Zum Inhalt springen

Histosol

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Histosol

Als Histosol werden Böden mit (eventuell mehrere Meter) mĂ€chtigen organischen Horizonten bezeichnet. Sie sind eine Ordnung der USDA Soil Taxonomy und eine Referenzbodengruppe der World Reference Base for Soil Resources (WRB). Die meisten Histosole haben sich unter Sauerstoffarmut bei WassersĂ€ttigung gebildet (Torf), doch sind sie in kĂŒhlen Regionen auch bei guter Sauerstoffversorgung anzutreffen. Sie kommen hauptsĂ€chlich auf der Nordhalbkugel der Erde vor und finden sich vor allem in Regionen mit kaltnassem Klima in gemĂ€ĂŸigten Breiten und der borealen Zone (Westsibirien, Finnland, Kanada), daneben auch in den Everglades im US-Bundesstaat Florida, auf Sumatra, im Kongobecken und in den MangrovensĂŒmpfen Asiens.

Die Definitionen der beiden Systeme sind Ă€hnlich, jedoch nicht identisch. In der Soil Taxonomy sind die Histosole im SchlĂŒssel nach den Gelisolen zu finden, weshalb organische Permafrostböden zu den Gelisolen (Histels) gehören. In der WRB gliedern die Histosole vor den Cryosolen aus, weshalb organische Permafrostböden zu den Histosolen (Cryic Histosols) zĂ€hlen. Auch die Definitionen des diagnostischen organischen Materials (organic material) sind etwas unterschiedlich. In der WRB sind mindestens 20 % organischer Kohlenstoff fĂŒr organisches Material gefordert. In der Soil Taxonomy sind es 12 %. Ähnlich sind die fĂŒr einen Histosol erforderlichen MindestmĂ€chtigkeiten an organischem Material: 60 cm, wenn das organische Material zu mindestens drei Vierteln aus Moosfasern besteht, sonst 40 cm. Wenn das organische Material direkt auf Fels, Skelett oder vergleichbaren UntergrĂŒnden aufliegt, sind fĂŒr einen Histosol geringere MĂ€chtigkeiten ausreichend.

Die Korrelation mit der Deutschen Bodensystematik (KA5) ist nicht so ganz einfach:

  • Die wassergesĂ€ttigten Histosole der WRB gehören alle zu Böden der Abteilung Moore. Die wassergesĂ€ttigten Histosole der Soil Taxonomy sind jedoch nur dann Moore, wenn sie mindestens 15 % organischen Kohlenstoff besitzen. Umgekehrt gehört aber nur ein Teil der Moorböden der KA5 zu den Histosolen, weil die Histosole strengere MĂ€chtigkeitskriterien haben und teils auch strengere Kriterien fĂŒr den Gehalt an organischem Kohlenstoff.
  • Die nicht wassergesĂ€ttigten Histosole gehören nach KA5 fast alle zu den Felshumusböden und Skeletthumusböden. Jene sind aber nur dann Histosole, wenn sie deren Kriterien fĂŒr die Gehalte an organischem Kohlenstoff und fĂŒr die MindestmĂ€chtigkeit erfĂŒllen. Die erforderliche MĂ€chtigkeit betrĂ€gt in der WRB mindestens 10 cm, in der Soil Taxonomy hĂ€ngt sie von der Beschaffenheit des Untergrunds ab.

Entstehung, Nutzung und Verbreitung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Histosole entstehen auf wenig abschĂŒssigem GelĂ€nde mit geringer AktivitĂ€t von Bodentieren und Mikroorganismen und damit sehr schlechter Zersetzung. HĂ€ufig verhindert eine SĂ€ttigung des Bodens mit Wasser einen schnellen Abbau des Pflanzenmaterials. Dadurch baut sich an der OberflĂ€che schneller organisches Material auf, als es abgebaut werden kann, so dass sich mĂ€chtige organische Bodenhorizonte ausbilden können.

Der pH-Wert von Histosolen liegt meist im sauren Bereich, der NĂ€hrstoffgehalt ist gering. Daher findet sich auf Histosolen meist nur ein spĂ€rlicher Pflanzenwuchs. Werden sie trockengelegt, besteht eine große Gefahr fĂŒr Winderosion. Wegen des hohen Gehalts an organischer Substanz dienen Histosol-Bestandteile als Brennstoff und werden zudem zur Gewinnung von Pflanzerde fĂŒr den Gartenbau abgebaut und genutzt.

Eine Drainierung von Histosolen fĂŒhrt zu rascher Mineralisierung des organischen Materials und zur Freisetzung von Kohlendioxid. Die Drainage kann durch ein Auftauen von Permafrost in Folge der ErderwĂ€rmung ausgelöst werden. Vielerorts ist sie jedoch direkt vom Menschen herbeigefĂŒhrt, etwa auf Sumatra, wo große FlĂ€chen zum Anbau von Ölpalmen drainiert werden.

Die GesamtflÀche aller Histosole betrÀgt weltweit etwa 3,5 Millionen Quadratkilometer oder 3 Prozent der eisfreien LandflÀche.

Die USDA Soil Taxonomy unterteilt die Histosole in fĂŒnf Unterordnungen: