Hausnummer

Eine Hausnummer ist eine Bezeichnung, die ein bestimmtes GebĂ€ude in einer StraĂe oder einem Ort eindeutig kennzeichnet. Sie dient der Adressierung, Orientierung und der Auffindbarkeit eines GebĂ€udes. In Deutschland, Ăsterreich, Liechtenstein und in der Schweiz wird die Hausnummer im Rahmen der GebĂ€udeadressierung amtlich vergeben. Sie wird in amtlichen Verzeichnissen wie dem Liegenschaftskataster oder dem Grundbuch festgehalten und ist Teil der amtlichen Lagebeschreibung einer Immobilie.
Form
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um ihren Zweck als Orientierungshilfe zu erfĂŒllen, soll die Hausnummer dauerhaft und gut sichtbar an der Hauswand oder GrundstĂŒcksgrenze angebracht sein. Die ersten Hausnummern wurden daher mit wetterbestĂ€ndiger Farbe an die HĂ€user gemalt. Sie sind zum Teil noch auf historischen GebĂ€uden erhalten.[1] Im Gegensatz zu StraĂenschildern ist das Anbringen von Hausnummernschildern in der Regel Sache des privaten HauseigentĂŒmers. Verbreitet sind einfache, standardisierte Emailleschilder in SchwarzâWeiĂ oder WeiĂâBlau. In Gebrauch sind auch Zierschilder aus Keramik, Schmiedeeisen, Holz, Kunststoff oder anderen Materialien; es gibt Schilder mit Zusatz des StraĂennamens sowie beleuchtete Hausnummern. Die kommunalen oder den Denkmalschutz betreffenden Vorschriften können die Gestaltungsfreiheit erheblich einschrĂ€nken: Form, Farbe, GröĂe, Schriftart und Anbringungsort können in einer Hausnummernverordnung festgelegt sein. Beleuchtete Hausnummern sind in mehreren deutschen BundeslĂ€ndern, so in Hamburg und Berlin, vorgeschrieben.[2][3]
- Hausnummer mit Solarmodul fĂŒr nĂ€chtliche Beleuchtung
- Hausnummer mit Zusatz âNr.â und Angabe des Platzes an einem Haus im Duisburger Dellviertel
- Standardisiertes Hausnummernschild in MĂŒnchen, mit Angabe der ZĂ€hlrichtung
- Altes Standard-Nummernschild in Berlin
- Nummernleuchte sowie ĂŒbergroĂe kĂŒnstlerische Hausnummern-Ausschilderung in Berlin-Mitte, Sickingenstr. 41
- Hausnummer aus Schiefer
- Hausnummer in Buenos Aires (Argentinien)
- Hausnummer in Cacupé, Florianópolis (Brasilien)
- Zweifach angebrachte Hausnummer an der HeerstraĂe (215), Berlin-Spandau
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Graz (Ăsterreich)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Form der Hausnummer spiegelt zuweilen historische Entwicklungen wider. So hatten nach dem System des Wiener Schilderfabrikanten Michael Winkler (* 17. Juli 1822 in MĂstek; â 20. April 1898 in Wien) in der Habsburgermonarchie alle StraĂen, die vom Zentrum an den Stadtrand fĂŒhren, rechteckige Nummern- und StraĂenbezeichnungstafeln, wĂ€hrend alle anderen mit ovalen Tafeln versehen waren.[4] Drei Beispiele aus Graz seien angefĂŒhrt: Die Klosterwiesgasse und die Raubergasse fĂŒhren vom Zentrum weg, die Merangasse und die Jungferngasse nicht; sie sind tangentiale StraĂen bzw. Gassen. Die Hausnummernschilder hatten am Rand fĂŒr jeden Bezirk eine charakteristische Farbe: I: rot; II: gelb; III: blau; IV: braun; V: grĂŒn; VI: grau.[5] Allerdings wurden in Unkenntnis des Systems viele Schilder mit anderer Farbe ĂŒbermalt.
- Graz, Merangasse (II. Bezirk, andersfarbig ĂŒbermalt)
- Graz, Jungferngasse (I. Bezirk, ĂŒbermalt)
- Graz, Klosterwiesgasse (VI. Bezirk)
- Graz, Raubergasse im I. Bezirk, mit original rotem Rand, dazu das seit 2011 gĂŒltige UNESCO-Welterbeschild.
Ab 1969 wurden grĂŒne Hausnummernschilder verpflichtend eingefĂŒhrt. In Graz gibt es seit 2001 Hausnummerntafeln in zwei verschiedenen AusfĂŒhrungen: Wenn die Hausnummern nicht im Bereich des Weltkulturerbes liegen, sind sie gemÀà der Verordnung des Stadtsenates vom 19. Oktober 2001 in grĂŒner Farbe mit weiĂem Randstreifen und Ziffern auszufĂŒhren. Im Bereich des Weltkulturerbes sind Tafeln gemÀà der Verordnung des Stadtsenates vom 19. Oktober 2001 im speziellen UNESCO-Design auszufĂŒhren.[6]
Linz (Ăsterreich)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Linz sind Hausnummernschilder aus mehreren Epochen anzutreffen. Es gilt bei den alten dasselbe Schema wie in Graz (Habsburgermonarchie) mit eckigen bzw. ovalen Schildern. In den frĂŒhen 1930er Jahren wurden auch weiĂe Emailschilder mit blauem Rand eingesetzt. Ab den 1950er Jahren wurden neue, schwarze Schilder mit weiĂer Schrift im Design der StraĂenschilder eingefĂŒhrt. Seit den 1990er Jahren sind die Hausnummernschilder â so wie auch die StraĂenschilder â weiĂ mit schwarzer Schrift. Im Stadtteil KleinmĂŒnchen, der bis zum Jahr 1923 eine selbststĂ€ndige Gemeinde war, sind auf einigen Ă€lteren HĂ€usern dunkelblaue Emailleschilder mit weiĂer Schrift angebracht.
Die Gestaltung und AusfĂŒhrung der Hausnummerntafeln ist durch Verordnung des Gemeinderates geregelt.[7]
- Linz, Modell Habsburgermonarchie, oval
- Linz, Modell Habsburgermonarchie, eckig
- Linz, Modell KleinmĂŒnchen, 1920er Jahre
- Linz, Modell 1930er Jahre
- Linz, Modell St. Magdalena, 1930er Jahre
- Linz, Modell 1940er Jahre, oval
- Linz, Modell 1940er Jahre, eckig
- Linz, Modell 1950er Jahre (frĂŒher gewölbte Form)
- Linz, Modell 1950er Jahre (spÀter ebene Form)
- Linz, Modell 1990er Jahre bis heute
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine âbesondereâ Form der Hausnummer kann als Auszeichnung dienen. Die Goldene Hausnummer bekamen Hausgemeinschaften in der DDR fĂŒr vorbildliche Pflege und Gestaltung ihres Hauses.
Das Saarland verleiht seit dem Jahr 1996 eine GrĂŒne Hausnummer fĂŒr umweltbewusstes Bauen und Wohnen, einige Kommunen wie Erfurt und Mainz schlossen sich dem an.[8]
Baarle (Belgien/Niederlande)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Baarle ist aufgrund des einzigartigen Grenzverlaufs jedes Hausnummernschild auch mit einer NationalitÀtsbezeichnung (niederlÀndisch oder belgisch) versehen.
- Baarle, niederlÀndische Hausnummer
- Baarle, belgische Hausnummer
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bevor die HĂ€user mit Nummern versehen wurden, gab es zur Unterscheidung individuelle Hauszeichen und HĂ€usernamen. Die HĂ€user in den StĂ€dten waren meist anhand von bemalten Schildern zu erkennen. In den Dörfern gab es Hofnamen (Hausnamen), die nicht mit dem Familiennamen des Hofinhabers ĂŒbereinstimmen mussten.
