Zum Inhalt springen

Franz Steinegger

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Franz Steinegger (2012)

Franz Josef Steinegger[1] (* 8. MĂ€rz 1943 in FlĂŒelen; heimatberechtigt in Altendorf) ist ein Schweizer Jurist und Politiker (FDP).

Nach der Matura (Typus B, 1963) studierte Steinegger Rechtswissenschaft an der UniversitĂ€t ZĂŒrich. 1969 schloss er mit dem Lizentiat ab, 1970 bestand er das FĂŒrsprech- und Notariatsexamen in Uri.

Von 1970 an arbeitete Steinegger auf der Standeskanzlei (Staatskanzlei) Uri, zuletzt als Stellvertreter des Kanzleidirektors. 1981 eröffnete er ein eigenes AnwaltsbĂŒro in Altdorf. 1988 war er PrĂ€sident des Schweizer Tourismus-Verbands und von 1989 bis 1991 ZentralprĂ€sident des Schweizer Alpen-Clubs. Er gehörte mehreren VerwaltungsrĂ€ten an. Er ist PrĂ€sident der Baryon AG. Er war langjĂ€hriges Mitglied im Verwaltungsrat der DĂ€twyler Holding und war PrĂ€sident der CSC Impresa Costruzione SA.[1] Seit 2004 ist er PrĂ€sident des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern. Von 1991 bis Ende 2013 prĂ€sidierte er den Verwaltungsrat der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)[2]. Er war VizeprĂ€sident des Stiftungsrats der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega).

Steinegger war zudem PrĂ€sident des Verbands Schweizerischer Anschlussgeleise- und PrivatgĂŒterwagenbesitzer (VAP). Auch auf Grund dieser Funktion ĂŒbernahm er 2008 einen Mediatorenauftrag zur Konfliktlösung zwischen der SBB-Leitung und Streikenden von SBB Cargo.[3] Des Weiteren war er PrĂ€sident der HIG-Immobilien-Anlage-Stiftung.[1]

Im Februar 2012 ĂŒbernahm Steinegger, bisher einfaches Mitglied im Verwaltungsrat, das Amt des PrĂ€sidenten der NZZ-Mediengruppe vom zurĂŒckgetretenen Konrad Hummler.[4] An der Generalversammlung im April 2013 schied er aufgrund Erreichens der statutarischen Altersgrenze aus dem Verwaltungsrat aus, auf ihn folgte Etienne Jornod.[5]

Steinegger ist in zweiter Ehe mit der AnwĂ€ltin Ruth Wipfli verheiratet und hat mit ihr einen gemeinsamen Sohn (* 1993), aus erster Ehe stammt sein Sohn Matthias Steinegger (* 1976). Mit seiner Frau fĂŒhrt er das Anwalts- und NotariatsbĂŒro Steinegger & Wipfli Steinegger in Altdorf UR.[6] Steinegger wohnt in Uri. In der Schweizer Armee bekleidete er den Grad des Oberleutnants.

Franz Steinegger

1973 gelangte Steinegger in die Politik, als der Gemeinderat seines Heimatorts FlĂŒelen auf der Suche nach einem Juristen als neues Mitglied war. Steinegger sagte sofort zu und blieb bis 1986 im Gemeinderat, ab 1983 als GemeindeprĂ€sident.[7] 1977 bis 1984 prĂ€sidierte er die FDP Uri. Als Leiter des Urner Krisenstabes bei den Unwetterkatastrophen von 1977 und 1987 erwarb er sich durch sein ĂŒberlegtes Handeln den Beinamen «Katastrophen-Franz».

Von 1980 bis 2003 gehörte Steinegger dem Nationalrat an.[7] 1989 bis 2001 war er PrÀsident der FDP Schweiz. Steinegger galt als einer der einflussreichsten Schweizer Politiker. Seine Strategie, die FDP als Partei des Fortschritts unabhÀngig von Links und Rechts zu positionieren, konnte jedoch den Abstieg der FDP und den Aufstieg der rechtskonservativen SVP nicht aufhalten.

