrstoff fĂŒr Pflanzen ist, kann die P-Fixierung trotz intensiver DĂŒngung zu Phosphormangel und Ertragsdepressionen fĂŒhren.

Die NĂ€hrstoffhaltefĂ€higkeit der Ferralsole verhĂ€lt sich vollkommen anders, als bei uns. In mitteleuropĂ€ischen Böden werden positiv geladene NĂ€hrstoffe (v. a. K+, Ca2+, Mg2+ und NH4+) gespeichert, da die Böden eine mehr oder weniger hohe KationenaustauschkapazitĂ€t (KAK) aufweisen. Negativ geladene NĂ€hrstoffe wie Sulfat (SO42−) oder Nitrat (NO3−) können dagegen kaum gehalten werden, da die AnionenaustauschkapazitĂ€t (AAK) hier fast fehlt.

In Ferralsolen ist die NĂ€hrstoffhaltefĂ€higkeit – und damit die FĂ€higkeit, Pflanzen mit diesen zu versorgen – generell Ă€ußerst gering. Wegen der intensiven Verwitterung besitzen Ferralsole nahezu keine qualitativ hochwertigen Tonminerale mehr, die den Grundstock fĂŒr die KAK darstellen. Das dort noch vorkommende Zweischicht-Tonmineral Kaolinit hat kaum AustauscherfĂ€higkeiten. Da alle verwitterbaren PrimĂ€rminerale bereits verschwunden sind, entfĂ€llt außerdem die NĂ€hrstoffnachlieferung aus dem Boden. Von daher enthalten die Böden schon von sich aus wenig NĂ€hrstoffe und vermögen diese beispielsweise nach DĂŒngemaßnahmen auch nicht festzuhalten. Bereits nach ein oder zwei RegengĂŒssen können nahezu alle NĂ€hrstoffe unwiederbringlich ausgewaschen sein. Die effektive KationenaustauschkapazitĂ€t der Ferralsole tendiert oft gegen null und ĂŒberschreitet nie den (sehr geringen) Wert von 12 cmol+/kg Ton.

Durch die sauren pH-Werte des Bodens können aber durchaus positive Ladungen entstehen, so dass eine zum Teil hohe AAK aufgebaut wird. Ferralsole haben daher selten Probleme mit der Nitratauswaschung, wie sie in Deutschland allgegenwÀrtig sind.

Eine Besonderheit der Ferralsole ist die als geric bezeichnete Eigenschaft, dass der pH-Wert im Calciumchloridextrakt höher ist als in destilliertem Wasser. In mitteleuropÀischen Böden verhÀlt sich dies stets gegenteilig.

Wegen der hohen Temperaturen und der immerfeuchten VerhÀltnisse ist das Bodenleben in Ferralsolen sehr intensiv.

Im Oberboden liegen relativ hohe Humusgehalte von mindestens 1,4 Masse-% vor. Die Umwandlung aller organischen AbfĂ€lle erfolgt so rasant, dass Streu innerhalb weniger Tage bis Wochen vollstĂ€ndig umgesetzt ist, so dass es auch bei einem hohen Streuaufkommen fast keine organische Auflage gibt. Im Unterboden liegen geringe Humusgehalte und kaum noch NĂ€hrstoffe vor. Die Horizontgrenze ist wegen des regen Bodenlebens (Termiten, TausendfĂŒĂŸler, Ameisen etc.) diffus.

Der Stoffkreislauf des Regenwalds ist sehr eng und schnell. Alle frei werdenden NĂ€hrstoffe werden sofort wieder vom Bewuchs aufgenommen oder ausgewaschen. Ein Großteil der NĂ€hrstoffe ist außerdem in den Pflanzen und nicht im Boden gespeichert. Wird eine FlĂ€che gerodet, so sind damit auch die NĂ€hrstoffe in kĂŒrzester Zeit verschwunden.