Die Ă€ltesten Hausnummern stammen aus der frĂŒhen Neuzeit. Bereits im 15. Jahrhundert waren die 68 HĂ€user auf dem Pariser Pont Notre-Dame nummeriert, und seit 1519 wiesen die HĂ€user der Augsburger Fuggerei Nummern auf. FlĂ€chendeckend eingefĂŒhrt wurden Hausnummern aber erst im 18. Jahrhundert: Dies begann beispielsweise 1724 bis 1728 mit den Pariser VorstĂ€dten oder der Prager Judenstadt 1727. Ab 1737 folgten KleinstĂ€dte in PreuĂen, die als MilitĂ€rquartiere dienen sollten. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die HĂ€usernummerierung schlieĂlich europaweit eingefĂŒhrt: 1750 in Madrid, 1754 in Triest, 1762â1765 in London, ab 1779 in Paris. Berlin, als eine der letzten GroĂstĂ€dte der Hausnummernvergabe, schloss sich diesem Trend erst 1799 an.[9]
In Wien begann die Diskussion um die EinfĂŒhrung von Hausnummern im Jahr 1753. Sie sollten im Zuge einer Polizeireform eingefĂŒhrt und der Bevölkerung mit der Aussicht auf eine erleichterte VerbrechensbekĂ€mpfung schmackhaft gemacht werden.[10] Erst bei neuerlichen Diskussionen Mitte der 1760er Jahre wurde bei einer VolkszĂ€hlung unter dem Stichwort Seelenkonskription das Hausnummernsystem 1769 auf die ganze österreichisch-ungarische Monarchie ĂŒbertragen. Unter anderem wies die Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1770 den Wiener BĂŒrgermeister an, âdie Nummern an den HĂ€usern bey Strafe von 9 Gulden kenntlich zu machenâ. Die Nummern wurden direkt mit schwarzer oder roter Farbe auf die HauswĂ€nde gemalt.
Die Hausnummerierung war stets eine obrigkeitliche MaĂnahme, die die staatliche Kontrolle in den Bereich der hĂ€uslichen PrivatsphĂ€re ausweitete. Die konkreten BegrĂŒndungen waren unterschiedlich: RekrutierungsmaĂnahmen, Einquartierung von MilitĂ€r, BekĂ€mpfung von Bettlern, Steuer- und Versicherungsangelegenheiten. Die Untertanen wehrten sich vielerorts, kratzten die Hausnummern ab oder bewarfen sie mit Schmutz. Der Adel versuchte, die Nummerierung der Schlösser und HerrenhĂ€user zu verhindern. Das System setzte sich jedoch durch und am Ende des 18. Jahrhunderts waren Hausnummern fĂŒr Postadressen im Gebrauch.[11]
Die Notwendigkeit der Nummerierung von HÀusern ist insbesondere seit den 1970er Jahren durch den flÀchendeckenden Rettungsdienst bei NotfalleinsÀtzen dringlicher geworden. Anfahrtszeiten bei NotfalleinsÀtzen verzögern sich durch fehlende oder schlechte Kennzeichnung.[12]
Nummerierungssysteme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konskriptionsnummer
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Die Ă€lteste Methode der flĂ€chendeckenden Hausnummerierung war das System der Konskriptionsnummern. Dabei wurden die HĂ€user einer Ortschaft zunĂ€chst komplett durchnummeriert. AnschlieĂend erhielten alle neuen GebĂ€ude in der Reihenfolge ihrer Errichtung eine fortlaufende Nummer. Diese Nummer kann, wenn sie bei verschiedenen Neunummerierungen gleich geblieben sein sollte und sich an den GrundstĂŒcken um das Haus nichts Wesentliches geĂ€ndert hat, immer noch die Einlagezahl im Grundbuch bilden. Dies ist bei einigen Bezirken Wiens der Fall,[13] allgemeine Regel ist es jedoch nicht mehr. Es finden sich im lĂ€ndlichen Raum immer noch Streusiedlungen, die keine mit Namen versehenen StraĂen und somit keine fortlaufende Nummerierung besitzen, sondern in denen noch historische Konskriptionsnummern zur Orientierung verwendet werden. Die Hausnummer ist hier kein Zusatz zur StraĂe, sondern zum Ortsteil oder Weiler oder zur Bauerschaft, da es verbreitet auch keine StraĂennamen gibt (Beispiel: A-1111 Musterdorf, Einöd 7). Durchbrochen wird das System teilweise dann, wenn Ă€ltere HĂ€user abgerissen werden und diese Nummern frei werden. In diesem Fall werden sie oft an anderer Stelle an Neubauten vergeben.
Manchmal wurden nach EinfĂŒhrung der StraĂennamen die alten, durchlaufenden Nummern beibehalten. Beispiele dafĂŒr gibt es im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein (HofstraĂe 277), in Landsberg am Lech (Hofgraben 489), im historischen Zentrum von Landshut (Freyung 632b) sowie auf Helgoland (RingstraĂe 1156). So hat das Koblenzer Mutter-Beethoven-Haus die Adresse WambachstraĂe 204, obwohl diese StraĂe wesentlich weniger HĂ€user aufweist, da die alte, auf den ganzen Ort bezogene Nummer weiterverwendet wurde, statt dass die HĂ€user straĂenweise neu nummeriert worden wĂ€ren. Helgoland hat auf diese Weise sogar vierstellige Hausnummern wie in Köln. In Osterspai (Gartenweg 284) und im Ortsteil Treis an der Mosel (Am Laach 435) wurde in den 1980er Jahren diese Nummerierung aufgegeben und die StraĂen wurden regelmĂ€Ăig durchnummeriert.
Sowohl in Tschechien[13] als auch in der Slowakei werden die im Habsburgerreich eingefĂŒhrten Konskriptionsnummern oft noch als Hausnummern verwendet und sind nach wie vor Standard in Ausweisen. Einige Orte, insbesondere gröĂere, verwenden (zusĂ€tzlich) Orientierungsnummern; es gibt jedoch auch einige groĂe StĂ€dte, in denen keine Orientierungsnummern vorhanden sind. Das Standardadressformat listet die Konskriptionsnummer und die Orientierungsnummer zusammen in einer Zeile auf, die durch einen SchrĂ€gstrich getrennt sind (VĂĄclavskĂ© nĂĄmÄstĂ 646/17). Es ist jedoch auch möglich, eine Vorgehensweise zu finden, bei der die Nummern in umgekehrter, falscher Reihenfolge aufgelistet werden. In Tschechien haben temporĂ€re GebĂ€ude und GebĂ€ude zur individuellen Erholung eine Registrierungsnummer (evidenÄnĂ ÄĂslo) anstelle einer Konskriptionsnummer (popisnĂ© ÄĂslo, Äp.). Aus der Konskriptionsnummer wird die Registrierungsnummer entweder durch eine AbkĂŒrzung (Ä. ev., Äe., ev. Ä.) oder durch die Farbe des Hausnummernschildes (typischerweise schwarz-gelb oder grĂŒn) oder durch eine vor der Nummer angehĂ€ngte Null angezeigt (023 statt 23) oder durch Wörter, die den GebĂ€udetyp angeben (NotfallgebĂ€ude, HĂŒtte).
In Abwandlung dieses Systems können anstelle der ganzen Ortschaft einzelne Viertel oder HĂ€userblöcke nummeriert sein. In den Mannheimer Quadraten erfolgt die Nummerierung fortlaufend um die Quadrate herum. In Heidelberg ist das UniversitĂ€tsgelĂ€nde Im Neuenheimer Feld durchgĂ€ngig mit dreistelligen Hausnummern, deren erste Ziffer die ungefĂ€hre Lage angibt, versehen. In Venedig sind sĂ€mtliche HĂ€user eines Viertels nach Entstehungsalter durchnummeriert. Eine Adresse kann dadurch Cannaregio 2341 lauten. Zum Auffinden eines Hauses ist somit ein weiteres Verzeichnis notwendig, aufgrund dessen man die Liegenschaft einer StraĂe oder einem Kanal zuordnen kann. Die Verzeichnisse sind bei den Poststellen oder den Zeitungskiosken einsehbar.
Orientierungsnummerierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das System der Konskriptionsnummern wurde mit dem Wachstum der StĂ€dte schnell unĂŒbersichtlich. Daher stellten im 19. Jahrhundert die meisten gröĂeren Ortschaften ihr System auf die straĂenweise Nummerierung um. Das gĂ€ngigste System ist die wechselseitige Nummerierung, auch âOrientierungsnummerierungâ oder âZickzackprinzipâ genannt. Es wurde 1805 in Paris eingefĂŒhrt. Hierbei erhielt die rechte StraĂenseite die geraden und die linke StraĂenseite die ungeraden Nummern. Rechts und links wird dabei oft bei radialen StraĂen vom Ortskern gesehen, bei tangentialen StraĂen im Uhrzeigersinn definiert. VerlĂ€uft eine deutsche StraĂe vom Stadtkern stadtauswĂ€rts, so ist die kleinste Nummer eines Hauses im Stadtkern, die gröĂte am Ende der StraĂe. Durch die unterschiedliche GröĂe der einzelnen GrundstĂŒcke kommt es oft vor, dass numerisch nebeneinanderliegende Nummern sich nicht gegenĂŒberstehen. Auch werden durch StraĂenverbreiterungen an Kreuzungen oft einzelne Hausnummern geschluckt, wenn die GrundstĂŒcke dem StraĂenland zugeschlagen wurden. Ănderungen sind möglich, wenn die GrundstĂŒcke geĂ€ndert wurden, durch EinfĂŒgen oder Zusammenfassen. Dieses kann vermieden werden, indem vorher Nummernbereiche ausgelassen werden.

FĂŒr Berlin wurde das System der Orientierungsnummerierung mit einer Verwaltungsvorschrift vom 15. Januar 1929 verbindlich eingefĂŒhrt, womit fĂŒr die Metropole endgĂŒltig das bisherige System der Hufeisennummerierung abgelöst wurde. 1920 waren die das alte Berlin umgebenden Vororte in GroĂ-Berlin eingegliedert worden. In den inneren Vororten bestand wie im alten Berlin seit den 1850er Jahren das System der Hufeisennummerierung, jedoch wurde zunehmend bei neuen StraĂen die Orientierungsnummerierung angewandt. In den einbezogenen Dörfern und Orten des Barnim und des Teltow bestand teilweise noch ĂŒber das Jahr 1900 die Konskriptionsnummer mit ortsbezogenen Zahlen oder unter Nutzung von Eigentumsbezeichnungen wie Schadelâsches Haus. Mit der Bildung von GroĂ-Berlin wurden solche Besonderheiten beseitigt und im System der Orientierungsnummerierung nummeriert (siehe auch: StraĂen Berlins).
In DĂŒsseldorf wird seit 1858 eine wechselseitige Nummerierung verwendet, die vom gĂ€ngigen System insofern abweicht, als dort die rechte StraĂenseite die ungeraden und die linke StraĂenseite die geraden Nummern erhĂ€lt und fĂŒr die Festlegung der Nummerierungsrichtung nicht in radiale und tangentiale StraĂen unterschieden wird, sondern die Nummern vorrangig von Norden nach SĂŒden und von Westen nach Osten ansteigen.[14]
In Hamburg ist amtlich festgelegt, dass bei radial von der Stadtmitte (Rathausmarkt) abgehenden StraĂen auf der linken Seite ungerade, auf der rechten Seite gerade Hausnummern verwendet werden. Bei QuerstraĂen beginnt die Nummerierung von der RadialstraĂe aus, von der sie abzweigen. Verbindet eine QuerstraĂe zwei RadialstraĂen, so wird von der bedeutenderen ausgegangen.[15] Ausnahmen mit durchlaufender Nummerierung auf jeder StraĂenseite kommen allerdings historisch bedingt vor, Beispiel: DavidstraĂe.
In Wien wurde 1862 das System von der Konskriptions- auf die Orientierungsnummerierung umgestellt. Allerdings wurden die alten Nummern weiter im Grundbuch als Einlagezahlen verwendet. Das neue System mit der Trennung in gerade und ungerade Hausnummern wurde von Michael Winkler erstellt und ist noch als Winklersches System der Hausnummern bekannt (siehe auch: StraĂen in Wien). Eine Ausnahme bildet die Fred-Liewehr-Gasse, bei der die geraden Hausnummern irrtĂŒmlich an der linken Seite festgelegt wurden.
Kölner Hausnummern sind (mit Ausnahme amerikanischer MilitĂ€rkasernen) unter den höchsten Hausnummern Deutschlands und teilweise vierstellig: Venloer StraĂe 1451 (in Pulheim weiterlaufend bis 1501), Aachener StraĂe 1420, Bergisch Gladbacher StraĂe 1248, Olpener StraĂe 1096, Berliner StraĂe 1027. In Belgien gibt es sogar StraĂen mit Hausnummern ĂŒber 2000 (Haachtsesteenweg 2020, BrĂŒssel; Waversesteenweg 2245, Oudergem).
Litera-System
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Litera-System war eine frĂŒhe Form der Hausnummerierung, die im 18. und 19. Jahrhundert in einigen StĂ€dten des deutschsprachigen Raums Anwendung fand. Bei diesem System wurden die HĂ€user einer Stadt in Viertel oder Bezirke eingeteilt, die mit Buchstaben (Litera) gekennzeichnet wurden. Innerhalb dieser Bezirke erhielten die GebĂ€ude dann fortlaufende Nummern. So konnte beispielsweise eine Adresse A 123 bzw. A.123 lauten, wobei A den Bezirk und 123 die Hausnummer innerhalb dieses Bezirks bezeichnete. In Ulm wurde dieses System 1812 eingefĂŒhrt und unterteilte die Stadt in vier Viertel (A bis D), ergĂ€nzt durch die GrabenhĂ€uschen mit eigener Nummerierung.[16] Auch in Augsburg war das Litera-System bis 1938 in Gebrauch, wobei die Buchstaben der Bezirke noch lange Zeit an manchen GebĂ€uden sichtbar blieben.[17] Das System erwies sich jedoch mit dem Wachstum der StĂ€dte zunehmend als unĂŒbersichtlich. In Ulm beispielsweise wurde bereits 1869 erwogen, das Litera-System durch ein moderneres mit StraĂennamen und Hausnummern zu ersetzen, was jedoch zunĂ€chst aus KostengrĂŒnden unterblieb. Erst 1893 beschloss der Ulmer Gemeinderat die EinfĂŒhrung des heute ĂŒblichen Systems mit StraĂennamen und fortlaufenden Hausnummern.[16] In Neuburg an der Donau sind die Buchstaben mit der EinfĂŒhrung von StraĂennamen im 19. und 20. Jahrhundert redundant geworden, in den Adressen jedoch erhalten geblieben.[18]
Hufeisennummerierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im damaligen Königreich PreuĂen wurde allgemein die âHufeisennummerierungâ (fortlaufende Nummerierung) verwendet. Falls sich keine wesentliche Veranlassung fĂŒr eine Umnummerierung ergeben hat (s. u.), besteht diese Form noch immer. Die Nummerierung beginnt beim ersten Haus meistens auf der rechten StraĂenseite (in einigen StraĂen jedoch auf der linken Seite), lĂ€uft dort zum letzten und wird dann auf der gegenĂŒberliegenden Seite (nunmehr in Gegenrichtung) fortlaufend zum letzten Haus weitergefĂŒhrt, gleich der Form eines Hufeisens: So kommt es, dass in einer StraĂe die Nr. 1 sowie das höchstnummerierte Haus oft einander gegenĂŒber stehen. Diese Nummernvergabe wurde sowohl bei RadialstraĂen als auch bei TangentialstraĂen verwendet.
Dieses System wurde auch in Berlin fĂŒr neu angelegte StraĂen bis zum Jahr 1929 genutzt. Die Nummerierung begann am der Stadtmitte (bezogen auf das Stadtschloss) nĂ€her gelegenen Ende. Seit Inkrafttreten der âGrundsĂ€tze fĂŒr die Nummerierung der GrundstĂŒcke vom 15. Januar 1929â ist in Berlin bei allen neu zu nummerierenden StraĂen das System der wechselseitigen Nummerierung zu verwenden. Bereits bestehende Hufeisennummerierungen wurden auch nach 1929 grundsĂ€tzlich nicht geĂ€ndert, sodass beide Systeme nebeneinander existieren. Der berĂŒhmte KurfĂŒrstendamm hat beispielsweise bis heute die Hufeisennummerierung. Die GrundstĂŒcke beginnen an der Nordseite allerdings mit Nr. 11 neben der GedĂ€chtniskirche (wegen der Abtrennung des 1925 in Budapester StraĂe umbenannten östlichsten Abschnitts); die Zahlenfolge der Hausnummern fĂŒhrt Richtung Westen zum Rathenauplatz (Auffahrt A 100), an der sĂŒdlichen StraĂenseite folgen von da die Hausnummern von 125 bis 237 zurĂŒck zum Breitscheidplatz (TauentzienstraĂe). Eine Umstellung bereits vorhandener hufeisen-nummerierter StraĂen auf wechselseitige Nummerierung musste allerdings dann erfolgen, wenn die StraĂe in ihrer namentlichen VerlaufslĂ€nge geĂ€ndert oder andere StraĂen namentlich einbezogen wurden. Denn in solchen FĂ€llen war die in sich geschlossene Hufeisennummerierung nicht mehr âkompatibelâ, sodass dann die gesamte StraĂe in ihrer neuen LĂ€nge wechselseitig neu-durchnummeriert wurde (beispielsweise hatte in Charlottenburg die Lietzenburger StraĂe ursprĂŒnglich die Hufeisennummerierung, vom damals östlichen Endpunkt Ecke Joachimsthaler StraĂe beginnend und ebendorthin zurĂŒckkehrend; aufgrund ihrer VerlĂ€ngerung in östliche Richtung ab 1963 beginnt die neue Nummerierung am heute östlichen Endpunkt Ecke Martin-Luther-StraĂe im wechselseitigen System; weitere Beispiele solch nachtrĂ€glicher Ănderungen von Hufeisen- auf wechselseitige Nummerierung sind die Martin-Luther-StraĂe in Schöneberg oder die Karl-Marx-StraĂe in Neukölln, welche 1947 aus zuvor namentlich drei verschiedenen StraĂen gebildet wurde).[19]
Die Hufeisennummerierung wurde zudem in weiteren deutschen StĂ€dten angewendet, wie in einigen Hamburger Ortsteilen, in der Braunschweiger Kernstadt (hier beginnt die Nummerierung auf der linken StraĂenseite), in Delmenhorst, Erfurt, Hildesheim, Kamen, Oldenburg (Altstadt), Speyer sowie StĂ€dten in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wobei tangentiale StraĂen unabhĂ€ngig davon nach dem wechselseitigen System nummeriert sein können.
Auch in der MĂŒnchner Altstadt war dieses System ĂŒblich. Dort wurde erst um das Jahr 1960 âauf Anregung der MĂŒnchner GeschĂ€ftsweltâ das wechselseitige System eingefĂŒhrt.[20]
Weitere Systeme
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In den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Teilen Lateinamerikas ist es ĂŒblich, die Nummern nach der Lage des GrundstĂŒcks in einer kartesischen Koordinatenebene zentriert auf das nĂ€chstgelegene Stadtzentrum zu bestimmen. Oft wird der Wert in FuĂ oder Metern als Hausnummer ĂŒbernommen, teilweise in 10-m- oder 20-m-Abschnitten. In nordamerikanischen StĂ€dten beginnt hĂ€ufig an jeder QuerstraĂe ein neuer 100er-Abschnitt. Da amerikanische Stadtgebiete wegen ihrer Bebauung mit EinfamilienhĂ€usern sehr groĂ sein können, bestehen extrem hohe Hausnummern. 10.000er-Hausnummern sind normal und selbst 20.000er-Nummern sind keine Seltenheit. So gibt es in Key Largo die Adresse â107900 Overseas Highwayâ.
In Manhattan hingegen haben alle groĂen Nord-SĂŒd-Avenues eine europĂ€ische HausnummernzĂ€hlung, wie Madison Park, 5th, 9th und 10th Avenue. Alle mĂŒnden schlieĂlich in den Broadway, der mit ĂŒber 6500 Hausnummern die Stadtgrenze erreicht.
In Toronto in Kanada, das nach Ausweis der ein- und zweistelligen Hausnummern offensichtlich europĂ€isch nummeriert ist, gibt es die Yonge Street, die im SĂŒden der Innenstadt nahe dem Lake Ontario beginnt und unter demselben Namen und mit fortlaufender Nummerierung durch mehrere Orte ĂŒber 60 Kilometer nach Norden fĂŒhrt, bis sie â nach einer Unterbrechung der StraĂe â mit der höchsten eingetragenen Hausnummer 22002 fĂŒr ein landwirtschaftliches LagergebĂ€ude endet.
Im sĂŒdlichen Ontario, Kanada, nahe der Grenze zu den USA, gibt es eine etwa acht Kilometer lange StraĂe, die die Dorfkerne von Tavistock und Punkeydoodles Corners verbindet. Die Hausnummern beginnen bei 985.296 und enden bei 986.075, Perth-Oxford Road in Punkeydoodles Corners. In den benachbarten Ortskernen gibt es StraĂen mit ein- und zweistelligen, auch vierstelligen Hausnummern und eine StraĂe mit Nummern in den 730.000ern.[21]
In der niederlĂ€ndischen Stadt Nijmegen wird das Siedlungsgebiet der Siedlung Zwanenveld in Abschnitte unterteilt, denen zweistellige Zahlen zugewiesen wurden. Die HĂ€usernummerierung wird als dritte und vierte Ziffer angefĂŒgt. Im Abschnitt 52 gibt es somit die geraden Hausnummern von 52.02 bis 52.54 und die ungeraden von 52.01 bis 52.59. Im Abschnitt 90 kam man jedoch mit den vierstelligen Zahlen nicht aus und nummerierte einfach weiter: 90102, 90104 ⊠90120. Bei den ungeraden Zahlen gibt es jedoch nur die fĂŒnfstelligen Zahlen 90101 und 90103. Somit dĂŒrfte die Adresse Nijmegen, Zwanenveld 90120 eine der höchsten europĂ€ischen Hausnummern haben.
Ein Ă€hnliches System, der Nummerierung nach Wohnbezirken (buurten), gab es in den 1980er Jahren auch in Apeldoorn. Die StraĂen hatten regelmĂ€Ăige Namen, die Hausnummern waren aber alle vier- und fĂŒnfstellig. Offenbar hat sich das System nicht bewĂ€hrt, bei Google Maps finden sich nur noch StraĂen in herkömmlicher Zickzack-Nummerierung.
In Den Haag werden Hausnummern teils nicht fĂŒr einzelne HĂ€user, sondern fĂŒr Wohn- bzw. GeschĂ€ftseinheiten vergeben, sodass GebĂ€ude teils mehrere Hausnummern haben.
Schweiz
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In der Schweiz ist in den meisten Orten das Zickzacksystem analog zu Deutschland im Einsatz. In einigen Orten (vorwiegend im lĂ€ndlichen Bereich) basiert die Hausnummerierung jedoch noch auf der sogenannten GebĂ€udeversicherungsnummer. In den meisten Kantonen gibt es eine kantonale GebĂ€udeversicherung, bei der jedes GebĂ€ude versichert werden muss. Diese vergibt jedem Haus eine Versicherungsnummer, die in jeder Gemeinde mit 1 beginnt und theoretisch unendlich groĂ werden kann. Dadurch sind Adressen mit teilweise vierstelligen Hausnummern möglich. Dieses System erweist sich allerdings zunehmend als unpraktisch, da die GebĂ€ude innerhalb einer StraĂe willkĂŒrlich durchnummeriert und daher nur schwer aufzufinden sind (z. B. könnten in einem Dorf in der Hauptstrasse die GebĂ€ude 45, 321, 789, 4 und 432 direkt nebeneinander stehen). In den letzten Jahren sind vermehrt Gemeinden, in denen dieses System noch genutzt wird, davon abgerĂŒckt und haben das klassische Zickzacksystem eingefĂŒhrt.
Brasilien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Brasilien wird das System der wechselseitigen Nummerierung (Orientierungsnummerierung) verwendet, wobei jedoch die amtlichen Hausnummern dann entsprechend der Entfernung vom Anfangspunkt der jeweiligen StraĂe in Metern vergeben werden. Dabei zĂ€hlt nur die Lage der GrundstĂŒcksfront, es wird nicht prĂ€zise der Hauszugang kilometriert. Das System hat den groĂen Vorteil, dass die Suche nach einem GrundstĂŒck sehr einfach ist, da man anhand der Hausnummern im Verlauf der StraĂe die verbleibende Distanz zum GrundstĂŒck ganz einfach abschĂ€tzen kann. Auch besteht im Fall von GrundstĂŒcksteilungen in der Regel immer ein ausreichender Nummernvorrat, so dass Unterbezifferungen mit Buchstaben nicht gebrĂ€uchlich sind.
In ErgĂ€nzung zu den Hausnummern erfolgt aber in abgeschlossenen Condominios eine private interne Nummerierung entsprechend den Hausblöcken (quarteirĂŁo) auf dem GrundstĂŒck mit Nummern (Beispiel: Q2, L5, also Quartier Nummer 2, Zugang 5). Einige dieser Condominios besitzen wiederum Namen fĂŒr die interne ErschlieĂungsstraĂe.
GrundstĂŒcke an ĂberlandstraĂen auĂerhalb der Ortschaften werden unter der Kilometerangabe adressiert, oft auch mit einem ergĂ€nzenden Zusatz zum leichteren Auffinden (Beispiele: âEstrada do Coco Km 4,5â oder âRodovia BR-101, Km 143 â Anexo Flamingoâ).
Japan
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Japan bilden nicht die StraĂen den Kern des Adressierungsschemas (tatsĂ€chlich haben die meisten StraĂen auch keinerlei Bezeichnungen wie Namen oder Nummern), sondern die davon umschlossenen GrundstĂŒcksflĂ€chen oder HĂ€userblöcke, die nummeriert werden. UrsprĂŒnglich erhielten die darin enthaltenen GrundstĂŒcke eine Konskriptionsnummer, so dass mehrere HĂ€user auf einem GrundstĂŒck dieselbe Adresse hatten. Ab 1962 wurden daher diese Blöcke von einer Ecke aus im Uhrzeigersinn fortlaufend in Abschnitte fester LĂ€nge (meist 10 bis 15 m) unterteilt und diese Abschnitte durchnummeriert. Die Hausnummer hĂ€ngt davon ab, in welchen Abschnitt der Hauseingang fĂ€llt. Fallen die EingĂ€nge von zwei HĂ€usern in denselben Abschnitt, haben beide HĂ€user wiederum dieselbe Nummer.
HausnummernergÀnzungen
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Wenn sich VerĂ€nderungen im Baubestand ergeben und keine freien Hausnummern mehr zur VerfĂŒgung stehen, werden bei der straĂenweisen Nummerierung in der Regel die Nummern mit ZusĂ€tzen ergĂ€nzt; es kann jedoch auch eine Umnummerierung eines Teilbereichs an der StraĂe erfolgen. Notwendig ist dies immer nach einer GrundstĂŒcksteilung, bei der SchlieĂung von BaulĂŒcken oder wenn auf einem GrundstĂŒck ein weiteres, vom HauptgebĂ€ude unabhĂ€ngiges Haus entsteht. Der Zusatz ist meist ein Buchstabe (7 A). In Berlin, Darmstadt und Potsdam ist dafĂŒr die GroĂschreibung von nachgestellten Buchstaben vorgeschrieben, in Halle z. B. die Kleinschreibung.[22] Manchmal, vor allem in WĂŒrttemberg, ist der Zusatz eine nachgestellte Zahl (8/1, auch 8-1), in Frankreich die Bezeichnungen âbisâ, âterâ, âquaterâ (12bis; lateinische Zahladverbien fĂŒr zweimal, dreimal, viermal). Bei weiterer Untergliederung kann ein weiterer Buchstabe nachgestellt werden, z. B. in Wiesbaden, Klagenfurter Ring 2FA. Im niederlĂ€ndischen Regierungssitz Den Haag werden ebenfalls Buchstaben als HausnummernergĂ€nzung vergeben. Soll von diesen aus wieder untergliedert werden, so werden wieder Ziffern angehĂ€ngt. So entstehen Hausnummern wie â55 b 1â. In Vormals wurden auch Bruchzahlen verwendet: â3, 3âŻ1â4, 3âŻ1â2, 3âŻ3â4â. Noch immer haben beispielsweise die StĂ€dte Augsburg, Ingolstadt, Marburg, Bad Tölz, FĂŒssen, Bad Nauheim und Bad Vilbel, die Gemeinde Kirchanschöring sowie Ortsteile der Gemeinden Jachenau, TĂŒbingen, Erlangen, Friedberg und Issigau âBruchteilhausnummernâ. Besonders die Hausnummer 1âŻ1â2 des Mathematischen Instituts in Erlangen[23] hatte Bekanntheit als Kuriosum erlangt. In der Altstadt der oberpfĂ€lzischen Stadt Regensburg wird zusĂ€tzlich unter der jeweils aktuellen Hausnummer auf einem Hausnummernschild noch die historische aus der stadtteilweisen Nummerierung angegeben, vielfach auch hier mit Bruchnummer. Bis zum Jahr 1967 gab es diese Nummerierungsvariante ebenfalls in Dortmund. Seither wurden sie dort durch BuchstabenergĂ€nzungen ersetzt: Das Haus GroĂe HeimstraĂe 2âŻ1â2 wurde so zu Nr. 2 a und das Haus Stockumer StraĂe 398âŻ1â2 zu Nr. 398 a.
Eine sehr hohe Bruchteil-Nummer hat Augsburg in der SchertlinstraĂe. Hinter dem Haus Nr. 11 wurde ein ganzes Einfamilienhaus-Neubaugebiet mit mehr als 150 HĂ€usern errichtet. Anstatt den einzelnen QuerstraĂen eigene Namen wie Schertlinhof zu geben, wurden alle HĂ€user mit Bruchteilnummern zur SchertlinstraĂe 11 versehen, bis hin zur Rekordnummer 11âŻ1â187.
Bei der Aufteilung eines groĂen GrundstĂŒcks in mehrere kleine, etwa bei der ErschlieĂung von Neubaugebieten mit EinfamilienhĂ€usern, kommen nachgestellte Buchstaben auch aus dem hinteren Teil des Alphabets vor. Teilweise kommen BuchstabenergĂ€nzungen auch ohne GrundstĂŒcksaufteilungen zur Kennzeichnung vor. Beispiele fĂŒr Hausnummern aus dem hinteren Buchstabenbereich sind: Bad Vilbel, Am Sportfeld 2 t und Schlesienring 30 t; Goch, Klever StraĂe 59 t; Dresden, Ăsterreicher StraĂe 84 t; Herten, FeldstraĂe 156 v; Berlin, Alt Wittenau 38 v und Pilgramer StraĂe 286 v und 288 w; Bremen, Friedrich-Engels-StraĂe 8 w; LĂŒnen, Waldhöhe 2 w; LĂŒbeck, Kronsforder Allee 129x; Bergkamen, HĂŒnenpad 10 x; Freiburg im Breisgau, Vaubanallee 8x; Konstanz, MainaustraĂe 209 y; Frankfurt am Main, BrĂŒsseler StraĂe 1 z; Garbsen, Lise-Meitner-StraĂe 1 z; Dresden, Wilhelm-Weitling-StraĂe 41 z; Köln, Bergisch Gladbacher StraĂe 263 z. Bei der Nutzung des Alphabets fĂŒr HausnummernzusĂ€tze sind nach der GrundstĂŒcksnummerierungsverordnung von Berlin die Buchstaben I und O nicht zulĂ€ssig, weil dies leicht zu Verwechslungen fĂŒhren kann; ebenfalls soll der Buchstabe Z nicht verwendet werden, weil dieser fĂŒr statistische Pseudoadressen genutzt wird.
GrundstĂŒckszusammenlegungen fĂŒhren oft zu zusammengesetzten Hausnummern (Mariahilfer StraĂe 38â40 und 42â48[24]). Ist das System allzu stark durchbrochen, kann eine Umnummerierung der ganzen StraĂe notwendig werden.
Bei Wohnanlagen oder gröĂeren GebĂ€uden können noch ZusĂ€tze wie die Nummer des Aufgangs (Treppenhausnummer, Stiegennummer) fĂŒr das Treppenhaus oder Wohnungsnummer (TĂŒrnummer) fĂŒr die Wohnung dazukommen, die dann durch einen SchrĂ€gstrich getrennt sind, um die Adresse noch detaillierter anzugeben. In Wien ist die Durchnummerierung von Stiegen bzw. HĂ€usern[25] und Wohneinheiten[26] Vorschrift. AnschlieĂend werden die GebĂ€ude nach Zugangssituation den Orientierungsnummern zugewiesen, wobei sich mehrere GebĂ€ude eine Orientierungsnummer teilen können. So umfasst etwa die Adresse Biberhaufenweg 100 eine Reihenhaussiedlung mit 178 HĂ€usern und die Adresse Geistingergasse 1 die Stiegen 1 bis 11 des Karl-Marx-Hofes. Dadurch ergeben sich dreiteilige Hausnummern in der Form Orientierungsnummer/Stiege/TĂŒr. Solche Hausnummern sind auch in den Berliner Innenstadtortsteilen verbreitet.
