Zum Inhalt springen

NSU Prima

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
NSU Prima D in Mitroparot. Sie war außerdem in JadegrĂŒn, Blau und Schwarz lieferbar.[1]

Unter dem Namen NSU Prima bauten die NSU-Werke in Neckarsulm Motorroller, die die in Innocenti-Lizenz seit 1950 hergestellte NSU Lambretta ablösten und unabhĂ€ngig vom Lizenzvertrag nicht nur in Deutschland verkauft wurden, sondern auch exportiert werden konnten. Die erste AusfĂŒhrung, die Prima D, kam 1956 auf den Markt und wurde etwa ein Jahr lang neben der Lambretta angeboten, deren Produktion 1956 nach einer StĂŒckzahl von 117.043 endete.[2] In der NSU-Hauszeitschrift hieß es Anfang 1956: „Haben Sie bitte VerstĂ€ndnis dafĂŒr, daß die NSU-Prima zunĂ€chst ins Ausland geliefert werden muß. Ab April gibt’s die Prima auch in Deutschland.“[1] Bis zum Ende der Produktionszeit im Jahr 1964 wurden 160.645 NSU-Roller unter der Bezeichnung „Prima“ hergestellt.[2] Die nicht mehr benötigten Produktionsanlagen wurden mit einem 1963 geschlossenen Vertrag an den jugoslawischen Hersteller Pretis nach Vogoơća bei Sarajevo verkauft, wo die Prima III und V unter dem Namen NSU-Pretis fĂŒr den jugoslawischen Markt hergestellt wurden. Die Produktion endete jedoch auch hier im Jahr 1964, als Pretis die KapazitĂ€ten fĂŒr die Aufnahme der Produktion von NSU-Pkw benötigte.

NSU Prima D von 1956 bis 1960

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NSU Prima D entsprach technisch weitgehend der letzten Version der Lambretta. Sie hatte einen verwindungssteifen Stahlrohrrahmen und eine Ganzstahlkarosserie auf Gummipuffern mit dem fĂŒr Motorroller typischen freien Durchstieg, einen weit hochgezogenen Frontschild und zwei SchwingsĂ€ttel. Die hinteren Seitenteile waren mit einem Drehgriff leicht zu lösen und abzunehmen. Wie bei der Lambretta war der Motor innerhalb der Verkleidung vor dem Hinterrad eingebaut. Das Hinterrad wurde an einem Schwingarm mit Schraubendruckfeder und hydraulischem StoßdĂ€mpfer gefĂŒhrt, das Vorderrad an einer gezogenen Kurzarmschwinge. Die RĂ€der waren austauschbar, sodass das serienmĂ€ĂŸige Ersatzrad vorn und hinten eingebaut werden konnte.

Statt des Rohrlenkers der Lambretta hatte die Prima einen Profil-Pressstahllenker, in den die Kabel und BowdenzĂŒge verdeckt eingefĂŒgt waren, ein Armaturenbrett mit Tachometer, Anlass-Licht-ZĂŒndschalter sowie Knopf fĂŒr Starterklappe und BenzintupferbetĂ€tigung. Eine Zeituhr wie bei der Lambretta gab es nicht. Des Weiteren unterschied sich die Prima von der Lambretta durch reichliche Chromverzierungen und eine in einem Chromrahmen zusammengefasste Einheit von Scheinwerfer und Hupe.[2]

Der Motor war ein fest in den Rahmen eingebauter, geblĂ€segekĂŒhlter[3] Einzylinder-Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 146 cmÂł und einer Leistung von 6,2 PS. Mit einem Drehgriff links am Lenker wurde das Dreiganggetriebe geschaltet. Über eine Mehrscheibenkupplung, Kardanwelle[4] und KegelrĂ€der wurde das Hinterrad angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 80 km/h, die BergsteigfĂ€higkeit im ersten Gang (mit zwei Personen) bei 31,5 %.[1]

NSU Prima V und III von 1957 bis 1964

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
NSU Prima III

Die 1957 vorgestellte Prima V („FĂŒnfstern“[5]) war eine Neukonstruktion mit Zentralrohrrahmen und Triebsatzschwinge, das heißt, Motor und Getriebe schwangen ĂŒber einen Drehpunkt mit. Das Vorderrad wurde in einer geschobenen Schwinge gefĂŒhrt. Der Motor hatte einen Hubraum von 175 cmÂł und leistete 9,5 PS. Zu den weiteren Verbesserungen gehörte ein Vierganggetriebe mit einer Fußschaltwippe. Die Kardanwelle zur KraftĂŒbertragung wurde beibehalten. Neu war auch das Armaturenbrett mit Tachometer, Kontrollanzeigen fĂŒr ZĂŒndung und Tankinhalt sowie Zeituhr. Ferner gab es serienmĂ€ĂŸig eine Lichthupe sowie einen Nebelscheinwerfer auf dem vorderen KotflĂŒgel, und auf Wunsch war anstelle der SchwingsĂ€ttel eine Doppelsitzbank lieferbar.[2] Die Farben waren Saharabeige, Delphinblau, TundragrĂŒn oder Ziegelrot.[6]

Die zur gleichen Zeit angebotene Prima III („Dreistern“) war die geringfĂŒgig preisgĂŒnstigere AusfĂŒhrung mit einem 7,4 PS starken 146-cmÂł-Motor sowie ohne Nebelscheinwerfer und Lichthupe. Mit einem Kaufpreis von 1.648,00 DM betrug die Ersparnis gegenĂŒber der Prima V 147,00 DM.[6]

Im November 1959 brachte NSU zusĂ€tzlich die Prima III K und III KL heraus, ebenfalls mit dem 146-cmÂł-Motor, aber mit Kickstarter statt Elektroanlasser sowie ohne Armaturenbrett und Ersatzrad. Die III K kostete 1.389,00 DM und unterschied sich von der III KL fĂŒr 1.446,00 DM durch geringeren Chromschmuck. Die Standardfarbe der III K war Elfenbein, die der III KL Delphinblau. Auch fĂŒr diese Modelle war die Doppelsitzbank zu haben.[6]

Technische Daten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Prima D Prima V Prima III Prima III K
Baujahre 1956–1960 1957–1964 1957–1964 1958–1964
Motor geblĂ€segekĂŒhlter Einzylinder-Zweitaktmotor
Steuerung Kolbenkantensteuerung
Bohrung × Hub 57 × 58 mm 62 × 57,6 mm 57 × 57,6 mm
Hubraum 146 cmÂł 175 cmÂł 146 cmÂł
VerdichtungsverhĂ€ltnis 6,0 : 1 6,35 : 1 6,5 : 1
Leistung 6,2 PS (4,6 kW) bei 5200/min 9,5 PS (7 kW) bei 5200/min 7,7 PS (5,7 kW) bei 5200/min
Vergaser Bing AJ 1/16/38 Bing 1/24/112 Bing 1/22/105
Motorschmierung Zweitaktgemisch
ZĂŒndung Batterie, 6 V Batterie, 12 V Magnet, 12 V
Anlasser elektrisch Kickstarter
Getriebe 3-Gang
mit Drehgriffschaltung
4-Gang mit Fußschaltwippe
Kupplung Mehrscheibenkupplung
Endantrieb KegelrÀder und Kardanwelle auf Hinterrad
Rahmen Rohrrahmen
Maße (L × B × H) 1910 × 680 × 950 mm 1920 × 650 × 965 mm 1780 × 680 × 965 mm
Radstand 1240 mm 1230 mm
RadaufhÀngung vorn gezogene Kurzarmschwinge
mit 2 Schraubendruckfedern
geschobene Langarmschwinge
mit Schraubenfeder, hydraulisch gedÀmpft
RadaufhÀngung hinten Schwingarm
mit 2 Schraubendruckfedern,
hydraulisch gedÀmpft
Triebsatzschwinge mit Schraubenfeder, hydraulisch gedÀmpft
Reifen 4,00 × 8″ 3,50 × 10″
Bremsen Trommelbremsen
Leergewicht 123 kg 138 kg 131 kg
Tankinhalt 7,3 Liter 12 Liter
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h 90 km/h 84 km/h
Verbrauch 2,7 l/100 km 2,5–3 l/100 km 2,5 l/100 km
Preis 1.595,00 DM (1956) 1.795,00 DM (1957) 1.648,00 DM (1959) 1.248,00 DM (1962)
StĂŒckzahl 76.911 31.518 29.010 23.206

Technische Daten laut Peter Schneider: Die NSU-Story, ISBN 978-3-613-03397-9

Geplantes Nachfolgemodell

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolgemodell der NSU Prima sollte 1960 eine NSU Maxima eingefĂŒhrt werden, ein Roller mit einem modifizierten 175-cmÂł-Viertaktmotor aus dem Motorrad NSU Maxi sowie Antrieb ĂŒber eine Rollenkette. Die Motorleistung sollte bei 10,5 PS liegen, die Höchstgeschwindigkeit bei 95 km/h. Zur Serienproduktion kam es nicht.[2]

Einzelnachweise und ErlÀuterungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Zeitschrift Besser fahren. Veröffentlichung der NSU-Werke, Neckarsulm 1956, DW 4004 4000 1611.
  2. 1 2 3 4 5 Peter Schneider: Die NSU-Story. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03397-9.
  3. ↑ Im Datenblatt genau genommen schreibt NSU: „MotorkĂŒhlung durch Turbine“. Siehe Technisches Datenblatt
  4. ↑ Es war eine kurze Welle ohne Gelenke, die als Kardanwelle bezeichnet wurde.
  5. ↑ Qualifizierung in Anlehnung an die Auszeichnung fĂŒr Restaurants, auf einer Plakette neben dem Schriftzug „prima“ am Frontschild angezeigt
  6. 1 2 3 Peter Schneider: Typenkompass NSU MotorrĂ€der 1900–1966. 1. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02628-5.