Nach der WRB liegt ein Ferralsol dann vor, wenn

  • die ersten 15 Referenzbodengruppen nicht zutreffen und
  • oberhalb des ferralic Horizont kein argic Horizont (Tonverlagerung) vorliegt (es sei denn, sein Gehalt an wasserlöslichem Ton betrĂ€gt weniger als 10 Masse-%, oder sein pH in Wasser ist niedriger als sein pH in KCl, oder sein Gehalt an organischem Kohlenstoff betrĂ€gt mindestens 1,4 Masse-%) und
  • der Boden einen ferralic Horizont hat, der innerhalb von 150 cm beginnt.

Der ferralic Horizont hat folgende wesentlichen Kriterien:

  • die Bodenart ist sandiger Lehm oder feiner mit mindestens 8 Masse-% Ton und
  • die potentielle KAK ist niedrig mit Werten unter 16 cmolc/kg Ton und
  • der Anteil der in den humiden Tropen instabilen PrimĂ€rminerale liegt bei weniger als 10 % (Partikelzahl) in der Fraktion 0,05 bis 0,2 mm und
  • keine vitric oder andic Eigenschaften liegen vor und
  • die MĂ€chtigkeit betrĂ€gt mindestens 30 cm (oft viele Meter).

Unter natĂŒrlichen Bedingungen wĂ€chst auf Ferralsolen ein tropischer Regenwald mit einem geschlossenen NĂ€hrstoffkreislauf. Sobald der Wald fĂŒr die Landwirtschaft gerodet wird, kommt es zu einer Unterbrechung des Kreislaufes und großen Problemen, insbesondere mit der NĂ€hrstoffbalance.

Ohne eine bestĂ€ndige und intensive DĂŒngung (hoher Input) ist eine Dauernutzung mit FeldfrĂŒchten unmöglich, da die Böden sofort auslaugen. Die traditionelle, und auch optimale, Nutzung erfolgt ĂŒber den Wanderfeldbau (Shifting Cultivation). Dabei mĂŒssen nach nur einer Kulturperiode Brachephasen von 10–30 Jahren eingeplant werden, um eine Erholung der FlĂ€chen zu gewĂ€hrleisten. Dies macht den Wanderfeldbau zu einer sehr flĂ€chenintensiven Nutzung. Auf Grund der Bevölkerungsentwicklung können die Bauern in vielen betroffenen Staaten diese Zeiten nicht mehr einhalten. Eine Folge ist ein deutliches Absinken der ErtrĂ€ge.

Bei einer Intensivnutzung muss intensiv gekalkt und mehrmals im Jahr gedĂŒngt werden. Auch eine stĂ€ndige Zufuhr von Mulch hilft, die Fruchtbarkeit zu halten. Diese Form der Bewirtschaftung können Kleinbauern aber in der Regel nicht finanzieren. Außerdem tritt eine enorme NĂ€hrstoffauswaschung auf.

Dagegen kann ohne großen finanziellen Aufwand eine nachhaltige Agroforstwirtschaft betrieben werden, bei der Kulturpflanzen im natĂŒrlichen System des Waldes ohne vollstĂ€ndige Rodung integriert werden. Diese Form der Bewirtschaftung wird z. B. traditionell in Teilen Papua-Neuguineas betrieben.

Dem Agroforst am nĂ€chsten kommen langjĂ€hrige Plantagen, die, auch wenn sie die Natur in großen Maßen beeinflussen können, doch ein einigermaßen an Ferralsole angepasstes Bewirtschaftungssystem darstellen. Vor allem die stĂ€ndige Bedeckung des Bodens ist ein großer Vorteil dieses Systems.

Je nach örtlichen Gegebenheiten können die Aluminiumgehalte im Boden BauwĂŒrdigkeit erreichen. Bauxit basiert in vielen FĂ€llen auf rezenten oder fossilen Böden dieser Art. Da entsprechende Abbaugebiete oft nicht hinreichend rekultiviert werden und oft ein Problem mit Rotschlamm besteht, ist diese Nutzung jedoch oft mit einer – auch nach Abschluss des Bergbaus erfolgenden – landwirtschaftlichen Nutzung inkompatibel.