Rechtsgrundlagen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In § 126 Abs. 3 BauGB ist vorgesehen, dass der EigentĂŒmer sein GrundstĂŒck mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen hat. Hieraus wird lediglich die Pflicht des Haus- oder ImmobilieneigentĂŒmers zur Anbringung der Nummerierung begrĂŒndet, was der Behörde die Möglichkeit gibt, eine Nummerierung anzuordnen. Aus § 126 Abs. 3 BauGB geht hervor, dass im Ăbrigen landesrechtliche Vorschriften gelten. Diese regeln â in Verbindung mit detaillierenden Gemeindesatzungen â im Einzelnen, welche Behörde fĂŒr die Vergabe zustĂ€ndig ist, fĂŒr welche Einheiten Hausnummern vergeben werden â ob beispielsweise unbebaute GrundstĂŒcke und NebengebĂ€ude eine eigene Nummer erhalten â, wie die Hausnummern auszusehen haben und wo sie anzubringen sind. Die vergebenen Hausnummern werden im Liegenschaftskataster mit den zugehörigen StraĂennamen als Lageangabe der FlurstĂŒcke nachgewiesen.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Vorschriftsvarianten. In Nordrhein-Westfalen beruht die Zuordnung eines GrundstĂŒcks zu einer bestimmten StraĂe sowie seine Nummerierung auf § 14 OBG NRW. Im Bundesland Niedersachsen kommt § 11 des Gesetzes ĂŒber die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Betracht. In Berlin gilt die Nummerierungsverordnung (NrVO), die beleuchtete Schilder vorschreibt. FĂŒr die Stadt Köln gilt die Kölner StraĂenordnung.
Die Richtlinien fĂŒr die wegweisende Beschilderung auĂerhalb von Autobahnen (RWB) betonen, dass Hausnummernschilder keine Verkehrszeichen der StVO sind, empfehlen aber, Hausnummernschilder so anzubringen, dass sie von der StraĂe aus gut lesbar sind.[27]
Ăsterreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]VorlĂ€ufer der heutigen Hausnummern waren die von Maria Theresia durch ein kaiserliches Patent am 10. MĂ€rz 1770 in Wien eingefĂŒhrten Konskriptionsnummern.[28] Dass die Hausnummer, die von der Gemeindebehörde vergeben wird, auch anzubringen ist, wurde in den jeweiligen Bauordnungen der BundeslĂ€nder geregelt. Die Hausnummer ist Bestandteil einer Adresse. Adressen bestehen im Regelfall aus der Bezeichnung einer VerkehrsflĂ€che oder (wenn es in einem Ort keine StraĂennamen gibt) der Ortschaft und einer Nummer. Sie werden im Grundbuch eingetragen.
WĂ€hrend umgangssprachlich auch in Ăsterreich die Hausnummer ein Ăberbegriff der Orientierungsnummer ist, ist es nach dem Gesetz genau umgekehrt.[29] So kann rechtlich die Orientierungsnummer eine Hausnummer oder eine Konskriptionsnummer sein. MaĂgebend fĂŒr die Verwendung sind die Regeln des Adressverzeichnisses. Als Orientierungsnummern sind auch GrundstĂŒcksnummern möglich (zumindest vorlĂ€ufig, bis z. B. bei Neubauten eine Orientierungsnummer vergeben ist). Die Hausnummer ist innerhalb einer StraĂe eindeutig, die Konskriptionsnummer ist eindeutig innerhalb einer Ortschaft oder einer Gemeinde, die GrundstĂŒcksnummer ist eindeutig innerhalb einer Katastralgemeinde. Bei alleinstehenden Objekten (Kirchen, Kapellen usw.) können GrundstĂŒcksnummern auf Dauer als Adresse im Adressverzeichnis vorhanden sein.[30] Nur 0,03 % aller Adressen sind Sonderadressen, die keine Orientierungsnummer haben (z. B. WĂŒrstelstĂ€nde, MarktstĂ€nde, Kioske, die sich auf Gehsteigen vor HĂ€usern befinden). Im Adressregister sind dafĂŒr Vermerke wie âvor Nr. xy, Kioskâ vorgesehen.[31]

| Bundesland | Gesetz (Link auf die aktuelle Fassung im RIS) | Fundstelle |
|---|---|---|
| Burgenland | BurgenlĂ€ndisches StraĂengesetz 2005 | § 9 Kennzeichnung von VerkehrsflĂ€chen und GebĂ€uden |
| KÀrnten | KÀrntner Bauordnung 1996 | § 41 Orientierungsnummern |
| Niederösterreich | NĂ Bauordnung 2014 | § 31 Orientierungsbezeichnungen und StraĂenbeleuchtung |
| Oberösterreich | Oö. StraĂengesetz 1991 | § 10 Kennzeichnung von VerkehrsflĂ€chen und GebĂ€uden |
| Salzburg | Baupolizeigesetz 1997 | § 18 Orientierungsnummern |
| Steiermark | SteiermĂ€rkisches Baugesetz | § 7 Orientierungsbezeichnungen und StraĂenbeleuchtung |
| Tirol | VerkehrsflÀchenbezeichnung, GebÀudenummerierung, Gesetz | § 4 Nummerierung von GebÀuden, Bezeichnung von Wohnungen und sonstigen Nutzungseinheiten |
| Vorarlberg | Gemeindegesetz | § 15 Bezeichnung von Ărtlichkeiten, VerkehrsflĂ€chen, GebĂ€uden und deren Nutzungseinheiten |
| Wien | Bauordnung fĂŒr Wien | § 49 Bauwerks- und Wohnungsnummerierung |
Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um die VolkszĂ€hlung 2010 vorzubereiten, erlieĂ die Schweiz im Januar 2008 das Registerharmonisierungsgesetz (RHG), in dessen Folge jedem Haus eine eindeutige GebĂ€udeadresse zugewiesen werden musste. Diese besteht aus dem Namen der StraĂe, des Platzes oder eines benannten Gebietes sowie einer Hausnummer. Die Gemeinden haben die GebĂ€udeadressierung nach der 2003 erlassenen Schweizer Norm SN 612040[32] und nach der im Jahr 2005 vom Bundesamt fĂŒr Landestopografie herausgegebenen Empfehlung GebĂ€udeadressierung und Schreibweise von Strassennamen[33] weitgehend durchgefĂŒhrt. Die Amtliche Vermessung Schweiz verwaltet GebĂ€udeadressen flĂ€chendeckend ĂŒber die ganze Schweiz, hĂ€lt sie aktuell und stellt sie zur VerfĂŒgung.
Verwendung der Hausnummer in Adressangaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hausnummern werden je nach verwendeter Sprache vor oder nach dem StraĂennamen eingetragen. Ferner werden sie unabhĂ€ngig davon in manchen Orthographien mit einem Komma abgetrennt. Allgemein gelten dabei folgende Faustregeln:
- Englisch und Französisch (auĂer Belgien und Schweiz): Nummer vor dem StraĂennamen, andere europĂ€ische Sprachen (z. B. Deutsch, Spanisch, Italienisch, auch Belgien): dahinter
- Romanische Sprachen: Mit Komma abgetrennt, andere europÀische Sprachen (z. B. Deutsch, Englisch, Polnisch, Griechisch): ohne.
Eine Lösung zweisprachiger Umgebungen wie in BrĂŒssel ist es, dass diese Verteilung genutzt wird, um die Angabe in beiden Sprachen (hier NiederlĂ€ndisch und Französisch) âgleichzeitigâ zu machen nach dem Muster âx-straat 10, rue de xâ.
Hausnummern werden grundsĂ€tzlich mit Zahlen angegeben. Im Deutschen steht bei einer Nummernangabe wie 2â4 der Bis-Strich.
Im englischsprachigen Raum, vor allem in den Vereinigten Staaten und in Kanada, wird die Haus-Nr. 1 mit âOneâ angegeben, also ausgeschrieben. Da manche Gemeinden ortsansĂ€ssigen Unternehmen bei der Benennung von ZufahrtsstraĂen entgegenkommen, sind in EinzelfĂ€llen sprechende Adressen möglich. So hatte der Hauptsitz der MapInfo Corporation, eines Herstellers von Geoinformationssystemen, lange Zeit die Adresse One Global View (in Troy, N.Y.). Die Apple-Firmenzentrale hat die Adresse One Infinite Loop in Cupertino.
