Louis Pio

Louis Albert François Pio (* 14. Dezember 1841 in Roskilde; â 27. Juni 1894 in Chicago) war ein dĂ€nischer SozialistenfĂŒhrer und gilt als BegrĂŒnder der Arbeiterbewegung in DĂ€nemark.
Jugend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Louis Pio wurde 1841 in Roskilde als Sohn des französischstÀmmigen Einwanderers KapitÀn Vilhelm Emil Laurent Pio und Anna Marie Brix geboren. Sein Àlterer Bruder Jean war ein bekannter PÀdagoge.[1] Nach seinem Abitur 1859 arbeitete Louis Pio als Lehrer.
Am Deutsch-DĂ€nischen Krieg 1864 nahm er als Offizier teil. 1870/71 arbeitete er bei der DĂ€nischen Post und machte dort einen Vorschlag fĂŒr einen verbesserten Briefkasten. Er kĂŒndigte diese Stellung, um sich ganz der sozialistischen Agitation zu widmen.[2]
Sozialistische Bewegung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pio war stark beeinflusst von der Pariser Kommune und dem literarischen Wirken Henri Rocheforts. 1871 gab er einige Flugschriften mit dem Titel Socialistiske Blade (Sozialistische BlĂ€tter) heraus. Im selben Jahr war er zusammen mit seinem Cousin Harald Brix Herausgeber der Wochenzeitung Socialisten (Der Sozialist). Obwohl seine ersten Artikel nur rohe Bearbeitungen deutscher Schriften waren und den dĂ€nischen VerhĂ€ltnissen kaum angepasst worden waren, legte er hier den Grundstein fĂŒr die sozialistische Bewegung in DĂ€nemark.[2]
1871 grĂŒndete er zusammen mit Blix und Paul Geleff die dĂ€nische sozialdemokratische Partei unter dem Namen Den internationale Arbejderforening for Danmark (Internationale Arbeiterassoziation fĂŒr DĂ€nemark). Bereits ein paar Monate spĂ€ter hatte sie 9.000 Mitglieder, davon 5.000 in Kopenhagen.
Gleichzeitig war Pio Hauslehrer bei einer Kammerherrin Berling und reiste im Dezember 1871 auf ihre Kosten nach Genf, um dort den Katholizismus zu studieren. Dort verwarf er jedoch seinen Wunsch, Mönch zu werden, und knĂŒpfte stattdessen Verbindungen zu marxistisch-revolutionĂ€ren Kreisen. Auf seiner Heimreise lernte er die FĂŒhrer der deutschen Sozialisten kennen.[2]
Nach seiner RĂŒckkehr im Februar 1872 trat er als âGroĂmeisterâ der dĂ€nischen Abteilung der Internationale auf, indem er von einer Neuauflage der Pariser Kommune sprach und einer darauf folgenden Revolution in Deutschland. Pio selbst erhoffte sich dann eine fĂŒhrende Stellung in DĂ€nemark.[2]
Ab 1872 erschien Socialisten tĂ€glich, und Pios polemische Angriffe gegen die Behörden und das GroĂbĂŒrgertum verstĂ€rkten sich. Am 4. Mai 1872 wurde Pio verhaftet, als er eine verbotene Arbeiterversammlung zum 5. Mai nicht absagen wollte, zu der er zuvor mit dem Artikel âMĂ„let er fuldtâ (Das MaĂ ist voll) aufgerufen hatte. Die gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Arbeitern wurden als âSlaget pĂ„ FĂŠlledenâ (Schlacht auf der Allmende) bekannt. Im MĂ€rz 1873 wurde Pio zu sechs Jahren GefĂ€ngnis verurteilt, doch in letzter Instanz wurde die Strafe im August vom Höchsten Gericht auf fĂŒnf Jahre herabgesetzt. 1875 wurde Pio wegen seines bedrohlichen Gesundheitszustandes begnadigt.[3]
Im selben Jahr wurde er Herausgeber der Zeitung Social-Demokraten, die 1874 Socialisten ablöste. 1876 wurde Pio auf dem sogenannten Gimle-Kongress der Sozialdemokraten in Frederiksberg einstimmig zum Vorsitzenden gewĂ€hlt. Doch bald wurde sein selbstherrlicher FĂŒhrungsstil kritisiert, da er sich schwer tat, sich mit den gewĂ€hlten Parteigremien zu beraten.[3]
Bei der Folketingswahl 1876 kandidierte Pio im Kopenhagener 5. Kreis und erreichte ein Drittel der Stimmen.
