My Bonnie
My Bonnie (Lies Over the Ocean) ist ein traditioneller schottischer Folksong, der erstmals 1882 von Charles E. Pratt als Bring Back My Bonnie to Me veröffentlicht wurde. Das StĂŒck entwickelte sich zu einem Evergreen und wurde u.âŻa. 1961 von Tony Sheridan und den Beatles aufgenommen.
Entstehungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ursprung des Lieds ist ungewiss; sicher ist, dass sein Titel einige Wandlungen erfahren hat. Es wird in der Literatur angenommen, dass es erstmals ab dem 16. April 1746 ĂŒber Charles Edward Stuart (genannt: Bonnie Prince Charlie) nach der Niederlage in der Schlacht bei Culloden gesungen wurde.[1][2] Send Back My Barney to Me wurde etwa 1860 von Harry Clifton geschrieben und veröffentlicht, enthĂ€lt jedoch einen anderen Text. Im Juli 1872 wird das Lied in dem New Prize Medal Song Book an neunter Stelle gefĂŒhrt. In gedruckter Form erschien der Song erstmals am 15. Januar 1881 in der 2. Auflage von William H. Hillsâ Studentsâ Songs (Cambridge (Massachusetts)) unter dem Titel My Bonnie (S. 9).[3] Das noch unbekannte Studentenlied wurde dann erstmals 1882 von Pratt unter dem Pseudonym J. T. Woods und H. J. Fulmer in der Phase der Tin Pan Alley unter dem Titel Bring Back My Bonnie to Me durch den Musikverlag T. B. Harms & Co. veröffentlicht.
Im Liedtext geht es um eine Frau, die vom Tod ihres auf See befindlichen Partners trĂ€umt (âlies over the oceanâ) und ihn sehr vermisst (âbring back my Bonnie to meâ). Die von ihr herbeigewĂŒnschten Seewinde (âthe winds have blown over the oceanâ) bringen ihn schlieĂlich zurĂŒck. âBonnieâ bedeutet auf Schottisch âhĂŒbschâ und ist meist ein weiblicher, selten ein mĂ€nnlicher Vorname.[4]
Erste Schallplattenaufnahmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alma Gluck â Bring Back My Bonnie to Me, 1918
- Ella Logan â My Bonnie Lies Over the Ocean, 1938
- Ella Fitzgerald â My Bonnie Lies Over the Ocean, 1952
- The Beatles â My Bonnie, US-Single, 1964
Es dauerte Jahrzehnte, bis die Musikindustrie das gĂ€ngige Lied aufgriff. Dabei fĂ€llt die Titelvielfalt auf, die den verschiedenen Bearbeitungen zugrunde lag. Das Haydn Quartet startete als erste Band mit dem Titel Bring Back My Bonnie to Me (aufgenommen im November 1900; Victor A-123), gefolgt von den Leake County Revelers mit My Bonnie Lies Over the Ocean (Oktober 1927; Columbia 15227-D). Die Sopranistin Alma Gluck entschied sich fĂŒr Bring Back My Bonnie to Me (September 1918; Victrola 64793), Ella Logan wĂ€hlte My Bonnie Lies Over the Ocean (Juli 1938; Brunswick 8196; Rang 8 der US-Pophitparade), unter demselben Titel ĂŒbernahmen die Mobile Strugglers das Lied (Juli 1954; AmSkBa), Ella Fitzgerald unter My Bonnie Lies Over the Ocean (August 1952; Decca 28375).
Ray Charles brachte My Bonnie als B-Seite von You Be My Baby heraus (Februar 1958; Atlantic 1196, veröffentlicht erst im August 1958), Duane Eddy verwendete bei seiner Instrumentalfassung den Titel Bonnie Came Back (Februar 1960; GB-12). Es folgten Bobby Darin (LP Bobby Darin Sings Ray Charles; November 1961, veröffentlicht im MĂ€rz 1962), Bing Crosby (Juni 1962), J.B.O. entschied sich fĂŒr My Bonnie (September 1995). My Bonnie kam als Liedform im gleichnamigen Kinofilm vor, der im September 1925 Premiere hatte. Da das Lied gemeinfrei ist, darf es von jedem bearbeitet, gecovert oder ĂŒbersetzt werden, und jeder Bearbeiter darf seinen Namen als Autor angeben.
Version der Beatles
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Der Polydor-Musikproduzent Bert Kaempfert plante Musikaufnahmen mit Tony Sheridan und fand als Begleitgruppe die in Hamburg auftretende Liverpooler Beatband The Beatles. Die Gruppe hatte sich die Ray-Charles-Fassung zum Vorbild genommen und My Bonnie bereits mehrmals bei ihren Auftritten im Hamburger Top Ten Club gespielt.[5] My Bonnie wurde am 22./23. Juni 1961 in der Friedrich-Ebert-Halle mit einem tragbaren Zweispur-TonbandgerĂ€t aufgenommen, die Produktionsleitung ĂŒbernahm Bert Kaempfert, Toningenieur war Karl Hinze.