1989, nach dem erzwungenen RĂŒcktritt von BundesrĂ€tin Elisabeth Kopp, galt Steinegger lange Zeit als aussichtsreichster Nachfolgekandidat. Dass die Bundesversammlung schliesslich den Luzerner Kaspar Villiger wĂ€hlte, hing vor allem mit zwei Faktoren zusammen:

  • Als Vertreter einer Minderheitspartei aus einem kleinen Kanton fehlte Steinegger die Hausmacht.
  • Steinegger lebte damals, obwohl noch verheiratet, im Konkubinat mit seiner LebensgefĂ€hrtin zusammen.

1999 wurde er vom Bundesrat wiederum in einer Notlage eingesetzt: Er wurde PrĂ€sident der Expo.02 und sollte versuchen, das Projekt der schweizerischen Landesausstellung, das kurz vor dem Scheitern stand, zu retten. Dies gelang durch deren Redimensionierung; die Expo.02 wurde ein Erfolg. Allerdings waren durch die zögerliche Mithilfe der Schweizer Wirtschaft weitere Kredite des Bundes nötig. Dieser auch von Steinegger unterstĂŒtzte ordnungspolitische «SĂŒndenfall» verĂ€rgerte die gegenĂŒber jeglichen Staatsinterventionen skeptische Rechte auch in Steineggers eigener Partei. Dazu kam 2001, nach dem Kollaps der Swissair eine Ă€hnliche Finanzspritze, die das Weiterbestehen einer schweizerischen Fluggesellschaft gewĂ€hrleisten sollte. Seit dieser Zeit galt Steinegger manchen Exponenten der FDP und der SVP als zu links.

Obwohl Steinegger als fast natĂŒrlicher Nachfolger von Kaspar Villiger im Bundesrat galt, zögerte er bei dessen RĂŒcktritt 2003 lange mit der Bekanntgabe einer Kandidatur. Diesmal scheiterte er allerdings schon in der FDP-internen KandidatenkĂŒr gegenĂŒber den Kandidaturen Christine Beerli und Hans-Rudolf Merz. Die GrĂŒnde waren diesmal:

  • Die nach den eidgenössischen Wahlen vom 19. Oktober 2003 stark geschwĂ€chte Partei war nach rechts gerutscht.
  • Steinegger galt als Symbol eines verfehlten Staatsinterventionismus, der mitverantwortlich fĂŒr die Niederlage der Partei gemacht wurde.
  • Die Steinegger politisch nahestehenden Mitglieder aus der Westschweiz sowie die Frauen unterstĂŒtzten eher die Bernerin Christine Beerli.
  • GegenĂŒber dem energischen und weiter rechts politisierenden Quereinsteiger Hans-Rudolf Merz wirkte der schon sehr lange in der Politik tĂ€tige Steinegger verbraucht.

In der Folge zog sich Franz Steinegger aus der Politik zurĂŒck und nahm 2004 die Möglichkeit wahr, PrĂ€sident des Schweizerischen Verkehrshauses in Luzern zu werden.

Commons: Franz Steinegger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Franz Josef Steinegger. In: Moneyhouse, abgerufen am 15. August 2023.
  2. ↑ Franz Steinegger tritt als Suva-PrĂ€sident zurĂŒck In: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 14. Juni 2013
  3. ↑ Steinegger leitet «runden Tisch» bei SBB Cargo, Neue ZĂŒrcher Zeitung, 11. April 2008
  4. ↑ Hummler sistiert NZZ-PrĂ€sidialmandat. In: NZZ Online vom 9. Februar 2012 (Archiv)
  5. ↑ NZZ-Verwaltungsrat schlĂ€gt Etienne Jornod als neuen PrĂ€sidenten vor. Medienmitteilung der NZZ-Mediengruppe vom 26. Oktober 2012
  6. ↑ Franz Steinegger im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  7. 1 2 Franz Steinegger auf der Website der BundesversammlungÂ