Bekannte Hausnummern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]4711 und 2583 1/2
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Die wohl berĂŒhmteste Hausnummer Deutschlands ist 4711 in Köln in der Glockengasse. Eine weitere bekannte Hausnummer in Köln ist die des Kölner Doms. RegelmĂ€Ăig fĂ€llt das kleine blaue Emailleschild mit der Adresse Domkloster 4 SouvenirjĂ€gern zum Opfer. Der Dom erhielt bei der Nummerierung 1794 die kuriose Nummer 2583 1/2. Der Zusatz 1/2 kennzeichnete lediglich ein GrundstĂŒck mit einem öffentlichen GebĂ€ude, fĂŒr das keine Steuern zu entrichten waren. Dies spielte fĂŒr die Domgeistlichkeit eine wichtige Rolle. Die im Nordturm gelegene winzige KĂŒsterwohnung hatte die volle Hausnummer 2583 und war somit steuerpflichtig. Die riesige Kathedrale wurde lediglich als deren AnhĂ€ngsel betrachtet und hatte deshalb nur die halbe Hausnummer. 1811 wurden die unpraktischen langen Hausnummern in Köln abgeschafft und durch das heutige System ersetzt. Eine Fiktion ist dagegen die durch ein Kölner Karnevalslied berĂŒhmt gewordene Hausnummer Kaygasse Numero 0, die so nicht existierte, anders als der in dem Lied besungene Lehrer Heinrich Welsch.[34]
10 Downing Street
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Die Hausnummer 10 Downing Street in London zĂ€hlt zu den weltweit bekanntesten. Durchgehend seit 1902 findet man unter dieser Adresse den Wohnsitz des First Lord of the Treasury, der im Allgemeinen zugleich der britische Premierminister ist. UrsprĂŒnglich trug das GebĂ€ude die Nummer 5.
55, Rue du Faubourg Saint-Honoré
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Hausnummer 55, Rue du Faubourg Saint-HonorĂ© ist die berĂŒhmte Adresse des französischen StaatsprĂ€sidenten in Paris. Er residiert in dem dort im Jahre 1718 von Armand-Claude Mollet erbauten ĂlysĂ©e-Palast. ZunĂ€chst diente er als HĂŽtel particulier, spĂ€ter als Tanzlokal, bis er 1873 zum Amtssitz des PrĂ€sidenten ausgewĂ€hlt wurde.
1600 Pennsylvania Avenue NW
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das WeiĂe Haus hat die Hausnummer 1600 in der Pennsylvania Avenue im Nordwest-Quadranten. Die Adresse 1600 Pennsylvania Avenue NW wird auch als Metonymie fĂŒr das WeiĂe Haus gebraucht.
221B Baker Street
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der fiktive Wohnort von Sherlock Holmes. Zu der Zeit, als die Romane geschrieben wurden, gab es diese Nummer nicht, heute hingegen gibt es diese Hausnummer in der Baker Street in London; sie beherbergt eine Bank. Einige HĂ€user weiter befindet sich das Sherlock Holmes Museum.
77 Sunset Strip
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]77 Sunset Strip ist eine der berĂŒhmtesten US-amerikanischen Krimiserien aus den 1950er und 1960er Jahren. Sie bezeichnet die Adresse des DetektivbĂŒros Bailey und Spencer in Los Angeles auf dem Sunset-Boulevard. Im Vor- und Abspann der einzelnen Folgen sah man in GroĂschrift an der Vorderseite des Vordachs ĂŒber dem Eingang die Anschrift stehen.
Berggasse 19
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Haus Berggasse 19 in Wien lebte Sigmund Freud von 1891 an 47 Jahre lang. Dies ist auch die Adresse eines Museums und Archivs zu seinem Leben und Wirken. Unter diesem Titel gibt es ferner einen Film mit Curd JĂŒrgens als Sigmund Freud.
PorschestraĂe 911
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Porsche AG hat von der Gemeinde Weissach an der PorschestraĂe fĂŒr ihr Entwicklungs- und Motorsportzentrum die Hausnummer 911 erhalten. Die Vergabe der Nummer 911 ist eine WĂŒrdigung des Porsche 911, der Sportwagen gilt als Inbegriff der Marke des Unternehmens. Dies belegt die Vergabe von privaten Hausnummern unter Verflechtung mit wirtschaftlichen Anliegerinteressen und abweichend von allgemeinen GrundsĂ€tzen der Hausnummerierung.
Hausnummer Null
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der im Jahr 2024 erschienene Kinofilm Hausnummer Null von Lilith Kugler behandelt das Problem Obdachlosigkeit, bei der man keine feste Wohnadresse hat, mithin die Hausnummer Null hat.[35]
Hiervon abgesehen kommt es gelegentlich vor, dass fĂŒr ein GebĂ€ude keine Hausnummer, sondern nur ein StraĂenname vorhanden ist. Dies betrifft unter anderem Aussiedlerhöfe und Ă€hnliche einzeln gelegene Anwesen, bei denen als StraĂenname nur die Bezeichnung des Anwesens dient. Soweit etwa in Formularen die Angabe einer Hausnummer zwingend gefordert wird, wird dann ĂŒblicherweise die fingierte Hausnummer â0â oder auch â1â angegeben, teilweise auch âo. Nr.â (ohne Nummer). Zumindest regional (Rheinland-Pfalz) ist es verbreitet, dass in derartigen FĂ€llen die Hausnummer 0 sogar durch die zustĂ€ndigen Kommunalbehörden in Personalausweise eingetragen wird.
Amtliche Hauskoordinaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr Deutschland wurde im Jahr 2003 eine Gemeinschaft zur Verbreitung der Hauskoordinaten (GVHK) gegrĂŒndet. Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der LĂ€nder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) verfolgt damit das Ziel, fĂŒr alle im Liegenschaftskataster enthaltenen und mit einer Hausnummer versehenen GebĂ€ude eine Beziehung zwischen der Adresse (Lagebezeichnung mit Hausnummer) und einem dazugehörigen Koordinatenpaar in verschiedenen Koordinatensystemen zu schaffen und diese auf dem Markt anzubieten.
Diese Daten können dann vom Kunden (Location-Based-Services, Verlage, Versicherungen, Versorger, Zustelldienste) mit einer ihm verfĂŒgbaren Grafik verschnitten werden. Jede gesuchte Adresse kann so sofort in der Grafik angezeigt werden. Die amtlichen Hauskoordinaten definieren somit die genaue Position einer Hausadresse und werden â flĂ€chendeckend fĂŒr das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland â in einem standardisierten Datenformat vertrieben.
Hausnummern in der Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Klee hat in seinem Werk âIm Alten Stadtteil, Numero drei und dreissigâ aus dem Jahr 1923 (im Museum Berggruen) im Bild und Titel eine exponierte Hausnummer aufgegriffen.[36]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans-Gerd Becker: Die Hausnummerierung â eine geodĂ€tische Ordnungsaufgabe. In: Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung Berlin (Hrsg.): Geoinformation 2010 in Berlin â VerĂ€nderungen und Herausforderungen. November 2010, S. 97â100 (PDF-Datei).
- JĂŒrgen Beyer: Adressen von Druckern, Verlegern und BuchhĂ€ndlern im 18. Jahrhundert. Zugleich ein Beitrag zur Diskussion ĂŒber ein VD18. In: WolfenbĂŒtteler Notizen zur Buchgeschichte. 31 (2006), S. 159â190.
- Wilfried Matzke: Die kaum bekannte Geschichte der Adressierung in Augsburg. In: ESRI Deutschland GmbH (Hrsg.): arcAKTUELL 2/2015. 2015, S. 12â13 (E-Paper).
- Reuben S. Rose-Redwood: Indexing the great ledger of the community: urban house numbering, city directories, and the production of spatial legibility. In: Journal of Historical Geography. 34 (2008), S. 286â310 (doi:10.1016/j.jhg.2007.06.003).
- Martin Schlatter: Empfehlung fĂŒr die GebĂ€udeadressierung. Herausgeber: Baudirektion Kanton ZĂŒrich, Schweiz (26 Seiten; lokalnamen.ch [PDF, 1,4 MB]).
- Anton Tantner: Ordnung der HĂ€user, Beschreibung der Seelen â Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie. Dissertation an der UniversitĂ€t Wien, Geistes- und Kulturwissenschaftliche FakultĂ€t, 2004 (E-Text).
- Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Jonas Verlag, Marburg 2007 (80 Seiten; E-Text).
- Anton Tantner: Adressierungs-Fragmente. Konskriptionsnummern in Wien. In: dĂ©rive. Zeitschrift fĂŒr Stadtforschung. 11 (E-Text).
- Bernhard Wittstock: Die Berliner Hausnummer von den AnfÀngen Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart im deutschen und europÀischen Kontext. Pro Business Verlag, Berlin 2008 (Sammlung von Materialien zur Berliner und europÀischen Hausnummerierung mit Hinweisen zum zeitgenössischen Umfeld; 5 BÀnde, 2828 Seiten).
- Bernhard Wittstock: Ziffer Zahl Ordnung. Die Berliner Hausnummer von den AnfÀngen Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart im deutschen und europÀischen Kontext. Dissertation an der Technischen UniversitÀt Berlin, FakultÀt VI Planen Bauen Umwelt, Berlin 2011.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- WebprĂ€senz von Anton Tantner (mit âGalerie der Hausnummernâ und Weblog zur Hausnummernforschung)
- Bekanntmachung der allgemeinen EinfĂŒhrung fester Hausnummern im Königreich Hannover 1857 ( vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF; 104 kB)
- Catherine Farvacque-Vitkovic, Lucien Godin, Hugues Leroux, Florence Verdet, Roberto Chavez: Hausnummern weltweit (Weltbank). (PDF; 5,41 MB) Street Addressing and the Management of Cities. In: siteresources.worldbank.org. The World Bank, 2005, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 1. Januar 2013 (englisch).
- Berliner Verordnung ĂŒber die GrundstĂŒcksnummerierung (Nummerierungsverordnung â NrVO) vom 9. Dezember 1975
- Hinweise der AdV zu amtlichen Hauskoordinaten
- Geschichte der Hausnummern. In: 360.here.com. Archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) (englisch).
- Beschriftung von Hausnummernschildern nach DIN 275
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Beispiele historischer Hausnummern in Galerie der Hausnummern abgerufen am 6. November 2022.
- â Berliner Verordnung ĂŒber die GrundstĂŒcksnummerierung vom 9. Dezember 1975, zuletzt geĂ€ndert am 10. Dezember 1990.
- â Hamburgische Bauordnung (HBauO) vom 14. Dezember 2005, zuletzt geĂ€ndert am 28. Januar 2014 (PDF; 1,08 MB).
- â Familia Austria â Hausnummern im alten Ăsterreich. Abgerufen am 17. Juni 2025.
- â Karl-Albrecht Kubinzky: Grazer StraĂen: 1.900 NamensdenkmĂ€ler. In: Stadt Graz (Hrsg.): BIG (BĂŒrger:inneninformation Graz). MĂ€rz. Graz 2014, S. 22â23 (steiermark.at [PDF]).
- â Stadtportal der Landeshauptstadt Graz, Sonja Ritter: Hausnummerntafel. Abgerufen am 17. Juni 2025.
- â Stadt Linz: Hausnummerntafeln â einheitliche Gestaltung und AusfĂŒhrung. In: www.linz.at. Abgerufen am 17. November 2023.
- â Pressemitteilung vom 4. Dezember 2008 ĂŒber die 500. grĂŒne Hausnummer im Saarland ( vom 4. Juni 2009 im Internet Archive).
- â Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Jonas Verlag, Marburg 2007, S. 16â24.
- â Wiener Adressen. Die EinfĂŒhrung der Hausnummern. In: www.dieuniversitaet-online.at. UniversitĂ€t Wien, 22. Juli 2002, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 23. Juni 2014; abgerufen am 29. April 2023.
- â Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Jonas Verlag, Marburg 2007, S. 25â37.
- â Franz-Josef Sehr: Hausnummer â Eine wichtige Orientierung fĂŒr RettungskrĂ€fte. Wiesbadener Tagblatt, 23. MĂ€rz 2005, ZDB-ID 1128578-3.
- 1 2 Anton Tantner: Die HĂ€usernummerierungen. In: Sylvia Mattl-Wurm, Alfred Pfoser: Die Vermessung Wiens. Lehmanns AdressbĂŒcher 1859â1942. Metroverlag, Wien 2011, ISBN 978-3-99300-029-3 (formal falsche ISBN, korrigierte ISBN 978-3-99300-029-5), S. 263.
- â Polizeiverordnung betreffend die Bezeichnung der Strassen, Thore, öffentlichen PlĂ€tze, Werfte etc. und die Nummerirung der HĂ€user in dem innerhalb des Stadtbau- und Stadterweiterungs-Planes liegenden Theile der Ober-BĂŒrgermeisterei DĂŒsseldorf nebst Nummerirungs-Register und Nummerirungs-Plan, Stahlâsche Buchdruckerei, DĂŒsseldorf 1858 (uni-duesseldorf.de)
- â Hansestadt Hamburg, Amt fĂŒr Bauordnung und Hochbau ( vom 6. Juni 2014 im Internet Archive)
- 1 2 Wolf-Henning Petershagen: Der Weg zur modernen Adresse. Stadt Ulm, abgerufen am 11. Januar 2025.
- â Wilma Sedelmeier: Hausnummern-Poker: Augsburger Spezialregeln im Blickpunkt. Stadt Augsburg, abgerufen am 11. Januar 2025.
- â Die Neuburger Hausnummern. GroĂe Kreisstadt Neuburg an der Donau, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- â 1940 GroĂer Silva-Stadtplan von Berlin. Abgerufen am 13. August 2022.
- â Landeshauptstadt MĂŒnchen: Bemerkenswertes, Kurioses und AlltĂ€gliches ( vom 2. August 2018 im Internet Archive)
- â kuschk: Thereâs No One Way to Number a House: House Numbering Around the World ( vom 14. Februar 2016 im Internet Archive). The Basement Geographer, 16. Dezember 2010.
- â Bis zu 1.000 Euro Strafe. Viele Hausnummern sind vorschriftswidrig. In: www.t-online.de. t-online, 11. Februar 2023, abgerufen am 16. Januar 2024.
- â Department Mathematik, Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg. Archiviert vom am 22. Januar 2010; abgerufen am 21. September 2011.
- â FlĂ€chenwidmungs- und Bebauungsplan. Abgerufen am 13. August 2022.
- â Benennung von GebĂ€uden. In: www.wien.gv.at. Abgerufen am 15. MĂ€rz 2019.
- â Nummerierung von Nutzungseinheiten. In: www.wien.gv.at. Abgerufen am 15. MĂ€rz 2019.
- â Richtlinien fĂŒr die wegweisende Beschilderung auĂerhalb von Autobahnen. Nr. 9.4.
- â 190 Jahre HĂ€usernummerierung in Wien. Stadt Wien Presse-Service, 7. MĂ€rz 1960, abgerufen am 31. Mai 2026.
- â Adress-GWR-Online (PDF; 116Â kB) Seite 12 Punkt 2.2.38 (Abgerufen am 3. Juni 2009).
- â Statistik Austria: AdressâGWR-Online. Handbuch Teil A Kapitel 2. Warten von Adressen, Version 0.3 22. November 2010. S. 9â10.
- â Handbuch Adress-GWR Online, S. 19.
- â Das Schweizer Registerharmonisierungsgesetz, abgerufen am 4. Juni 2009 ( vom 26. September 2009 im Internet Archive), Orientierung ĂŒber GebĂ€udeadressen. (PDF; 1,04 MB) In: www.geo.bl.ch. Vermessungs- und Meliorationsamt Kanton Basel-Landschaft, 24. Oktober 2008, archiviert vom am 4. MĂ€rz 2016; abgerufen am 28. September 2024 (Schweizer Hochdeutsch).
- â Empfehlung: GebĂ€udeadressierung und Schreibweise von Strassennamen ( vom 9. Januar 2016 im Internet Archive) Bundesamt fĂŒr Landestopografie, 2005
- â Zur Geschichte der Kölner Hausnummern: Historisches Archiv der Stadt Köln â Woher stammt bzw. wie entstand die Hausnummer 4711? ( vom 1. November 2014 im Internet Archive)
- â Hausnummer Null (2024). In: kino-zeit.de. Abgerufen am 29. April 2025.
- â Im Alten Stadtteil, Numero drei und dreissig. In: recherche.smb.museum. Staatliche Museen zu Berlin â PreuĂischer Kulturbesitz, abgerufen am 21. Januar 2025.