In dieser Zeit erlebte DĂ€nemark eine Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit stieg, die Reallöhne sanken, und die Arbeiterbewegung erlebte mehrere Niederlagen. Die Zeitung Social-Demokraten verlor viele Leser. Pio verschuldete sich.[4] Im FrĂŒhjahr 1877 erhielten er und Geleff von der Polizei 10.000 Kronen,[5] um in die USA auszuwandern. Das Geld stammte u. a. von der Werft Burmeister & Wain.[4] Dieser Vorgang wurde damals allgemein als Kombination aus Drohungen und Bestechung angesehen, um Pio aus der dĂ€nischen Politik zu verdrĂ€ngen. Es sollte Jahre dauern, bis sich die dĂ€nische Arbeiterbewegung von dieser doppelten Niederlage erholte.[4]
Exil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den USA scheiterte Pios Versuch, eine sozialistische Landkommune in Kansas zu errichten. Danach arbeitete er in Chicago als Vortragsredner und Journalist fĂŒr diverse Zeitungen skandinavischer Einwanderer, die aber nie lange existierten. 1886â88 bekam er durch Vermittlung der Demokratischen Partei eine Stelle als Zöllner. In seinen letzten Jahren war er Landagent zur GrĂŒndung einer dĂ€nischen Siedlung in Florida. Er starb 1894 an Typhus.[6]
Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sagnet om Holger Danske, 1869
- Cyprianus, 1870
- Kansas, 1877
- FuldstĂŠndig Lovbog for Hvermand: Vejledning i nordamerikansk Ret, 1879
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Benito Scocozza, Grethe Jensen: Politikens Ătbinds Danmarkshistorie. 3. Ausgabe. Politikens Forlag, Kopenhagen 2004, ISBN 87-567-7064-2 (Politikens HĂ„ndbĂžger), S. 513.
- Kenneth E. Miller: Danish socialism and the Kansas prairie. In: Kansas historical quarterly, Bd. 38 (1972), H. 2, S. 156â168.
- Kenneth E. Miller: Louis Pio and Danish settlements in America. In: American-Scandinavian Review, Bd. 59 (1971), H. 3, S. 278â285.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ăber Louis Pio (dĂ€nisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â E. Gigas: Pio, Jean FrĂ©dĂ©ric Guillaume Emile. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537â1814. 1. Auflage. Band 13: PelliâReravius. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1899, S. 122â123 (dĂ€nisch, runeberg.org).
- 1 2 3 4 Emil Elberling: Pio, Louis Albert François. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537â1814. 1. Auflage. Band 13: PelliâReravius. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1899, S. 123 (dĂ€nisch, runeberg.org).
- 1 2 Danmarkshistorie, 2005, S. 257
- 1 2 3 Danmarkshistorie 2005, S. 259
- â Das Dansk Biografisk Leksikon 1887â1905 spricht noch von 4.000 Kr.
- â Emil Elberling: Pio, Louis Albert François. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537â1814. 1. Auflage. Band 13: PelliâReravius. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1899, S. 124 (dĂ€nisch, runeberg.org).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pio, Louis |
| ALTERNATIVNAMEN | Pio, Louis Albert François (vollstÀndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | dĂ€nischer SozialistenfĂŒhrer und BegrĂŒnder der Arbeiterbewegung in DĂ€nemark |
| GEBURTSDATUM | 14. Dezember 1841 |
| GEBURTSORT | Roskilde |
| STERBEDATUM | 27. Juni 1894 |
| STERBEORT | Chicago |