Die Aufnahmen entstanden in folgender Besetzung:[6]
- Tony Sheridan: Rhythmusgitarre, Leadgitarre, Gesang
- John Lennon: Hintergrundgesang, HĂ€ndeklatschen
- Paul McCartney: Bass, Hintergrundgesang
- George Harrison: Leadgitarre, Rhythmusgitarre
- Pete Best: Schlagzeug
Bei My Bonnie spielte George Harrison zwar Leadgitarre, doch Tony Sheridan ĂŒbernahm das Gitarrenintro und das Gitarrensolo. Stuart Sutcliffe verlieĂ die Beatles bereits vor den Aufnahmen im Juni 1961. FĂŒr die Aufnahmesession als Begleitband von Sheridan bekamen die Beatles jeweils 175Â Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger WĂ€hrung: rund 490Â Euro).[7]
Die Erinnerungen der Beatles waren im Nachhinein eher negativ:
Paul McCartney: âSie fanden unseren Namen nicht gut und verlangten, dass wir uns in âThe Beat Brothersâ umbenannten, das sei fĂŒr das deutsche Publikum leichter zu verstehen.â John Lennon: âAls wir das Angebot bekamen, dachten wir, alles sei ganz einfach [âŠ] aber die Leute mochten unsere Platten [Lieder] nicht, sie zogen My Bonnie vor. Tony Sheridan sang und wir schrammelten im Hintergrund herum. Furchtbar! Das konnte jeder spielen.â[8]
Im Oktober 1961 wurde die Single My Bonnie (My Bonnie Lies Over the Ocean) / The Saints (When the Saints Go Marching In) (Polydor 24 673) unter dem Namen Tony Sheridan & The Beat Brothers veröffentlicht und erreichte Rang 5 in der deutschen Hitparade; es wurden 100.000 Singles in Deutschland verkauft.[9] My Bonnie hat ein Intro in deutscher Sprache, und auf der SchallplattenhĂŒlle wurde lediglich Tony Sheridan erwĂ€hnt. Eine weitere Version erschien in Deutschland im Januar 1962, ebenfalls bei Polydor (mit identischer Katalognummer), sie enthĂ€lt ein englisches Intro.
In GroĂbritannien kam die Single erst im Januar 1962 auf den Markt und konnte sich dort auf Rang 48 in den Charts platzieren. Die britische Version fĂŒhrt auf dem Label als Interpreten Tony Sheridan & The Beatles auf, somit wurden die Beatles hier als KĂŒnstler erstmals auf einer Schallplatte erwĂ€hnt.[10] Der spĂ€tere Beatles-Manager Brian Epstein orderte 200 StĂŒck fĂŒr seinen Liverpooler Plattenladen NEMS. In den USA kam die Platte erst im Januar 1964 wĂ€hrend der sogenannten British Invasion (MGM K 13213) auf den Markt, gelangte im Februar 1964 bis auf Rang 26 und verkaufte dort 300.000 Exemplare. Insgesamt verkaufte sich die Single bis 1964 weltweit ĂŒber eine Million Mal.[9]
Verbreitete Textvariante
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]My Bonnie (Lies Over the Ocean)
[Strophe 1]
My Bonnie lies over the ocean.
My Bonnie lies over the sea.
My Bonnie lies over the ocean.
Oh, bring back my Bonnie to me.
[Refrain:]
Bring back, bring back,
Oh, bring back my Bonnie to me, to me.
Bring back, bring back,
Oh, bring back my Bonnie to me.
[Strophe 2]
Last night as I lay on my pillow,
Last night as I lay on my bed,
Last night as I lay on my pillow,
I dreamt that my Bonnie was dead.
[Refrain]
[Strophe 3]
The winds have blown over the ocean.
The winds have blown over the sea.
The winds have blown over the ocean,
And brought back my Bonnie to me.
[Refrain]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]My Bonnie machte zunĂ€chst eine Wandlung vom Studentenlied ĂŒber ein Kinderlied zum Shanty durch, bevor es von der Popmusik entdeckt wurde. Dort fand es stilĂŒbergreifend Verwendung, von Old-Time Music (VorlĂ€ufer der Country-Musik; Leake County Revelers) ĂŒber Jazzversionen (Ella Fitzgerald), Rhythm and Blues (Ray Charles) bis hin zu Rock ânâ Roll (Beatles). Auch DJ Ătzi nahm den Evergreen auf (April 2001). Insgesamt bestehen mindestens 44 Versionen.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Deepti Menon, Arms And The Woman, 2002, S. 260.
- â James Hogg, The Forest Minstrel, 2006, S. 366.
- â Dan Worrall: Tom Maguire, A Forgotten Late Nineteenth Century Irish Vocalist, Comedian, Concertinist, and Songwriter. ( vom 18. Mai 2015 im Internet Archive) (PDF; 833 kB) 2. Juni 2010, S. 10 f.
- â Male & Female Names, Bonnie ( vom 28. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
- â Scott Wheeler, Charlie Lennon: Uncle to a Beatle, 2005, S. 174 ff.
- â Begleitbuch zu Beatles Bob-Hamburg Days ISBN 3-89795-805-8, S. 58.
- â KĂŒnstlerquittung. Abgerufen am 3. MĂ€rz 2026.
- â The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 59.
- 1 2 Joseph Murrells: The Book of Golden Discs: The Records That Sold a Million. 2. Auflage. Limp Edition, London 1978, ISBN 0-214-20512-6, S. 139â140.
- â Begleitbuch zu Beatles Bob-Hamburg Days ISBN 3-89795-805-8, S. 88.